16. März – Vom Goldenen Land ins Land der Langsamkeit

Wir waren superpünktlich – schon um 6 Uhr hatten wir ausgecheckt, unsere letzten Kyats zur Bezahlung der Rechnung im Traders ausgegeben und saßen beim Frühstück, noch vor 6:30 im Taxi und da unser Taxifahrer offenbar ein verhinderter Rennfahrer war, waren wir schon um 6:45 am Flughafen, unser Flieger nach Bangkok sollte um 8:30 gehen.

Der Check-in ging schnell und reibungslos, sogar dass wir fast 3 kg mehr Gepäck hatten als bezahlt war, wurde anstandslos und ohne Nachzahlungsforderung akzeptiert. Der Flughafen Yangon war in den letzten beiden Jahren ziemlich aufgemotzt worden, es gibt jetzt ein Café mit sehr bequem aussehenden Sesseln und ein paar Duty-free Shops, aber ansonsten wenig Sitzgelegenheiten, so dass wir gleich zum Gate durchgingen und es uns dort mit unseren Büchern bequem machten. Auf der Anzeigetafel war die Abflugzeit pünktlich mit 8:30 angegeben, mich beunruhigte nur, dass am Rüssel kein Flieger stand, denn eigentlich müsste die Maschine aus Bangkok längst gelandet sein.

Mit einer gewissen Besorgnis beobachteten wir, dass sich draußen immer mehr Nebel zusammenbrauten, bald konnte man kaum noch was sehen. Und deshalb kam, wovor wir so sehr gebangt hatten – die Ansage, dass sich unser Flug wegen des schlechten Wetters verspäten würde! Wir hatten nichts mehr gefürchtet als das, denn unsere Umsteigezeit in Bangkok zum Flieger nach Luang Prabang war mit weniger als 2 ½ Stunden verdammt knapp.

Da wir mit dem Billigflieger Air Asia unterwegs waren, der das Gepäck nicht auf einen anderen Flug durchcheckt, mussten wir total nach Thailand einreisen, also durch die Passkontrolle und alles, zudem unser Gepäck holen und dann komplett neu bei Bangkok Air einchecken und wieder durch die Immigration. Dafür rechnete wir mit mindestens 1½ Stunden, falls alles glatt ging und die Koffer früh auf dem Band waren. Mehr als maximal eine Stunde Verspätung war also nicht drin.

Ein neben uns sitzender junger Mann hatte offenbar bei den Hostessen nachgefragt, ob die Maschine, die morgens aus Bangkok kommen und dann mit uns zurück sollte, denn eigentlich schon da sei und anscheinend die Auskunft bekommen, die Maschine sei da, könne aber wegen des Nebels nicht starten. Ich glaubte davon kein Wort, denn wenn sie da wäre, hätte sie am Rüssel stehen müssen, es machte keinen Sinn, dass sie angeblich woanders stand.

Also fragte ich selbst nach, denn insgeheim befürchtete ich, dass die Maschine noch gar nicht in Bangkok losgeflogen sei. Die Dame behauptet jedoch, die Maschine sei praktisch da, könne jedoch nicht landen und kreise deshalb um Yangon herum. So bald der Nebel weg sei, könnten wir fliegen.

Inzwischen war es 9:00 Uhr, wir hätten seit einer halben Stunde in der Luft sein sollen und mein Nervenkostüm franste merklich aus. Nachdem eine MAS-Maschine startete und auch mehrere Air Bagan Maschinen in die Luft gingen, kam endlich die erlösende Ansage, unser Flug werde um 9:30 abheben. Kurz darauf landete die Air Asia Maschine auch tatsächlich, sie wurde in Windeseile entladen, wir konnten an Bord gehen und waren tatsächlich kurz nach 9:30 auf dem Weg nach Bangkok.

In Bangkok der nächste Schock: Statt am Terminal aussteigen und lossprinten zu können, rollten wir endlos über den Flughafen und blieben schließlich in der hintersten Ecke stehen. Mit dem Bus ging’s dann im Schneckentempo zum Terminal, dort hechteten wir die Rolltreppen hoch und zur Immigration. Zum Glück war da nichts los, wir waren in Windeseile durch.

Aber jetzt mussten wir auf’s Gepäck warten. Ich wurde immer unruhiger, und um 11:45, nur eine gute Stunde vor unserem Weiterflug nach Luang Prabang, lief ich los zum Bangkok Airways Schalter, um uns schon mal einzuchecken. Dort erklärte ich unsere Notlage und die Dame meinte, sie fertige schon mal die Bordkarten aus. Dann schon wieder ein Schock – sie wollte die Kreditkarte sehen, mit der gebucht worden war, das war aber Dieters Karte. Ohne Kreditkarte gab’s keine Bordkarte, also machte ich mich auf die Suche nach Dieter, wobei die Dame am Schalter noch freundlich lächelnd sagte „You have ten more minutes, if you have not presented your luggage and creditcard by then, you’ll miss the flight.“ Kein Dieter weit und breit, so dass ich nach ein paar Minuten entnervt zum Schalter zurückging – dort kam Dieter mir entgegen, wir hatten uns wohl knapp verpasst.

Endlich bekamen wir die Bordkarten und hetzten zur Passkontrolle. Endlose Schlangen, aber das war mir egal, ich drängelte mich vor, rief „Please let us pass, our flight was late and we have to board in 10 minutes“ (was etwas übertrieben war, aber mehr als 20 Minuten hatten wir wirklich nicht mehr und der Flughafen hat verdammt lange Wege). Nicht gerade begeistert ließ man uns vor, sogar der muffige Beamte beeilte sich und wir hechelten erneut durch die Gänge. Unser Gate C2A war natürlich in der hintersten Ecke – aber oh Wunder, wir schafften es rechtzeitig und atmeten erst mal tief durch.

Das sind so die Freuden der Billigflieger, wo das Gepäck nicht durchgecheckt wird und denen es egal ist, ob man einen Anschluss verpasst oder nicht. Aber bei einem Flugpreis von nur 20€ pro Person bei Air Asiastatt z.B. 250$ mit Thai Airways von Yangon nach Bangkok verschmerzt man so manches.

Die nächsten 1½ Stunden im Flieger waren die reine Erholung und wir waren schon wieder ganz gut drauf, als wir in Luang Prabang ankamen, wo es allerdings fast genauso trüb und diesig war wie in Yangon.

Wir machten gleich Bekanntschaft mit der laotischen sozialistischen Bürokratie, weil wir kein Visum hatten. Erst zum einen Schalter, Visumantrag und Fotos abgeben. Dann zum nächsten, Gebühr bezahlen. Dann am dritten Schalter anstellen, um die notwendigen Einreisestempel zu bekommen – hier kennt man sich mit ABM-Maßnahmen offenbar bestens aus. Und die typisch laotische Langsamkeit kam auch noch hinzu …

Als nächstes stellten wir fest, dass der ATM im Flughafen kein Geld ausspuckte. Wir wussten aber, dass es in der Stadt ein paar ATMs gibt, also zahlten wir das Taxi mit Dollar (6 $) und fuhren erst mal ins Hotel

Das Lotus Villa liegt in einer ruhigen kleinen Seitenstraße, ein paar Meter vom Mekong entfernt und machte einen netten Eindruck.
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Von unserem Zimmer war ich zunächst weniger begeistert. Da es komplett mit dunklem Holz getäfelt ist, ist es erschreckend dunkel. Erschwerend kam hinzu, dass es draußen ziemlich finster geworden war, keine Sonne weit und breit, obwohl es erst kurz nach 15 Uhr war. Im Zimmer gab es keinen Kleiderschrank, nur ein paar Haken mit Bügeln, und auch keinerlei sonstigen Stauraum wie Kommode, deshalb ging das Auspacken schnell – das Waschzeug kam raus, ein Rock und zwei Hemden von Dieter wurden aufgehängt, der Rest blieb im Koffer.
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Innenhof Lotus Villa

Wir machten uns schleunigst auf die Hufe, um Geld zu wechseln und uns wieder zu orientieren. Es war inzwischen noch düsterer geworden, und wir bedauerten, dass wir unsere Schirme nicht mitgenommen hatten – es sah verdammt nach Regen aus.

Am ersten ATM erzählten Leute, der Automat gebe kein Geld her, obwohl er Geräusche mache, als ob das Geld abgezählt werde. Also gingen wir zum nächsten, wo vor uns jemand mit Scheinen in der Hand davonging. Aber bei meiner Visacard funktionierte es absolut nicht, ich hörte nur ebenfalls das Zählgeräusch, bekam aber kein Geld.

Ein paar Meter weiter war ein Geldwechsel-Stand und da wir dringend Kip brauchten, fragte ich, ob ich auf meine Kreditkarte Geld bekommen könne. Als ich allerdings hörte, dass sie 4% Provision forderten und es zudem einen rattenschlechten Kurs gab, wollte ich es schon fast bleiben lassen. Aber was half’s, wir brauchten Geld und bekamen schließlich 500.000 Kip (knapp 50 €), wenngleich zu einem Wucherkurs.

Unseren Frust ertränkten wir erst mal in der Skandinavian Bakery mit einem Beer Lao. Wir waren dorthin geflüchtet, weil es zu donnern und zu regnen begonnen hatte und saßen kaum, als sich das Gewitter auch schon entlud. Wie in den Tropen üblich, dauerte der Spuk nur etwa 30 Minuten, dann hörte der Regen auf und es war auch merklich heller geworden. Zwar war es bereits kurz vor Sonnenuntergang, aber es war heller als am Nachmittag.

Da es ziemlich abgekühlt hatte, gingen wir ins Hotel, zogen uns wärmer an und packten unsere Schirme ein. Weil das Wäschewaschen hier unglaublich billig ist, packte ich einen Riesensack Wäsche und gab ihn an der Rezeption ab. 30.000 Kip sollte das Ganze gewaschen und gebügelt kosten, als etwa 2,50 €.

Auf der Suche nach einem Lokal zum Abendessen – die Freiluftlokale an den Flüssen kamen wegen der Nässe nicht in Frage – landeten wir dort, wo wir schon vor zwei Jahren gut gegessen hatten: Im Garden Restaurant, gegenüber der Scandinavian Bakery. Das Essen war nicht nur sehr gut – Masala Chicken und Hühnchen mit Ingwer und anderem Gemüse – sondern auch billig. Inklusive zwei große Flaschen Beer Lao zahlten wir 84.000 Kip, knapp 8 Euro.

Und dann zeigte sich doch noch eine wässrige Sonne über den Tempeldächern.
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Das feierten wir mit zwei Caipirhinas, als wir in einer Kneipe sahen, dass die Happy Hour noch nicht rum war …
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Nachdem der Tag so früh begonnen hatte, machten wir uns bald auf nach Hause und ins Bett. Dort checkten wir noch unsere Mails – aber Opodo hatte sich noch nicht gemeldet wegen der Verlegung des Fluges von Danang.

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