28. Februar – Ziemlich heiße Kiste: Lake Taupo und die Geothermie

FernwehMondkrater, wo überall kochendheißer Dampf aus der Erde entweicht. Wasserfälle, wo pro Sekunde 220.000 l Wasser herab donnern. Schluchten, die 4 Mal täglich mit Wasser aus einem Stausee gefüllt werden. Ein Kratersee, mit über 600 qkm so groß wie Singapur, entstanden vor rund 200 Jahren bei einer Eruption, die so gewaltig war, dass die Asche selbst in Europa und China den Himmel verdunkelte.

In diese Gegend der Superlative fuhren wir heute von Napier aus. 

Vor der Abfahrt ging es aber noch kurz auf den Hausberg von Napier, den Bluff Hill. Von da hat man einen tollen Blick auf den geschäftigen Frachthafen.
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Anschließend  ging es durch hügeliges Land, das in seiner Kargheit an die schwäbische Alb erinnert. Nur ein paar genügsame Schafe weiden hier.
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Unsere Fahrt wurde erschwert durch unzählige Baustellen – generell haben wir noch nie in einem Land so viele Baustellen erlebt, wie hier. Und alle sind ziemlich personalintensiv, denn statt Baustellenampeln stehen hier Männer (gelegentlich auch mal Frauen) mit “Stop-“ oder “Go”-Schildern.
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In der Regel bestehen die Arbeiten darin, dass Teer auf die Straße gekippt wird, dann kommen ein paar Ladungen Split darüber, eine Walze fährt das Ganze halbherzig etwas fest – den Rest erledigen die Autofahrer, die sich dabei gerne mal ein Loch in der Scheibe oder Kratzer im Lack einfangen… Wenn man mit einem Mietwagen unterwegs ist, fährt man dann gaaaanz langsam. Aber es gibt – was Geschwindigkeitsbegrenzungen an Baustellen angeht – hierzulande ohnehin nur eine Einheits-Geschwindigkeit – 30 km/h. Was anderes haben wir hier nie gesehen. Offenbar gab es diese Schilder irgendwann mal im Sonderangebot.

Ein wunderschöner Wasserfall, eingebettet in eine sanfte Hügellandsachaft, die Waipunga Falls, verleitete uns zu einem Stopp.
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Dann war es nicht mehr weit bis Taupo. Obwohl es noch reichlich früh war, konnten wir in unserem Motel einchecken, luden unser Gepäck ab und fuhren gleich weiter, denn wir wollten die Gegend noch ein bisschen erkunden. Gleich am Ortsausgang hatte man von einem Hügel aus einen Panoramablick über den See, im Hintergrund der schneebedeckte Mount Ruapehu und davor der Mt. Ngaunurhoe, ein Vulkan wie aus dem Bilderbuch!
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Kurz darauf schon wieder ein Wasserfall … Ja – aber was für einer! Die Huka Falls sind nicht besonders hoch – nur 20 m. Aber der bisher gemächlich dahin treibende Waikato River …
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… wird von über 100 m Breite durch Felswände auf nur noch 20 m eingezwängt, schießt durch eine Art Rinne…
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… nimmt dabei so viel Sauerstoff auf, dass das Wasser ein weiß-schäumendes Blau annimmt, und am Ende stürzt so viel komprimiertes Wasser über die Felsen herab, dass pro Minute 5 Schwimmbäder mit Olympia-Maßen gefüllt werden könnten.
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Weil wir gerade so in Fall-Laune sind, suchen wir noch nach weiteren Exemplaren. Dazu muss man dem Waikato River nur ein paar Kilometer weiter folgen,
bis dort hin, wo er zu einem großen Stausee aufgestaut ist. Dahinter gab es früher mal Stromschnellen und Fälle, die Aratiatia-Rapids, die durch den Damm-Bau nahezu trocken gefallen sind. Nur spärlich rinnt das Wasser hier zwischen den Felsen hindurch.

Auf Druck der Bevölkerung hin werden die Fälle jedoch täglich quasi wieder belebt und um 10, 12 und 14 Uhr (im Sommer auch noch um 16 Uhr) die Schieber am Stauwehr für 15 Minuten geöffnet und bis zu 90 000 l Wasser pro Sekunde füllen die Schlucht mit Wasser. Dieses Spektakel wollten wir uns anschauen.
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Eine kleine Wanderung an der Schlucht entlang … brachte uns zu einem guten Aussichtspunkt.
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Langsam öffneten sich die Schieber und entließen Wasser aus dem Stausee in die Schlucht.Was vorher so aussah …
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… war plötzlich voll von schäumenden Wassermassen. Direkt unterhalb des Stauwehrs sah es vor der Öffnung so aus:
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Und 20 Minuten später so:2015-02-28 28.02. - Rotorua_Taupo 133
Jetzt fehlte nach so viel kühlem Wasser noch was Heißes – das fanden wir bei “Craters of the Moon”.
Hier kocht die Erde förmlich, überall dampft es, aus Löchern und Spalten zischt es  und ein leichter Schwefelgeruch hängt in der Luft.
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Etwa 45 Minuten dauerte der Rundgang durch die gespenstische Landschaft.

Inzwischen war es schon fast Abend geworden. Wir beschlossen den Tag mit einem Picknick am See, statt uns in ein Restaurant zu setzen. Eine Flasche Rotwein, ein paar Kleinigkeiten aus der Kühltasche und dann einfach nur die Stimmung genießen!
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Dass unter dem See ein Vulkan schlummert und seine Entstehung einer Katastrophe zu verdanken war, interessierte uns jetzt überhaupt nicht. Es war einfach nur unglaublich schön und friedlich …

Unsere heutige Strecke:

Ein Kommentar zu “28. Februar – Ziemlich heiße Kiste: Lake Taupo und die Geothermie

  1. Wir sind begeistert von der Hohen Qualität der Bilder und der sehr plastischen
    sympathischen und bei Vergleichen oft humorvollen Beschreibung Eurer vielfältigen Erlebnisse.
    Beste Grüße von Erwin und Sibylle

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