28. Februar – Nach Mandalay


P1050513Ein wunderschöner Sonnenaufgang über dem nebelverhangenen See weckt mich heute morgen kurz vor 7. 

Zum Aufstehen ist es noch ganz entschieden zu früh.

Deshalb – nur schnell ein paar Fotos und dann wieder zurück ins Bett …

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Gestern hatten wir bei Rück-Bestätigung des Fluges erfahren, dass der Abflug von 10:30 auf 11:30 verschoben wurde – also Zeit für ein gemütliches Frühstück. Gegen 10:00 waren wir am Flughafen, dort hieß es, dass der Flug jetzt erst um 13:00 Uhr geht . Für Burma ist das normal, man muss das einfach hinnehmen.

Deshalb sitzen wir im Moment auf harten Plastik-Sitzen in einer Art Lagerhalle, nicht klimatisiert und entsprechend warm (für Domestic Flüge gibt es nach wie vor keinerlei Komfort). Um uns herum ausschließlich Burmesen, die mich und mein Netbook wie ein exotisches Tier betrachten.

Wir nehmen es locker –  dies ist unsere 4. Myanmar-Reise und wir sind daran gewöhnt, dass Flüge selten so gehen wie gebucht. Man kann schon froh sein, wenn sie nicht komplett gestrichen werden. Deshalb muss man auch wirklich jeden Flug am Vortag rück-bestätigen lassen, sonst verpasst man auch mal einen Flieger – die Flugzeiten werden fast täglich geändert, wir sind fast noch nie wirklich zu der Zeit geflogen, die ursprünglich im Ticket stand.

Irgendwann ging’s dann schließlich doch los. Das Gepäck wurde auf einer uralten Riesen-Waage gewogen, bekam einen Gepäckanhänger mit Gummiband, wurde von Hand auf Gepäckwagen gelegt und zum Flugzeug geschleppt. Förderbänder, elektronische Waagen, Computer sucht man hier vergebens – Tickets und Bordkarten werden von Hand ausgestellt, der Flug nicht über digitale Anzeige und Lautsprecher aufgerufen, sondern es geht jemand mit einem Schild, auf dem die Flugnummer steht, herum und ruft laut „Flight 272 to Mandalay is now ready for boarding!!!!“

Nach einer guten Stunde – und heftigen Böen kurz vor der Landung – waren wir in Mandalay. Der Flughafen, auf dem täglich sicher nicht mehr als 10 Flüge ankommen bzw. abgehen, mutet gespenstisch an – riesengroß, nagelneu, aber total leer. Mit uns kam noch ein Flug aus China an, und obwohl es etliche Gepäckbänder gibt, wurde das Gepäck beider Flüge auf dem selben Band entladen. Wahrscheinlich funktioniert nur ein Band …

Aus Schaden klug geworden – beim letzten Mal bekamen wir kein Taxi mehr, weil wir zu lange getrödelt hatten und schafften es nur noch mit viel Glück, mit dem Bus des Flughafen-Personals nach Mandalay zu kommen, bevor der Flughafen für die Nacht abgeschlossen wurde – beeilten wir uns, zum Taxi-Stand zu kommen, und zahlten erfreulich günstige 4.000 Kyat pro Person. Wir hatten eigentlich mit rund 15.000 Kyat gerechnet …

Der günstige Preis erklärte sich allerdings schnell – wir hatten dummerweise kein Taxi gebucht, sondern einen Platz in einem Minibus, der so klapprig und dreckig aussah, dass ich ernste Zweifel hatte, ob er die 40km bis zur Stadt noch schaffen würde. Als alle Sitze belegt und das Gepäck verstaut war, ging es keineswegs los, sondern es wurde noch ein weiterer Passagier eingeladen, der sich hinten zwischen Dieter und mich quetschte, so dass Dieter überhaupt nicht wusste, wohin mit seinem Beinen.

Aber Protest ist in Burma zwecklos, da muss man durch.

50 heiße und staubige Minuten später – Air Condition gibt es hier in keinem Verkehrsmittel – und ziemlich durchgeschüttelt, kamen wir im Sedona Hotel an. Wir bekamen ein Zimmer im obersten Stockwerk, mit Blick auf die Anlage des Königspalastes und den Mandalay Hill.
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Es ging schon auf den Abend zu, wir wollten uns noch nach einem Motorrad umsehen und nahmen deshalb ein Fahrrad-Trishaw zum Uhrenturm – wir beide zusammen, Rücken an Rücken, für 2.000 Kyat.

Das war zwar eigentlich viel zu teuer, aber bei den armen Rikscha-Fahrern bringe ich es einfach nicht übers Herz, zu feilschen. Weil Sonntag war, durfte der Fahrer am Palast-Graben entlang fahren, deshalb ging es recht flott. An Werktagen sind die Fahrrad-Rikschas von dieser Hauptverkehrsstraße verbannt und müssen lange (und staubige) Umwege fahren.

Mr. Htoo, bei dem wir das letzte Mal ein Motorrad gemietet hatten, gab es nicht mehr, aber direkt daneben, bei Jerry, wurden wir fündig. 10$ pro Tag sollte ein Motorrad kosten, da wir aber erst ab 11 Uhr mieten wollten, reduzierte Jerry den Preis auf 7$ und wir schlugen ein.

Anschließend machten wir uns auf die Suche nach einer kleinen Eckkneipe, wo wir zwei Jahre zuvor wunderbar gesessen und superfrisches Myanmar Beer vom Fass bekommen hatten, und fanden sie auch schnell. Zwar war es nicht mehr die alte Kneipe, sondern ein inzwischen komplett renoviertes und aufgemöbeltes kleines Restaurant und hieß jetzt „Rainbow“, aber man kann immer noch auf einer Art Veranda sitzen, das Straßen-Treiben beobachten, es waren immer noch fast ausschließlich Einheimische da, das Bier war immer noch frisch, eiskalt und billig – und Erdnüsse gab es ebenfalls immer noch zum Bier.

Ich hätte stundenlang einfach dort sitzen und gucken können, es gibt so viel zu sehen: Direkt gegenüber ist ein einfaches burmesisches Lokal, wo überm offenen Feuer gekocht und gebraten wird und immer viel Betrieb ist. Leute halten kurz an, holen sich in der Kneipe ihr Abendessen in Plastiktüten oder auch ihr Bier – ebenfalls in der Plastiktüte.
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Auch auf offener Straße wird gekocht und gebacken.
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Fahrrad-Rikschas, beladen mit allem, was nur vorstellbar ist – von meterlangen Wasser-Rohren oder Bambus-Stangen, riesigen Holzplatten, Bergen von Reis-Säcken bis hin zur kompletten Sanitär-Ausstattung eines Hauses, fahren vorbei.
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Essen wollte Dieter dort nicht, obwohl es nicht schlecht aussah, deshalb gondelten wir mit unserem Rikscha-Fahrer wieder zum zurück.

Später wollten wir noch zu einem Laden in der Nähe gehen, um Wasser zu kaufen. Wie üblich endet die Straßenbeleuchtung an der Ecke des Palastgrabens, dahinter herrscht pechschwarze Nacht. Wir waren die Strecke schon X-Mal gegangen und kannten uns aus mit den Tücken des Fußweges – plötzliche Löcher oder größere Steine und immer wieder endet der Gehweg unerwartet.

Da Gehwege hier – sofern vorhanden – rund 30cm hoch sind, muss man jedes Mal einen Riesenschritt nach unten machen. Deshalb hatten wir auch meist eine Taschenlampe dabei, heute hatte ich sie allerdings im Zimmer vergessen.

Als ich gerade dachte, wir sollten besser auf die andere Seite wechseln, da der Gehweg dort besser ist, stolperte ich über eine Gehwegkante und fiel der Länge nach hin. Ein rasender Schmerz schoss durch meinen linken Knöchel und mein rechtes Knie, mir wurde total schlecht. Zwei Frauen waren sofort an meiner Seite, halfen mir auf, massierten das Bein – und ich jaulte vor Schmerz, als sie die verletzten Stellen drückten.

Sie riefen einen Rikscha-Fahrer herbei, der irgendeine Flüssigkeit brachte, die sie mir mit festen Griffen in den Fuß rieben. An Gehen war nicht zu denken, deshalb fuhren wir mit der Rikscha ins Hotel zurück. Dort humpelte ich unter den mitfühlenden Blicken des Personals und gestützt vom Portier in die Lobby, der Fuß wurde erst mal mit viel Eis versorgt, anschließend ging’s aufs Zimmer.

Angesichts der rasenden Schmerzen hatte ich die Befürchtung, es könne etwas gebrochen sein. Eine Kühl-Binde, fest um den Knöchel gewickelt, brachte etwas Linderung. Zum Glück hatte der Schmerz im Knie nachgelassen, so dass zumindest dort Entwarnung angesagt schien.

Nach einiger Zeit der Kühlung ließ auch der Schmerz im Fuß etwas nach, aber wenn ich die Zehen bewegte, schoss es jedes Mal wie Feuer durch den Fuß. Die Binde half aber ganz gut und stabilisierte den Fuß, so dass ich einigermaßen schlafen konnte.

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