15. Januar – Mit dem Zug in die Provinz

P1180512Irgendwo hatte ich gelesen, dass man mit einer winzigen Lokalbahn zu einem Flusshafen mit großem Fischmarkt in der Nähe Bangkoks fahren kann.

Eine Stunde sollte die Fahrt dauern. Infos wurden rausgekramt, der Name des Bahnhofs aufgeschrieben und die ungefähre Lage auf dem Stadtplan ermittelt. Wir beschlossen, den Zug um 10:40 zu nehmen – obwohl wir uns kaum vorstellen konnten, dass Fahrpläne hier eingehalten werden.

Das Frühstück fiel etwas kürzer aus als gestern und um Punkt 9:30 starteten wir mit unserem Hotel-Boot zum Taksin Pier, wo auch die Haltestelle der Hochbahn ist. Für 15 Baht lösten wir je ein Ticket, fuhren zwei Stationen und machten uns dann zu Fuß auf den Weg zum Bahnhof Wongwiang Yai . Das klingt ziemlich chinesisch und wir sahen auch bald zahlreiche chinesische Schriftzeichen und Läden. Als wir an einem Riesen-Kreisverkehr ankamen, war klar, dass wir zu weit gegangen waren – aber wir hatten unterwegs weder etwas, das aussah wie ein Bahnhof, noch einen Wegweiser gesehen….

Also marschierten wir wieder zurück – ohne Erfolg. Wieder mussten meine wenigen Brocken Thai herhalten und ich fragte nach “Rot Fai” – das heißt zwar nicht  Bahnhof, sondern Zug – wurde aber verstanden und wir wurden in die richtige Richtung geschickt. Schnell war klar, warum wir das Bahnhöfchen übersehen hatten – es sieht aus wie eine winzige Gasse voller Verkaufsbuden, nur bei sehr genauem Hinsehen kann man nach ca. 20 Metern ein schmales Gleis entdecken!
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Es gibt sogar einen richtigen Schalter, an dem Dieter zwei Tickets für 10 Baht (ca. 25 Cent) pro Person löste. Da kommt selbst die Deutsche Bahn mit ihren Sparpreisen nicht mit 😉
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Pünktlich war der Zug allerdings nicht – er hatte 20 Minuten Verspätung. Die Zeit nutzten wir, um uns den “Bahnhof” etwas genauer anzusehen.
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Endlich tat sich was – ein Uniformierter kam mit einer grünen und einer roten Flagge aus dem Schalterhäuschen und stellte sich an die Gleise.
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Und tatsächlich – in der Ferne tauchte ein Zug auf! Der Uniformierte winkte heftig, erst mit der grünen, dann mit der roten Flagge und schließlich kam der Zug wenige Meter vor dem Gleisende zum stehen. Wir stiegen rasch ein, waren aber mit den Gegebenheiten zu wenig vertraut, um einen “guten” Platz zu sichern, der zum einen auf der schattigen Seite und außerdem weit von der Toilette entfernt lag. Die Thais, die diesen Zug täglich benutzten, kannten sich natürlich bestens aus und lächelten etwas über unsere Platzwahl. Warum, wurde uns schnell klar, als das Wasser aus der Toilette unter unseren Sitzen durchlief!

Generell war der Zug aber ganz ok, zwar etwas schmuddelig, es lag aber kein Abfall herum.
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Auf der Fahrt wurden wir heftig durchgerüttelt – die Gleise sind offenbar ziemlich ramponiert, die Waggons schlingerten heftig und wir hüpften auf den harten Sitzen hoch und nieder. Die thailändischen Mitfahrer ließ das völlig ungerührt, die meisten schliefen oder dösten vor sich hin. Obwohl die Waggons unklimatisiert sind, war es gut erträglich – an der Decke schwirrten etliche Ventilatoren, alle Fenster waren offen und meist auch die Türen, so dass ständig eine Brise durchs Abteil wehte.
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Wegen der Verspätung war offenbar der gesamte Zeittakt durcheinander geraten und wir mussten zweimal an einem Bahnhof auf den Gegenzug warten, denn die Strecke ist -abgesehen von einigen Bahnhöfen – durchweg einspurig.

Mit drastischer Verspätung kamen wir in Mahachai an. Die Einfahrt in den Bahnhof ähnelt der Einfahrt in eine Markthalle: Markstände bis an den Rand der Gleise, es riecht etwas streng nach Fisch und anderem, was schon länger in der Hitze vor sich hindämmert.

Der Weg zum Fluss ist kurz, allerdings waren wir leider für den Fischmarkt zu spät dran, dort war nichts mehr los. Umso trubeliger war es dann in dem Fischlokal neben dem Uhr-Turm, wo wir im oberen Stockwerk mit tollem Flussblick saßen. Um uns herum saßen ganze Thai-Sippen, offenbar auch viele Geschäftsleute, an runden Tischen, die sich förmlich bogen: Alles, was im Wasser lebt, wurde hier aufgetischt und alles sah wirklich unglaublich lecker aus! Auch die Speisekarte war schon eine Verführung… Leider haben wir mittags keinen Hunger (das ist noch aus den Berufszeiten geblieben, wo es mittags selten Zeit zum Essen gab), so dass die Köstlichkeiten an uns verschwendet waren.  Außer einem Pepsi gab es lediglich eine Taro-Suppe für mich – ich liebe diesen süßen Nachtisch!

Auf dem Rückweg bummelten wir noch über den Markt, auf dem überwiegend Wassergetier verkauft wurde – was gelegentlich auch deutlich zu riechen war!
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Getrocknete winzige Krabben – eine wichtige Zutat in der Thaiküche
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Getrockneter Fisch in rauen Mengen
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Tintenfische in allen Variationen
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Die Ware wird liebevoll dekoriert

Wir wollten um 13:15 zurück fahren, mussten vorher noch Fahrkarten kaufen, machten uns aber keine großen Gedanken, weil wir nicht mit einer pünktlichen Abfahrt rechneten. Dennoch gingen wir vorsichtshalber kurz nach 13 Uhr zum Bahnhof zurück.

Erneut blätterten wir pro Person 10 Baht hin, bekamen ordentlich mit dem Computer ausgedruckte Fahrkarten (die später von 3 Schaffnern akribisch kontrolliert wurden) und schlenderten dann gemächlich zu den Gleisen, wo bereits ein Zug wartete. Der war schon gut gefüllt, also auch dieses Mal keine Chance auf einen Logenplatz.

Auf die Minute pünktlich fuhr der Zug los, genauso pünktlich kamen wir eine gute Stunde später in Bangkok an, wo es zu Fuß, mit Skytrain und Hotelboot zurück ins Hotel ging.

Wir hatten um 18 Uhr eine Verabredung mit dem Hotelmanager und wollten uns vorher noch etwas ausruhen und frisch machen. Das Treffen mit Dr. Pichai verdankten wir der Tatsache, dass er in Heidelberg studiert hatte und als er feststellte, dass Gäste aus Heidelberg im Haus waren, ließ er es sich nicht nehmen, uns zu treffen.

Bei einem Glas Wein unterhielten wir uns angeregt, erfuhren, dass er als Student im (uns bestens bekannten) Studentenwohnheim Comeniushaus gewohnt hatte und seine Studienzeit in bester Erinnerung hat.

Wir machten anschließend noch einen letzten Trip den Fluss hoch zu einer kleinen Fluss-Kneipe, wo wir den warmen Abend, die bunten Dinner-Cruise Boote, den klaren Sternenhimmel mit dem auf dem Rücken liegenden Mond genossen. Morgen geht’s weiter nach Vietnam.

 

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