18. März – Von Nusa Dua nach Baturiti

2011-03-18 Bali 039Strahlend blauer Himmel um 7 Uhr, da fiel das Aufstehen einigermaßen leicht.

Und außerdem lag ein ziemlich voller Tag vor uns!

Uja und sein Fahrer waren auf die Minute pünktlich, um 9:00 stand das Auto vor dem Hotel …

Nein – nicht dieses Auto!

Anfangs war die Fahrt eine einzige Quälerei. Bis Kuta ging es über eine 4-spurige Straße, aus der Motorradfahrer und auch einige Autofahrer aber locker 5-6 Spuren machten. Es wurde gedrängelt, waghalsig überholt, geschnitten – meine Nerven hätten das keine 2 Kilometer mitgemacht, wenn wir selbst gefahren wären. Aber auch so war es nervig genug und ich sah uns alle paar Meter als Schrotthaufen enden …

Irgendwie schafften wir es bis Kuta/Legian, wo wir später noch 4 Tage bleiben wollen und deshalb einen Koffer im dortigen Hotel deponierten. Dann ging es weiter zum ersten Ziel des Tages, dem Meerestempel Tanah Lot.

Nachdem wir Kuta endlich hinter uns gelassen hatten, nahm der Verkehr merklich ab – was unseren Fahrer allerdings nicht daran hinderte, jedes waghalsige Überholmanöver, das sich irgendwo anbot, zumindest zu versuchen …. Die Landschaft lenkte uns jedoch schon bald so weit ab, dass wir die abenteuerlichen Fahrkünste kaum noch zur Kenntnis nahmen. Sattgrüne Reisfelder, malerische kleine Dörfer, meterhohe ausladende Bougainvilleas in allen nur erdenklichen Farbvariationen am Straßenrand – überhaupt herrscht hier eine Blütenfülle, wie wir sie noch nie in einem anderen asiatischen Land gesehen haben.

Tanah Lot, einer der meistbesuchten Tempel der Insel, war bald erreicht und wir waren ziemlich erleichtert, als uns auf den letzten Kilometern ein Heer von Reisebussen entgegen kam – deren Insassen würden den Tempel schon mal nicht mehr bevölkern. Es war auch tatsächlich nicht übermäßig voll, wir hatten wohl gerade eine Lücke erwischt und mussten uns das Areal lediglich mit ein paar Dutzend japanischen Touristen teilen.

Spannender als den Tempel fanden wir aber zunächst die Enten …

Aber dann kam der Tempel – aus Lavagestein auf einem Felsen erbaut und den Meeresgöttern gewidmet. Er ist einer der ältesten der Insel, im 16. Jahrhundert auf einem kleinen Felsen direkt vor der Küste errichtet.


Im Tempel fand gerade eine Zeremonie statt – festlich gekleidete Balinesen brachten Opfer dar.

Nicht nur der Tempel, auch die anderen sakralen Bauwerke waren beeindruckend.

Vom Meerestempel ging es ins Hinterland, bald nur noch über seeehr holperige Straßen, mit mehr Löchern als ein Schweizer Käse – ein Achsbruch schien nicht unwahrscheinlich, außerdem hatten wir nicht mal Sicherheitsgurte. Aber weder Uja noch unser Fahrer schienen sich die geringsten Sorgen zu machen, also entspannte ich mich auch und genoss die Fahrt (und war froh, dass wir diese Strecken nicht selbst fahren mussten!)

Ein Dorf reihte sich ans andere, wunderschöne Häuser, zur Straßenfront hin fast alle mit prächtigen Familienschreinen, die wie kleine Tempel aussahen. Üppig verzierte Eingangstore, Türmchen, Statuen – alles aus dunklem Lavastein, was Uja heftig bedauerte.

Der Lavastein sei so hart, erklärte er uns, dass er zwar extrem langlebig, aber auch sehr schwer zu bearbeiten sei. Deshalb werde er praktisch nur maschinell verarbeitet und die Steinmetze bekommen keine Aufträge mehr, so dass das Handwerk ausstirbt. Früher seien die Schreine jeweils aus dem Material gefertigt worden, das es vor Ort gab, auch mal aus Holz, aber das war vielen nicht langlebig genug, deshalb wird jetzt praktisch alles aus dem schwarzen Lavastein gebaut. Und da dieser Stein kaum verwittert, muss auch nur selten Ersatz geschaffen werden, so dass die Handwerker noch weniger gefragt sind…

Noch nirgends in Südostasien waren Dörfer so gepflegt, alle Häuser von Steinmauern umgeben, über die Blumen wucherten, davor ein kleines Stück Rasen, dann kam meist ein kleiner Kanal – kein Abwasser, sondern Frischwasser, abgezweigt von einem der vielen Flüsse und Bäche. Ganz Bali ist von einem Kanalnetz durchzogen, das die Bewässerung der Reisterrassen und sonstigen Felder sicherstellt, aber auch zum Baden und Waschen genutzt wird – nicht jedoch für Abwässer.

Zwar haben viele Häuser Wasserleitungen bis ins Haus, gebadet wird aber immer noch lieber außerhalb des Hauses, an eigens dafür geschaffenen Badeplätzen. Wir sahen auch einige in Benutzung – Fotografieren war dort allerdings tabu.

Aber den Riesenfalter, der plötzlich auf Dieters Hemd hing, musste ich doch fotografieren! Und was fast aussieht wie ein Blatt, war eine Heuschrecke (oder so ähnlich …) Ziemlich gefährlich aussehende Käfer gab es auch.

Gegen 12:00 waren plötzlich überall Kinder auf der Straße – die Schule war aus! In ihren Schuluniformen, dunkelbraune kurze Hosen/Röcke und beige Polos oder T-Shirts, sahen sie aus wie lauter kleine Karamellbonbons. Da die Schule bereits zwischen 7 und 7:30 anfängt, dürfen die Kids schon um 12.00 nach Hause – das Mittagessen ist hier ungemein wichtig.

Immer wieder hielten wir an, spazierten am Rande der Reis-Terrassen entlang, staunten über die ausgeklügelten Bewässerungsanlagen.

Wir zogen weiter durch die grüne Landschaft und stoppten schließlich an einem Lokal, wo es Mittagessen geben sollte.

Zwar waren wir nicht hungrig, aber unsere beiden Begleiter umso mehr, also fügten wir uns und kletterten Dutzende von steilen Stufen hinauf. Während wir aßen, öffnete der Himmel seine Schleusen und es goss ca. 15 Minuten lang in Strömen.

Gestärkt ging es weiter. Allerdings weniger gestärkt vom Essen, sondern von Ingwer-Tee und Kaffee, in dem wirklich der Löffel stecken blieb! Die Balinesen bereiten ihn auf arabische Art zu: Staubfeines Kaffee-Pulver wird in die Tasse gelöffelt und mit heißem Wasser übergossen, umrühren, fertig. Mit viel Zucker schmeckt er sehr lecker!

Uja forderte uns jetzt auf, stabile Schuhe anzuziehen, denn es sollte durch Reisfelder gehen. In Jatiluwih, einem Dorf wie aus dem Bilderbuch, hielten wir an. Es ging zu Fuß weiter – zunächst durchs Dorf, was Gelegenheit gab, die Häuser mal etwas genauer anzusehen.

LKWs wurden mit Bambusstangen beladen, Bauern mit Lasten auf der Schulter gingen vorbei und lachten uns an. Leider gab es gerade in diesem Dorf keine spektakulären Schreine.

Hinter dem Dorf begannen die wohl meist-fotografierten, wirklich spektakulären Reis-Terrassen Balis, die sich kilometerweit die Berghänge hinauf und hinunter ziehen. Hier trafen wir auch auf etliche Touristen, die wie wir auf den vom Regen sehr schlüpfrigen Wegen durch die matschigen Felder wanderten – wo ich mich an einer steilen Stelle auch prompt auf den Hintern setzte.

Der Schaden hielt sich zwar in Grenzen, auf eine weitere Kraxelei den Hang hinunter verzichtete ich dann aber doch lieber! Bildschöne Motive gab es auch so genug, auch wenn es leider etwas dunstig war.

Kurze Zeit später waren wir in Baturiti, wo wir übernachten sollten.

Baturiti ist ein winziges Dorf hoch in den Bergen, ein paar Häuser, ein, zwei kleine Läden. Unser Gästehaus, die Saranam Eco Lodge, steht am steilen Hang, die Zimmer wie Schwalbennester an den Fels geklebt. Es zieht sich über viele Terrassen bis ins Tal hinunter, unten stehen noch 10 Bungalows malerisch zwischen Reisfeldern und Lotos-Teichen.

Dort hinunter führt eine abenteuerliche Konstruktion, eine Art Mini-Bergbahn, der sich aber nur Todesmutige anvertrauen, denn es sieht nicht aus, als würde sie jemals gewartet. Man kann allerdings auch zu Fuß hinabsteigen – eine ziemlich schweißtreibende Angelegenheit, besonders der Rückweg!

So schön die Anlage ist (es gibt sogar einen hübschen kleinen Pool auf einer der Terrassen) –

sie ist geisterhaft leer. Später stellen wir fest, dass wohl nur vier oder fünf der 35 Zimmer belegt sind, aber alle Zimmer werden offenbar täglich gelüftet und gesäubert, es riecht jedenfalls nicht muffig.

Die freundliche Dame an der Rezeption fragte, ob wir Lust auf eine echt balinesische Massage hätten …. Jaaa – ich will! Sie soll im Zimmer stattfinden (ein Spa gibt es nicht) und ist mit 100.000 IDR (ca. 5 €) sogar noch billiger als in Thailand.

Aber erst mal wollen wir auf unser Zimmer – wir bekamen ein Upgrade in ein Deluxe-Zimmer mit traumhaftem Blick übers Tal zu den Bergen! Alles ist schon ziemlich alt, aber sauber und die Natur entschädigt für jeden kleinen Mangel. Auch dass das Wasser nicht warm, sondern eiskalt aus Hahn und Dusche kommt, störte uns nicht wirklich – noch ist es heiß und sehr schwül und die Abkühlung willkommen. Außerdem wurde der Fehler schnell behoben – es war nur vergessen worden, den Boiler anzustellen 😉

Die Massage war eine der besten, die ich je erhalten hatte – zwar nicht unbedingt eine Entspannungsmassage, aber die Masseurin wusste genau, wo sie hinlangen muss, um verspannte Muskeln mit festem Griff wieder weich zu bekommen – wunderbar. Später erfuhr ich, dass sie in einem teuren Spa arbeitet und sich hier manchmal ein Zubrot nach Feierabend verdient.

Überraschend war die Sonne wieder aufgetaucht, so dass die Umgebung noch reizvoller wirkte, sie verschwand aber bald wieder und machte Platz für die Abenddämmerung, mit der Nebelfetzen ins Tal trieben.

Wir saßen inzwischen hoch oben im (leeren) Restaurant der Lodge bei einem Bintang Bier, sahen zu, wie das Tageslicht immer mehr verblasste und sich die Welt in eine verwunschene Märchenlandschaft verwandelte. Frösche quakten, Grillen zirpten, sonst war es still, wenn man mal von den Autos absah, die sich den Berg hinauf quälten.

Mangels Alternativen aßen wir im Hotel, es war recht gut, aber bisher hat mich die balinesische Küche noch nicht wirklich überzeugt. Zurück auf unserem Zimmer – es war noch früh, erst kurz vor 9, aber es gab hier absolut nichts zu tun – genossen wir noch eine Weile die Nacht und ihre Geräusche – leider nicht, wie uns Uja versprochen hatte, ohne Licht-Verschmutzung, denn alle Wege und Treppen des Hotels waren die ganze Nacht hindurch beleuchtet…

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