1. Juli – Zu Besuch bei König Artus

2012-07-01 England2012 164Endlich mal wieder eine vernünftige Dusche mit ordentlichem Wasserdruck und nicht so ein englisches Getröpfel! 

Und außerdem ein großes Waschbecken mit einem normalen Wasserhahn mit Mischbatterie – in vielen britischen B&B’s gibt es nur Mini-Becken mit zwei Wasserhähnen und Duschen, die den Namen kaum verdienten.

Platz im Bad haben wir auch – allerdings ist das Zimmer dafür ziemlich klein, aber zum Ausgleich dürfen wir ein zweites Zimmer, das durch unser Bad zugänglich ist, mitbenutzen. Jedenfalls sah alles ziemlich gut aus, die Sonne schien auch, und wir nahmen unsere Tagesplanung in Angriff.

Wir wollten wieder eine der schönsten Küstenwanderungen absolvieren. Ausgangspunkt sollte Boscastle sein, Ziel Tintagel – die Burgruine auf einem Felsen unterhalb des Dorfes, in der König Artus geboren worden sein soll, ist ein beliebtes touristisches Ziel.

Als Rund-Wanderung war uns die Strecke allerdings zu weit, für die 16 km waren im Wanderbuch 5 1/2 Stunden veranschlagt, das schaffen aber nur zügige britische Wanderer. Deutsche, die dauernd stehen bleiben, Fotos und Videos machen und die Aussicht bewundern, brauchen da mal locker mehr als 7 Stunden.

Also beschlossen wir, unser Auto in Tintagel abzustellen, mit dem Bus nach Boscastle zu fahren und an der Küste entlang zurück zu laufen. Eine minimale Änderung nahmen wir dann vor Ort noch vor, parkten gebührenfrei in Bossiney, direkt hinter Tintagel, und nahmen den Bus von dort aus.

An der Bushaltestelle blühte üppiger Mohn …
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Der Bus war fast pünktlich und lieferte uns wenig später in Boscastle ab, einem winzigen Fischerort, der eine etwas traurige Berühmtheit erlangt hat durch eine verheerende Flutkatastrophe im August 2004, und außerdem ein Hexenmuseum besitzt, mit der angeblich weltweit größten Sammlung von Artefakten aus dem Bereich der Magie.
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Der kleine Bach, der hier so harmlos aussieht, war 2004 innerhalb einer Stunde um 2 m gestiegen, ein 4m hohe Flutwelle schoss durch das enge Tal und richtet schwerste Zerstörungen an. Heute war aber alles ruhig und wir gingen den Bach entlang Richtung Hafen …
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…wo die Fischerboote ziemlich auf dem Trockenen lagen.
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Danach ging es gleich steil bergan und ich war froh, dass alles trocken war, denn man musste anfangs über sehr glattes Schiefergestein klettern, um zum Küstenpfad zu kommen. Der Pfad begann dann zwar eher gemächlich …
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… bot aber schon bald immer wieder Anlass, stehen zu bleiben und die herrliche Aussicht zu genießen.
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Konditionsmäßig wurden wir allerdings auch gefordert, es ging schon bald heftig auf und ab. Immer wieder gab es auch Hindernisse auf dem Weg – entweder als “Stile”, einem Übertritt über eine Mauer oder einen Zaun (den Balken rechts mit dem Loch kann man hochziehen, damit der Hund unten durch schlüpfen kann)…
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… als schlichtes Tor, das mit einem mehr oder weniger komplizierten Mechanismus zu öffnen ist …
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… manchmal muss man auch einfach über einen Zaun klettern.
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Dann gibt es auch ausgefeilte Übergänge über Mauern …
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… die Menschen mit eher kurzen Beinen (wie mich) vor echte Herausforderungen stellen, während langbeinige locker drüber steigen.
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Und es gibt die “Kissing Gates”, ein bewegliches Teil in einem Dreieck, das man zunächst nach hinten stößt, dann schiebt man sich in den linken spitzwinkligen Teil, zieht den Bauch ein und stößt das Tor nach vorne.
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Wenn man Pech hat, und das Tor in einem Schlammloch steht, macht das nicht sooo viel Spaß!
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Das alles dient dazu, das Weidevieh (Kühe und Schafe) daran zu hindern, auf fremde Weiden zu ziehen – obwohl so manche Kuh da offenbar durchaus Lust dazu hat!
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Aber es gab natürlich nicht nur Hindernisse, sondern großartige Aussichten. Nicht nur die Küste, auch das Hinterland war malerisch.
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Unsere Aufmerksamkeit galt jedoch vor allem der grandiosen Küstenszenerie.
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Dann kamen wir zu einer spektakulären Felsformation, dem “Ladies Window”.
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Wenig später ragte ein Fels aus dem Wasser, der wie eine gigantische Haufischflosse aussah und den Hunderte von Seevögeln bevölkerten.
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Dann stand uns ein steiler Abstieg zum “Rocky Valley” mit einem ebenso steilen Anstieg auf der anderen Seite bevor.
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Am Fuß des Tales plätschert ein Bach über Stromschnellen zum Atlantik.
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Und ich gönnte mir mal eine kleine Pause auf dem sonnenwarmen Schiefer (die Hosen hochgekrempelt, damit nicht gleich wieder alles voll Schlamm ist).
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Dann ging es weiter durch das felsige Tal, der schwarze Schiefer machte alles ein bisschen düster – trotz Sonne.
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Ein Blick zurück in die Schlucht, nachdem wir auf der anderen Seite nach oben gekraxelt waren, bewies, dass es ganz schön rauf und runter gegangen war.
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Als wir weiter gingen, stolperten wir fast über ein Kaninchen, dass uns wegen des starken Winds offenbar weder hörte noch roch.
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Kurz danach kam der Abzweig unseres Weges, wir gingen zurück zum Auto und verzichteten auf einen Besuch Tintagels zu Gunsten von Port Isaac.

Das Fischerdorf liegt an einem steilen Abhang, hat einen hübschen kleinen Hafen, wo täglich mehrmals frische Taschenkrebse und Hummer angelandet werden.
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Der Himmel zog sich immer mehr zu, wir tranken nur rasch einen Kaffee, sahen noch zu, wie eine Ladung Krebse an Land gebracht wurden und machten uns dann mit den ersten Regentropfen auf Richtung Auto.
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