19. März – Von Baturiti nach Lovina

2011-03-19 Bali 003Es ist kurz nach halb sieben am Morgen, ich bin aufgewacht von seltsamer Musik – Schlaginstrumente, schrille Flöten – nicht sonderlich melodisch, aber irgendwie trotzdem schön.

Als ich die Augen öffne, sehe ich die Spitzen der Berge gerade langsam golden werden, der Himmel ist klar und tiefblau …

Also nichts wie raus, Jacke übergezogen (es ist ziemlich kühl), Kamera geschnappt und auf den Balkon.



Bis ich startklar bin, ist das unwirkliche Licht leider schon fast verschwunden, jetzt taucht die Morgensonne die Bergspitzen langsam in warmes Licht, wandert die Hänge hinunter bis zu den Reis-Terrassen. Die Musik kommt offenbar aus dem Dorf, wo irgendeine Zeremonie stattfindet – wir hatten ja gestern schon in vielen Dörfern Vorbereitungen für diverse Zeremonien gesehen, den morgen ist Vollmond.

Inzwischen leuchten die Berghänge in warmem Grün, der Himmel blassblau, Grillen zirpen, Hunde bellen, Tauben gurren, Hähne krähen … Schwalben stürzen pfeilschnell vor mir ins Tal.

Ich habe mir einen langen Wickelrock zu meiner Fleecejacke angezogen –  es ist immer noch ziemlich kühl – und mich auf die Terrasse verzogen, um Dieter mit dem Tasten-Geklappere nicht zu stören. Er kann noch eine Weile schlafen, es geht heute erst um 9:30 weiter.

Uja ist überpünktlich, Punkt 9 steht er da – wir haben noch nicht mal gefrühstückt, und ich wollte ja den Internetzugang an der Rezeption nutzen, um den Blogbeitrag online zu stellen. Wie so oft, ist die Verbindung quälend langsam – ohne die Möglichkeit, die Beiträge offline zu erstellen und mit ein paar Klicks freizuschalten, gäbe es den Blog gar nicht …

Noch ein rascher Blick über den Pool zu den Reis-Terrassen.

Und noch ein Foto vom Tal im Morgenlicht, dann geht’s los.

Zunächst kurven wir stetig bergan, immer höher in die Berge. Der Dschungel reicht bis an die Straße, wird offenbar an manchen Stellen fast gewaltsam im Zaum gehalten – man kann sich vorstellen, dass die Natur hier alles schnell zurück erobern würde, wenn man sie denn ließe. Riesige Farne, Weihnachtssterne und andere tropische Pflanzen säumen die Straße.

Erster Stopp ist der Botanische Garten Kebun Raya, eher ein riesiger Park. Es ist wunderbar kühl auf ca. 1300 m Höhe, wie an einem deutschen Sommermorgen, die Luft klar, und absolut ruhig – nur Vögel singen. Erstaunlicherweise gibt es nur wenige Blumen zu sehen, der Fokus liegt hier eher auf den Bäumen – es sollen 668 verschiedene Arten sein, darunter viele der von mir so geliebten Farnbäume.

Auch Kakteen wachsen hier – sehen aus wie Gurken mit Stacheln …


Weiter geht es zum Tempel Pura Ulun Danu am bzw. im Beratan See, der Göttin Dewi Danu gewidmet.

Der Tempel ist ein Konglomerat verschiedener Religionen – am Eingang ein buddhistischer Stupa, dann geht es durch das balinesische geteilte Tor, dahinter liegt der hinduistische Bereich. Es hat gerade eine Zeremonie stattgefunden, die meist weiß gekleideten Gläubigen kommen uns entgegen.

Der eigentliche Tempel weist starke chinesische Einflüsse auf – er scheint auf dem Wasser fast zu schweben und ist wunderschön.
Den Tempel umgibt ein kleiner Park, der von den Holländern angelegt worden war – erstaunlicherweise enthält er auch eine Reihe von Zypressen, die ein fast toskanisches Flair vermitteln.

Auf kurvenreichen, engen Straßen geht es durch die Berge. Einmal sehen wir am Straßenrand Menschen im Gras sitzen – hier wird gerade ein kleiner Dorftempel eingeweiht.

Heute ist Vollmond – und zwar nicht irgendeiner, sondern der des 10. Mondmonats, ein ungemein bedeutender Tag. Es finden eine Menge wichtiger Zeremonien statt, werden überall Tempel und Schreine geweiht. Wir erfahren, dass man in so einen Dorfschrein/-tempel nicht einfach hineingehen kann, nicht einmal ein Balinese hat Zutritt zu einem Tempel außerhalb seines Dorfes.

Weiter geht es einen Bergrücken entlang, von dem wir einen fantastischen Panoramablick über die Zwillingsseen Danau Buyan und Tamblingan haben. Ursprünglich ein einziger großer See, durch einen Erdrutsch Anfang des 20. Jahrhunderts wurde er zweigeteilt.

Langsam nehmen die Wolken zu, Uja hat leichte Bedenken, ob wir die Wanderung zum Wasserfall wirklich wagen sollen. “Wenn es stark regnet, ist es zu gefährlich” meint er – aber vorläufig ist es noch trocken, also Wanderschuhe an, Regencapes und Schirme eingesteckt, und wir machen uns auf die Hufe.

Nach wenigen Metern auf der Straße geht es rechts ab in den Urwald. Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus, Uja zeigt uns immer wieder, was so ein Wald alles an Schätzen birgt: Wilde Kakaobäume …

… Kaffeesträucher, Vanillebüsche und Nelkenbäume – der reinste Gewürzbasar! Es geht steil bergab, der Weg ist nass und oft rutschig – mein rechtes Knie jault empört ob der Strapazen. Nach über einem Kilometer wird der Weg fast zum Bach, aber wir balancieren mutig über glitschige Bretter und bemooste Steine, denn wir hören bereits den Wasserfall rauschen – und dann sehen wir ihn auch.

Uja freut sich, dass wir es noch vor dem Regen hierher geschafft haben, aber es geht noch weiter .Auf einem schmalen Pfad, an einem der unzähligen Wasserkanäle entlang, marschieren wir weiter. Der Weg ist oft so schmal, dass kaum zwei Füße nebeneinander passen, ein Stück müssen wir sogar auf der Kanaleinfassung entlang balancieren – links geht’s ins Wasser, rechts den Abhang hinab, eine echte Herausforderung für jemand wie mich, die nicht schwindelfrei ist.

Uja hatte mir einen Stock besorgt, den ich zur Stabilisierung nehme – bis er plötzlich mit dem Ausruf “Achtung, Schlange!” nach dem Stock greift und wild aufs Gras eindrischt. So ganz sicher sind wir nicht, ob das wirklich was war oder Uja loß angeben wollte – aber wir haben auch nicht weiter nachgeforscht.

Ohne von irgendetwas größerem als dem einen oder anderen Moskito (keine Angst, Bali ist malariafrei!) gebissen zu werden, erreichen wir eine kleine Siedlung, wo wir ein spätes Mittagessen einnehmen sollten. Für uns war Nasi Goreng bestellt, und nachdem mich dieses einheimische Gericht bisher nicht sonderlich begeistert hatte, ließ man uns mal die Version für Einheimische servieren – eine deutlich würzigere und schärfere Variante, sehr lecker!

Kaum saßen wir beim Essen, begann auch der schon fast obligatorische mittägliche Wolkenbruch – bis wir mit Essen und einer Kanne Kaffee fertig waren, war dann auch der Regen vorbei. Beim Aufbruch bestaunten wir aus respektvoller Distanz das riesige Netz einer grazilen, aber giftigen Waldspinne.

Eigentlich standen noch heiße Quellen auf dem Programm, da der Himmel aber – kam dass wir im Auto waren – wieder seine Schleusen geöffnet hatte, verzichteten wir und fuhren direkt nach Lovina, unserem heutigen Etappenziel.

Lovina liegt am schwarzen Lavastrand, und wir wurden in ein kleines Hotel einquartiert, in dem Uja zu Ehren meines morgigen Geburtstages für uns ein Seaview Zimmer reserviert hatte.

Das Hotel ist einfach, aber sehr nett und direkt am Meer, vom Zimmer aus haben wir einen wunderbaren Blick, den wir auch weidlich genossen.

Und weil’s gestern so schön war, gab es eine wunderbare Massage in einem der Gazebos am Meer – dieses Mal für beide von uns.

Ein Spaziergang am Strand entlang war allerdings etwas ernüchternd – der Strand ist nicht nur schwarz (Lavasand), sondern auch unglaublich verschmutzt. Es laufen Hühner am Strand herum, die Anwohner benutzen ihn auch als Müllkippe!

Aber der Sonnenuntergang war seeeehr romantisch!


Zum Essen gab es als Zugabe noch balinesische Tänze – anders als in anderen asiatischen Ländern spielen dabei auch die Mimik und vor allem die Augen eine wichtige Rolle.

Das war unsere heutige Route:

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