27. Januar – Noch ‘ne Busfahrt ( Can Tho bis Chau Doc)

P1190091Heute morgen wachten wir schweißgebadet auf – die Klimaanlage lief nicht.

Auch im Bad blieb alles dunkel – naja, relativ dunkel, denn neben dem Bad war ein Fenster, und wenn man die Tür (ohnehin eine Glastür) offen ließ, konnte man halbwegs was sehen.

Da auch im Zimmer das Licht nicht funktionierte, war klar, dass der Strom weg war.

Wir sollten erst um 10:30 mit einem Minibus abgeholt und zum Busbahnhof transportiert werden – die Abholung war im Bus-Fahrpreis drin. Das hätte man uns in Saigon auch sagen können, aber dort wollte man offenbar ein Geschäft machen …

Jedenfalls hatten wir reichlich Zeit und beschlossen, vor dem Frühstück zu packen – eine ziemlich schweißtreibende Angelegenheit bei fast 30° im Zimmer. Nachdem die Koffer gepackt waren, stiegen wir die Treppe runter auf der Suche nach dem Frühstück. An der Rezeption erfuhren wir, dass ganz Can Tho ohne Strom war – angeblich soll der Strom für das bevorstehende Neujahrsfest (Tet) gespart werden.

Wie man das macht, war uns zwar ein Rätsel – allerdings waren uns gestern Abend bei der Heimfahrt üppigste Straßenbeleuchtungen aufgefallen: Bögen über die Straße, alle Bäume mit Lichterketten, Lichtskulpturen am Straßenrand! Vielleicht hatte man das etwas sparsamer halten können, statt der gesamten Stadt den Strom abzudrehen!

Zum Glück wurde im Nam Mon mit Gas gekocht, deshalb gab es zumindest heißen Tee und Kaffee. Der Toaster funktionierte allerdings mit Strom, also blieb das Toastbrot kalt. Das Frühstück war – ganz unabhängig von den strombedingten Erschwernissen – eine äußerst überschaubare Angelegenheit: Es gab für jeden eine Tasse Tee oder Kaffee, zwei Scheiben Toastbrot, ein Spiegel- oder Rührei, auf Wunsch mit einem etwas merkwürdig aussehenden Stück Schinken.

Das war’s! Kein Saft, Butter und Zucker nur auf Nachfrage (der Zucker kam dann, in ein kleines Schälchen gehäufelt). Weil ich wusste, dass gestern Melonen gekauft worden waren, hatte ich Brian, den Besitzer, daran erinnert, dass Europäer gerne Obst zum Frühstück haben – und es wurde dann tatsächlich für jeden noch ein Stück Melone gereicht.

Ok – das Hotel ist spottbillig, aber selbst für 15 € die Nacht wäre evtl. doch ein bisschen mehr drin gewesen. Aber die Freundlichkeit der Bediensteten, die sich immerhin rührend, wenn auch nicht immer erfolgreich, bemühten, unsere Wünsche zu erfüllen, macht vieles wieder wett.

Mit reichlicher Verspätung, die uns in gelinde Panik versetzte (was Brian & Co. überhaupt nicht verstehen konnten), kam der Minibus und setzte uns 5 Minuten später am Busbahnhof ab.

Die Tickets waren schnell gekauft und weitere 5 Minuten später saßen wir im Bus nach Chau Doc, einer Provinzstadt nahe der kambodschanischen Grenze im hintersten Winkel des Mekongdeltas. Von hier fahren täglich Schnellboote nach Phnom Penh.

Wir fuhren wieder mit den knall-orangenen Bussen von Futa, dieses Mal hatten wir die Panorama-Sitze, in der ersten Reihe! Wir freuten uns auf tolle Ausblicke, allerdings machte ich mir so meine Gedanken, was mit uns passieren würde, falls der Fahrer mal scharf bremsen musste… Es gab dieses Mal keine Gurte an den Sitzen, bei einer Vollbremsung würden wir wohl mit Karacho durch die Windschutzscheibe fliegen – denn der Puffer eines Vordersitzes fehlte ja.

Schon kurz nach Fahrtbeginn machte Dieter ein besorgtes Gesicht – der Bus klang gar nicht gut. Es klapperte und knirschte, als hätte jemand einen Schraubenzieher im Getriebe vergessen. Dieter meinte, es sei die Achse oder ein Radlager. Auch unserem Fahrer schien nicht so ganz wohl zu sein, er schlich mit 40 km/h die Straßen entlang. Ich rechnete aus, dass wir wohl 5 statt 3 Stunden brauchen würden bei dem Tempo!

Irgendwann wurde aber die Straße etwas besser und/oder wir gewöhnten uns alle an die Geräusche – jedenfalls wurde das Tempo deutlich schneller. Wir fuhren durch Dörfer und kleinere Städte, überquerten zigmal schmale Mekong-Arme, gelegentlich begleitete uns ein schmaler Kanal, auf dem Enten schwammen und wo von winzigen Booten aus gefischt wurde.

Plötzlich sah ich rosa – da paddelte ein Schwarm pinkfarbener Enten!!! Dieter hielt sie (im Scherz!) erst mal für eine neue Art von Flamingos, dann kam eine weitere rosarote Entengruppe! Und kurz darauf ein Trupp quietschgelber Enten – wir waren leicht perplex, denn so was hatten wir noch nie gesehen. Fragen konnte man niemand, die Englisch-Kenntnisse unserer Mitfahrer beschränkten sich auf “Hello” und “Goodbye” – wir vermuteten jedoch, dass die armen Viecher fürs bevorstehende Tet-Fest irgendwie eingefärbt worden waren …

An unseren Fenster zogen immer wieder saftige Reisfelder vorbei, es war insgesamt sehr grün. Das Mekong-Delta ist wirklich unglaublich vielfältig und schön, deshalb zieht es uns auch immer wieder hierher.

Leider war Fotografieren aus dem Bus (nicht nur wegen der schmuddeligen Scheibe) mal wieder ziemlich schwierig – bis meine Kamera endlich auslöste, war das Motiv meist schon wieder verschwunden. In solchen Momenten sehne ich mich nach meiner analogen Kamera zurück!

Erstaunlich fanden wir, wie wenig Autos unterwegs waren – und die meisten waren zudem Nutzfahrzeuge, normale PkWs sieht man ziemlich selten.

Nach einer guten Stunde Fahrt machten wir Pause in Long Xuyen, einer mittelgroßen Universitätsstadt, wo sich die meisten Mitfahrenden was zu essen holten.

Dann dauerte es nochmal gute zwei Stunden, bis wir kurz vor 15 Uhr am Busbahnhof von Chau Doc angekommen waren. Auch hier lag der Busbahnhof am Stadtrand, wir mussten also den Transport für die Fahrt ins Victoria-Hotel organisieren.

Taxis standen hier keine rum, wir wurden jedoch heftig bedrängt von Motorrad-Taxis (die dann aber selbst einsahen, dass es wohl kaum funktionieren würde, uns mitsamt unseren Koffern auf einem Motorroller zu transportieren) sowie Fahrrad-Rikschas, die uns einzureden versuchten, dass sie die einzige Möglichkeit seien, ins Hotel zu kommen. Mit zwei Rikscha-Fahrern waren wir schon fast handelseinig, als ich bemerkte, dass etliche unserer Mitfahrer in Minibusse mit der Aufschrift der Busgesellschaft einstiegen.

Ich lief schleunigst zu einem der Busse und frage mit Händen und Füßen, ob a) wir mit zum Victoria Hotel fahren könnten und b) der Zubringer im Buspreis enthalten sei. Beides wurde bejaht, also ließen wir unsere enttäuschten Rikscha-Fahrer stehen (denen ich allerdings ein kleines “Schmerzensgeld” gab) und nahmen stattdessen den bequemen Minibus, der uns 5 Minuten später am Hotel absetzte.


Dort erwartete uns eine Riesen-Überraschung: Ich hatte vorab eine Mail geschickt und um ein Nichtraucher-Zimmer zur Flußseite gebeten, dabei beiläufig erwähnt, dass dies unser 3. Aufenthalt im Victoria Chau Doc sein würde. Als wir eincheckten, erfuhren wir, dass wir als “Wiederholungstäter” ein Upgrade in eine Suite bekommen hatten! Wir fielen aus allen Wolken – damit hatten wir nun wirklich nicht gerechnet!
Und als wir ins Zimmer kamen, waren wir schwer beeindruckt – ein riesiges Zimmer, zwei Bäder, ein Obstkorb zur Begrüßung … und natürlich ein toller Blick auf den Fluss.

Schon die normalen Zimmer sind sehr schön mit ihren dunklen Holzböden und vielen kleinen landestypischen Details, aber das hier war nochmal eine Steigerung. Ein bisschen bedauerten wir, dass wir nur eine Nacht blieben …

Wir sind absolute Fans der Victoria-Hotels in Vietnam und Kambodscha und haben bis auf eines bereits alle, zum Teil schon mehrfach, besucht. Sie gehören zu einer vietnamesisch-französischen Hotelkette und sind alle durchweg unglaublich schön und sehr französisch geprägt, im französischen Kolonialstil erbaut und wirklich was besonderes.

Trotz unseres tollen Zimmers hielten wir uns dort aber nicht lange auf, wir wollten noch ein wenig von Chau Doc sehen. Der kleine Ort hat sich seit unserem letzten Besuch drastisch verändert, vor allem der Uferbereich entlang des Mekong wurde aufgehübscht und hat jetzt eine nette und blitzsaubere Parkanlage bekommen.

Ein Stück weiter ging es allerdings wie früher ziemlich schmuddelig weiter – am Markt und in den Seitenstraßen war alles noch beim Alten. Auch die sehr armseligen Fischerboote lagen noch am Ufer.

Der Markt ist nichts besonderes … Wir schauten noch in ein paar der schmalen Gässchen, bzw. eher Holzstege, die an armseligen Stelzenhäuschen entlang runter zum Fluss führten.

Dort wurden gerade Kampfhähne sehr liebevoll gepflegt – und damit sie schicker aussehen, bekamen sie die Füße angemalt.

Auf dem Heimweg an wir kamen an wahren Blumenmeeren vorbei (leider alles künstlich)


Unterwegs hielten wir Ausschau nach einem Laden, wo wir eine Flasche Dalat-Wein erstehen konnten – wurden aber nicht fündig. Eine Stereoanlage oder eine Waschmaschine hätten wir hingegen mehrfach kaufen können.

Vor dem Essen wollten wir noch duschen und ich freute mich schon auf die futuristisch wirkende Dusche mit den vielen Düsen und Knöpfen, wo offenbar Wasser von allen Seiten den Körper massieren sollte. Aber anscheinend muss man für den Betrieb dieses Teils zumindest ein Elektronikstudium absolviert haben …

In der Kabine war ein Touchpanel mit unzähligen Tasten. An der Wand eine Erläuterung. Also raus aus der Dusche, Brille geholt und Anweisung studiert.

Nachdem ich mehrere Knöpfe gedrückt hatte (und natürlich die Brille schnell wieder aus der Dusche befördert, falls das Wasser plötzlich loszischt), fing es an zu röhren und zu schnaufen – es kam aber nirgendwo Wasser raus. Ich fand auch keinen Wasserhahn oder etwas vergleichbares, obwohl ich wirklich jeden einzelnen Knopf gedrückt und an jedem drehbaren Teil gedreht, gedrückt und gezogen hatte!

Zu meiner Beruhigung gelang es auch Dieter nicht, das Ding zum Laufen zu bringen – also resignierten wir und nutzen die stinknormale Dusche in Bad Nr. 2.

Abendessen gab es stilvoll bei Kerzenlicht auf der Terrasse mit Blick auf den dunklen Mekong, ein dicker Vollmond hing am Himmel – perfekter hätte es nicht sein können. Und beim Abendspaziergang nach dem Essen fanden wir sogar noch eine Flasche Wein.

Die heutige Route:

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