22./23. Januar – Ein typischer Kampot-Tag

P1010592Wir wollten mehr von der Umgebung sehen, auch eine Pfefferplantage besuchen – aber lieber nicht mit dem Motorrad, angesichts extrem vager Wegbeschreibungen und grauenvollen Straßenzuständen.

Diverse kleine Agenturen boten mehr oder weniger die selben Ganztagestouren an, alle mit etlichen Stunden am schattenlosen Strand von Kep. 

Außerdem Salzfelder – die hatten wir aber schon gestern gesehen. 

Deshalb versuchten wir, eine Alternativroute auszuhandeln – ohne Erfolg.Also nahmen wir einfach ein Tuktuk mit Fahrer für einen Tag – und die umtriebige Linh fand sogar eines, dessen Fahrer recht gut Englisch sprach!

Um 10 Uhr stand Nak vor dem Haus und wir tuckerten los. Erst mal Richtung Kep – die Straße, die letztes Jahr eine staubige Schlaglochpiste gewesen war, hatte sich nun in eine nicht weniger staubige Schotterstraße verwandelt. Wir schluckten Unmengen von Staub, obwohl wir uns beide Tücher vor Mund und Nase hielten. Außerdem war es auch noch ziemlich kalt und sehr windig – anfangs war die Fahrt nicht die reine Freude!

Das änderte sich allerdings, nachdem Nak die Straße verließ und quer durchs Land über Feldwege fuhr. Hier war es zwar sehr holperig, aber dafür deutlich weniger staubig. Und die Landschaft war idyllisch – kleine Dörfchen, in denen Hunde und Schweine in der Sonne dösten, Enten watschelten zu kleinen Teichen, auf denen Lotusblumen schaukelten und Frauen Wäsche wuschen, kleine Kinder winkten uns genauso zu wie die Alten, die in  Hängematten unter ihren Pfahlhäusern schaukelten.


Leider waren die Reisfelder kürzlich abgeerntet worden, statt von saftigem Grün, das wir letztes Jahr im Mekong-Delta erlebt hatten, waren wir hier von braun-gelben Stoppelfeldern umgeben. Aber es gab jede Menge Bäume – insbesondere die Mangobäume standen alle in voller Blüte, sie sehen allerdings nicht sonderlich spektakulär aus.


Wir fuhren eine knappe halbe Stunde quer durchs Land, dann ging es den Berg hoch und plötzlich standen wir an einem See – dem “Secret Lake”, wie Nak uns erklärte. Sehr geheim ist er allerdings nicht, es ist ein Stausee, der die umliegende Gegend mit Wasser versorgt und vor allem die Bewässerung der Felder sicher stellt.


Außerdem ist er auch ein beliebtes Ausflugsziel, denn am gegenüberliegenden Ufer konnte man Restaurants und schwanen-förmige Boote erkennen (schon toll, was so ein Teleobjektiv alles sichtbar macht!!).

Wir fuhren weiter den Berg hoch, zur Bio-Pfeffer-Plantage “Starling”, die von einem Iren mit seiner Khmer-Frau betrieben wird. Der Blick von oben über die gesamte Gegend wäre atemberaubend gewesen – wenn es nicht total diesig gewesen wäre! Wir widmeten uns also den Pfefferpflanzen und waren etwas erstaunt, dass sie nicht, wie anderswo, an Holzpfählen emporrankten, sondern an einer Ziegelsteinkonstruktion. Bei den noch jungen (3-4 Jahre alten) Pflanzen konnte man das Gerüst noch deutlich erkennen, bei den älteren war davon nichts mehr zu sehen.

Wir erfuhren, dass gutes Holz schwer zu bekommen sei und die Ziegel-Konstruktion ist erheblich dauerhafter und kann Wärme und Feuchtigkeit speichern.



Der junge Pfeffer war noch nicht ganz erntereif – Erntezeit ist erst ab März. Dennoch deckten wir uns reichlich mit den verschiedenen Pfeffersorten der letzten Ernte  – schwarz, rot und weiß – ein, auch für diverse nette Menschen, die flehentlich um ein Pfeffer-Mitbringsel gebeten hatten. Wenn man ihn noch nicht gerochen und geschmeckt hat, kann man sich schlicht nicht vorstellen, welchen geschmacklichen Unterschied der frische Kampotpfeffer zum normalen Supermarkt-Pfeffer darstellt – aber es ist wirklich unglaublich!

Von den Pfeffer-Höhen ging’s wieder runter in die Ebene – erneut durch friedliche Dörfer, vorbei an Feldern und Gehöften.





Schließlich überquerten wir die alte Bahntrasse, die heute zwar kaum noch genutzt wird, aber offenbar immer noch als Orientierung und Fußweg dient.

Zwar sind die meisten Menschen hier Buddhisten – aber es gibt auch zahlreiche Muslime, die hier farbenfroh und fröhlich daher kommen-

Wir kamen in Kep an, am alten Markt, wo auch heute noch die berühmten Krabben (und sonstiges aus dem Meer und vom Land) feil geboten werden.




Obwohl vieles verlockend aussah, verzichteten wir auf einen Snack und fuhren weiter – zunächst am Strand entlang. Dort trauten wir unseren Augen kaum: Riesige Berge schnee-weißen Sandes lagen am Straßenrand und teilweise auch schon am Strand – offenbar soll der eher etwas schmuddelige Strand von Kep mit weißem Korallensand aufgehübscht werden!
Wir waren so perplex, dass ich total vergaß, dieses Täuschungsmanöver zu fotografieren!

Eine Runde durch Kep, vorbei an unzähligen verfallenen Gebäuden, rundete unsere Tour ab. Wenn man von den verfallenen Villen in Kep hört oder liest, stellt man sich irgendwie romantisch vor sich hindämmernde Kolonialvillen vor – tatsächlich sieht das aber alles aus, wie unvollendete Rohbauten im 30er Jahre-Stil. Jedenfalls für mich bar jeglicher Romantik.

Eine staubige Stunde später waren wir wieder in Kampot und wir besuchten Stefan im Cafe Malay. Stefan lebt seit ca. 3 Jahren in Kampot mit seiner Khmer-Lebensgefährtin Malay und betreibt dort ein kleines Café. Es gibt bei ihm nicht nur einen richtig leckeren Käsekuchen und gutes Brot, sondern er stellt auch selbst diverse Würste her, sogar Pfälzer Leberwurst ist im Angebot. Im Moment bekommt er allerdings kein Roggenmehl, düstere Zeiten für den passionierten Roggenbrot-Liebhaber….

Um meine vom Tuktuk etwas durchgeschüttelten Knochen wieder zu sortieren, wanderte  ich anschließend rüber zu den Blinden, die fantastische Masseure haben, und genoss eine Stunde lang das Kneten, Zerren und Drücken einer Khmer-Massage. Dabei wird kein Öl verwendet, man hat eine Art Pyjama an, der verhindert, dass die Haut allzusehr gezerrt wird – es ist aber, so martialisch es klingt, sehr entspannend.

Total gelockert und entspannt fielen wir in die Sessel des Rusty Keyhole zum Sonnenuntergangs-Bier…


Und dann ein tolles Essen bei Veronicas Kitchen – Char’c Dout für mich (saftiges Hähnchen mit hauchdünn geraspeltem Zitronengras, frischen Kräutern, Zwiebeln, Chili und Limettensaft – zum Niederknien!) und Tom Yam Gung für Dieter …

23. Januar – A typical Kampot Day …

Als Denise mich morgens fragte, was wir heute vorhätten (da war es schon fast 11 Uhr und wir hatten eben erst gefrühstückt…), entgegnete ich etwas vage “Bisschen rumlaufen, uns umsehen, Postkarten schreiben, Blog schreiben, lesen ….” Denise lachte und meinte “Oh I know – a typical Kampot day!“

Kampot macht das mit einem – man MUSS NICHT UNBEDINGT IRGENDWAS TUN! Man kann auch einfach mal NICHTS tun ….

Eine Menge Leute aus dem Westen tun inzwischen “NICHTS” in Kampot und bleiben hier wochen-, monate- oder sogar jahrelang hängen  – wir sehen sie in den Cafés, wo Alt-68er in der Morgensonne den schokoladigen Kaffee schlürfen und Frauen mit Flowerpower-Röcken oder schlabberigen Indien-Hosen Karten spielen oder lesen. Späthippies mit langen Haaren fahren gemächlich auf Fahrrädern durch die ziemlich verkehrsarmen Straße, abends trifft man sich in einer der vielen kleinen Kneipen …

Aber auch viele Backpacker haben Kampot und seine entspannte Atmosphäre in den letzten Jahren kennen- und schätzen gelernt.

Wir lassen uns treiben, schlendern durch die kleinen Straßen, vorbei an den alten Kolonialgebäuden, die inzwischen oft sehr schön restauriert sind.



Geld abheben bei der Canadian Bank scheitert, der Automat ist außer Betrieb … kein Problem, es gibt ja noch andere, auch wenn man da ein Stück gehen muss. Ansichtskarten für die Leute, die immer noch Freude daran haben, müssen gekauft werden – das dauert …. In der Post müssen wir eine offenbar ziemlich müde Frau dazu bewegen, uns Briefmarken zu verkaufen …. Immer wieder irgendwo eine Pause, mal für eine Cola, mal für einen Limettensaft ….

Dann heute mal eine längere Massage – Sopia von den blinden Masseuren findet wieder jede Menge Verspannungen, die sie dehnt und knetet. Ich schlafe dabei einfach ein. Sehr feudal ist das Etablissement nicht, aber alles ist sauber und die Masseure verstehen ihr Handwerk wirklich gut. Massieren ist für Blinde so prkatisch die einzige Beschäftigung, der sie nachgehen können – entsprechend engagiert sind sie.

Bei den  Abschiedscocktails im Riki, auf dem gemütlichen roten Sofas mit Blick auf den Fluss stellen wir fest, dass wir hier am liebsten noch eine Weile bleiben wollen.

Linh lässt nochmal ihren gesamten Charme spielen…




Aber es hilft nichts …. morgen ziehen wir weiter!

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