31. Januar – Zurück in Phnom Penh

P1010403Die letzte Nacht in Sihanoukville war reichlich unruhig – bis in die frühen Morgenstunden wurden Raketen abgefeuert und Böller gezündet, das Chinesische Neujahrsfest wurde offenbar ausgiebig gefeiert.

Zum Glück mussten wir nicht allzu früh aufstehen, unser Taxi sollte erst um 12 Uhr kommen.

Wir saßen auch brav ab 11:45 vor dem Hotel und sahen jedem sich nähernden Fahrzeug hoffnungsvoll entgegen. 12 Uhr kam und ging vorbei …. kein Taxi.

10 Minuten nach 12 ging ich zur Ecke, in das Reisebüro, wo wir das Taxi gebucht hatten. “Reisebüro” ist allerdings stark übertrieben – es handelt sich lediglich um eine Theke vor einem Minimarkt.

Allerdings war da plötzlich keine Theke mehr… Erst mal traute ich meinen Augen nicht, dann marschierte ich in den Laden und fragte, wo denn das Reisebüro geblieben war. “Sorry (klingt hier immer wie “soliiiiiee”) Madam – they have free day today!” war die Antwort und damit wandte sich die Frau wieder ihrer Kasse und dem nächsten Kunden zu.

Na toll – was war jetzt mit unserem Taxi??? Denn dass wir ansonsten kaum noch  eine realistische Möglichkeit hatten, heute nach Phnom Penh zu kommen, war klar – alle Busse waren voll. Da half nur ein bisschen Schauspielerei und Überzeugungsarbeit. Ich setzte also mein bestes Verzweiflungsgesicht auf, beschwor sie, bei den Reiseleuten anzurufen, behauptete, wir müssten unbedingt ein Flugzeug erreichen und machte das alles so dringlich wie möglich. Gleichzeit muss man aber freundlich bleiben und darf keinesfalls laut werden.

Offenbar wirkte meine Theatralik, denn sie griff zum Telefon und rief jemand an. Ich verstand nur die Worte “Taxi” und “Phnom Penh” – schließlich legte sie auf und meinte, es rufe gleich jemand zurück. Ich lief mal kurz aus dem Laden und sah die Straße hinunter, um zu prüfen, ob evtl. inzwischen ein Auto vor dem Coolabah stand – aber da war nichts. Wieder im Laden, kam tatsächlich ein Rückruf, der etwas länger dauerte und die Dame ziemlich aufbrachte, sie wurde zunehmend lauter. Dann notierte sie etwas.  Schließlich legte sie auf, murmelte etwas unverständliches und rief die notierte Nummer an. Nach längerem Schimpfen machte sich langsam ein Lächeln auf ihrem Gesicht breit, sie legte auf und sagte “Taxi 5 minutes!” Vor lauter Begeisterung umarmten wir uns herzlich, dann ging ich zum Coolabah zurück.

Und tatsächlich – nach 5 Minuten tauchte ein cremefarbenes Auto auf (natürlich sind das alles keine richtigen registrierten Taxis, sondern nur Autos mit Fahrer) und ein strahlender Mann in rosafarbenem Hemd signalisierte, dass er uns nach Phnom Penh bringen würde. Er sprach kein Wort Englisch – außer “good” , und davon machte er während der Fahrt reichlich Gebrauch – aber er fuhr gut und sehr umsichtig.

Als wir an der riesigen Angkor Brauerei vorbeikamen, die am Stadtrand von Sihanoukville steht, fädelte sich einer der gewaltigen roten Angkor-Laster direkt vor uns ein und zwang uns, das Tempo drastisch zu drosseln. Er sollte allerdings nicht der einzige Laster sein an diesem Tag – eine endlose Kolonne musste im Lauf der Fahrt überholt werden: unzählige rote Angkor-Bier-Laster, ebenso viele Tela-Tankwagen, die Öl oder Benzin vom Hafen in Sihanoukville ins Land brachten.

Dazu noch landwirtschaftliche Fahrzeuge, überladene Busse … es war viel los auf der Straße. Es wurde zum Teil ziemlich waghalsig überholt – was unser Fahrer jedes Mal mit empörter Gestik und lautem Geschimpfe quittierte. Sich selbst lobte er hingegen reichlich mit einem langgezogenem  “goooood” – auch die Motorradfahrer, die ausnahmsweise mal den für sie reservierten Seitenstreifen auch tatsächlich benutzten, bekamen das Prädikat “gooood!”

Landschaftlich kann die Strecke nicht mit der nach Kampot mithalten. Schon bald waren auf beiden Seiten endlose Reihen von Ölpalmen zu sehen. Anders als auf der Strecke nach Kampot, wo es sehr abwechslungsreich ist, kleine Bauernhöfe und Dörfer sich abwechseln, Reisfelder, Maisfelder, Wiesen, zahlreiche Baumvarianten, macht sich hier die öde Monokultur der Ölpalmen breit. Zwar wurden sicher nicht, wie in Malaysia, Regenwälder gerodet für die Anpflanzung, aber es sind vermutlich viele Höfe und Felder dem Ölhunger, vor allem der westlichen Welt, zum Opfer gefallen.

Wegen des dichten Verkehrs brauchten wir über 4 Stunden für die ca. 225 km lange Strecke. Außerdem bestand unser Fahrer nach ca. 2 stunden auf einer Pause – er wollte zu Mittag essen…

Wir begnügten uns mit einer Cola, hungrig waren wir nicht. Stattdessen fotografierte ich den blühenden Mangobaum im Hof.
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Als wir noch ca. 25 km vor Phnom Penh waren, breiteten sich rechts und links unzählige Bekleidungsfabriken aus – “Total Garment, Knitting Factory, Jeans and More” und wie sie alle hießen. Das sind die Orte, wo zigtausende junger Frauen für eine Lohn von mickrigen 80$ pro Monat schuften, um für Billig-Labels, aber auch für scheinbare Edelmarken, Klamotten zu schneidern.

Ihre Proteste, ihr Streik, war Mitte des Monats blutig niedergeschlagen worden, es hatte drei Tote und unzählige Verletzte gegeben. Letztlich hatte die Regierung (was die mit den Löhnen zu tun hat, ist mir allerdings unklar) eine Erhöhung auf zunächst 95$, dann auf 100$ vorgeschlagen. Immer noch ein Hungerlohn in einem Land, wo z.B. das Benzin mit 1,25$ fast so teuer ist wie in vielen westlichen Ländern.

Dann hatte uns die Stadt wieder – und das Pavilion! Und weil es hier so schön ist (und der Bericht heute bisher etwas trocken), kommen doch noch ein paar Bilder rein…
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Begrüßt wurden wir wieder wie lang entbehrte Freunde, hier ist der Begriff “Gastfreundschaft”  wirklich kein leeres Wort.

Gleich nach dem Einchecken ging ich nochmal zur Rezeption zurück mit einigen Anliegen: Der Boarding Pass für unseren morgigen Flug musste ausgedruckt werden, wir würden gerne etwas länger als 12 Uhr im Zimmer bleiben, weil wir erst um 15 Uhr zum Flughafen müssen, und meine Uhr war stehen geblieben, vermutlich ist die Batterie leer, ich wollte wissen, ob es irgendwo die Möglichkeit gibt, eine neue Batterie einsetzen zu lassen.

In einem teuren 5-Sterne-Hotel wäre ich mit den Anliegen 2 und 3 vermutlich auf Erstaunen gestoßen, der Ausdruck wäre nur gegen Geld möglich. Hier wurden die Bordpässe kostenlos gedruckt, wir können zumindest bis 13 Uhr im Zimmer bleiben, und für meine Uhr wurde mir vorgeschlagen, dass morgen Vormittag jemand von den Angestellten mit meiner Uhr zum Markt fährt, wo offenbar die richtigen Leute sitzen, und sie mir dann zurück bringt.

Kosten würde mich das nichts – abgesehen von den Batterie-Kosten. Das wollte ich dann aber doch nicht, in Chiang Mai wird es sicher genug Möglichkeiten geben – aber die Geste war doch sehr nett!

Auf dem Weg zum Sisawath Quay ging gerade die Sonne langsam hinter dem Königspalast unter…
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Auf dem  Platz vor dem Palast wimmelte es von Familien, Mönchen, Ballonverkäufern, kleinen Essensständen.
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Und am Quay war das wochenend-abendliche “Cruising” in vollem Gange – Jugendliche, zur dritt oder gar viert auf ihren Motorrollern, fuhren langsam die Straße hinauf und hinunter. Sehen und gesehen werden ist die Devise.
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Das Essen im Resto du Coin, einem kleinen, aber völlig überfüllten Straßenrestaurant am Quay, war fantastisch! Ein tolles Loc Lak mit dieser göttlichen Limetten-Pfeffer-Soße, deren Rezept ich unbedingt irgendwo herkriegen muss!

Am liebsten wäre ich in die Küche gegangen, um dem Koch über die Schulter zu sehen – aber es war derart voll (die Leute lauerten auf jeden frei werdenden Tisch), dass er dafür wohl kaum Verständnis aufgebracht hätte …. Aber der Kellner versuchte mit Mimik und Gestik, unter Zuhilfenahme von Salz- und Pfefferstreuer, mir das Rezept zu erklären!

Zurück im Pavilion war die Nacht so schön und lau, dass es noch einen Cocktail an der Bar neben dem Pool gab …
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