30. Juni 2010 – Geistliche und weltliche Architektur

P1070736Am Vormittag nahmen wir uns viel Zeit, die gotische Kathedrale von Wells innen in Ruhe zu besichtigen und kamen aus den Staunen nicht mehr heraus.

Im Kreuzgang noch Rundrippen, im Inneren dann filigrane Spitzbögen mit schlanken Kreuzrippen und der Besonderheit von Wells – den Scherenbögen.

Die im 12. Jahrhundert erbaute Kathedrale ist ein architektonisches Meisterstück – die früheste gotische Kirche, die vollständig mit Spitzbögen ausgestattet ist.

Als allerdings im 14. Jh.ein massiver Vierungsturm (im obigen Bild in der Mitte) errichtet wurde, führte dies zu einer Bodenabsenkung und die Kathedrale drohte einzustürzen.

Deshalb wurden ab 1338 die inzwischen weltberühmten und einzigartigen “Scherenbögen” (scissor arches) errichtet, die die Vierungspfeiler verstärkten und dem Gebäude wieder Stabilität verliehen. Und dabei entstand etwas unglaublich Schönes …

Das Kirchenschiff birgt aber noch mehr Sehenswertes – Bischöfe und Fürsten sind hier zur letzten Ruhe gebettet.



Und wenn man nach oben schaut, gibt einiges zu bestaunen – unzählige Skulpturen zieren die Säulenkapitelle. Sie zeigen z.T. Szenen aus dem mittelalterlichen Alltag, z.B. der „Zahnweh-Mann“, das Ziehen eines Dornes aus dem Fuß oder die Verfolgung eines Brotdiebes …

Und dann die Orgel!!!

Auch in den Kreuzgängen läuft man mit dem Blick nach oben – die Rundrippen zeigen phantasievolle Verzierungen.

Über eine uralte Treppe, die zu den meist fotografierten Englands zählt, geht es hinauf zum Kapitelsaal, der aussieht, wie ein zu Stein gewordener Palmenhain.

Überall gab es weitere Details zu entdecken – wir hätten Tage in der Kathedrale zubringen können. Selbst der Seiteneingang war schön gestaltet und die Westfassade mit ihren über 300 Skulpturen ließ uns einfach nur staunen.

Aber auch an der schönsten Kathedrale hat man sich einmal satt gesehen und wir machten uns auf ins Grüne – zum Lytes Cary Manordas dem National Trust gehört (und deshalb für uns Eintrittsgeld-frei war). Teile des Hauses stammen aus dem 14. Jahrhundert, anderes wurde später hinzu gebaut. “Yet all parts blend to perfection with one another and with the gentle sunny landscape that surrounds them,“ kommentiert Nikolaus Pevsner.

Und genau so haben wir es erlebt – das Ensemble fügt sich perfekt in die sanfte sonnige Landschaft ein.


Das Ganze ist eine rundum stimmige, romantische Anlage mit einer kleinen Kapelle und einem wunderschönen Garten.

Im Garten fand gerade ein Crocket-Spiel statt – mit intensiven Strategie-Diskussionen … Wir versuchten, nicht zu stören und schlichen ganz leise vorbei.

I Wieder zurück in Wells, nahmen wir Abschied von dem traumhaft schönen Garten und Park um das Stoberry House, den wie verzaubert wirkenden Skulpturen und der üppigen Blumenpracht.

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