19. Februar – Milford Sound: Magische Momente

2015-02-19 19.02. - Queenstown 115Der Milford Sound gehört zu den “Must See’s “ in Neuseeland!!

Der ca. 15 km lange Fjord ist UNESCO-Weltnaturerbe und wurde von Rudyard Kipling als 8. Weltwunder bezeichnet.

Entstanden am Ende der Eiszeit durch Gletscher, umgeben von bis zu 1500 m hohen Felswänden, nach jedem Regen von Wasserfällen übersät.

Und regnen tut es hier mehr als häufig.

Während bei uns der jährliche Niederschlag in Millimetern gemessen wird, misst man am Milford Sound in Metern!!! Jährlich gehen zwischen 6-8 m Regen pro Quadratmeter hier nieder – Tage ohne Regen sind also eher die Ausnahme als die Regel.

Und weil es so viel regnet, bildet sich auf dem Salzwasser des Fjordes eine Süßwasserschicht, die durch die vielen aus dem Gestein gelösten Stoffe fast undurchsichtig ist. Das schafft im Wasser Lichtverhältnisse, die sonst nur in großen Tiefen vorkommen und etlichen sehr seltenen Pflanzen und Tieren Lebensraum bieten.

Den Milford Sound kann man nicht er-fahren, man muss ihn mit dem Schiff be-fahren. Und um überhaupt dort hin zu kommen, muss man von Te Anau aus ca. 120 km eine Straße entlang fahren, die als eine der schönsten der Welt gilt. Für die Strecke muss man ca. 2 Stunden veranschlagen.

In Te Anau stapelten sich die Touristen, also würden die Boote wohl ziemlich voll, wenn nicht sogar ausgebucht sein. Und wir hatten nicht im voraus gebucht. Unser Wirt gab uns den Tipp, entweder sehr früh oder sehr spät zu fahren – die meisten Touristen reisen mit Bussen dort hin und nehmen in der Regel die Schiffe ab ca. 12 Uhr.

Wir fuhren hingegen im eigenen Auto und waren insofern unabhängig. Um dem Trubel zu entgehen, standen wir bereits kurz nach 6 auf und fuhren gegen 7 Uhr los, in noch fast völliger Dunkelheit.

Und das nicht nur, weil die Sonne noch nicht aufgegangen war – es hingen auch richtig dunkle Wolken am Himmel. In der Nacht hatte es nicht geregnet, sondern geschüttet!!! Es hörte sich an, als würden unaufhörlich trockene Bohnen auf unser Wellblechdach geschüttet. Nur sehr zögerlich wurde es heller.
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Aber dann geschah doch ein kleines Wunder – durch die ziemlich verschmutzte Windschutzscheibe sahen wir die Sonne hinter den Bergen aufgehen!
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Das war’s dann aber auch – nur wenige Minuten später sah es so aus:
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Nichts gegen Impressionismus – aber jetzt hätten wir lieber Fotorealismus gehabt! Leider blieb es so auf der ganzen Fahrt, es kam dann sogar noch Nebel hinzu. Trocken war es nur kurz – während der Fahrt durch den 1,2 km langen Homer-Tunnel, der nur einspurig befahrbar ist.

Die Durchfahrt wird deshalb mit einer Ampel geregelt – wenn viel los ist in eine Richtung, steht man durchaus auch mal 15 Minuten lang am Tunnel-Eingang. So früh am Morgen war das aber noch kein Thema.

In Milford angekommen, hatte sich der Regen zu einem gleichbleibend heftigen Wasserfall entwickelt. Immerhin hatten wir wegen der frühen Stunde und dem Regen keine Probleme, einen Parkplatz zu bekommen – das sah später dann ganz anders aus!

Mit akrobatischen Verrenkungen schafften wir es, im Auto unsere Regenjacken anzuziehen – trotzdem waren wir ziemlich nass, nachdem wir über den Parkplatz und die Straße ins Besucherzentrum gehechtet waren. Im Moment war uns nicht wirklich nach einer Bootsfahrt zumute, und wir überlegten bereits, ob wir das Ganze nicht abblasen und einfach wieder zurück fahren sollten. Schließlich wollten wir heute noch nach Queenstown.

Ein heißer Kaffee und das allmähliche Nachlassen des Regens stimmten uns dann doch um. Wir kauften Tickets für die “Encounter Nature Cruise”, die um 10:15 mit einem eher kleinen Boot, der Lady Bowen, stattfinden sollte.

Vom Parkplatz bis zur Anlegestelle der Boote geht man ca. 10 Minuten durch einen zauberhaften Regenwald – es tropfte von Baumfarnen, die Bäume hatten dicke Moos-Stulpen um die Stämme und es roch betörend. Jegliches magische Gefühl verschwand aber sofort am Terminal: Ein hypermodernes Riesen-Gebäude, in der die 4-5 Schifffahrt-Gesellschaften ihre Ticketschalter haben und wo einiges los war.

Unsere kleine Lady lag bereits abfahrbereit am Pier.
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Wir hatten wirklich ein gutes Händchen gehabt mit diesem Boot – man konnte sowohl innen sitzen, wo es warm und sogar ganz gemütlich war, als auch draußen auf einem überdachten Deck. Und während der 2 1/4-stündigen Fahrt machten wir von beiden Möglichkeiten regen Gebrauch!

Es regnete zwar immer wieder, war aber ziemlich warm, also war draußen unter dem Dach stehen oder sitzen erst mal eine gute Option. Auf jeden Fall sahen wir hier gleich beim Auslaufen den Wasserfall, nach dem unser Boot benannt war, in voller Größe und Schönheit.
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Der River Bowen stürzt hier 162 m weit in die Tiefe – und so üppig, wie wir die Kaskaden sehen konnten, sind sie nur, wenn es vorher heftig geregnet hat.

Da wir eine Nature Cruise mitmachten, hatten wir auch einen kundigen Führer an Bord, der uns eine Menge über den Fjord, seine Entstehung und die unzähligen Wasserfälle erzählte. Die allermeisten Fälle sind nicht permanent, sondern tauchen nur nach starkem Regen auf und versiegen dann wieder. Sie schwemmen laufend große Mengen an Mineralien aus dem Gestein, wirken deshalb oft nicht richtig weiß, sondern eher bräunlich und tönen auch das Wasser im Sound dunkel.

Schon an der nächsten Ecke wirkte der Sound märchenhaft – die steil aus dem Wasser aufsteigenden Berge verschwammen im Nebel und Regen und wirkten fast unwirklich.
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Nur leider war es jetzt windig geworden (oder es war der Fahrtwind) – jedenfalls bekam ich permanent Tropfen aufs Objektiv! Und da ich hier keine Möglichkeit der Bildbearbeitung habe, müsst ihr einfach über die gelegentlichen Tropfen hinweg sehen …

Der nächste Wasserfall war schon wieder spektakulär, er zeichnete einen riesigen weiß-schäumenden Kreis ins Wasser.
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Und schaut man mal nach oben, sieht man, aus welcher Höhe die Fälle herunter stürzen. Die Berge hier sind immerhin bis zu 1.500 m hoch!
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Um mal ein Gefühl für die Größenverhältnisse zu bekommen, hier ein Foto mit ein paar Kajak-Fahrern am Fuß der Berge. Und was man vom Berg sehen kann, ist quasi nur die erste Etage!
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P1100804Wasserfälle ohne Ende …

Wir fuhren bis raus auf’s Meer – und zunächst sah es aus, als würden Wetter und Sicht zunehmend besser.

Kaum hatten wir umgedreht und fuhren zurück, zog der Himmel jedoch wieder zu, außerdem kam jetzt auch noch immer mehr Nebel auf.
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Immerhin war die Sicht noch gut genug, um ein paar erstaunliche Tiere zu sehen – Seebären!

Eigentlich hatte ich darunter immer mehr oder weniger trinkfeste und schnauzbärtige Zweibeiner verstanden – die jungen Kerle, die sich hier auf einem Felsen räkelten, hatten zwar auch einen beginnenden Bartwuchs, aber Flossen statt Beinen 😉

Sea Bears” sind eng verwandt mit Walrossen (die ja auch einen Schnauzbart haben) – die hier waren noch sehr jung, so dass der Bartwuchs eher spärlich ausfiel.
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Unsere Tour ging zu Ende – und das Wetter wurde immer besser! Als wir an Land waren, schien die Sonne, der Himmel wurde blau …

Und nur die Tatsache, dass die Warteschlangen im Terminal jetzt fast endlos waren (und die Wartenden fast alle aus dem Reich der Mitte), bewahrte uns davor, uns mächtig zu ärgern, dass wir so früh aufgestanden waren, nur um eine Regen-Nebel-Tour zu machen.

Immerhin erhaschten wir jetzt mal einen kurzen Blick auf den Sound und die Berge ohne Regen und Nebel, dafür mit tief hängenden Wolken. Das sah nicht so aus, als würde das Wetter lange halten.
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Und dann waren da auch noch die verzweifelt um den Parkplatz kurvenden Neuankömmlinge, die keine Chance auf einen Platz hatten, wenn nicht einer weg fuhr. Unseren Parkplatz hätten wir meistbietend versteigern können Zwinkerndes Smiley.

Wir überließen ihn aber großmütig kostenlos einer Großfamilie und machten uns auf den Rückweg. Und freuten uns – last but not least – darüber, dass wir von Sandflies weitgehend verschont geblieben waren – die schwirrten jetzt allerdings sehr heftig auf dem Parkplatz herum!

Wir hatten jeder zwei Stiche bzw. Bisse einkassiert – das war nicht weiter schlimm – und ich hatte ja ein wunderbares Anti-Juck-Mittel in meinem Rucksack – ein kleines Tüchen Emla Salbe.

Auf dem Rückweg sahen wir dann auch, was die Straße zu einer der schönsten der Welt machte: Wasserfälle …
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… Täler, Schluchten.
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Warten vor dem Homer-Tunnel …
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Und dann – raus aus dem engen Tal und rein in die Sonne!
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Von Te Anau zum Milford Sound:

2 Kommentare zu “19. Februar – Milford Sound: Magische Momente

  1. Pingback: 31. Januar – Tief im Süden … | Fernweh ......

  2. Trotz schlechten Wetters wunderschöne Eindrücke. Die vielen Wasserfälle auf eurer Bootstour sind einfach spektakulär! Und auch die Nebellandschaft hat einen ganz besonderen Reiz, sieht wirklich wie im Märchen aus

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