27. Februar – Balis grünes Herz

DSC00087Bali ist vor allem eines – sehr grün! Kein Wunder bei der hohen Luftfeuchtigkeit – allerdings blieben wir gestern vom Regen total verschont, obwohl ja eigentlich noch Regenzeit ist.

Heute morgen frühstückten wir im Grünen – auf unserer Terrasse. Dieser Service (und der kostenlose Nachmittagskaffee mit Kuchen) gehört zum Konzept der Alam-Gruppe, die mehrere winzige und sehr individuelle Hotels mit meist nicht mehr als 10 Zimmern auf Bali und der Insel Gili Trawangan betreibt.

Aus einer kleinen Karte konnten wir unser Frühstück zusammenstellen  – frischer Obstsalat mit hausgemachtem Joghurt, frisch gepresster Saft, ein kleiner Brotkorb mit Brot und Croissants sowie Eier, dazu Kaffee bzw. Tee – und das alles in der Morgensonne mit Blick auf den Lotusteich …
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Schon jetzt will ich hier eigentlich nicht mehr weg – von mir aus könnten wir den Rest unserer Reisezeit einfach hier verbringen, aber leider ist
Alam Shanti praktisch ganzjährig total ausgebucht, wir konnten unser Shindu Zimmer (gebucht im August 2012!!!) nur noch für 3 Nächte ergattern und müssen für die letzte Nacht in ein anderes Zimmer umziehen.

Aber erst mal genossen wir Zimmer, Terrasse und Garten.
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Die kleine Lobby

So schön die Anlage aber auch ist, wir wollten ja noch ein bisschen mehr sehen. Dieter hatte gestern schon in einem kleinen Lädchen ein paar Häuser weiter ein gutes Motorrad ausfindig gemacht, das liehen wir uns heute für 50.000 IDR (knapp 4 Euro) und düsten los.
Erst mal in den Ort rein, wir hatten einen (handgemalten) Plan von der Stadt und der Umgebung vom Hotel bekommen, darin war eine Straße als “way through ricefields” gekennzeichnet. Die Straße fanden wir problemlos und waren auch tatsächlich kurz darauf mitten in den Reisfeldern. Dann war allerdings mit Motorrad fahren Schluss, denn die schmalen Wege waren zumindest mir persönlich zu gewagt für ein Zweirad.

Also stellten wir das Motorrad ab und wanderten durch die Felder.
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Die Feldränder waren von Kokospalmen gesäumt, die willkommenen Schatten spendeten und sich im Wind wiegten. Als allerdings knapp hinter mir eine große Kokosnuss mit sattem Plopp auf den Weg fiel, wurde uns doch etwas mulmig und wir liefen mit leicht beschleunigtem Schritt (die Augen immer nach oben gerichtet Zwinkerndes Smiley) zum Motorrad zurück. Da es schon seit unserer Ankunft extrem windig war, wunderte uns nicht, dass die Nüsse runterpurzelten.

Zurück im Ort fuhren wir auf die andere Seite des Flusses und dort einfach mehr oder weniger ziellos durch die Dörfer. Balinesische Dörfer sind richtige Schmuckstücke – es scheint dort sogar eine Art Kehrwoche zu geben, jedenfalls war immer jemand irgendwo dabei, die schmale Straße zu fegen, alles war (meistens) blitzsauber.
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Vielleicht hat es ja auch mit dem bevorstehenden Neujahrsfest der Balinesen, Nyepi, zu tun.

Am Tag davor ist mächtig was los und die Vorbereitungen dafür konnten wir überall beobachten. Schaurige Riesen-Dämonen aus Pappmaché, Ogoh Ogohs, werden derzeit überall angefertigt. Die Ogoh Ogohs symbolisieren alles Ungute und Böse und werden – bunt bemalt und angezogen – am Tag vor Nyepi durch die Straßen getragen und schließlich verbrannt. Damit wird die Vertreibung der bösen Geister symbolisiert.
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Und damit sie den Weg zurück nicht finden, bleibt ganz Bali am nächsten Tag still und dunkel. Nyepi – dieses Jahr am 12. März – ist ein Fest der absoluten Stille, an diesem Tag steht das Leben auf der Insel komplett still. Niemand – auch kein Tourist – darf sein Haus oder Hotel verlassen, es darf kein Licht und kein Geräusch aus einem Haus auf die Straße dringen, es darf nicht gekocht und nicht geküsst werden, und sogar der Flughafen (und die Geldautomaten!!) werden an diesem Tag stillgelegt.

Wer auf der Straße erwischt wird, kann für 24 Stunden ins Gefängnis wandern oder muss eine Strafe von mindestens 500.000 IDR (ca. 40€) bezahlen – sehr viel Geld für einen Balinesen. Über die Einhaltung der Ruhe wacht an diesem Tag eine besondere Truppe, die Pecalang, gekleidet in schwarzweiß-karierte Sarongs. Die schwarzweiße Kleidung symbolisiert den Kampf zwischen dem Guten und Bösen, dem Reinen und dem Unreinen.

(Wir werden das alles nicht miterleben, denn am 11. geht es für uns zurück nach Bangkok.)

Jedes Dorf hat mindestens einen, meist ziemlich alten, Tempel.
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Die Tempel sind voll mit Göttern und Dämonen.
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Auch die Häuser der Balinesen stecken voller Symbolik: Umgeben von hohen Mauern beherbergen sie diverse Schreine von Ahnen. Von außen sieht man nicht viel, nur die Mauer, die oft recht prächtige Eingangstür und die Spitzen der Schreine.
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Wenn man aber von einer der schmalen Seitengässchen über die Mauer linst, entdeckt man reich verzierte Schreine im Innenhof.
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Es machte unheimlich viel Spaß, einfach so herum zu streifen, durch Dörfer, dann wieder an Reisfeldern entlang,
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gefolgt von Tempeln – die auch mal ganz isoliert irgendwo in der Gegend standen. Bei dieser Figur über einem Tempeleingang faszinierten mich die endlos langen Fingernägel – aber Dämonen müssen sicher keine Arbeit mit den Händen verrichten ….
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Und die hätte dringend eine Zahnspange gebraucht!
Schließlich gerieten wir noch in ein Dorf, in dem eine Kranichkolonie sämtliche Bäume besetzt hatte.
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Ein Stück weiter war der Reis nicht mehr grün, sondern bereits reif und wurde geerntet. Mit altertümlichen Geräten wurde das Stroh von Frauen gedroschen, die Körner dann auf einer Plane aufgefangen, zusammengekehrt und in Säcke geschüttet.
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Die Ernte hingegen war offenbar Männersache – mit Sicheln wurde der Reis abgeschnitten und gebündelt.
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Langsam wurde es Zeit, zurückzukehren, wir hatten ja noch einiges zu erledigen – unter anderem musste noch der Transfer in zwei Tagen auf die Insel
Gili Trawangan geklärt werden. Und wir wollten auch nicht allzu spät zum Essen gehen.
Also fuhren wir heimwärts, gaben unser Motorrad ab und ich versuchte, im Internet Klarheit zu gewinnen, ob der Fast Boat Betreiber, den man uns im Hotel ans Herz legte, der aber recht teuer war, wirklich was taugte.
Außerdem machte mich der inzwischen extrem starke Wind etwas unruhig, denn bei starkem Seegang in so einem kleinen Boot durch die Lombok Strait zu schippern, die berüchtigt ist für ihr Unberechenbarkeit und wo es zudem bis zu 250 m tief ist, ist nicht so wirklich mein Ding….

Und es überraschte mich dann auch nur wenig, als ich rein zufällig im Internet auf einen Hinweis stieß, dass bereits seit dem 25. Februar der komplette Schiffsverkehr zwischen Bali und Lombok sowie den Gili Inseln eingestellt war! Schuld war der Zyklon Rusty, der vor der australischen Westküste tobt und auch die Gewässer um Bali und Lombok in Aufruhr versetzte. Zwei Fischer waren bereits ertrunken, an diversen Küsten Balis hatte es erhebliche Verwüstungen gegeben …

Nur Ayu an der Rezeption gab sich ahnungslos und hätte mir ungerührt ein Ticket verkauft, das wir vermutlich gar nicht hätten nutzen können – eine Erstattung ist bei “höherer Gewalt” natürlich ausgeschlossen.Leicht irritiert konfrontierte ich sie mit meinen Erkenntnissen, und wir verblieben erst mal so, dass wir uns im Ort noch genauer nach der Lage erkundigen und den morgigen Tag mal abwarten würden. Bei einer der kleinen Reiseagenturen wurde uns auch prompt bestätigt, dass auch heute noch keine Boote fahren durften, für morgen hoffe man aber auf Besserung.

Das war mir dann aber doch zu unsicher – nachdem wir vom Essen zurück war, ging es wieder (ins quälend langsame) Internet und ich suchte nach Flügen nach Lombok, denn das war die aus meiner Sicht sicherere Alternative. Zwar muss man von Lombok auch mit dem Boot übersetzen, aber von dort dauert es lediglich ca. 20 Minuten, von Bali aus 1 1/2 – 2 Stunden. Für den 1. März war jedoch kein Flug mehr zu kriegen, zumindest nicht zu einer Uhrzeit, die noch einen Bootstransfer ermöglicht hätte…..

Also wanderte ich nach vorne zur Rezeption, erklärte die Sachlage und fragte, ob wir noch eine Nacht länger im Alam Shanti bleiben könnten, denn für den 2. März gab es noch Flüge. Nach längerem Konsultieren diverser Listen meinte Ayu, es sei möglich, falls wir bereit wären, zweimal umzuziehen, also nur jeweils eine Nacht in einem Zimmer ….

Mir war inzwischen alles egal, ich wollte nur um keinen Preis auf ein Boot in einem aufgewühlten Meer. Sie klärte noch mit dem Hotel auf Gili ab, ob wir dort evtl. einen Tag dran hängen könnten – aber die waren voll, es würden also auf Gili Trawangan nur 2 Tage werden.

Leider hatte das Internet inzwischen total schlapp gemacht, wir konnten also heute keinen Flug mehr buchen – und versuchten  deshalb, bei einer Flasche kühlem Bintang Bier etwas abzuschalten und einfach die Nacht auf der Terrasse zu genießen.

Ein Kommentar zu “27. Februar – Balis grünes Herz

  1. Liebe Renate,

    zufällig bin ich gestern Abend über Euren Blog „gefallen“ und habe bis jetzt fast alles durchgelesen, ja fast verschlungen und es ist mir ein Bedürfnis, Danke zu sagen für die tollen Texte und prächtigen Bilder!

    Besonders Euer derzeitiger Aufenthaltsort, Bali, interessiert mich sehr und ich fiebere dem nächsten Eintrag entgegen – werdet Ihr über Nyepi bleiben?

    Herzliche Grüße auch an Deinen Mann und gute Nacht – bei Euch ist es ja schon spät 😉
    Sanne (die noch 145 mal schlafen muss, bevor sie mit ihren beiden Männern wieder auf Bali ist)

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