8. Februar – Noch mehr Tempel ….

P1190671Nachdem es gestern Vormittag wirklich seeeehr heiß geworden war, hatten wir uns mit Mr. Chee heute bereits um 9 Uhr verabredet.

Da in Siem Reap die Anmietung eines Motorrollers für Touristen nicht erlaubt ist, bleibt einem nur ein Tuktuk – oder man bewegt sich auf dem Fahrrad fort, was übrigens eine Menge (meist junger) Leute tun.

Wir haben uns fürs Tuktuk entschieden – auch als kleinen Beitrag dazu, dass Menschen vor Ort was an uns Touristen verdienen können.

Unser Vormittags-Ziel war die Rolous-Gruppe, drei Tempel-Anlagen, ca. 12 km von Siem Reap entfernt. Heute wollten wir uns mal eher nach den Lichtverhältnissen richten, nachdem wir gestern nicht wirklich das Gefühl hatten, den Massen entgehen zu können. (Wenn das auf den Fotos anders aussieht, so liegt das daran, dass ich auch schon mal 5 Minuten gewartet habe, bis eine 50-köpfige japanische Reisegruppe samt Führer weitergewandert war …)

Mr. Chee tuckerte mit seinem Tuktuk so gemächlich die Straße entlang, dass wir rund 45 Minuten für die Strecke brauchten … aber hier ist ja auch der Weg das Ziel, und es gibt immer eine Menge zu sehen. Da werden Dutzende von Hühnern, Füße nach oben, Köpfe Richtung Asphalt, zusammengebunden auf einem Motorrad transportiert, ein riesiges Schwein liegt quasi als Beifahrer auf dem Rücksitz eines Rollers, ein Besenbinder transportiert seine gesamte Kollektion auf dem Fahrrad … und immer wieder ganze Familien auf einem einzigen kleinen Motorroller.

Erster Stopp war der Tempel Preah Ko (Tempel des heiligen Bullen), während der Regentschaft von König Indravarman I erbaut und gemäß Inschrift 880 eingeweiht. Die Anlage besteht aus 6 Türmen auf einer Plattform, davor stehen teils stark verwitterte Skulpturen von liegenden Kühen (bzw. Bullen – aber so genau ist das heute nicht mehr zu sehen).

Auch hier sind es wieder die Details, die faszinieren – Treppenstufen, die in einer Art Blatt enden, der Aufgang von Löwen bewacht.

Feinste Steinmetzarbeiten am Türsturz …

… man muss schon sehr genau hinschauen, um die Unterschiede zu erkennen, die sich von weitem gar nicht erschließen – es werden ganze Bildergeschichten erzählt.

Nächster Stopp war der erheblich größere Bakong, der erste von den Khmer errichtete “Tempelberg” aus Sandstein, ebenfalls Ende des 9. Jh. erbaut. Die gesamte Anlage ist 900x700m groß und war von einem großen und einem kleineren Wassergraben umgeben, von dem heute nur noch der kleinere innere Graben mit Wasser gefüllt ist. Der Tempel selbst erstreckt sich über fünf Terrassen, die über ziemlich steile Treppen erklommen werden müssen.

Zu unserem Entsetzen parkten hier schon mehrere riesige Tour-Busse. Scharenweise kamen uns japanische und/oder chinesische und koreanische Touristen entgegen, andere folgten uns. Offenbar waren wir wieder mal zu spät gekommen! Aber das änderte nichts daran, dass wir völlig beeindruckt waren von der Symmetrie und Eleganz der gesamten Anlage und des Tempels. Der Weg führt über den Wassergraben, in dem Lotus-Pflanzen blühten.
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Dann lag die Tempel-Anlage vor uns, in der Mitte ein hoher Turm, ebenfalls in Form einer Lotus-Blüte.
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Rechts neben dem großen freien Platz steht ein (modernes) Kloster, wo offenbar eine Veranstaltung im Gange war – jedenfalls schallten unentwegt Gebete oder ähnliches über den Platz und es wimmelte von Khmer, alle in weißen Blusen. Ein paar Kindern – alle ordentlich in ihre Schuluniformen gekleidet – war das offenbar langweilig geworden, sie hatten sich in den Schatten eines Seitengebäudes gesetzt und betrachteten lieber die Touristenströme.
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Wir näherten uns dem Hauptgebäude – erstaunlich gut erhalten.
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Hier sind die Treppen noch im Urzustand, aus Stein und sehr steile, hohe Stufen.
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Der Blick von oben machte die Kraxelei aber mehr als wett – man konnte die Anlage gut überblicken …
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… und auch sehen, wie immer weitere Menschen zu der Versammlung im Kloster (links zu sehen) strömten.
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Wir wollten uns das näher ansehen und folgten den Frauen mit ihren Fahrrädern und den nach wie vor anhaltenden Lautsprecher-Übertragungen – inzwischen schien es eher eine Predigt als Gebete zu sein.
Rings um das Kloster waren kleine Essensstände aufgebaut – ich war fasziniert von einer Frau, die über offenem Feuer eine Art Pfannkuchen buk, sehnsüchtig beäugt von einem kleinen Mädchen.

Die Versammlung war gut besucht, wir wurden neugierig betrachtet, außer uns interessierte sich keiner der vielen hundert Touristen, die sich auf dem Areal aufhielten, für das, was hier vorging. Wir sahen Mönche ins Gespräch vertieft,
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ein kleines Mädchen ist offenbar müde geworden …
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.. die Musiker mit der riesigen Trommel warten auf ihren nächsten Einsatz …
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… und die Gläubigen hörten der Predigt aufmerksam zu.
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Wir genossen noch ein paar Momente die andachtsvolle Stimmung, dann ging es weiter, zum dritten, etwas entfernter liegenden Tempel der Rolous-Gruppe, dem Lolei Tempel.

Der Weg dorthin führte wieder über eine Sandpiste, der Staub verlieh der Umgebung, aber auch uns und unseren Kleidern eine interessante rotbraune Patina.
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Auf den ersten (und auch auf den zweiten) Blick ist diese Anlage völlig unspektakulär – zwei ziemlich verwitterte Türme, die aussahen, als hätten sie Haare auf dem Kopf.
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Geht man jedoch um die Türme herum, landet man in einem kleinen, sehr einfachen Kloster, in dem sich eine Schule befindet. Eine Gruppe Kinder hatte sich um den – offenbar einzigen – Computer geschart und schaute gebannt auf den Bildschirm …
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… während ein kleiner Junge unten vor dem Klassenzimmer auf riesigen Tontöpfen eine Auszeit nahm.
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Um die Ecke wurde von mehreren alten Leuten gerade das Essen für die Mönche vorbereitet, wir unterstützten die Küche mit einer kleinen Spende.
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Ich kam mit einem jungen  Mönch ins Gespräch, der im 3. Jahr als Novize hier lebt und noch zwei Jahre vor sich hat, bevor er endgültig zum Mönch geweiht wird. Auf meine Frage, ob es ihm hier nicht zu einsam ist, lachte er und meinte, tagsüber sei ja immer was los, es kämen Touristen, mit denen er sein Englisch praktizieren könne und abends sei es herrlich ruhig und man könne die Sterne sehen – das sei doch ein perfektes Leben.

Wir kehrten dem perfekten Leben aber doch den Rücken zu und fuhren wieder ins Hotel zur Mittagspause am kleinen Pool…
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Am Nachmittag stand Ta Prohm auf dem Programm – spätestens seit dem Film Tomb Rider mit Angelina Jolie einer der bekanntesten Tempel Angkors. Hier hatten wir es offenbar halbwegs richtig gemacht, waren etwas früher als von Mr. Chee empfohlen aufgebrochen – die Menschenmassen hielten sich zunächst auch in überschaubaren Grenzen.

Anders als früher kann man jetzt nicht mehr direkt bis zur inneren Tempelmauer fahren, sondern muss ein längeres Stück zu Fuß gehen. Durch das bröckelnde Eingangstor betraten wir den Weg zum Tempel-Areal, der ca. 800 m durch den Wald führt.
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Am Weg eine Gruppe kriegsversehrter Männer, denen Gliedmaßen fehlten oder die blind waren, und die ihren Lebensunterhalt mit Musizieren verdienten. Eine CD der melodischen Khmer-Musik hatten wir bereits gekauft.
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Dann näherten wir uns dem Tempel – bereits außerhalb der Tempel-Mauer findet man geheimnisvoll anmutende kleinere Schreine in verschiedenen Stadien des Verfalls.

Wir gingen zunächst an der äußeren Umfassungsmauer entlang – hier ist fast jeder Meter ein Foto wert, andererseits muss man auch immer wieder innehalten, um einfach nur die Atmosphäre aufzunehmen.

Riesige Urwaldbäume und Würgefeigen haben sich hier im Lauf der Jahrhunderte einen Teil ihres Terrains zurückerobert und überwuchern Mauern und Gebäude. Im inneren Tempel-Areal wird seit einiger Zeit heftig restauriert.
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Aber die mächtigen Wurzeln sind immer noch überall präsent.
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Da muss man schon ein bisschen suchen, damit man die kleinen Dinge nicht völlig übersieht.

Schließlich rissen wir uns los, die Sonne stand schon tief und wir wollten nicht zu spät in die Stadt. Dort gibt es dann das totale Kontrastprogramm zu Tempeln und Kultur …

Ein Kommentar zu “8. Februar – Noch mehr Tempel ….

  1. Wuah ! Ta Phrom ! Wir schwelgen in schönen Erinnerungen…. und in 15 cm Neuschnee 🙂
    Liebe Grüße an Euch zwei von den eingeschneiten Purkersdorfern 😉

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