10. Februar – Verwunschene Tempel, traumhafter Tag

P1190919Ein letztes Mal wartete Chee morgens mit seinem Tuktuk auf uns. Wir wollten heute den fast 40 km entfernten Banteay Srei (Tempel der Frauen bzw. Tempel der Schönheit) besuchen.

Die Anlage stammt aus dem 10. Jh. und ist dem Hindugott Shiva gewidmet.

Chee meinte, die Fahrt würde wohl eine Stunde dauern – es ginge auch schneller, aber er fährt lieber langsam.

Offenbar hatte er mal mit dem Motorrad einen ziemlich üblen Unfall, weil ihm ein Tier vors Rad gelaufen war, seither fährt er lieber etwas gemächlicher – und uns war das bloß recht.

Es war noch früh, die Sonne schien, ab und zu ein paar Wolken, und der Fahrtwind umfächelte uns. Es ging vorbei an Angkor Wat, dann an einem riesigen Wasserbecken, sicher 500 m lang, in dem Kinder badeten. Auch dieses Becken ist um die 1000 Jahre alt und dennoch sehr gut erhalten.

Anschließend tuckerten wir durch eine abwechslungsreiche Landschaft, wo es viel zu sehen gab: Dörfer, in denen offenbar überall das chinesische Neujahrsfest gefeiert wurde – es waren viele rote Lampions und goldene Girlanden zu sehen, und auch Chee gestand uns, dass er gestern keine Zeit für uns gehabt hatte, weil er am Neujahrsfest für seine Eltern Opfer in den Tempeln darbieten musste.

Dann wieder Landschaften mit Reisfeldern, zerrupfte schwarze Hühner scharrten im roten Staub neben der Straße, magere weiße Kühe suchten Futter auf den abgeernteten Reisfeldern, behäbige Wasserbüffel aalten sich im Schlamm der Reisfelder oder der kleinen Kanäle. Das langsame Tempo entschleunigte auch uns, es war eine richtig meditative Fahrt, bei der die Seele Schritt halten konnte mit dem Tempo der Fortbewegung.
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Nach einer knappen Stunde waren wir am Banteay Srei und erlitten fast einen Schock – über einen riesigen Parkplatz (der ziemlich voll war) erreichte man ein monströses Besucherzentrum, vor dem sich hunderte von Menschen ballten. Daneben war eine Art Einkaufs-Galerie, auch dort wimmelte es. Offenbar hatten die Feiertage eine wahre Besucher-Schwemme ausgelöst, es herrschte jedenfalls ein enormer Andrang – ganz überwiegend waren es aber keine Ausländer, sondern Khmer. Dabei hatten wir eigentlich gehofft, dass der doch ziemlich weit entfernte Tempel eher ruhig sein würde…

Wir wanderten den langen Sandweg entlang zum Tempel, die meisterhaften Steinmetz-Arbeiten ließen uns die Besuchermassen schnell vergessen. Schon das Eingangstor war überwältigend in seiner Detailfreude.
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Dahinter ging es einen steinernen Weg entlang, gesäumt von lauter Lingams,
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bevor es durch Fragemente eines Tores in den Tempel-Innenhof ging.
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Ein zweites Tor war noch schöner – wie man Stein so kunstvoll und filigran bearbeiten konnte, ließ uns staunen.
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Die Tempel-Anlage ist ein Meisterwerk, und wir waren gebührend beeindruckt.

Nach der ausgiebigen Besichtigung baten wir Chee, uns noch zu zwei weiteren Tempeln zu bringen – dem Ta Som und dem Preah Khan. Beide stehen in den Führern weiter hinten, so dass wir uns dort weniger Besucher erhofften.

Für den Weg wählte Mr. Chee eine Strecke, die durch ein Dorf führte, wo Chee ein kleines Mädchen ansprach. Es stellte sich heraus, dass Chee dort 10 Jahre lang als Lehrer gearbeitet hatte, bevor er die sehr schlecht bezahlte Stelle aufgab und stattdessen begann, Touristen durch die Gegend zu fahren. Er hat 4 Kinder, drei davon Söhne, und während in anderen Ländern Eltern stöhnen, weil sie ihren Töchtern eine Mitgift finanzieren müssen, ist es hier so, dass Männer für eine Frau einen Brautpreis entrichten müssen.
Bis zu 5000 $ kann eine Braut kosten – eine Menge Geld, wenn man nur 60$ im Monat verdient, wie Chees ältester Sohn. Er fand unsere System, bei dem sich die jungen Leute einfach füreinander entscheiden und lediglich zusehen müssen, wie sie ihr gemeinsames Leben finanzieren, erheblich besser – aber in Kambodscha ändern sich Traditionen nur sehr langsam.

Nach dem Abstecher durch seine alte Heimat – ergänzt durch Geschichten über die ehemalige Schule aus Bambus und Palmblättern, die  in der Regenzeit schon mal weg geschwemmt wurde, oder wo Wasserbüffel einfach durchs Klassenzimmer trabten (heute stehen dort allerdings feste Steinhäuser, überwiegend finanziert durch Spenden) – landeten wir am Preah Khan.

Und dort geschah ein Wunder – wir waren völlig allein an einem wunderbaren Tempel-Eingang, eine Brücke, flankiert von Dämonen und Göttern, die steinerne Nagas trugen, führte über einen halb zugewachsenen Wassergraben zu einem verwunschen Tempel.

Wie so oft, hatten Diebe auch hier den meisten der Statuen die Köpfe abgeschlagen und sie irgendwohin verkauft… Wir kamen in den Innenhof, wo eine fast klösterliche Stille herrschte, nur ab und zu ein Vogelruf.
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Auch hier wieder Steinmetzarbeiten vom Feinsten.

Und Versuche der Natur, sich die Tempel zurück zu erobern.

Wir gingen zu einem anderen Ausgang hinaus, dort wartete eine weitere Überraschung – eine verträumte Wasserlandschaft breitete sich vor uns aus.
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Eine Weile standen wir einfach da und genossen die Stille und die Natur – dann ging es weiter, zum wirklich allerletzten Tempel, dem Ta Som. Hier war wieder etwas mehr los, aber weiterhin keine Busse, keine größeren Gruppen. Lächelnde Khmer-Gesichter über dem Eingangstor …
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…das rückwärtige Tor fast vollständig überwachsen.
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Das war’s für uns in Siem Reap – noch ein Abschieds-Foto von unserem zuverlässigen und kundigen Fahrer,
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dann ging’s zurück ins Pavillion Indochine, noch ein bisschen faulenzen am Pool und vor allem Packen …

Dann ein letztes Mal in die trubelige Altstadt, Wäsche aus der Wäscherei abholen (die heftigen Flecken durch den roten Sand waren allerdings nach wie vor in Hosen, Hemden und T-Shirts – also wer vorhat, die Tempel von Angkor zu besuchen, sollte möglichst keine hellen Klamotten anziehen – rot ist am besten, da sieht man die Flecken nicht so … Zwinkerndes Smiley ).
Nochmal Frozen Margharitas als Dessert – dann überraschte uns Chee, indem er uns in einem piekfeinen Auto abholte. Das sei sein Flughafen-Auto, erklärte er uns, er müsse später noch Leute von Flughafen abholen. Und er würde uns morgen auch gerne zum Flughafen bringen, wenn wir ein bißchen früher als geplant aufbrechen könnten …

Wir wollten eigentlich um 8:15 los, unser Flieger ging um 10:15, aber 8 Uhr war auch kein Problem, also sagten wir zu, denn das kleine Zubrot wollten wir Chee nicht nehmen. Weil unser Wecker morgen um 6:30 klingeln würde, waren wir – nachdem die Packarbeit erledigt und unsere Hotelrechnung bezahlt war – ziemlich früh im Bett.

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