17. Januar – Durchgeschüttelt: Von Bagan an den Inle See

Burma 046Heute wurden wir nicht nur richtig durchgeschüttelt, wir atmeten sicher auch mehr Staub und Abgase ein,  als daheim in mehreren Jahren.

Dabei fing es ganz gut an: Punkt 7 stand Ko Thay mit einem Minibus vor der Lobby.

Wir mussten (oder durften) mit dem Bus fahren, weil der “Salonwagen” – so heißen hier normale PKWs – anderweitig benötigt wurde.

Der Minibus hatte eine Klimaanlage burmesischer Art – wenn’s zu heiß wird: Fenster auf (vorausgesetzt, sie lassen sich überhaupt öffnen, was bei uns zum Glück der Fall war!). Der Fahrer war der jüngere Bruder von Ko Thay, ein ziemlich wortkarger junger Mann mit sehr begrenzten Englisch-Kenntnissen, der während der ganzen Fahrt unentwegt Betelnüsse kaute und den roten Saft permanent aus dem Fenster spuckte. Ich saß hinter ihm und hoffte, dass sein Strahl nicht mal bei mir durchs Fenster reinfliegen würde

Ca. 200 km lagen vor uns, ca. 8 Stunden waren dafür veranschlagt. Zunächst lief es ganz gut, wir wollten einen kleinen Umweg über den Mount Popa machen, und fuhren erst mal über eine kleinere, aber immerhin asphaltierte Landstraße.

Die Straßen hierzulande kann man grob in 4 Kategorien einteilen:

1. Ausgezeichnet, d.h. asphaltiert mit 2 Fahrspuren, allerdings ohne Fahrbahnkennzeichnung. Rechts und links je ein breiter Sandstreifen, sowohl für die vielen Ochsenkarren als auch als Ausweichstreifen.

2. Gut, d.h. eine einzige, etwas breitere Fahrbahn, asphaltiert, rechts und links wieder Sandstreifen, insbesondere zum Ausweichen bei Gegenverkehr sowie für die Ochsenkarren.

3. Normal, d.h. wie 2., aber mit zahlreichen großen Schlaglöchern, z.T. auch mal nur eine Sandpiste.

4. Katastrophal, d.h. ab und zu ein asphaltiertes Stück, in der Regel aber Schotter, Sand, große Steine, tiefe Krater  usw.

Zunächst hatten wir eine Straße der Kategorie 2, wir fuhren durch viele kleine Dörfer und es gab jede Menge zu sehen. Frauen mit riesigen Reisigbündeln auf dem Kopf, Schulkinder, erkennbar an ihren grünen Longyis, mit handgewebten Schultertaschen und Metallbehältern fürs Essen in der Hand, einige sogar auf dem Fahrrad, oft zu zweit oder dritt (eines tritt stehend die Pedale, das zweite sitzt auf dem Sattel, das dritte auf dem Gepäckträger).
Die Kinder haben z.T. kilometerlange Schulwege, bis zu ca. 5 km müssen sie zwei Mal täglich zurücklegen.
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Burmesische Tankstelle
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Erdnüsse werden zu Öl gemahlen

Riesige Zuckerpalmen säumten die Straße, Kokospalmen gibt es hier kaum.

Für die rund 30 km zum Mount Popa brauchten wir trotz eigentlich ganz guter Straße fast 1 1/2 Stunden. Zwar mussten wir ab und zu durch ein Flussbett fahren – bei Regen wäre das nicht einfach gewesen – aber ansonsten lief es gut. Wir wollten den skurrilen alleinstehenden Felsen mit dem Kloster nochmal sehen, beim letzten Mal hatten wir etwas Pech mit Wetter gehabt, und dann möglichst schnell weiter. Leider stand die Sonne nicht gerade optimal für ein gutes Foto.
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Mount Popa mit dem Kloster oben drauf
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Zur großen Enttäuschung unseres Fahrers hatten wir nicht vor, den Berg zu erklimmen, auf dem oben ein Kloster thront – er hatte offenbar hier einen längeren Stopp einkalkuliert und wollte wohl jemand besuchen …
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Also musste der Besuch warten, es gab nur einen kurzen Stopp am Markt. Dort wurden unter anderem Gläser mit in Öl eingelegte Blumen und leckeres Gemüse verkauft.

Wir fuhren weiter Richtung  Meikhtila – auf erstaunlich guter Straße, Kategorie 1. In Meikthila, einer quirligen Universitätsstadt, legten wir einen Getränke- und Pinkel-Stopp ein, wir waren inzwischen fast 4 Stunden unterwegs und hatten ca. 105 km zurückgelegt.

Bis Thazi blieb die Straße sehr gut – ich hoffte schon, dass wir es wirklich in 8 Stunden schaffen würden – dann aber verschlechterte sie sich schlagartig und bestand fast nur noch aus einer Mischung von Schlaglöchern und Sand. Bald war das Wageninnere fast ebenso staubig wie der Straßenrand, wo die Bäume und Büsche aussahen, wie mit Mehl bestäubt. Wenn man das Fenster schloss, kam man fast um vor Hitze, machte man es auf, bekam man Erstickungsanfälle.

Als wir in die Berge kamen, wurde es noch schlimmer, die Straße noch schlechter, jetzt kamen auch noch die Abgase der LKWs hinzu, die sich den Hang hochquälten. An vielen Stellen waren Straßenbauarbeiten im Gange. Das heißt, zahlreiche Menschen, darunter sehr viele Frauen, klopfen große Steine mit archaisch anmutenden Hämmern immer kleiner, die Steinberge liegen am Straßenrand und reichen von faustgroßen Steinen bis zum Splitt.

Die größeren Steine dienen als Unterbau, dann kommen immer kleinere darüber, zum Schluss wird mit einer Art Gießkanne, einem Kanister mit Löchern im Boden, von Hand der Teer aufgebracht! Danach fährt eine uralte Dampfwalze darüber – fertig.

Da die Arbeiter oft Zwangsarbeiter sind, darf man das nicht fotografieren, es war auch unmöglich, aus dem fahrenden, rüttelnden und schüttelnden Auto heraus Bilder zu machen. Nur einmal gelang mir in einer Kurve ein schnelles Bild aus dem Fenster, das einen Eindruck vom Straßenzustand vermittelt.
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Burma 053Für all die Strapazen wurden wir jedoch mit einer wirklich tollen Landschaft belohnt, viel Lokalkolorit, wunderschöne kleine Dörfern mit Bauernhöfen, die von mehr oder weniger kunstvoll geflochtenen Bambuszäunen umfriedet und blitzsauber gefegt waren (soweit man bei dem vielen Sand überhaupt von Sauberkeit reden kann).Burma 056

Kurz vor unserem Ziel begegneten wir noch einem Zug – nicht gerade der neuesten Baureihe -, der langsam den Berg hinauf keuchte.
Gegen 17 Uhr hatten wir es geschafft, Nyaungshwe am Inle See war erreicht!

Wir steuerten zuerst das kleine Reisebüro von Thu Thu an, da weder der Fahrer noch wir genau wussten,wo unser Hotel Princess Garden lag. Tu Thu hatten wir vor 2 Jahren kennengelernt und sie hatte uns auch das Auto von Bagan an den Inle See vermittelt. Nach kurzer Begrüßung und Wegbeschreibung fuhren wir zu unserem Hotel.

Wir hatten uns bewusst entschieden, nicht in ein Hotel auf dem See zu gehen, denn zum einen fürchtete ich, dass es in den Stelzenhäusern über dem Wasser im Januar zu kalt sein würde, zum anderen ist man in diesen Hotels auch gefangen, ohne Boot kann man nicht weg, muss also zwangsweise immer im Hotel bleiben und auch dort essen. Das hatte uns in der Vergangenheit schon ziemlich gestört, beim letzten Besuch hatten wir unseren Aufenthalt geteilt, 3 Tage in Nyaungshwe, 2 Tage auf dem See – die Variante in der kleinen Stadt war eindeutig schöner.

Unser Hotel 2010 war zwar schön gewesen, aber leider ziemlich laut, also entschieden wir uns für eine Alternative, die bei Tripadvisor und Holidaycheck  über den grünen Klee gelobt worden war – das Princess Garden Hotel.

Es liegt sehr schön, an einem kleinen Kanal am Rande des Städtchens, mit Blick auf die Berge und Felder – ist aber ziemlich hart an der Komfortgrenze. 8 kleine Bambus-Bungalows stehen in einem Garten – es gibt sogar einen relativ großen Pool – allerdings sind die Bungalows ziemlich klein, sehr spartanisch eingerichtet und das Bad lässt doch erheblich zu wünschen übrig!
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Das ginge ja alles noch – wenn es nicht hier noch erheblich kälter wäre als in Bagan. Und da ist ein Bambus-Bungalow einfach nicht die ideale Unterkunft. Die Umgebung ist allerdings einfach nur schön!
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Blicke von der und auf die Veranda unseres Bungalows: Abendstimmung

Ein bisschen besser fühlten wir uns nach dem Essen, das wir mit einer Flasche Rotwein von dem in der Nähe liegenden Weingut Aythaya aufpeppten. (Das Weingut wird von zwei Pfälzern geführt – wir haben es vor 2 Jahren besichtigt).

Da wir inzwischen aber offenbar schon richtig abgehärtet sind (und ich gleich nach zwei zusätzlichen Decken verlangt hatte), schliefen wir mal wieder erstaunlich gut – allerdings viel zu kurz, denn der Wecker stand auf 6 Uhr, es soll morgen nach Samkar gehen!

Ein Kommentar zu “17. Januar – Durchgeschüttelt: Von Bagan an den Inle See

  1. Deine Schilderung und deine wie immer sehr schönen Fotos vermitteln einen äußerst intensiven Eindruck von eurer Fahrt .
    Und die Bilder vom Princess Garden wecken schöne Erinnerungen – auch wir haben dort gewohnt und zum Frühstück die leckeren Crepes verspeist 🙂

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