20. Juni – Trübe Aussichten

2012-06-20 England2012 001Morgens um 7 war die Welt noch in Ordnung und die Sonne schien.

Aber als wir um 10 von Beesands aus zu einer Küstenwanderung aufbrachen, hingen schon dicke graue Wolken am Himmel.

Zunächst blieb es aber noch trocken und wir freuten uns an der tollen Aussicht aufs Meer, an dem süßen Duft des Farns, der die hier überall an der Küste wächst, und bewunderten die vom Wind schräg geformten Bäume, die fast wie Skulpturen aussahen.

In der Ferne strahlte der schneeweiße Startpoint-Leuchtturm.
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Aber nach ca. 20 Minuten fing es erst an zu nieseln, kurz darauf fielen dicke Tropfen und dann brach der Regen los. Wir hatten zwar Regenzeug dabei, aber 2 Stunden oder mehr im strömenden Regen machen nicht wirklich Spaß.

Also kehrten wir um und flüchteten in Beesands ins Cricket Inn, das – wie so viele Pubs und Inns in England – schon weit über 100 Jahre auf dem Buckel hat. Nach einer Weile hatte sich das Wetter wieder etwas beruhigt und die Sonne kam raus, aber wir wollten keine Neuauflage einer abgebrochenen Wanderung riskieren, also kam Plan B zur Anwendung.

Für weniger gutes Wetter hatten wir einiges an Besichtigungen eingeplant und heute sollte es endlich mal nach Greenway gehen, dem Haus von Agatha Christie.

Obwohl wir schon oft in der Gegend waren, hatten wir es nie bis dorthin geschafft. Da Greenway auf der anderen Seite des River Dart liegt, muss man entweder von Dartmouth den Fluss hoch mit dem Boot hinfahren oder von dem kleinen Ort Dittisham mit einer winzigen Fähre übersetzen.

Wir entschieden uns für Dittisham, ein kleines Örtchen, das malerisch am Steilufer des River Dart klebt. Bevor wir nach Greenway übersetzten, sahen wir uns im Ort ein wenig um – eine alte Kirche mit idyllischem Friedhof, reet-gedeckte Häuser, an denen Blumen hochranken, schmale Gässchen, blumen-bewachsene Mauern ….
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In Dittisham

Dann suchten wir den Fähranleger, der etwas versteckt lag und einen längeren Fußmarsch erforderte. Die kleine Fähre brachte uns für 2 Pfund in wenigen Minuten auf die andere Seite des River Dart.
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Am Fähranleger von Greenway, vorne die kleine Fähre, im Hintergrund liegt Dittisham

Rund 800 m ging es bergan, dann war Greenway erreicht. Unglücklicherweise war heute offenbar der Renter-Ausflugstag, ganze Bus- und Fährladungen voller Senioren hatten sich ausgerechnet heute Greenway als Ausflugsziel erkoren!

Wir nahmen es gelassen, im Gelände verliefen sich die Massen ziemlich und ein Großteil saß ohnehin bei Tee und Kuchen vor dem Café und rührte sich dort auch nicht weg. Also steuerten wir das Haus an, dass zwar relativ groß war, aber trotzdem sehr intim und elegant wirkte.
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Innen durfte man nicht fotografieren – leider, denn die Atmosphäre war unglaublich!

Das Haus war noch weitgehend so, wie es zu Agatha Christies Zeiten eingerichtet war, ihre Schreibmaschine steht – mit ein paar Packungen altem Schreib-Papier daneben – auf einem kleinen Schreibtisch vor einem Fenster mit Traumblick, im Wohnzimmer liegen Spielkarten auf dem Couchtisch vor dem Kamin, im Esszimmer sieht es aus, als ob gleich das Dinner serviert würde.

Wir sind immer wieder fasziniert, wie viel Mühe sich der National Trust gibt, alte Häuser so herzurichten und zu bewahren, dass man das Gefühl hat, die früheren Bewohner sind gerade erst ausgezogen. Das gilt nicht nur für vergleichsweise junge Anwesen wie Greenway, sondern auch für uralte Häuser.

Wir sind seit Jahren Mitglied im National Trust, der in ganz Großbritannien tausende von Schlössern und Herrenhäusern, Gärten und Naturschutzgebieten unterhält, und haben immer wieder das Gefühl, dass die bescheidene Jahresgebühr sehr gut angelegt ist. (Netterweise haben wir deshalb freien Eintritt zu allen Objekten, die vom National Trust unterhalten werden.)

Nach dem Gebäudeinneren wanderten wir noch durch den weitläufigen Garten, der spektakuläre Blicke auf Dartmouth bietet.
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Es gab noch einen üppigen Cream Tea – trotz der moderaten Temperaturen tranken wir den im Freien, wir sind inzwischen schon ziemlich abgehärtet – dann traten wir den Rückweg an (in der Hoffnung, dass der Weg runter zur Fähre und auf der anderen Seite wieder bergauf zum Auto ein paar der vielen tausend Kalorien wieder neutralisieren würde 😉

Und abends wurde der Negativ-Mythos der schlechten englischen Küche ein weiteres Mal widerlegt – frisch gefangener Lachs mit einer sahnig-zitronigen Koriandersoße und dazu sage und schreibe 4 verschiedene Gemüse (Brokkoli, Möhren, Lauch und Blumenkohl) sowie neue Kartoffeln – und das in einem ganz normalen Pub, dem Church Inn in Stokenham.

Netterweise hatte Lynda auch noch die Heizung angemacht, so dass uns ein mollig warmes Zimmer erwartete – wir waren rundum zufrieden.

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