12. Februar – Wo die wilden Kerle wohnten

2015-02-12 12.02. - Kaikoura 061In Kaikoura wurden einst Wale gefangen und zerlegt – eine blutrünstige und ziemlich stinkende Angelegenheit. Wer alt genug ist, um als Kind Lebertran schlucken zu müssen, kann sich den Geruch in etwa vorstellen.

Noch heute werden hier Wale und Delphine gejagt – allerdings von Ausflugsbooten aus und mit Kameras. Nirgendwo sonst ziehen ganzjährig alle möglichen Wal-Arten vorüber und wimmelt es derart von Delphinen, Seehunden und anderen sehenswerten großen Meerestieren. Das Nahrungsangebot ist hier offenbar auf 5-Sterne-Niveau – zumindest für Wal & Co.

Auch wir hatten eine Whale-Watching Cruise gebucht (im voraus, denn die sind oft ausgebucht, und im Moment scheint halb China in Neuseeland zu sein und hier die Neujahrs-Ferien zu verbringen) und waren ganz kribbelig vor Vorfreude. Die mussten wir aber erst mal zügeln, denn der Morgen war so sommerlich schön, dass wir vor unsere ca. 2-stündigen Fahrt nach Kaikoura erst mal den botanischen Garten in Christchurch besuchten.

In eine Schleife des River Avon schmiegt sich seit 1863 der ausgedehnte Garten, der geschaffen wurde, um die Sehnsucht der (britischen) Einwanderer nach den formellen und Landschaftsgärten ihrer Heimat ein bisschen zu stillen. Viele der Pflanzen wurden importiert – heute wird auch viel Wert auf die Erhaltung der einheimischen Flora gelegt. Uns gefiel das englische Flair …

Zum Vergrößern Bild anklicken!

Es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis wir endlich Christchurchs unendlich viele roten Ampeln hinter uns hatten. Dann wurde es aber ländlich, mit Stoppelfeldern und Weiden. Bald begleiteten uns links Berge, die “Lower Peaks Range” – wobei 1.694 m ja auch nicht gerade niedrig sind.

Auf den Hügeln viele Nadelwälder, die mir aber eher wie Holzgewinnungsfabriken aussahen – teils schnurgerade Reihen von Bäumen, die oft abrupt endeten. Und auch häufig brutal abgeholzte Flächen. Aber vermutlich bin ich da einfach zu sentimental, denn irgendwo muss das Holz für Papier und anderes ja her kommen.
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Richtig grün ist es übrigens nur selten – es hat seit Wochen nicht richtig geregnet, und wo nicht bewässert wird, ist alles vertrocknet. Soviel zum Thema “Grüne Inseln”…

Kaikoura erreichten wir nach gut 2 Stunden Fahrt – und es war so völlig anders, als wir es uns vorgestellt hatten. Sicher spielte auch das tolle Wetter eine Rolle (fast 30°, wolkenlos) – jedenfalls ist der Ort weit entfernt von einer düsteren Walfang-Station, sondern ein richtig quirliger, netter Ferienort. Und mehr will er wohl auch nicht sein, denn Kaikoura lebt fast ausschließlich von Touristen.

Als erstes fuhren wir zum Whale Watching Center – wir hofften, unsere für morgen gebuchte Tour evtl. gegen eine Nachmittagstour heute umtauschen zu können, weil das Wetter so toll war – aber dort gab es eine herbe Enttäuschung: Alle Touren von heute waren storniert worden, der Wind war zu stark. Also blieb uns nur, auf morgen zu hoffen …

Nach einigem Suchen fanden wir unsere Unterkunft, das Kaikoura Cottages Motel – 8 kleine Bungalows in einem hübschen Garten, nur ca. 100 m vom Meer und mit  Blick auf die Berge. Alles nagelneu und sehr komfortabel – wir hätten sogar noch Gäste unterbringen können, denn wir hatten zwei Schlafzimmer!
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Lange hielten wir uns aber nicht auf, das tolle Wetter schrie nach “Auslauf” – auch wenn der Wind wirklich ziemlich heftig war. Erst mal immer an der Küste lang – der Zweiklang Meer und Berge war sensationell!
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Manche der Kalkstein-Formationen sahen aus wie steingewordene Wellen …
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An einem kleinen Stand am Straßenrand verkauften Maori (die hier übrigens auch ausschließlich die Wal-Beobachtungstouren veranstalten) Seafood. Man konnte z.B. Crayfish, also frische Langusten, entweder direkt vor Ort gegrillt essen oder gekochte Exemplare mitnehmen.
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Uns lief zwar das Wasser im Mund zusammen, aber wir wollten erst mal ein Stück laufen. Zum Beispiel über die von der Ebbe freigelegten Steinplatten, die jede Menge Überraschungen boten:
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Und dann rauf auf die Klippen, wo uns ein toller Küstenpfad mit Ausblick erwartete.
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So richtig ausgelaufen –und ziemlich hungrig – kamen wir wieder unten an. Und auf dem Rückweg wieder am Fisch-Stand vorbei. Die Langusten lockten sehr – warum widerstehen, wenn sie hier so billig sind, wie sonst nie! Wir suchten uns ein schönes Exemplar aus, und für 55$ (ca. 35 €) konnten wir eine frisch gekochte Languste mit heim nehmen!

Mit ein paar neuen Kartöffelchen, einem Salat aus Gurken und Tomaten und einem eiskalten neuseeländischen Sauvignon Blanc  ein super-leckeres Essen – und das auch noch in der warmen Abendsonne vor unsere kleinen Hütte, mit dem Rauschen des Meeres als Hintergrund-Musik! Da konnten man nur noch vor Wonne seufzen …
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So verlief die heutige Fahrt (Wen übrigens die Gesamt-die Route interessiert – und einem Kommentar habe ich entnommen, dass das durchaus der Fall ist – Karten mit unserer genauen Route sowohl auf der Süd- als auch später der Nordinsel sind im Menüpunkt “Karten/Routen” unter Reisen 2015” ) :

4 Kommentare zu “12. Februar – Wo die wilden Kerle wohnten

  1. Wenn sie auch in keinster Weise meiner Vorstellung von Neuseeland entsprechen, so sind die Aufnahmen vom Botanischen Garten in Christchurch doch zauberhaft.

    Mit euren Unterkünften habt ihr ja oftmals wirklich sagenhaftes Glück! Und mit dem Wetter! Alles traumhaft – die Landschaft, die Wanderung, der kleine Kerl, der sich in der Sonne aalt :-), und natürlich euer köstliches Abendessen…

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  2. … superschön und wie immer äußerst interessant, was du berichtest (ich war 2008 in Neuseeland- Nord+Süd), aber diesen Ort merk´ ich mir, mein Mann möchte diese Land auch gerne kennenlernen 🙂
    lg felixine

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  3. Ich drücke Euch ganz arg die Daumen, dass sich der Wind bis morgen verdrückt! Wir sitzen dann zwar immer noch im kalten und grauen Deutschland (momentan 3° minus in Unterfranken), können uns aber beim Betrachten Deiner superschönen Bilder von Eurer Whalewatching-Tour warme Gedanken machen 🙂

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