8. Februar – Letzte Etappe bis Sydney

2015-02-08 08.02. - Sydney 086Unsere Wege sind (auch) unsere Ziele.

Der Weg von A nach B wird immer so gewählt (häufig im Clinch mit dem Navi), dass wir möglichst viel von Land und Leuten mitbekommen. Nur selten sind Tagesetappen länger als ca. 200 km, wir wollen uns Zeit lassen und nehmen. Umwege und Zwischenziele sind genau so wichtig wie der Endpunkt.

Und heute lag ein ganz besonders schönes Zwischenziel auf dem Weg nach Sydney – das Kangaroo Valley.

Nicht, dass es in der Jervis Bay nicht schön gewesen wäre – Strände und Meer waren unglaublich in ihren Farbkontrasten – Saphirblau und Schneeweiß. Dass unsere Unterkunft eher in der Kategorie “Basic” angesiedelt war, machte den Aufbruch aber entschieden leichter.

Außerdem gibt es noch andere Farben, auch die sind schön. Und unser Reiseführer kam bei unserem Zwischenziel förmlich ins Schwärmen –die totale Idylle, ein landschaftliches Highlight, ein MUSS!! Auf der eigenen Website heißt es sogar, das Kangaroo Valley sei “The most beautiful valley in Australia”. Also bogen wir nach kurzer Fahrt auf dem Highway links ab (das Navi wurde einfach abgeschaltet …), ins Kangaroo Valley. Und landeten wirklich in einer echten Idylle.

Die Straße wird zusehends schmaler, windet sich durch Wälder, die immer wieder Blicke in – idyllische! – grüne Täler freigeben. Wir kurbeln die Fenster runter, schalten die Klimaanlage aus – das Thermometer sinkt gemächlich von über 30° auf ca. 25° und es riecht nach Pinien. Wir kommen ins Tal, dort wird Heu gemacht – wieder ein paar tiefe Atemzüge.
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Zunächst durchqueren wir das gesamte Tal, wir wollen zu den Fitzroy Falls. Dazu müssen wir erst mal wieder bergauf, enge Serpentinen, enge Straße, leider auch einige Lkws und Wohnwagen, in deren Dieseldunst wir ausharren müssen. Die Wasserfälle – und der Fußweg dorthin – entschädigen aber total. Wir gehen am Fluss entlang bis zu einer Plattform – und sind platt!!! Erwartet hatten wir einen kleinen Wasserfall, der nett über ein paar Felsen herunterplätschert.

Stattdessen – ein gigantischer Canyon und ein Wasserfall, der über mehrere 100m in die Tiefe stürzt.
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Rechts, knapp unterhalb der rötlich schimmernden Felsen, gab es einen tollen Wanderweg, den wir gerne ein Stück gegangen wären – blöderweise haben wir aber beide in den letzten Tagen ein paar Malaisen entwickelt. Ich hatte mir in Wilsons Prom das Knie lädiert, Dieter hat Probleme mit einer Sehne am Fuß, also Schonprogramm, zurück zum Auto.

Das brachte uns über unzählige Kurven mit toller Aussicht (und absolut keinen Haltemöglichkeiten) wieder runter ins Tal, zur Hampden Bridge. 1898 erbaut, wirkt die Hänge-Brücke zwar sehr imposant, aber auch ein bisschen fehl am Platz in dieser ländlich-einsamen Idylle.
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In Kangoroo Valley Village war Markt – da musste ich einfach hin! An kleinen Ständen wurden ausschließlich Produkte aus der engsten Umgebung verkauft oder solche, die dort verarbeitet wurden.
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Wenn wir nicht noch etliche Reisewochen vor uns hätten, wären frisch gepresstes Olivenöl, Seife aus Ziegenmilch, Honig-Hautcreme und noch einiges andere in unserem Gepäck gelandet. So musste ich mich damit begnügen, einen kalt gefilterten Kaffee zu genießen (einfach nur “trinken” zu schreiben, wäre hier nicht angebracht – noch nie hatte ich einen so intensiv schmeckenden, kein bisschen bitteren und schon gar nicht säuerlichen Kaffee getrunken!

Über Stunden wird kaltes Wasser aus einer Art Pipette über das – natürlich frisch geröstete und gemahlene! – Kaffee-Pulver getropft, vorzugsweise im Kühlschrank. Am Ende schmeckt das genauso intensiv wie eine klare Tomaten-Essenz, die über Nacht durch ein Mulltuch tropft… (Aber das ist eine andere Geschichte…)

Jedenfalls verstrickte ich mich in ein längeres Gespräch mit dem Pärchen, das den kalten Kaffee anbot – dabei stellte sich heraus, dass die Eltern der jungen Frau aus Idar-Oberstein stammen, während der Mann aus Ungarn kam. Und beide wollen in den nächsten Jahren nach Deutschland auswandern!

Auch an den anderen Ständen entwickelten sich immer wieder Gespräche – ich hätte noch stundenlang bleiben können (und das ungarisch-deutsche Kaffepaar wollte uns zum Lunch zu sich nach Hause einladen) – aber wir mussten weiter und heute noch vor 18 Uhr unser Auto in Sydney bei AVIS abgeben! Also wieder raus aus dem Tal, Richtung Norden.
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Zurück auf dem Princes Highway hatte das Navi wieder das Sagen (da es eigentlich immer nur geradeaus ging, war das nicht so wichtig – aber wir wollten seine Gefühle nicht verletzen Zwinkerndes Smiley), bis wir in Wollongong landeten.

Dort wollten wir letzte Einkäufe bei Aldi tätigen und einen Kaffee trinken. Das mit Aldi klappte reibungslos – obwohl wir nur noch 2 Tage bis zur Abreise nach Neuseeland vor uns hatten, waren noch ein paar große Flaschen Wasser nötig, und zur Betäubung des Abschiedsschmerzes ein guter Rotwein.

Das mit dem Kaffee war erheblich schwieriger, Parkplätze echte Mangelware. Es war 1. Sonntag und 2. richtig heiß, so dass 3. jede Familie mit Kind und Kegel ans Wasser strebte. Und das hieß hier: Egal ob Schwimmbad, Strand …
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… oder Hafenbecken, jeder stürzte sich ins Wasser. Und jedes Café, jede Imbiss- oder Eisbude, wurde von Horden umlagert. An den Stränden entlang der Küste war es echt voll, standen die Autos kilometerweit am Fahrbahnrand. Deshalb gaben wir unsere Kaffeepläne erst mal auf und konzentrierten uns auf die Schönheit des Grand Pacific Drives.

Und auf die grandiose Brücke, die wir vor 4 Jahren bei Nieselregen und Nebel erlebt hatten.
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Kurz vor Sydney wurde es eng auf der Straße – der Heimreiseverkehr des Wochenendes hatte uns erwischt und wir standen im Stau … Lange … länger … irgendwann ging es endlich weiter. Über eine Brücke …
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… dann am Flughafen entlang. Nun kannten wir uns plötzlich aus, wir waren in der Innenstadt und unser Stadtplan war schlauer als das Navi, das uns auf diversen Umwegen zum Hotel lotsen wollte. So schafften wir es ganz locker analog statt digital.

Leider konnte man vor den Meriton Apartments in der Campbell Street nirgends parken, um das Gepäck auszuladen. Ich sprintete zur Rezeption, während Dieter im Auto wartete, ein netter Mitarbeiter kam mit einem Gepäckwagen, lud Koffer und Taschen auf und wir machten uns wieder davon, Richtung AVIS-Büro.

Auch hier kapitulierte das Navi – fand sich im Einbahnstraßen-Gewirr absolut nicht zurecht. Erneut war der gute alte Stadtplan die schnellere Variante, und wir fanden AVIS auf Anhieb. Eines hatten wir allerdings zwar nicht vergessen, aber irgendwie vor uns hergeschoben – wir mussten den Wagen vollgetankt zurück geben! Und während auf der Fahrt eine Tankstelle nach der anderen gewesen war, mit Benzin um 1,02 $, war jetzt plötzlich nirgendwo mehr was zu sehen. Wir irrten in Kreisen um die Williams Street, wo die Rückgabe-Station war – endlich ein grünes BP-Schild! Das Benzin kostete 1,25$ – das war offenbar der Preis für verzweifelte Mietwagen-Kunden, denn in unmittelbarer Nachbarschaft waren sämtliche Mietwagen-Büros der Stadt.

Zähneknirschend tankten wir voll – die Rückgabe war wie üblich eine 10-Sekunden-Affäre (Schlüssel ausgehändigt, einmal rund ums Auto marschiert, freundliches Lächeln, Kreditkartenbeleg zurück, fertig!).
Mit U-Bahn und Bus fuhren wir zurück zum Hotel, checkten ein – und landeten in einer Oase!

Unendlich viel Platz, alles neu, stilvoll und elegant. Eine tolle Küchenzeile (mit Spülmaschine!), sogar Waschmaschine und Trockner standen nett versteckt hinter einer Falttür. Und sogar ein Blick, der lohnte, die Vorhänge offen zu lassen. (Meine Bitte per Email, uns in einem möglichst hohen Stockwerk einzuquartieren, wurde mit dem 26. Stock erfüllt!)
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Tolles Wetter und großes Hunger – da ist man am besten aufgehoben im Darling Harbour. Das Hafenbecken ist umringt von einer unendlichen Zahl von Kneipen und besseren Restaurants. 15 Minuten Fußweg, dann waren wir da. Zunächst im Darling Park, wo Open Air Kino geboten wurde – kostenlos, und lauter Filme, die das Leben durch die rosarote Brille sahen. Der Valentinstag steht vor der Tür!
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Und dann lag der Hafen vor uns, in goldenes Abendlicht getaucht. Pärchen ruderten in kleinen Booten durchs Becken, alle mit romantischen Symbolen geschmückt. Und im Wasser schwammen Herzen …
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Kaum ein Lüftchen regte sich – ein wunderbarer Sommer-Abend! Die eigentlich silbernen Vögel an einem Brunnen – zumindest waren sie das bei unserem Besuch vor 4 Jahren – strahlten in tiefem Gold.
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Klar, dass wir hier im Hafen aßen – wo sich die Lichter im immer dunkler werdenden Wasser spiegelten.
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Danach erwischten wir noch eine Fähre zum Circular Quay, dem Hafen, in dem nicht nur Kreuzfahrtschiffe anlegen, sondern auch sämtliche Fähren starten.

Ein Platz auf dem Oberdeck bescherte uns eine romantische Fahrt, vorbei am Luna-Park mit Riesenrad und weit aufgerissenem Mund als Eingangstor …
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… dann unter der Harbour Bridge hindurch, an der Oper entlang, zum Circular Quay (wobei weder die Lichtverhältnisse noch das schwankende Schiff der Bildqualität zuträglich waren …)
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Die letzte Strecke legten wir mit dem Bus zurück, denn wir hatten noch am Nachmittag in einem 7/11 –Laden eine Opal Card besorgt, mit der wir die öffentlichen Verkehrsmittel deutlich vergünstigt nutzen konnten. Da heute Sonntag war, konnten wir sogar so viel mit Bussen, Bahnen und Fähren fahren, wie wir wollten – es kostete lediglich 2,50$ für den gesamten Tag!

Hier die heutige Strecke:

Ein Kommentar zu “8. Februar – Letzte Etappe bis Sydney

  1. Es ist mal ein Kompliment für deine ganz ausgezeichneten Fotos angebracht; sogar deine Nachtaufnahmen werden toll! Offenbar hast du eine sehr gute Kamera dabei…

    Wieso will das junge Pärchen nach Deutschland auswandern? Das kann ich einfach nicht fassen: sie leben doch im Paradies! Jede Bucht, jeder Strand, jeder Hügel, den du uns zeigst, sind wunderschön, wie kann man da nur wegwollen…

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