21. März – Knöchelpflege

P1050456_thumb.jpgIch hatte es ja geahnt – die Nacht wurde unruhig! Mein Knöchel schwoll immer mehr an, es brannte und juckte fürchterlich, die Haut fühlte sich heiß und gespannt an.

So eine Reaktion hatte ich noch nie auf Mücken-/Moskito-Stiche – weder bin ich gegen irgendwelche Stechmücken noch sonstige Viecher allergisch.

Mit Tigerbalm (was anderes ist nicht in der Reiseapotheke) und kalten Waschlappen versuchte ich, den Fuß zu kühlen und die Schwellung  zu mildern. Als es dann endlich hell genug wurde, um das Malheur in Augenschein zu nehmen, traute ich meinen Augen nicht – der Knöchel hatte in etwa die Ausmaße eines Elefantenfußes und schillerte in eleganten lila-rosa Tönen.

Glücklicherweise hatten wir gestern doch kein Taxi zum Besakih Tempel gebucht – den wollten wir nämlich eigentlich heute besuchen. 2011 auf unserer Tour mit Uja war er nicht zugänglich, da dort irgend eine Zeremonie stattfand, bei der Ausländer (angeblich!) nicht zugelassen waren. Aber nachdem es gestern so heftig geregnet hatte, waren wir etwas ambivalent und wollten erst mal abwarten.

Die Vorstellung, jetzt eine Besichtigungstour machen zu müssen, fand ich am frühen Morgen nicht sonderlich verlockend – und war mehr als froh, dass ich mich mit dem Netbook auf’s Sofa auf der Terrasse verziehen konnte, eine kalte Coladose aus der Minibar am Knöchel und zur Gesellschaft eine Libelle, die sich gerade am Fensterrahmen niedergelassen hatte.
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Und da waren ja auch noch Lotosblüten im Teich direkt vor der Terrasse, die blühend genauso reizvoll sind wie die bereits verblühten Samenköpfe.
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Ganz langsam schob sich die Sonne zwischen den Wolken hervor und zeichnete Muster in den Lotosteich.
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Allmählich erwachte nicht nur die Natur, sondern auch mein Mann und der Frühstücks-Appetit. Wenig später war auf der Terrasse angerichtet – Obst, Saft, Kaffee und Tee, Apfel-Crêpe mit Kokosstreuseln und Zimtzucker für mich und Spiegeleier für den Mann …
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Trotz dieser kulinarischen Stärkung war mir nicht nach irgendwelchen Aktivitäten – stattdessen verzogen sich mein dicker Knöchel und ich zusammen mit dem Ebook-Reader erst mal Richtung Pool, wo er abwechselnd im Wasser gekühlt und anschließend auf der Liege geschont wurde (der Knöchel – nicht der Reader!!!)
Der Weg zum Pool führt an alten Mauern entlang …
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Mittlerweile war ich sicher, dass es auf keinen Fall Mückenstiche sein konnten, sondern vermutlich Spinnenbisse, denn während im Alam Shanti keine Moskitos zu sehen sind, gibt es durchaus ein paar ziemlich gemeine Spinnen, darunter eine, die sich White Tailed Spider nennt und deren Bisse anscheinend ziemlich unangenehm sind.

Das wurde natürlich sofort gegoogelt – und tatsächlich, genau so ein Vieh mit weißen Punkten auf dem Rücken hatte ich schon mehrfach vom Sofa heruntergescheucht – offenbar war es nachtragend und hat sich gerächt. Empfohlen werden Antihistaminika (haben wir nicht), Kühlung und betroffenen Körperteil hochlagern (wird gemacht).

Nach ein paar Stunden Faulenzen und Kühlen waren Knöchel und ich wieder halbwegs einsatzfähig – zwar passte der dicke Fuß lediglich in Flipflops, die Riemchen der Sandalen schnitten ins Fleisch, aber auf Flipflops war ich ja schon durch halb Australien gewandert.

In der Lobby wurde die Wasserflasche aufgefüllt – anders als in den meisten anderen Hotels bekommt man hier nicht täglich zwei neue Flaschen mit Trinkwasser, sondern lediglich frische Flaschen bei der Anreise, die man sich dann am Trinkwassertank in der Lobby mit gekühltem Wasser auffüllen kann. Auf diese Weise soll der Plastikmüll reduziert werden. Finde ich SEHR sinnvoll, denn die Unmengen an Plastikflaschen, die in ganz SOA täglich geleert und weggeworfen werden, stellen ein echtes Problem für diese Länder und insbesondere für die Meere dar.
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Was aussieht, wie ein Gästezimmer, ist tatsächlich die kleine Freiluftlobby. Beim Wasserholen bestellten wir gleich Kaffee und Kuchen, beides wurde prompt auf der Terrasse serviert. Eigentlich wollten wir danach in den Ort laufen – aber eine dicke und ziemlich dunkle Wolkenwand ließ uns zögern.

Aber wir hatten schließlich Schirme – die wurden eingepackt, und wir stiefelten los, Richtung Affenwald. Vorbei an einem Haus mit skurrilen Steinskulpturen vor dem Eingang – Selbstporträts der Bewohner??
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Eher nicht – denn vor jedem Eingang stehen ähnliche Skulpturen, manchmal sehr menschlich, oft aber auch eine Art Dämonen. Auch am Eingang zum Affenwald wimmelt es nicht nur von Affen, sondern auch von Steinskulpturen.
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Alles ist mit einem grünen Algen-/Moos-Schleier überzogen. In der extremen Feuchtigkeit sehen selbst nagelneue Skulpturen nach kurzer Zeit uralt aus. Um uns herum tobten die Affen, stritten sich, jagten einander oder futterten still vor sich hin – und sahen oft sehr menschlich aus …
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Laute Trommel- und Gongschläge gellten plötzlich durch den Wald und wir stolperten mitten in eine Gruppe weißgekleideter Musiker, die den Weg versperrten.
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Wenig später zog eine Prozession an uns vorbei, die Frauen trugen bunte Opfergaben auf dem Kopf, Männer hielten Seidenschirme über sie. Leider hatte ich meine Kamera nicht dabei, lediglich die kleine Sony.
Aber bis ich die rausgekramt hatte, dann meine Brille gefunden, damit ich auf dem kleinen Display überhaupt etwas erkennen konnte, und startklar war, war das meiste bereits vorbei …
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Von oben kam jetzt tiefes Grollen – das hatte nichts mehr mit der Prozession zu tun, hier kündigte sich ein Gewitter an. Als wir den Wald verlassen hatten, sahen wir tiefschwarze Wolken über uns, ein heftiger Wind begann zu wehen, und wir wussten, dass wir allenfalls noch ein paar Minuten hatten, um ins Trockene zu flüchten.

Glücklicherweise war das Verona Spa nicht weit, dort schafften wir es gerade bis zur Mitte der kleinen Gasse, bevor die ersten Tropfen fielen. Und dann goss es über eine Stunde lang wie aus Kübeln – wir verfolgten das Schauspiel gelassen auf Massageliegen und genossen das Trommeln des Regens als Begleitmusik zur Massage …

Netterweise hatten die Wolken sich leer geregnet, als wir durchmassiert waren, und wir konnten in der deutlich abgekühlten Luft auf die Suche nach einem Lokal gehen. Die Monkey Forest Road entlang zu schlendern, ist eine echte Herausforderung – zum einen gibt es zahlreiche Geschäfte, die mit schönem Silberschmuck, Holzschnitzereien, Seiden- und Batik-Tüchern und teils sehr geschmackvoller Mode sowie einer Menge Kitsch und Krempel immer wieder zum Stehenbleiben und Schauen verführen. Zum anderen ist der Gehweg sehr schmal, es herrscht viel Betrieb und auch auf der Straße heftiges Gedrängel (dass dies eigentlich eine Einbahnstraße ist, interessiert zumindest die Motorradfahrer überhaupt nicht!). Außerdem liegen die großen Gehweg-Platten oft nicht richtig auf oder sind gesprungen und man riskiert schnell einen Sturz in den darunter liegenden Abwasserkanal, wenn man nicht aufpasst.

Mehr aus Zufall bogen wir am Ende, beim alten Palast, nach rechts und wenig später nach links in eine schmale Gasse ein. Dort befindet sich ein winziger Warung mit dem unwahrscheinlichen Namen “Warung Schnitzel”. Neugierig geworden gingen wir näher und was zunächst so aussah, als bestehe es nur aus einer winzigen Theke mit einem Tisch im Erdgeschoss, entpuppte sich als schmales dreistöckiges Gebäude mit weiteren Tischen in den oberen Etagen.

Eigentlich wollten wir nur ein Bier trinken – aber die Bedienung war derart nett und lustig, brachte uns frittierte Spinatblätter mit einem köstlich-scharfen Dip zum Probieren und die Speisekarte klang so lecker, dass wir zum Essen blieben. Und wir haben es absolut nicht bereut – was wir dort bekamen, war unglaublich leckere balinesische Küche. Schnitzel gibt es natürlich auch …  Dass alles Bio war, steigerte den Genuss noch zusätzlich.
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Der Heimweg war einfach – die Bedienung rief im Alam Shanti an, wir gingen vor zur Straße und wenige Minuten später saßen wir satt und müde im Auto …

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