4.–6. Februar – Gippsland: Hundert Seen, tausend Wasserwege

2015-02-05 05.02. - Mewtung 103Gestern Abend hatte uns unsere Gastgeberin einen Zettel an die Tür gehängt – sie muss schon frühmorgens weg und weiß nicht genau, wann sie wiederkommen wird.

Den Schlüssel sollen wir bei Abreise einfach in den Briefkasten werfen – und vorher gaaanz gemütlich unser Frühstück genießen …

So unkompliziert ist ein Checkout in Australien! Das Frühstück genossen wir, dehnten es aber nicht ewig aus, denn ein neues tolles Ziel lockte: Gippsland!

Was so komisch klingt, ist eine Art Seen-Wunderland – eine Gegend mit unzähligen Süß- und Salzwasserseen, mit Lagunen und fjordähnlichen Fluss-Mündungen. Und mit dem 90 Mile Beach (der wirklich ca. 145 km lang ist! – allerdings größtenteils nicht mit dem Festland verbunden, sondern  auf einer Art vorgelagerten Sandbank).

Bevor wir ans Meer kamen, ging es durch grünes Hügelland. Nachdem die Prom Halbinsel hinter uns lag, wurde das Land zur Rechten flach und senkte sich zum Meer, links entwickelte sich mal wieder ein Voralpen-Panorama. Sonne und Wolken zeichneten helle und dunkle Flecken auf die Hügel. Die schmale zweispurige Straße nannte sich hochtrabig “South Gippsland Highway”, würde bei uns aber gerade mal als Landstraße durchgehen, sie hat noch nicht mal einen befestigten Randstreifen.

Aber da kaum Verkehr herrscht, fährt man sehr entspannt … wenn nicht die unzähligen Baustellen mit Geschwindigkeitsbeschränkungen und roten Ampeln wären. Oder mit völlig unbefestigten Straßenabschnitten, wo man vor lauter Staubwolken kaum was sieht (unser Auto sieht mittlerweile aus, als wären wir permanent Sandpisten gefahren – hoffentlich gibt es da keinen Ärger bei der Rückgabe!)

Wir wichen deshalb einfach auf kleine Nebenstraßen aus. Da gab es keine Baustellen, sie waren ordentlich geteert – außerdem führten sie uns nach Seaspray, einem winzigen Ferienort (wo absolut tote Hose war!). Dort ungefähr beginnt (oder endet, je nach Ausgangslage) der 90 Mile Beach …

Da ich immer noch Postkarten aus Tasmanien mit mir herumschleppte, die endlich mal auf den Weg gebracht werden sollten (irgendwie hatten die Postämter immer zu, wenn mir meine Karten einfielen – oder es gab gar keine Post in den kleineren Orten), stürzte ich den Postbeamten in Seaspray in tiefste Verwirrung, als ich Briefmarken für Postkarten nach Europa verlangte. Das war ihm offenbar in seiner ganzen Amtszeit noch nicht untergekommen – und er fragte MICH, ob ich wisse, wie hoch denn das Porto sei.

Ich wusste, dass es unverschämt hoch ist, aber ganz sicher war ich mir nicht  – wir pokerten also ein bisschen. Ich schlug 2,70$ vor, er meinte, es seien mindestens 2,75$, stellte dann aber fest, dass er nur 2,80$-Marken hatte. Wir versuchten, eine Kombination mit anderen Marken hin zu kriegen – aber letztlich einigten wir uns dann doch auf die 2,80$ Marken, alles andere wäre noch teurer gekommen …

Immerhin stempelte er meine drei Karten von Hand ab und steckte sie eigenhändig in den Postsack!

Nachdem das erledigt war, konnten wir uns ins Strandleben stürzen. Das war allerdings ein äußerst kurzes Vergnügen, der Wind blies uns mit Orkanstärke die Sandkörner um die Ohren – mehr als ein kurzer Blick durch die Dünen war nicht drin.

Die Ausläufer eines Cyclons, der gerade etwas nördlicher vorbeizog, waren sehr spürbar (und hatten auch gestern für das weniger gute Wetter gesorgt).


Weiter ging’s hinter den Dünen, 30 km bis Golden Beach – dort das selbe Bild. Also zurück zum South Gippsland Highway, der irgendwann in den Princes Highway mündete, der uns bis nach Sydney führen wird (und auch kein bisschen größer oder breiter ist!)

In Sale stoppten wir kurz bei einer uralten Drehbrücke – die aber noch funktioniert, wie die gut gefetteten Zahnräder bewiesen, und jeden Samstag und Sonntag um 15 und 16 Uhr geöffnet wird.


Dann stockten wir unsere Vorräte nochmal auf – und weil die Steaks so unglaublich lecker gewesen waren, außerdem unglaublich billig, und wir vermutlich in den nächsten Wochen eher kein Rindfleisch mehr essen werden, landeten wieder zwei Filet-Steaks im Einkaufswagen.

Außerdem wurden wir langsam etwas nervös – es war 14 Uhr und wir sollten den Zugangscode für unser Apartment in Metung bis spätestens 14 Uhr per SMS erhalten haben. Also ein Anruf bei der Agentur, und Sekunden später war die SMS mit dem Code da!

Wir hatten noch eine gute Stunde Fahrt vor uns – links tauchten allmählich die Alpine Mountains als langgezogene Kette am Horizont auf. Die letzten Kilometer vor Metung waren Idylle pur – am kleinen Fluss entlang, Weiden mit Schafen und Rindern, Boote auf glitzerndem Wasser, der Fluss mäanderte gemächlich neben uns her.

Metung ist ein winziger Ort ganz am Ende einer sehr schmalen Halbinsel, der ganz überwiegend von Seglern besucht wird Auf der einen Seite die Bancroft Bay, auf der anderen Lake King, dazwischen wenig mehr als ein Hotel, ein paar weitere Ferienunterkünfte, ein General Store, ein Take Away und eine Bäckerei. Ansonsten hunderte von Yachten in der Bancroft Bay und tausende von Vögeln im Lake King. Und kein Verkehr. Absolute Ruhe. Pelikane drehen ihre Runden in der Luft und zu Wasser, Segelboote manövrieren, mehr ist hier nicht los.

Wir hatten uns vor 4 Jahren in den winzigen Ort verliebt und wollten nochmal hierher. Dieses Mal wohnten wir in den “5 Knots of Metung” in einem Apartment, das hatte ich als fast unglaubliches Schnäppchen im Internet gefunden und wir waren ziemlich gespannt.

Um in unser Apartment zu kommen (es ist das äußerste rechte auf dem Foto), mussten wir den Anweisungen in der SMS folgen und einen Code an der Tür eingeben. Erst mal tat sich nichts, obwohl im Display stand “door unlocked”. Es dauerte ein Weilchen, bis wir kapierten, dass sich zwar die Türklinke keinen Millimeter bewegen ließ, man aber die Tür einfach aufdrücken konnte. Wobei “einfach” stark untertrieben ist – die Tür hatte durchaus Tresortür-Qualitäten, war offenbar aus Stahl oder so was – jedenfalls höllisch schwer! (Und fiel jedes Mal mit einem krachenden Bumms ins Schloss…)

Als wir drin waren, waren wir erst mal sprachlos  – vor Begeisterung! Edles Schiffsboden-Parkett, großes, helles Bad mit Whirlpool – so groß wie ein kleines Schwimmbecken – und Rainshower-Dusche. Dass es (stufenlos regulierbare!) Fußbodenheizung und Handtuch-Wärmer gab, stellten wir erst später fest. Daneben das Schlafzimmer mit einem überbreiten Kingsize Bett. Im Wohnraum/Küche  ein knallrotes Sofa aus butterweichem Leder, Einbauküche mit deutschen Markenfabrikaten …

Ich hör jetzt einfach auf – weitere Details und Fotos stell ich später mal bei den Hotel-Tipps rein.

Aber das Beste war der große Balkon mit bequemen Stühlen und Blick auf den Lake King.

Dort kann man den Tag wunderbar ausklingen lassen …

Hier die heutige Strecke:

5. Februar: Gippsland – Koalas, Echidnas und Wasservögel

Eigentlich richtiges Badewetter – aber das stand bei uns nicht auf dem Programm, sondern ein Ausflug nach Raymond Island.

Die winzige Insel ist nur mit einer Fähre erreichbar – für Fußgänger kostenlos – und ein Koala-Paradies!

Die kleinen Kerle hocken hier überall in de Bäumen – aber es gibt auch noch andere ganz erstaunliche Tiere auf der Insel.

Ca. 30 Minuten fährt man zunächst durch eine idyllische Landschaft bis Paynswick, ein richtig hübscher kleiner Ort.

Eine Fähre bringt einen in 5 Minuten rüber nach Raymond Island. Fußgänger zahlen nichts, Autos kosten stolze 12$! Aber ein Auto braucht man dort auch gar nicht.

Die Insel ist bekannt für ihre Koalas, die dort sehr gehegt werden – aber ich hatte mir fest vorgenommen, auf gar keinen Falls wieder irgendwo ins Gras zu gehen, bloß, um einen Koala besser vor die Linse zu bekommen! Denn beim letzten Besuch wurde ich an Füßen und Waden ganz fürchterlich von irgendwelchen Viechern gestochen, die im Gras lebten. Das juckte tagelang …

Aber wie das so ist mit guten Vorsätzen – als wir so durch die stillen Sträßchen wanderten (auf Raymond Island ist es – abgesehen vom Gekreische der Kakadus – unglaublich ruhig!), kam eine ältere Dame auf uns zu und erzählte, dort vorne im Gras sei ein Echidna! Für Unkundige – das ist ein Schnabeligel oder Ameisenigel, so einer, der mit seiner langen klebrigen Zunge Ameisen aus dem Boden “schlürft”.

Und das tat dieser kleine Wicht so intensiv wie ein Staubsauer. Er hob kaum mal seine Nase vom Boden, es war schwierig, mehr als seinen stacheligen Rücken zu sehen. Aber ab und zu ging’s dann doch mal.

Klar, dass ich da nicht an Stechviecher dachte und um das Stacheltier herumschlich, denn so was hatten wir noch nie gesehen – und das musste ich dann heftig büßen, denn meine Füße steckten in Flipflops und boten damit eine prima Angriffsfläche für alle möglichen saugenden und stechenden Grasbewohner. Die machten reichlich Gebrauch von dem Angebot und die Stiche juckten unsäglich – zumindest so lange, bis ich eine Creme mit einem Lokalanästhetikum drauf schmierte. Die war eigentlich nur vorsorglich im Gepäck wegen eventueller Sandfliegen-Stiche in Neuseeland, denn die sollen extrem jucken, aber hier fand dann so eine Art Generalprobe statt, die die Creme mit Bravour bestand.

Vorher – Juckreiz bis zum Blutig-Kratzen, dann Salbe drauf und es war Ruhe. Himmlisch!

Ach ja –  Koalas gab es natürlich auch … Hier ein ganz junger, der eben erst von seiner Mutter verlassen worden war, wie uns der Mann mitteilte, neben dessen Haus der Baum stand.

Und hier ein größeres Männchen (woran man das erkennt, weiß ich nicht – wir glauben es den Locals einfach mal …)

Putzig sind sie ja schon – aber inzwischen zücken wir nicht mehr bei jedem pelzigen Hinterteil auf einem Baum die Kameras. Schließlich gibt es noch mehr Sehenswertes auf der Insel.


Wir wollten noch nach Lakes Entrance – dort endet der 90 Mile Beach und außerdem ist dort der einzige und recht schmale Zugang für all die vielen Seen und Lagunen zum offenen Meer.

Tiefblaues Meer, weißer Sand und tiefgrüne Vegetation – eine tolle Kombination! Und dann sind da auch noch die Pelikane, die überall herumsitzen, –schwimmen oder fliegen …

Besonders lustig sehen sie aus, wenn sie ihre Köpfe um 180° drehen und zwischen ihren Flügeln verstecken!

Aber (fast) das Beste an Lakes Entrance ist, dass man dort fangfrische einheimische King Prawns direkt vom Schiff kaufen kann. Und das sollte heute unser Abendessen sein. Wir erstanden ein gutes Pfund, frisch gekocht,  für lächerliche 10,90$ (ca. 7,50 €)!

Noch ein kurzer Gang zum Dorfladen – wo es leider keine Cocktailsoße gab! Aber mit einer süß-scharfen Chillisoße schmecken King Prawns auch sehr gut, wie wir aus Thailand wissen – und die gab es. Noch ein kurzer Gang durch den Yachthafen zu unserem Zuhause …

… dann wurden Kartoffeln gekocht, die Prawns noch mal kurz in der heißen Pfanne geschwenkt, ein kleiner Salat angerichtet – und schließlich sah es so aus!

Natürlich blieb es nicht bei dem einen Glas Wein, auch ein Spaziergang bei Sonnenuntergang wurde noch absolviert …


… und dann genossen wir einfach nur den warmen Abend auf dem Balkon!

Der heutige Ausflug:

Ein Kommentar zu “4.–6. Februar – Gippsland: Hundert Seen, tausend Wasserwege

  1. Hallo Renate,

    heute mache ich etwas, was ich noch nie gemacht habe: Ich will mich einfach mal melden und mich für die tollen Berichte und wunderschönen Bilder bedanken. Was ist das denn für eine Kamera? Bin immer wieder gespannt. Euch noch eine schöne Reise. Vielleicht klappt es doch einmal nach der Rückkehr zu einem Treffen mit weiteren Berichten und Fotobüchern.

    Liebe Grüße auch an Deinen Mann

    Harald B.

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