10. bis 13. Juli – Zauberhaftes Graz

P1060035Mediterranes Flair, luftige Arkadenhöfe, von Meistern der italienischen Renaissance-Architektur geschaffen, imposante Barockbauten, verspieltes Rokoko, eleganter Jugendstil, wuchtiges Mittelalter …

Wir waren sehr gespannt auf Graz, das auch schon andere Reisende fasziniert hatte:

„Hier will ich einige Tage bleiben und ruhen; die Stadt und die Leute gefallen mir. Du weißt, daß der Ort auf den beyden Seiten der Murr sehr angenehm liegt; und das Ganze hat hier überall einen Anblick von Bonhommie und Wohlhabenheit, der sehr behaglich ist. […] Graz ist eine der schönsten Gegenden, die ich bis jetzt gesehen …” (Johann Gottfried Seume: Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802)

Nach einer sehr verregneten Anreise – wir hatten einen Bogen durch Slowenien geschlagen und kamen über Maribor wieder nach Österreich, alles bei mehr oder weniger ununterbrochenem Regen! – empfing uns Graz zunächst auch ziemlich kühl und feucht.

Eine richtig angenehme Überraschung war allerdings unser Hotel, “Das Weitzer”. Obwohl wir ein äußerst günstiges Wochenend-Paket über das örtliche Tourismus-Büro gebucht hatten, erwartete uns eine tolles großes Zimmer im 5. Stock, mit Blick über die Mur, die Altstadt und zum Schloßberg. Eine Flasche Steirer Muskateller lagerte auf Eis im Weinkühler im Zimmer, einen Gutschein für den Eintritt ins Kulturmuseum gab es auch noch obendrauf…
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Ein kleines bisschen verrückt ist das Zimmer aber schon – was zwischen den Fenstern steht und aussieht wie ein auf den Kopf gestellter Reisekoffer ist die Minibar – und darin befindet sich auch der Safe … darauf muss man allerdings erst mal kommen!

Wir hatten hier ein Familientreffen – der Freitag war deshalb der Familie gewidmet und von der Stadt sahen wir zunächst nicht all zuviel. Aber nachdem sich der Wettergott am Samstag wieder darauf besonnen hatte, dass eigentlich Sommer ist und die Temperaturen in die Höhe gingen, die Wolken sich verzogen und die Sonne sich nicht nur zu Stippvisiten sehen ließ, konnten wir Graz endlich richtig kennen lernen.

Zunächst ein Blick vom Balkon Richtung Schloss – noch leicht verschlafen am Morgen …
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… da kann man doch nicht meckern … oder???

Aber bevor wir uns den kulturellen und architektonischen Schmankerln widmeten, kamen erst mal die kulinarischen dran – es zog uns zum Bauernmarkt hinter der Oper! Nun kennen wir ja Märkte aus allen Ecken der Welt und vor allem die südost-asiatischen sind unglaublich lebendig und farbenfroh – aber dieser Markt war was ganz besonderes!

Lebendig und farbenfroh war er auch: Saftige tief orangefarbene Marillen (= Aprikosen), fast schwarze Kirschen, tiefblaue Heidelbeeren, knallrote, cremig-weiße und schwarze Ribiseln (Johannisbeeren), lila Zwetschgen. Alle Schattierungen von Grün – heller Salat, dunkler Spinat und alle Töne dazwischen …

Aber was hier wirklich anders war, waren die Düfte, der Geruch – nach geräucherten Würsten, Specksaiten, Schinken. Waldig-erdig nach Pfifferlingen und Steinpilzen. Süß nach Hefezopf und Marillenkuchen. Sauer nach eingelegten Gurken und anderem Gemüse.
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Es war wirklich schwer, hier zu widerstehen! Wir kauften aber doch lieber etwas haltbarere Genüsse: Frisch gepresstes Kürbiskernöl vom Bauern, getrocknete Käferbohnen, Marmelade. Nachdem wir an den letzten beiden Tagen erlebt und geschmeckt haben, dass Kürbiskernöl praktisch zu allem passt – sogar traumhaft gut zu Vanilleeis!! – wird es ab sofort fest in unsere Rezeptplanung eingebaut!

Nachdem die doch recht schweren Einkäufe im Hotel deponiert waren, kam die kulturelle Seite dran. Die Tourismus Information hatte uns mit einer tollen Broschüre versorgt, in der Spaziergänge durch Graz – Weltkulturerbe und Kulturhauptstadt 2003 -vorgeschlagen sind, vor allem die Altstadtrunde klang sehr verlockend.

Wir starteten beim Mittelpunkt der Stadt – dem Hauptplatz mit dem imposanten Rathaus…
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… und Häusern mit prächtigen Fassaden rings um den Erzherzog Johann Brunnen.
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Eine schmale Gasse klettert den Hang empor …
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… oben thronen die Burg, der Dom und das Mausoleum.

Im Hof der Burg befindet sich ein kleiner Turm mit einer faszinierenden architektonischen Besonderheit: Eine Doppelwendeltreppe! Zwei separate Wendeltreppen schrauben sich von Stockwerk zu Stockwerk, begegnen sich und trennen sich wieder …

Ein Meisterwerk der Steinmetzkunst, geschaffen am Ende der gotischen Epoche (1499).
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Irgendwie wird einem da fast schwindelig …

Ebenfalls imposant ist der Dom, von Kaiser Friedrich III. Mitte des 15. Jh. erbaut, sowie das daneben stehende Mausoleum.
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Langsam gingen wir wieder bergab, Richtung Stadt – warfen einen Blick in den Arkadenhof des Deutschen Ritterordens, gepflastert mit “Murnockerln” (kleinen runden Steinen aus der Mur).
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Wenige Schritte weiter MUSSTE ich einfach anhalten – die Hofbäckerei Edegger-Tax verlockte mit süßen Köstlichkeiten …
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Ein Tütchen “Sissi-Busserln” – luftiges Mandelgebäck – landeten nach einer ausgiebigen Kostprobe in der Bäckerei in meinem Rucksack.

So gestärkt wanderten wir weiter, vorbei an einem netten Laden, in dem allerhand Flüssiges  – Öle und Essig, Säfte und Schnaps, in kleinen Fässchen lagert und von den Kunden direkt in Flaschen gezapft werden kann.
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Immer wieder öffnen sich Plätze – und auf jedem finden sich Restaurants, Kneipen, Biergärten …
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… farbenfrohe Hausfassaden …P1060010
… und vor allem immer wieder Durchgänge zu Innenhöfen.
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Hier gingen wir hinein – und landeten in einem toskanisch anmutenden Arkadenhof. Der Landhaushof gilt als Meisterwerk der italienischen Renaissance, hinter den Rundbogen-Fenstern tagt das steirische Landesparlament.
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So langsam landeten wir quasi auf der Zielgeraden, gingen durch die Herrengasse zurück Richtung Hauptplatz – und ständig gab es tolle Motive:
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Ob das Anlageberater sind? Die sich jetzt ihr Geld anderweitig verdienen müssen, nachdem das mit den Anlagen in die Hosen ging …?
Und was haben sich diese beiden zu sagen ???
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Was bedeuten diese Worte an einer Hauswand???
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Und was verbirgt sich hinter diesem Tor?
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Der grimmige türkische Krieger ragt aus einer Hauswand  und erinnert an den Einfall der Türken im 15. Jh.
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Da wirken diese Putten doch wesentlich freundlicher!
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Reinster Jugendstil …
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… und farbenprächtige Wappen.
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Es hätte noch viel zu sehen gegeben – auch in der Umgebung gibt es ja jede Menge Sehenswürdigkeiten – aber das muss warten, bis wir wieder mal her kommen, denn für heute hatten wir genug erlebt. Und testeten am Abend nur noch die örtliche Gastronomie – das allerdings ausgiebig, im großen Gastgarten des Glöckl Bräu! Frisches Bier aus dem Holzfass und ein Wiener Schnitzel mit Kürbiskernpanade und Erdäpfelsalat – einfach nur lecker!

Am Tag darauf, dem Sonntag, fuhren wir weiter nach Wien.

Ein kleiner Abstecher musste aber doch sein – wir machten einen Schlenker und fuhren zunächst die Apfel- und dann die Schlösserstraße entlang. Durch eine wunderschöne Landschaft – etwas irritierend war nur, dass die Apfelbäume (alles so eine Art Spalierobst, also pflückfreundlich) sämtlich mit dunklen Netzen überdeckt sind. Vermutlich soll das die Vögel abhalten.

Und entlang der Schlösserstraße sahen wir kein einziges Schloss – aber ein eindrucksvolles Kloster.
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Leider war das dann für längere Zeit der letzte sonnige Moment – die weitere Fahrt bis Wien fand bei strömendem Regen statt. Bevor wir in die Stadt und zu unserem Hotel fuhren, machten wir noch einen Besuch. 2012 hatten wir in Myanmar ein österreichisches Paar, Doris und Walter, kennengelernt und waren in Mail-Kontakt  geblieben.

Nach 2 1/2 Jahren sahen wir uns nun wieder und verbrachten einen richtig schönen Nachmittag mit den beiden – natürlich mit jeder Menge leckerer deftiger Schmankerln und später einem luftig-leckeren Marillenkuchen.

Wegen des WM-Endspiels sahen wir dann aber doch zu, dass wir rechtzeitig vor dem Anpfiff im Hotel waren. Und wie das Spiel ausging, weiß ja inzwischen jeder …

4 Kommentare zu “10. bis 13. Juli – Zauberhaftes Graz

  1. Halo,

    da hatte ihr ja ein spitzen Zimmer im Weitzer erwischt, der Ausblick ist ist wunderschön! Ihr seid in Graz ja ganz schön herum gekommen und habt in der Altstadt schon recht viel gesehen und das besondere Flair von Graz auf euch wirken lassen!

    lg
    Markus

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  2. Villach und Klagenfurt kenne ich, aber Graz noch nicht, und ausgerechnet diese Stadt scheint die schönste der drei zu sein. Geradezu zum Verlieben… Wenn ich könnte, würde ich hier gerne wohnen, weil die Stadt offenbar bezaubernd ist, und dann liegt sie auch noch so wundervoll. Die Grazer sind wirklich zu beneiden.

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  3. Ja. Graz ist toll. Kann ich als Grazern nur bestätigen 😀 Wart ihr auch auf dem Schlossberg? Und für eine kleine Pause auf der Dachterasse vom Kastner und Öhler? Wenn nicht: unbedingt beim nächsten Besuch nachholen.

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    • Ja klar waren wir ganz oben im Café von Kastner und Öhler – es war allerdings so voll, dass wir nur kurz die Aussicht genossen haben und dann wieder mit den Rolltreppen runter gefahren sind. Aber oben in der Bar und auf der Terrasse des Schlossbergrestaurants hatten wir eine kleine Familienfeier mit Prosecco und leckerem Kuchen – inkl. Traumblick über Graz.
      Ich freu mich schon auf unseren nächsten Besuch!!!

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