08. Februar – Über die Berge nach Osten

P1020310Seit fast 4 Wochen sind wir unterwegs – und fast bei jeder Station fiel es uns schwer, weiter zu reisen. Praktisch alle Unterkünfte bisher waren Volltreffer, wo wir gerne länger geblieben wären.

Das ist das Dilemma bei einer langen Reise:

Legt man die Route vorher fest und sichert sich schöne Gästehäuser oder Hotels, bedauert man oft, dass man nicht länger bleiben kann. 

Tut man das nicht, um der Spontanität mehr Raum zu lassen, riskiert man, vor Ort nichts wirklich Schönes zum Schlafen und Bleiben mehr zu finden oder, weil man irgendwo hängen bleibt, andere und neue tolle Eindrücke zu verpassen.

Jedenfalls war auch der Aufbruch vom Maekok River Village und dem netten Örtchen Thaton mit einiger Wehmut durchsetzt. Aber nachdem wir uns losgerissen hatten, rollten wir bald durch das fruchtbare Tal des Maekok Rivers, wo eine Obstplantage neben der anderen liegt. Hier wachsen vor allem Orangen – die kleinen asiatischen, die unglaublich süß und saftig sind und geschmacklich eher an Mandarinen erinnern. Außerdem Mangos, Litschis, Rambutan und vieles andere, was oft morgens zum Frühstück auf den Hotel-Büffets steht.

Nach ca. 20 km bogen wir von der Hauptstraße ab und fuhren eine schmale Betonpiste hoch zu dem Bergdörfchen Ban Ya Pa. Hier leben Akha, Yao und christianisierte Wa, außerdem, ein Stück bergabwärts, auch Langhals-Frauen. Zu denen wollten wir allerdings nicht – die Zurschaustellung dieser Frauen, die zahlreiche goldene bzw. Messing-Ringe um Hals und Beine tragen, kommt uns ziemlich würdelos vor.  Wir schlenderten durch das kleine Dorf – viel los war nicht, es war ruhig und friedlich.

Kleine Höfe, auf Holzstapeln vor dem Haus trockneten Kräuter und anderes, auf der Straße lagen Binsenbündel, aus denen später Besen gefertigt werden, Frauen saßen in einer kleinen Sala und nähten oder rauchten, andere dösten einfach nur vor sich hin.
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Aber dann kam Leben in die Bude – laut hupend kam ein Pickup angefahren und das halbe Dorf strömte zusammen: Der mobile Dorfladen war da!
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Auch in einem eher abgelegenen Dorf ist man übrigens voll auf Touristen eingestellt, das beweisen die vielen kleinen Buden, in denen handgearbeitete Souvenirs angeboten werden.
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Wir bestaunten noch die schlichte Kirche – dann zogen wir weiter, durch eine malerische Berglandschaft.
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Nur ein paar Kilometer weiter machten wir erneut Halt: Ban Lorcha ist ein Akha-Dorf, das auf Besucher eingestellt ist und wo die Bewohner zwar ein weitgehend normales Dorfleben leben, zusätzlich jedoch auch alte Traditionen gepflegt und Besuchern vorgeführt werden.

Zwar wirkt das Ganze ein bisschen wie ein begehbares Museum (es kostet auch eine kleine Eintrittsgebühr), aber durch solche “Vorführdörfer” soll verhindert werden, dass Besuchermassen in die entlegenen Bergdörfer eindringen und dort das Leben durcheinanderbringen. Das Dorf ist auch keineswegs künstlich, sondern ein echtes Akha-Dorf.

Am Dorfeingang muss man zunächst durch grobe hölzerne Torbögen gehen, die gesäumt sind von Fruchtbarkeitssymbolen.
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Ein Schmied demonstrierte seine Kunstfertigkeit, einige Frauen trugen die traditionelle Akha-Tracht mit den münzengeschmückten Hauben. Akhas tragen ausschließlich schwarze Kleidung – nicht wirklich praktisch in einer so staubigen Umgebung.
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Wir konnten auch einen Blick in eine der Hütten werfen – nicht unbedingt ein Lebensstil, der mir leicht fallen würde …
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Es ging ganz schön bergauf und bergab in dem kleinen Dorf – befestigte Straßen gab es keine – einmal mehr waren wir froh über die eher kühlen Temperaturen.
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Von hier aus schraubt sich die Straße in Serpentinen hoch zu einem Pass, dann ging es über einen schmalen Grat, wo man nach beiden Seiten kilometerweit schauen kann. Anschließend schlängelte sich die (übrigens sehr gute) Straße wieder ganz runter ins Tal, nur, um sofort in weiteren Haarnadelkurven bis zum Gipfel des Doi Mae Salong anzusteigen.

Oben angekommen, machten wir im kleinen Ort Mae Salong erst mal eine Pause.

Der Samstagsmarkt war in vollem Gange, Bergfrauen boten teils seltsames Gemüse und Gewürze an.
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Dieses Angebot konnte uns nicht wirklich locken – aber es gab noch eine Menge Straßenbuden, wo Tee verkauft wird, der hier oben angebaut wird, außerdem Nüsse, Pistazien und viele Arten von getrockneten bzw. kandierten Früchten.

Und da schlugen wir zu: Zart-duftender Oolong-Tee, mein absoluter Lieblingstee, außerdem ein großer Beutel mit getrockneten Mangoschnitzen, die unglaublich saftig und aromatisch sind und eine Riesenportion Pistazien, ganz frisch.
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Einkaufen macht hungrig und durstig – und nirgends kann man diese Bedürfnisse in Mae Salong besser stillen als im “Sweet Maesalong”, einem kleinen Café, wo es sagenhafte Törtchen gibt, wo man aber auch ansonsten recht gut essen kann. Und der Kaffee ist ebenfalls unglaublich gut – kaum zu glauben, dass in Thailand derart aromatischer Kaffee angebaut wird! (Für mich gab’s allerdings Oolong-Tee…)
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Total entspannt nahmen wir weitere hundert Haarnadelkurven, vorbei an Teeplantage, die Straße gesäumt von unzähligen riesigen Weihnachtssternen.

Im Tal angelangt bogen wir nach Westen ab, Richtung Chiang Saen. Wir hatten eine Unterkunft in einem winzigen Resort mit nur 7 Zimmern am Chíang Saen See gebucht, die nicht ganz einfach zu finden war – aber wir schafften es und kamen kurz nach 16 Uhr im Viang Yonok an. Sieben kleine Holzbungalows stehen in einem grünen Garten direkt am See, von unserer kleinen Hütte haben wir einen herrlichen Blick über den See, der sich langsam in der Abendsonne silbern färbte.
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Die Einrichtung ist stark englisch geprägt, die Anlage gehört einer Thai und ihrem britischen Ehemann.
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Zur Einrichtung des Balkons gehört auch eine Katze Zwinkerndes Smiley, die sich bei unserem Eindringen in ihr Reich empört unter den Tisch verzog.
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Es geht sehr familiär zu, Vassana, die Eigentümerin, führt aber ein straffes Regiment. Zu essen gibt es bis 20 Uhr – und mangels Alternativen in der Nähe essen die meisten Gäste hier. Bestellt werden muss bis 17 Uhr und Vassana macht Vorschläge, denen man sich besser nicht widersetzt …
Allerdings müssen wir zugeben, dass das Essen (gekocht von Vassanas 76-jähriger Mutter) absolut fantastisch ist!

So lecker haben wir selten gegessen – grünes Curry, das genau die richtige Schärfe hatte, aromatisches und ebenfalls ziemlich scharfes Hähnchen in dicker würziger Kokos-Chilli-Soße mit vielen Kräutern. Dazu gab es Gemüse aus dem Wok (alles selbst angebaut und natürlich 100% biologisch, wie Vassana versicherte).

Wir erfuhren, dass wir in einem Vogelschutzgebiet gelandet sind, in dem viele Wasservögel aus China überwintern. Und tatsächlich sahen wir unzählige Vögel bzw. “Whistling Ducks”, mit blau-schwarzem Gefieder, aber auch andere. Als die Sonne unterging, färbte sich der See fast unwirklich rosa.  Ein leichter Dunst lag in der Luft, das Geschnatter und Gekreische der Vögel wurde immer leiser, irgendwann herrschte tiefe Stille. Tief in der Nacht meinte ich, einen Uhu zu hören – und tatsächlich, auch Eulen gibt es hier.
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2 Kommentare zu “08. Februar – Über die Berge nach Osten

  1. Mit Freude sehen wir, dass Dieter ein artiger Junge ist und sich brav im Schatten aufhält 🙂
    Gut schaut ihr aus, ihr Zwei, und wie immer bewundern wir die wirklich tollen Fotos ! Wunderschön !
    Wenn ihr wieder zurück seid, solltet Ihr mal Euren Blog einem Verlag präsentieren, denn der Blog gäbe eines der besten Reisebücher aller Zeiten ab, ehrlich…
    Freuen uns schon auf die nächsten Einträge !
    Wir wünschen Euch noch weiterhin eine wunderbare Reise, passt gut auf Euch auf !
    liebe Grüße,
    Doris und Walter

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  2. Hier hat der böse Buchstabendieb zugeschlagen! Hinweise zur Ergreifung des Übeltäters werden honoriert – es wurde eine Belohnung ausgesetzt 😉

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