9. Februar – Wasser statt Tempel: Zum Tonle Sap

P1190903Um 10 Uhr sollten wir abgeholt werden, wir wollten ein schwimmendes Dorf und einen Wald im Wasser am Tonle Sap Lake besuchen.

Auf Empfehlung der Rezeption hatten wir nicht das normalerweise besuchte Dorf gewählt, sondern ein anderes, welches weniger überlaufen sein sollte.

Außerdem fuhren wir heute mit dem Auto – zum einen hatte Mr. Chee keine Zeit, zum anderen soll die Straße teilweise derart schlecht sein, dass ein Tuktuk dort in Schwierigkeiten geraten könnte. 

Dass das zutrifft, wussten wir vom letzten Besuch, wo unser Tuktuk fast einen Achsbruch erlitten hatte!

Wir waren pünktlich – aber weit und breit kein Auto zu sehen. Unsere Nachfrage löste an der Rezeption hektische Aktivitäten aus – wir hatten den deutlichen Eindruck, dass man gestern schlicht vergessen hatte, ein Auto zu bestellen und jetzt auf die Schnelle nichts zu machen war.

Nach einiger Zeit wurde uns mitgeteilt, der Fahrer habe überraschend abgesagt, weil heute Chinesisches Neujahrsfest ist und er familiäre Verpflichtungen habe …??? Das kam uns dann doch ziemlich weit hergeholt vor, aber was sollten wir machen? Gegen 12:15 kam dann ein schmächtiges Bürschchen, ganz offensichtlich alles andere als begeistert, dass er uns fahren sollte, aber schließlich ging es dann doch los. Weil Kirri (so hieß der Knabe) unentwegt mit zwei (!!!) Handys telefonierte, schlich er im Schneckentempo mit 20 km/h dahin – anscheinend war seine Freundin ziemlich sauer, zumindest schrillte permanent eine sehr aufgebrachte Frauenstimme aus dem Handy. Zwischendurch rief er einen Freund an, der wohl Frieden stiften sollte, es war jedenfalls alles andere als eine angenehme Fahrt.

Entschädigt wurden wir durch die wunderbare Landschaft, durch die wir fuhren – Reis- und andere Felder zogen vorbei, die Farbpalette war beeindruckend, es waren bestimmt “50 shades of GREEN …” Vom zarten Lindgrün der jungen Reispflanzen über die satte Farbe der größeren Pflanzen,  gelbgrün schimmernde Felder, wo schon einiges reif wurde, fast golden leuchteten die erntebereiten Felder, braungrün die gerade abgeernteten. Dazwischen schlammgrüne schmale Wassergräben, dunkelgrüne Bananenstauden, die Zuckerpalmen hatten wieder eine andere Schattierung, ebenso die Hibiskusbüsche oder die Mangobäume …

Nach ca. 30 Minuten bogen wir ab auf eine Sandpiste – und spätestens jetzt waren wir heilfroh über den Schutz von Blech und Glas. Der Staub war unvorstellbar, dicke rote Wolken hingen eine gefühlte Ewigkeit in der Luft, wenn uns ein Fahrzeug entgegen kam oder überholte. Rechts und links der “Straße” hatte alles eine ziegelrote Patina – Büsche und Bäume, Gras und Gebäude. Wir kamen durch winzige Weiler, schwarze und weiße Enten paddelten in kleinen Kanälen und Dorftümpeln, Hunde rannten aufgeregt hin und her, Kinder winkten uns zu.

Schließlich wurde der rote Sand zu weißem Sand und wir erreichten die Bootsanlegestelle. Im schlammigen kreidefarbigen Wasser dümpelten ein paar Boote, aber es war kaum was los, nur ein mit Binsen oder ähnlichem beladener Wagen kam uns entgegen, sonst war es ruhig.
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Auch hier schien man nicht auf uns vorbereitet zu sein, wir hatten erneut das Gefühl, dass niemand so rechte Lust hatte, sich die Feiertagsruhe durch Arbeit verderben zu lassen. Schließlich fand sich ein junger Mann bereit, mit uns loszufahren, und wir bestiegen eines der Boote.
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Eine ganze Weile ging es durch einen engen schlammigen Zufluss, der allmählich breiter und sauberer wurde. Uns begegneten einige schmale Boote, auf denen alles Mögliche, sogar Motorräder, transportiert wurde.
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Und dann kamen auch bereits die ersten schwimmenden Häuser. Ein schwimmender Schweinestall ist nicht gerade alltäglich 😉
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Ein schwimmender Tante-Emma-Laden (die Häuser schwimmen auf Plattformen, darunter sind leere Fässer zusammengebunden, die den Auftrieb geben – ein Umzug durch Abschleppen ist jederzeit möglich)
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Dieser freundliche Zeitgenosse war zum Glück eingesperrt …
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Verglichen mit den Häusern der ebenfalls auf dem Wasser lebenden Inthas am Inle See in Myanmar wirkte hier alles deutlich schäbiger und ärmlicher.

Nach kurzer Fahrt hielt das Boot an einem kleinen Restaurant (wo auch das oben gezeigte Krokodil lebte), nach einer Pause ging es noch eine kurze Strecke weiter, dann hieß es, jetzt sei die Tour beendet. Wir waren ziemlich konsterniert – wo war der “Floating Forest”? Wo war der See – bisher waren wir nur in einem Zufluss!
Aber jegliche Diskussion war zwecklos, keiner verstand plötzlich auch nur ein Wort Englisch, so dass wir uns fügen mussten, es ging zurück.

Schon kurz nach 14 Uhr waren wir wieder im Hotel (unterwegs gab es noch ein paar hektische Telefonate unseres Fahrers, aber die Rückfahrt verlief deutlich zügiger …) und weil dieser Ausflug so völlig anders war als vereinbart, hielten wir mit unserem Frust nicht hinterm Berg. Aber die Sache ließ sich schnell und freundlich klären – für das Auto mussten wir letztlich nur die Hälfte, das Boot gar nicht bezahlen – und zum Trost gönnten wir uns eine wirklich exzellente Massage im Hotel, gefolgt von einer Faulenz-Runde am Pool.

Und abends gab es dann ein klassisches Khmer-Gericht – Amok, ein Fischgericht mit mäßig scharfem Curry auf Kokosmilch-Basis. Und danach ….. noch ein Gang zum Mexikaner auf eine Frozen Margharita! Für schlappe 1,50$ ein echter Genuss – vor allem bei der Hitze …
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