28. Februar – Ärger wegen Rusty

DSC00174Der Cyclon Rusty beschäftigte uns weiterhin – für morgen sind definitiv keine Flüge nach Lombok mehr zu bekommen, offenbar sind eine Menge Leute von der Fähre auf den Flieger umgestiegen.

Und die Schnellboote sollen zwar morgen angeblich wieder fahren, allerdings wird bei Tripadvisor von einem auf Lombok lebenden und offenbar ziemlich sachkundigen Kommentator noch immer nachdrücklich davon abgeraten, in den nächsten zwei Tagen mit dem Boot zu fahren.

Er betonte, das Meer sei nach wie vor sehr unruhig und meinte “even if the ferries are running, you would likely not want to be on it” …

Also musste ein Flug her! Morgens um 7 war immerhin das Internet noch ziemlich in Ordnung, es gab sogar noch einen günstigen Flug am 2. März um 11:40 – aber aus unerfindlichen Gründen verweigerte die Website jegliche Zahlung mit einer unserer Kreditkarten. Es half nichts – wir mussten uns anderweitig ein Ticket besorgen.

Zu allem Unglück mussten wir auch noch packen, denn heute sollten wir in ein anderes Zimmer mit dem hübschen Namen “Saraswati” umziehen. Da es aber erst um 12 frei werden sollte, musste unser Gepäck erst mal in der Rezeption bleiben, bis wir nachmittags wieder heim kamen.

Wir dehnten das Frühstück auf der Terrasse nach Kräften aus, denn obwohl wir das andere Zimmer nicht kannten (bzw. nur von den Fotos im Internet),waren wir sicher, so schön wie Shindu würde es wohl kaum sein. Aber irgendwann mussten wir der Realität ins Auge sehen und uns außerdem um das Flugticket kümmern. Während ich die Koffer fertig packte, lieh Dieter das Motorrad nochmal aus, Ayu gab uns eine – ziemlich vage – Wegbeschreibung zu einem Reisebüro, das auch Flugtickets verkaufte und wir tuckerten los.

Das empfohlene Büro fanden wir zwar nicht, dafür ein anderes, und 15 Minuten später sowie um 600.000 IDR (ca. 46 Euro) ärmer – das war der Preis für zwei Tickets inkl. Servicegebühr! – konnten wir weiterfahren.

Dieses Mal fuhren wir zunächst nach Norden und kamen durch ein Dorf, wo Holzenten hergestellt werden. Sie standen zu hunderten in Reih und Glied entlang eines kleinen Kanals.
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Genau so eine Ente hatten wir vor einigen Jahren in England gekauft – hier hätten wir sie vermutlich für einen Bruchteil des Preises bekommen! Wenn unsere Koffer nicht schon so voll wären, hätte ich liebend gerne noch eine mitgenommen!

Wir kamen in ein Dorf, das festlich herausgeputzt war – zu beiden Seiten der Straße standen geschmückte Bambus-Pole.
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Im Dorf dann eine Art Pforte mit Statuen, dahinter ein ebenfalls geschmückter Gang.
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Dieter, immer auf der Suche nach lohnenden Motiven, ging ein Stück hinein, und eine nette Balinesin forderte uns auf, mitzukommen. Es stellte sich heraus, dass sich am Ende des Ganges der Dorftempel befand, der so üppig geschmückt war, dass das Mauerwerk kaum noch sichtbar war.
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Bevor wir ihn betreten durften, musste Dieter erst mal ordentlich angezogen werden und einen Sarong umbinden, denn er trug nur Bermudas. Mein sarong-ähnlicher Rock war ok. Die Frau erklärte, dass derzeit viele Zeremonien stattfinden, weil die Zeit zwischen Vollmond vor Neujahr und Neujahr eine heilige Zeit ist, in der man um den Schutz der Götter bittet. Sie lud uns ein, zu einer der Zeremonien zu kommen – leider sind wir zu dieser Zeit jedoch bereits auf den Gili Inseln.

Ich bin immer wieder überrascht von der Offenheit und Herzlichkeit der Balinesen. Und es ist auch schon ein kleines Wunder, dass Bali nach wie vor fast komplett hinduistisch ist und – obwohl Indonesien ein muslimischer Staat ist – die Moslems hier nur eine kleine Minderheit sind. Abgesehen von dem schrecklichen Bombenattentat 2002 auf eine Diskothek, bei dem muslimische Terroristenüber 200 Menschen töteten, lebt man hier sehr friedlich miteinander. Die Terroristen kamen auch nicht aus Bali ….

Auch hier gab es wieder erstaunliche Götter zu bestaunen.
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Filigrane weiße und gelbe Schirme und Wimpel, flatterten (immer noch heftigen) Wind. Wir verabschiedeten uns mit einer kleinen Spende und rollerten Richtung Süden …. und dann nach Osten … oder so.

Jedenfalls verfuhren wir uns total und hatten bald nicht die geringste Ahnung, wo wir eigentlich waren. Eine Weile war uns auch reichlich egal, wo wir hinfuhren, es war einfach nur schön, durch die wunderbare Landschaft und Dörfer zu fahren – bloß wurde so langsam der Sprit knapp und es gab weit und breit keine Tankstelle. Aber aus zahlreichen Asien-Aufenthalten mit Motorrad hatten wir gelernt, nach Flaschen am Wegesrand Ausschau zu halten und entdeckten auch bald eine Batterie von Vodka-Flaschen in einem Holzregal. Da der Inhalt leicht gelblich war, gingen wir davon aus, dass es Benzin war und nachdem die nette Verkäuferin die Flüssigkeit ohne zu zögern in den Tank schüttete, war es wohl auch so …

Nun machten wir uns aber ernsthaft auf die Suche nach dem Rückweg nach Ubud. Da wir nach Osten gefahren waren und es inzwischen ca. 15 Uhr war, versuchte ich, anhand der Sonne den Weg zu finden – allerdings mit wenig Erfolg (ich hätte früher halt doch mal bei den Pfadfindern vorbeischauen sollen Zwinkerndes Smiley) Stattdessen versuchten wir es mit Passantenbefragung – und ernteten ziemlich viel Heiterkeit, als wir nach dem Weg nach Ubud fragten. Mit Mimik und Gestik wurde uns klar gemacht, dass wir genau in die falsche Richtung fuhren – also umgedreht und zurückgefahren.

An einer Kreuzung bogen wir wieder nach Gefühl ab – und erhielten kurze Zeit später erneut von Einheimischen die Auskunft “Falsche Richtung!” Plötzlich sah ich ein kleines Schildchen “Maya Ubud – 2km”, darunter ein Pfeil. Im Maya hatten wir vor zwei Jahren gewohnt, also versuchten wir, dem Wegweiser zu folgen – was nicht so einfach war, denn es kam keiner mehr und es gab jede Menge Abzweigungen.

Da kam uns eine Gruppe Radfahrer entgegen, alles Farangs! Es war also davon auszugehen, dass die Gruppe in Ubud wohnte und, weil es schon relativ spät war, auf dem Heimweg war. Also fuhren wir der Gruppe einfach hinterher – was auch wieder nicht so einfach war, denn ein schönes Reisfeld im Nachmittagslicht lässt Dieter nicht einfach so links liegen!
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Und noch weniger bringt er es fertig, Erntearbeiter ungefilmt zu lassen.
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Da wurde gedroschen und gesiebt – wieder lauter Frauen und wieder mit vorsintflutlichen Geräten.
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Die Radfahrer waren inzwischen natürlich über alle Berge, aber wir hatten Glück, fanden die richtige Straße, fuhren wenige Minuten später am Maya vorbei und waren kurze Zeit danach daheim.

Dort empfing uns Ayu mit der Nachricht, dass das Zimmer, das wir eigentlich erst morgen beziehen sollten, heute schon frei sei. Wenn wir wollten, könnten wir also zwei Nächte dort bleiben und müssten nicht nochmal umziehen. Da sie vorher angedeutet hatte, dass dieses Zimmer mit dem seltsamen Namen “Lumbung” das einfachste in der Anlage sei “a small garden-house, outside, in the ricefields…” , waren wir ein bisschen unschlüssig und baten, das Zimmer erst mal ansehen zu dürfen.

Es lag in der Tat außerhalb des Parks, oberhalb einiger terrassenförmig angelegter Reisfelder, die gerade umgepflügt wurden. Dort standen ein größeres und ein kleineres Haus, unser Begleiter deutete auf das kleinere und meinte, das sei Lumbung. Wir konnten es kaum fassen – ein ganzes Haus??? Naja, vermutlich nur ein Zimmer im unteren Geschoss …
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Aber es war tatsächlich das gesamte Häuschen – unten ein kleiner Wohnbereich, oben Schlafzimmer und Bad.
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Außerdem eine kleine Terrasse.
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Und ein wunderbarer Blick – wenn die Felder grün wären, wäre es überwältigend!
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Klar – hier würden wir sofort für die nächsten beiden Tage einziehen! (Trotzdem ließ ich mir Saraswati noch kurz zeigen – aber dieses Zimmer gefiel mir nicht so gut, es ist ein Zimmer im Obergeschoss und man muss quasi über die Terrasse der Bewohner des unteren Stockwerks gehen.)

Wir richteten uns also erst mal ein, bekamen Kaffee und Kuchen in unseren Salon geliefert, und sahen dem Landarbeiter bei der Arbeit zu. Reisfelder umpflügen ist Schwerstarbeit und noch dazu reichlich schlammig.
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Wir wollten zu Fuß in die Stadt und machten uns gegen 17:30 auf den Weg. Der Himmel hatte sich ziemlich zugezogen – aber das war abends schon öfter so gewesen, außer einem heftigen, aber kurzen Gewitter in einer Nacht hatte es bisher jedoch nicht geregnet.

Heute hatten wir uns jedoch verschätzt. Wir gingen einen kleinen Fußweg am Rande des Monkey Forest entlang, als der Regen losbrach. Zunächst waren wir noch einigermaßen durch die dichten Bäume geschützt, als der Wald jedoch zu Ende war, standen wir vor einer Wasserwand, die senkrecht vom Himmel fiel. Umkehren hatte keinen Zweck, denn wir hätten auf jeden Fall ein längeres Stück ungeschützter Straße vor uns, also warteten wir ein ganz kurzes Nachlassen ab und sprinteten über die Straße in einen kleinen Laden.

Es sah nicht so aus, als würde der Regen bald aufhören, die geschäftstüchtige Inhaberin rückte mit einem Stapel Schirme an und wir kauften ihr zwei ab – Riesen-Dächer, das Stück für 3,50 €. So geschützt stapften wir durch den Regen, immer vorsichtig um die tiefen Pfützen und schäumenden kleinen Bäche auf der Straße herum. Leider sind meine Flipflops für solche Fälle nur bedingt geeignet – zwar macht ihnen Wasser nichts aus, aber ich rutschte bei jedem Schritt mit meinen nassen Füßen in den Schuhen herum.

Deshalb legten wir eine Pause in einem Lokal ein, als wir den kleinen Anstieg hinter uns hatten – es war unerträglich schwül und uns floss der Schweiß in Strömen herab, das musste mit einem kühlen Bintang Bier bekämpft werden. Noch während wir unser Bier tranken, hörte der Regen auf und die Sonne kam wieder raus….

Wir landeten wieder in unserem Lieblingslokal Ibu Rai – dort stimmt einfach alles. Das Essen ist prima, das Ambiente sehr schön und die Bedienungen unglaublich nett. Deshalb ist das Lokal auch immer sehr gut besucht. Heute war die Zahl der Plätze durch den Regen deutlich verringert, denn die Tische vorne unter der Pergola waren nass und konnten nicht benutzt werden. Wir fanden dennoch ein schönes Plätzchen und genossen ein wunderbares Essen – und danach noch ein Glas balinesischen Wein in einem anderen Lokal, denn es gibt tatsächlich einen durchaus trinkbaren einheimischen Wein!

Um 9 Uhr wartete das Auto wieder auf uns. Nachdem wir an der Rezeption abgesetzt worden waren, wanderten wir durch die ruhige Nacht noch ca. 200 m bis zu unserem Lumbung (das bedeutet “Reisspeicher” – unser Haus war früher ein Speicher, diese haben alle die typische, an Walmdächer erinnernde, Dachform). Wir waren noch nicht lange im Haus, als erneut ein mächtiges Gewitter lostobte, mit Sturzregen und einer Blitz-Orgie fast wie ein Feuerwerk. Gut, dass wir ein festes Dach über dem Kopf hatten!!

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