25. Juni – Leider nur ’ne kurze Freude …

2012-06-25 England2012 027Damit wir nicht zu übermütig werden, scheinen uns die Sonnenstunden jetzt in eher homöopathischen Dosen zugeteilt zu werden.

Heute morgen noch – eine allerdings ziemlich wässrige – Sonne, dann kleidete der Himmel sich wieder in dezentes Grau.

So ein bißchen trübes Wetter schreckt uns natürlich nicht ab und beim Frühstück planten wir eine schöne Wanderung rund ums Nare Head.

Über schmalste Sträßchen – oft kaum breiter als ein PKW, dazu auf beiden Seiten hohe Hecken, nur ab und zu öffnet sich eine Zufahrt zu einem Feld – fuhren wir bergauf und bergab zunächst zum Carne Beach, um die Lage zu checken, entschieden uns dann aber doch, einen näher an dem Kap gelegenen Parkplatz zu nehmen.

Kaum waren wir auf dem Parkplatz angelangt und wollten unsere Wanderschuhe anziehen, fing es zu regnen an. Zunächst warteten wir ein Weilchen – es könnte ja möglicherweise wieder aufhören – aber als der Regen immer heftiger wurde, war klar, dass eine Küstenwanderung heute nicht angesagt war. Also musste mal wieder eine Alternative her – allerdings hatten wir hier in der Ecke schon so ziemlich alles gesehen und auf Stadt hatten wir keine Lust.

Also ging’s zum Restormel Castle, einer Festung aus dem 13. Jh. Zum Schloss kam man nur über eine schmale Stichstraße, die von tausenden lila-blühenden Fingerhüten eingerahmt wurde. Außerdem wimmelte es hier von Kaninchen, die kreuz und queer über die kleine Straße flitzten – wir mussten besonders langsam fahren, um keines zu überfahren.

Die Festung liegt auf einem Hügel und ist wahrhaft wehrhaft. Das wirklich erstaunliche ist, dass die Anlage kreisrund ist. Hinter einem 17 m breiten Graben ragen die Mauern der Festung über 7 m steil in die Höhe.
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An die runden Außenmauern waren innen die Wohngebäude angebaut.

Man kann oben auf der Mauer rings herum gehen und bekommt so einen wirklich guten Überblick über die Anlage und kann sich unschwer vorstellen, wie hier früher gelebt wurde.
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Leider fing es wieder heftiger an zu regnen, also war erneut eine Autofahrt angesagt. Es ging weiter nach Lanhydrock, einem wunderbaren Herrenhaus, das teils aus der viktorianischen Zeit stammt, teilweise aber auch erheblich älter ist.

Zwar wussten wir, dass das Haus heute geschlossen war, die Gärten waren jedoch offen und da wir als National Trust Mitglieder keinen Eintritt zahlen müssen und so ein englischer Garten auch im Regen seinen Reiz hat, statteten wir der Anlage einen erneuten Besuch ab – der letzte lag schon über 15 Jahre zurück.

Der Zugang erfolgt durch ein wuchtiges Torgebäude,
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durch das man direkt auf das Hauptgebäude zugeht.
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Zum Glück war der Regen zu einem sanften Nieseln geworden, zwischendurch kam auch immer wieder die Sonne raus und der Garten war ein voller Genuss. Unmittelbar an das Haus grenzen die eher formellen Gärten an, mit riesigen Buchsbäumen, die perfekt in Form geschnitten waren.
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Ein mit einer Buchshecke eingefasster Garten glühte förmlich mit farbenfrohen Begonien.
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Etwas weiter oben ein Blumengarten, der erstaunlicherweise gerade wegen des Regens besonders schön war. Alle Farben waren extrem intensiv und es duftete unbeschreiblich!
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Da die Anlage recht groß ist und auch der Weg vom Parkplatz bis zum Garten ziemlich lang, hatten wir zumindest subjektiv das Gefühl, heute ein bisschen gewandert zu sein.
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Wir verließen Lanhydrock wieder durch das pompöse Gate, machten uns auf den Heim-weg, wo Dieter im Moment Tennis in Wimbledon ansieht (und neidvoll das herrlich sonnige Wetter dort kommentiert) und ich mich mit dem Blog und einer Tasse Tee vergnüge. Draußen ist es nicht wirklich besser geworden – wir werden uns demnächst mit einem seelentröstenden Abendessen verwöhnen….

Vor dem Abendessen gab es noch einen Schock (danach war vor allem das Bier zum Essen als Schock-Dämpfer dringend erforderlich!): Wir hatten nicht mehr genug Bargeld, um morgen unsere Unterkunft zu bezahlen (britische B&B Gastgeber wollen meist Bares sehen, Karten mögen sie entweder nicht – zu hohe Gebühren – oder sie haben gleich gar kein entsprechendes Lesegerät….), was aber aus unserer Sicht kein Problem war, denn schließlich gibt es ja überall Geldautomaten!

Überall????? Ja, in den entlegensten Gegenden von Laos oder auf den kleinsten thailändischen Inseln, aber in Großbritannien ist das eine andere Sache.

Zwar gab es in Mevagissey – ein Ort, der vor allem vom Tourismus lebt! – durchaus einen Geldautomaten – allerdings nicht frei zugänglich, sondern in einem Zeitungsladen, aber immerhin! Nur spuckte der meine Visa-Card sofort wieder aus, nahm auch keine unserer anderen Karten, denn – wie uns die Ladeninhaberin bedauernd erklärte – hier gehen nur und ausschließlich britische Bank-Karten!!!!!

Auch der zweite Geldautomat (in der Post, die ohnehin schon zu war) nimmt nur britische Karten – also war guter Rat teuer, denn morgen früh wollten wir weiter reisen und Wendy wollte Geld sehen.

Diverse Kunden im Laden beratschlagten mit der Inhaberin, wie uns am besten geholfen werden könnte – es gibt zwar in St. Austell Banken und Geldautomaten, aber das ist 15 km entfernt und wir hatten wenig Lust, dort jetzt hin zu fahren. Der beste Tipp kam von einer netten Dame, die uns ein Einkaufszentrum vor St. Austell empfahl – das kannten wir, dort hatten wir schon günstig getankt – und wir beschlossen, dort morgen früh hinzufahren, denn jetzt waren wir erst mal hungrig und durstig.

Im der “Harbour Tavern” fanden wir einen freien Tisch direkt am Fenster, sahen also wieder auf den Hafen – allerdings erneut in den Regen, der hübsche Muster im Hafenbecken verursachte. Bei einem kühlen Bier beobachten wir die winzigen Fischerboote, die eines nach dem anderen am Fischmarkt gegenüber ankamen, ihre Ladung entluden, die unter mehreren Schaufeln von Eis begraben und kurze Zeit später von einem Lieferwagen abgeholt wurde – ganz offensichtlich kurze Wege hier.

Einer der frisch gefangenen Fische fand den Weg auf unsere Teller – zumindest schmeckte der Kabeljau absolut  frisch – in Kombination mit “mushy peas” und neuen Kartoffeln sowie einer hausgemachten Remoulade ein richtig leckeres Essen.

Wir bleiben noch auf ein zweites Bier, sahen weiterhin den Szenen im Hafen zu und stellten fest, dass es trotz des eigentlich schlechten Wetters wieder ein wunderschöner Tag gewesen war!

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