12. Januar – Adelaide Hills: Noch mehr Regen und Reben …

2015-01-12 16.05.21Als unsere Zimmernachbarn am Morgen ihre Fahrräder vom Auto abluden und sich startbereit machten, bewunderten wir ihren Mut – es sah stark nach Regen aus!

Aber sie waren gut ausgerüstet, und es gibt hier einfach fantastische Radwege, die auf stillgelegten Bahntrassen verlaufen und sich kilometerweit durch die Weinberge ziehen.

Sie waren kaum entschwunden, als der Regen auch schon begann …

Wir waren da etwas besser dran, zum Glück sind unsere 4 Räder überdacht – aber so richtig Spaß macht das Reisen im Regen auch nicht wirklich! Immerhin war es anfangs nur ein Nieseln. Unser nächstes Ziel lag ca. 150 km südlich, zunächst ging es durchs Clare Valley, vorbei an fast unendlich weiten Stoppelfeldern, wo das Stroh entweder zu waghalsigen Türmen gestapelt war oder aufgerollt wie Murmeln auf den Feldern lag.

Ein Blick auf der Karte zeigte, dass das Barossa Valley nur einen Katzensprung entfernt fast auf dem Weg lag, wir schwenkten – trotz der Proteste unseres Navis – von der geplanten Route ab und durchquerten die berühmte Weingegend. Und waren total verblüfft über den unglaublichen Kontrast zum beschaulich-ländlichen Clare Valley. In und um Clare geht es sehr einfach zu, die Ortschaften sind eher bescheiden, es ist wenig los.

Das Barossa Valley strotzt dagegen von Selbstbewußtsein und zeigt seinen Wohlstand ganz offen. Die kleinen Städtchen und Dörfer sind blitzsauber, auf den Gehwegen spenden große alte Bäume üppigen Schatten, die Zufahrtsstraßen sind mit Rosenhecken gesäumt. Gepflegte Häuser mit hübschen Gärten, hochherrschaftliche Weingüter – mit bekannten Namen, die man auch in Deutschland im Weinhandel findet: Jacobs Creek, Wolf Blass oder Penfolds – mehr als 160 gibt es hier! Die Landschaft ist bedeutend lieblicher als im Clare Valley und sowohl Ortsnamen als auch Landschaftsbezeichnungen deuten häufig auf deutsche Wurzeln hin. Die höchste Erhebung in der Gegend heißt “Kaiserstuhl” – auch bei uns übrigens für tolle Weine bekannt!

Je weiter wir nach Süden kamen, um so häufiger sahen wir verbrannte Bäume und Felder – zunächst noch eher vereinzelt, dann wurde es jedoch heftig. Eine erste Straßensperrung ignorierten wir – und kamen durch, auch wenn man zeitweise nur im Schrittempo fahren durfte. Es waren Aufräum-Arbeiten im Gange, verbrannte Bäume wurden gefällt, Äste, die herabzustürzen drohten, abgesägt und abtransportiert. Ringsum sah es gespenstisch aus – kohlschwarze Baumskelette, verbrannte Felder – aber dazwischen immer wieder völlig intakte Wohnhäuser!

Die Feuerwehr hat hier wahre Wunder vollbracht und es geschafft, dass insgesamt nur sehr wenige Häuser den Flammen zum Opfer gefallen sind. Auch Obstplantagen waren geschützt worden – also alles, was die für wirtschaftliche Existenz der Menschen entscheidend war.

Als Dank waren in den Ortschaften an Baumstämmen und Laternen rote Schleifen angebracht – die Feuerwehrleute (die übrigens, wie mir ein Tankwart erzählte, alle ausschließlich ehrenamtlich arbeiten) werden sämtlich als Helden verehrt. Auch die Solidarität ist unglaublich – in Geschäften wird für Geschädigte Geld gesammelt, Tierärzte behandeln verletzte oder sonstwie geschädigte Tiere kostenlos.

Eine weitere Sperrung mussten wir beachten und einen Umweg fahren – hier hing noch der bittere Rauch-Geruch in der Luft und es war kilometerweit alles verbrannt …

Regen-bedingt waren Fotos oder Stopps praktisch nicht möglich – nur die Centennial Hall in Lobethal schaffte es, fotografiert zu werden – der Regen hatte eben mal eine Pause eingelegt. Das 1936 erbaute Gebäude im Art Deco Stil ist recht bekannt …
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Von hier aus war es nicht mehr weit bis zu unserer Unterkunft, dem Aldgate Valley B&B. In einem engen verschwiegenen Tal fanden wir nach einigen Irrwegen unsere Gastgeber schließlich und bezogen unser kleines Gartenhaus, das für die nächsten zwei Tage unser Zuhause sein wird.

Es regnet unaufhörlich, wir sitzen auf der überdachten Veranda am kleinen Bach (der hoffentlich heute Nacht nicht zum reißenden Fluss mutiert!), Katze Polly streift in der Hoffnung auf irgendwas Leckeres um uns herum, und gleich werden wir Spaghetti und Tomatensoße kochen – evtl. später sogar den Kamin anmachen, falls es noch kühler wird …

Hier unsere heutige Strecke:

Ein Kommentar zu “12. Januar – Adelaide Hills: Noch mehr Regen und Reben …

  1. Eure Unterkünfte sind immer highlights. Auch dieses Gartenhäuschen sieht ganz bezaubernd aus, da könnt ihr das schlechte Wetter gut aussitzen. Im übrigen bleibt mir nur, euch endlich Wetterbesserung zu wünschen!

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