22. März – Verwunschene Landschaften

Abends hatte ich den Wetterbericht im Internet gecheckt – es sollte heute nur leicht bewölkt und teilweise sonnig sein – aber beim Aufwachen war von der Stadt kaum was zu sehen, dichter Nebel und die Straßen waren nass.

Und der Wetterbericht meldete plötzlich Regen für heute!

Um 8:30 standen wir dennoch vor dem Hoteleingang und wurden bald von einem zierlichen vietnamesischen jungen Mädchen angesprochen, die sich als unsere Reiseleiterin vorstellte.

Den Namen konnte ich mir allerdings nicht merken. Kurz darauf kam das Auto mit Fahrer und es ging los.

Nachdem wir Hanoi hinter uns gelassen hatten, wurde das Land sehr schnell sehr grün – überall Reisfelder, in denen Bauern mit den typischen spitzen Hüten arbeiteten. Die Fahrt war interessant und abwechslungsreich, oft hätte ich mir gewünscht, einfach von der Hauptstraße abbiegen und ein Dorf besuchen zu können, aber das stand leider nicht auf dem Plan. Und das Wetter wusste nicht so recht, was es wollte, mal kam ein paar Minuten lang fast die Sonne raus, dann war es wieder trüb.

Unser erster Stopp war Hoa Lu. Dort befand sich im 10. JH. die Hauptstadt des früheren Königreiches Dai Co Viet. Außer zwei Tempeln, die jedoch auch nicht aus dem 10., sondern dem 17. Jh. stammen, ist allerdings von der Stadt nicht übrig geblieben. Vor den Tempeln, auf einem riesigen planierten Gelände, war eine Art Markt im Gange, es parkten auch Unmengen von Bussen dort, so dass wir schon befürchteten, in einen Touristen- Auftrieb zu geraten.

Es waren auch tatsächlich massenhaft Touristen unterwegs – allerdings fast ausschließlich Vietnamesen, überwiegend Bauern aus anderen Provinzen, denn, wie uns unsere Führerin erklärte, der März ist der Monat des Reisens. Die Feldarbeit ist getan, der Reis noch nicht reif für die Ernte, dann fährt man zu den bedeutendsten Tempeln, um die Vorfahren zu ehren und um Glück und Erfolgt zu beten.

In den beiden Tempeln – vor allem dem, der König Den Dinh Tien Hoang gewidmet ist – herrschte ein unglaubliches Gedränge. Die Vietnamesen sind auch nicht besonders rücksichtsvoll, da wird schon mal der Ellenbogen eingesetzt, um weiterzukommen. Die beiden Tempel sind einer Palastanlage nachempfunden, mit Seerosen-Becken, dahinter einem kleinen Garten, einem Platz mit kleineren Seitengebäuden und am Ende der eigentliche Tempel, der aus mehreren hintereinander liegenden Räumen besteht.

Im letzten Raum war es so voll, dass wir darauf verzichteten, rein zu gehen.

Inzwischen hatte es angefangen, zu nieseln, nach dem zweiten Tempel machten wir uns auf den Rückweg zum Auto, auf dem matschigen Lehmweg nicht ganz risikofrei.

Die Weiterfahrt nach Tam Coc führte durch eine eigentlich sicher schöne Landschaft, die aber derzeit eher einer Mondlandschaft ähnelt – rechts und links der Straße sind kilometerweit riesige Flächen aufgebaggert, es liegt überall Baumaterial herum. Unsere Führerin konnte oder wollte uns jedoch nicht sagen, was hier im Gange ist – es ist jedenfalls schade um die schöne Landschaft mit ihren beeindruckenden Kalkstein-Felsen.

In Tam Coc angekommen gab es erst mal ein Mittagessen, recht gut, ein Büffet, wo wir uns aus einer riesigen Auswahl von vietnamesischen Gerichten nehmen konnten, was wir wollten. Ich probierte ein paar Sachen, die ich schon immer mal essen wollte, mir aber nicht in einem Restaurant bestellen wollte – nicht alles hat mir geschmeckt, aber hier war es ja risikolos, denn man konnte es stehen lassen und was anderes nehmen.
Und ein kleiner Knirps, der mit einer chips-Tüte kämpfte, verzauberte uns …

Anschließend kam das Highlight der Tour – eine Sampan-Fahrt durch die wunderschöne und mystische Wasserlandschaft von Ninh Binh, der so genannten „trockenen Halongbucht“. Am Bootsanleger in Tam Coc drängelten sich hunderte von kleinen Ruderbooten – allerdings wenig romantisch aus Metall gefertigt. Leider drängelten sich aber auch hunderte von Menschen, ganz überwiegend Vietnamesen, die alle die zweistündige Fahrt buchen wollten.


Zum Glück hatte der Nieselregen aufgehört, es war auch recht warm geworden, so dass wir hoffen konnten, die Fahrt ohne Regenschirme zu überstehen, denn die Boote waren ohne Dach.

Dank unserer Führerin bekamen wir relativ schnell ein Boot – skurilerweise wurde auf einem Schild darauf hingewiesen, dass nicht mehr als zwei Ausländer in einem Boot fahren dürfen, Vietnamesen durften hingegen so viele in ein Boot, wie eben reinpassten. Unsere Führerin meinte, der Grund sei die höhere Versicherung, die für Ausländer erforderlich sei, ich glaube aber eher, damit sollten möglichst vielen Bootsführerinnen ein gutes Geschäft gesichert werden, denn der Preis pro Boot betrug 60.000 VND, also ca. 2,50€ – für uns nicht viel, für Vietnamesen schon, also sollten die Ausländer möglichst viele Boote bezahlen müssen.


Durch smaragdgrüne Reisfelder, die direkt unterhalb der bizarren Kalkstein-Formationen liegen, schlängelt sich der Ngo Dong Fluss und fließt dabei durch mehrere Höhlen. Zwar war die Fahrt nicht ganz so romantisch wie erhofft, denn die Vietnamesen riefen sich lautstark Bemerkungen von Boot zu Boot zu, lachten, sangen und benahmen sich wie Teenager auf einem Schulausflug. So hatte das ganze eher eine heitere Volksfest-Atmosphäre, war aber dennoch sehr schön.



In den Höhlen hingen Stalaktiten teils so tief herab, dass vor allem Dieter den Kopf einziehen musste, in einer war es auch stockfinster, was natürlich viel Gekreische auslöste.



Nach ca. einer Stunde Fahrt weitete sich der Fluss zu einem kleinen See, wo aus Booten heraus bestickte Decken und Pflanzen verkauft wurden… dort drehten alle Boote um und es ging zurück.

In Tam Coc kauften wir uns zwei winzige Ananasfrüchte, die so geschickt geschält waren, dass sie wie Eis am Stiel gegessen werden konnten, danach ging’s wieder zurück nach Hanoi. Da die Straßen z.T. sehr schlecht sind, dauert die eigentlich nur 90km lange Strecke rund zwei Stunden.

Als wir im Melia ankamen, war es bereits kurz vor halb 6, also machten wir uns nur kurz frisch und gingen dann zu unserem Biergarten am See. Abendessen gab’s wieder im Mediterraneo, dazu einen schönen Rotwein (so langsam freue ich mich schon wieder auf den Wein zu Hause.)

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