20. Januar –Klippen haben’s auch nicht leicht!

2015-01-20 10.13.55“It’s hard to be a cliff on the shores of Victoria” stand auf einem Hinweisschild. Da wird man nämlich ständig schwer gebeutelt – Wind, Regen und Meer setzen einem permanent zu, man franst aus, bekommt Löcher und Höhlen, bröselt so langsam vor sich hin – und verschwindet eines Tages im Meer.

Die relativ weichen Sandsteinklippen der Süd-Ostküste sind leichte Beute für Wind und Wasser, die Küste verändert sich deshalb auch permanent und sieht bei weitem nicht mehr so aus, wie sie die britischen Sträflingsschiffe vor ca. 250 Jahren vorgefunden haben.

Aber des einen Leid ist des anderen Freud – und nicht nur wir finden das, was die Witterung mit und aus den Klippen so alles gemacht hat, total faszinierend.

Wir hatten am Morgen unsere komfortable Unterkunft in Port Fairy nur wirklich schweren Herzens verlassen – dieser Ort hat einfach was … Aber die Great Ocean Road lockte natürlich auch irgendwie, und wir machten uns auf. Dass man diese Straße nicht einfach nur so entlang fahren kann – und allenfalls mal am Straßenrand für ein Foto stoppt – wussten wir, deshalb hatten wir für die 189 km des heutigen Tages auch satte 6-7 Stunden einkalkuliert.

Und die brauchten wir auch – denn schon kurz nach unserem Aufbruch hielten wir bereits wieder an: Die Bay of Islands lockte mit diversen Klippen/Felsen im Meer.
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Und ja – es war mal wieder nicht wirklich warm … das heißt, es war eigentlich nicht kalt, aber der Wind war eisig. Antarktisch eben … Und dann aber auch wieder irgendwie toll – so am Meer, mit dem Wind in den Haaren, und es roch unheimlich gut!

“The Grotto” war im Vergleich zum letzten Besuch vor 4 Jahren leider nicht annähernd so malerisch – die Sonne fehlte einfach.
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Die London Bridge ist ein Beispiel für die zerstörerische Kraft der Elemente – das Verbindungsstück zum Festland brach in den 90er Jahren eines Tages ohne Vorwarnung ab, ein Touristenpaar, das dadurch plötzlich auf einer Insel fest saß, musste per Helikopter gerettet werden.
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“The Arch” wölbt sich – noch – elegant …
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… andernorts sieht man, wie tief sich Wind und Wasser schon ins Gestein gefressen haben.

Und zwischendurch gab’s immer wieder hübsche Blümli (leider keine Mittwochsblümli für Christiane Mund – denn es ist erst Dienstag – und vermutlich auch viel zu profan …).
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Und dann kamen sie – die 12 Apostel, die eigentlich von Anfang an nur 9 waren und inzwischen – siehe oben – von den Elementen auf 6 geschrumpft wurden. Trotzdem noch immer ziemlich beeindruckend!
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Und auch das hübsche Häuschen oben wurde nicht von Menschenhand erschaffen …

Die Great Ocean Road ist eine Straße voller Wunder – und Schrecken. Nicht nur, dass der Teil der Küste, die wir heute gefahren waren, “Shipwreck Coast” heißt, weil hunderte von Schiffen an den Klippen und Felsen zerschellt sind – und in den meisten Fällen fast alle Passagiere ums Leben kamen – sondern auch die heutige Straße ist nicht ohne.  Sie kurvt und schlängelt sich, geht bergauf und bergab, man kann nie weit sehen und Fahrer sowie Beifahrer sind oft mehr mit der Szenerie als mit der Verkehrslage beschäftigt. Deshalb sieht man permanent düster Warnschilder am Straßenrand, die vor den Gefahren warnen – es scheint auf der Straße genauso viele Unfälle zu geben wie früher zu Wasser.

Nach den 12 Aposteln wendet sich die Straße aber erst mal vom Meer ab und es geht rund 15 km mehr oder weniger stetig aufwärts und landeinwärts. Durch sagenhaft duftende Eukalyptuswälder. Ab Lavers Hill geht’s wieder runter bis zur Küste, nur, um dann gleich wieder landeinwärts um das Cape Otway zu fahren. Die eigentlich sehr hübschen Sträßchen “Blue Johanna” und “Red Johanna”, die durch atemberaubend schöne Landschaft zu einem sehr malerischen Strand führen, ließen wir dieses Mal aus. Dieter wollte sich nicht wieder mit der teilweise unbefestigten blauen Lady herumplagen. Aber wer die Strecke zum ersten Mal fährt, sollte sich für diesen Abstecher genug Zeit mitbringen – es lohnt sich!

Wir machten noch einen letzten Stopp vor unserem Tagesziel – Maits Rest hatte uns 2011 total verzaubert. Ein kalter Regenwald, mit uralten Baumriesen und Farnbäumen. Vor vier Jahren hatten wir den Wald – bei leichtem Nieselregen – für uns allein, die Stimmung war magisch. Heute waren etliche Familien mit Kindern da, deren Geschrei und Gekreische die Stimmung merklich veränderten. Trotzdem ein bemerkenswerter Ort – und der kurze, 20-minütige Rundgang lohnt sich.

Zum Vergrößern Bilder anklicken!

Dann war Apollo Bay, unsere heutige Tagesetappe, erreicht. Es war nicht einfach gewesen, dort eine Unterkunft zu finden, der Ort ist sehr beliebt und es sind noch Schulferien. Aber mit unserem Coastal Motel hatten wir keine schlechte Wahl getroffen – das Zimmer war nagelneu, hell und komfortabel.

Das Abendessen war heute eine Freiluft-Veranstaltung (wir hatten inzwischen 26°!) im kleinen Motel-Garten.

Um die hier horrenden Restaurant-Preise zu vermeiden, sind wir ab und zu  Selbst-Versorger bzw. holen was in einem Take-Away. Und da gab es heute ein knuspriges Hähnchen, begleitet von einem (selbst gemachten) Tomaten-Gurken-Salat und trockenem australischen Weißwein. War nicht schlecht …

So sind wir heute gefahren:

Ein Kommentar zu “20. Januar –Klippen haben’s auch nicht leicht!

  1. Die Great Ocean Road hast du wundervoll beschrieben (wie ja eigentlich alles), und dankenswerterweise hast du auch an die Leute gedacht, die diese Strecke vielleicht nach euch fahren wollen. Ich bin dir immer wieder dankbar für deine vielen tollen Tips…

    Übrigens: Im Bundesstaat Washington (an der Westcoast) sind wir auch einmal durch einen solchen Nebel-Urwald gewandert, von daher verstehe ich deine Faszination sehr gut!

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