05./6. März – Bay of Islands

2015-03-05 05.03. - Paihia 027Albi schaute uns bei unserer Abreise leicht besorgt an, als er erfuhr, dass wir heute bis an die nördlichste Spitze Neuseelands fahren wollten.

Quite a long drive…” meint er. Anders als die Australier scheinen die Kiwis lange Fahrstrecken eher zu scheuen.

Er empfahl uns  viele Pausen zu machen und die Stecke zu genießen … Ok, machen wir Zwinkerndes Smiley !

Und wir haben ihm versprochen, dass wir (spätestens!!!) in 10 Jahren wiederkommen. So lange brauchen nämlich die “Christmas-Trees”, Pōhutukawa, die er in den letzten Tagen gepflanzt hatte – Bäume mit tiefroten, etwas fransigen Blüten, die um die Weihnachtszeit herum die Coromandel Halbinsel in ein Farbenmeer verwandeln – um die Lücken in seinem Garten richtig auszufüllen.

Allerdings war auf der Fahrt anfangs außer flachem Weideland nicht viel zu sehen. Wir mussten den Firth of Thames am südlichen Ende umfahren, dann ging es auf mehrspurigen Straßen um Auckland herum und über die Harbour-Bridge.
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Auch nach Auckland ging es erst mal mehrspurig weiter, da war nicht viel mit ländlicher Idylle.

Erst in Whangarei gab es eine kleine Atempause – Kaffee und haus-gebackene Creamcheese-Muffins in einem kleinen Café am Hafen, mit Blick auf schicke Yachten.
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Wenig später eine erste Vorstellung, weshalb die Gegend “Bay of Islands” heißt – vor lauter Inseln sieht man das Meer kaum …
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Und dann waren wir auch schon in Paihia angekommen, ein kleiner Ort, der erkennbar fast ausschließlich vom Tourismus lebt.

Unsere Unterkunft, The Retreat, bot einen fantastischen Blick über die Bucht – ansonsten war sie eher unterdurchschnittlich. Eben eine richtige Badeort-Ferienwohnung – etwas abgewohnt, und jetzt, am Ende der Saison, war dringend eine Grundreinigung fällig!
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Nachdem wir in Whakatane so gute Erfahrungen mit dem Fishermans Club gemacht hatten, suchten wir das hiesige Pendant und wurden beim Swordfish Club fündig, dem angeblich zweitältesten Sportangler-Club der Welt!

Auch hier wurden wir wieder (kostenlos) Mitglieder auf Zeit bzw. Gäste der Mitglieder. Auf der Terrasse mit Super-Aussicht über die Bucht konnten wir frisches kühles Bier und prima Essen genießen und zuschauen, wie der Tag langsam entschwand und ein fetter gelber Mond aus dem Meer empor stieg.

Zum Tagesabschluss dann noch ein Gläschen Rotwein auf unserem Balkon, den Vollmond bewundern und die unzähligen Lichter um die Bucht. Ein wunderbarer warmer Sommer-Abend!
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Am nächsten Morgen sah es dann leider so aus:
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Dicke Regenwolken und ein scharfer Wind – dabei wollten wir eigentlich heute eine Delphin-Cruise machen. Oder bis zum letzten Zipfel Neuseelands fahren, ans Cap Reinga, wo die Seelen der Maori der Überlieferung zufolge ins Meer hinab steigen und ihre letzte große Reise antreten.

Nachdem dann aber wirklich Regen einsetzte und es auch neblig wurde, legten wir beides ad acta und schauten mal, was die nähere Umgebung so hergab.

Ganz in der Nähe war Waitangi, dort wurde 1840 der Vertrag zwischen Briten und den Maori unterzeichnet, mit dem die Maori weitgehende Rechte und sehr viel Land an die Briten abtraten. Nachdem wir dort aber eine Armada von Tourbussen sahen, fuhren wir weiter, nach Kerikeri.

Die hübsche kleine Stadt war eine der ersten Siedlungen von Europäern in Neuseeland, dort findet man das älteste Steinhaus, den Stone Store, und das älteste Holzhaus Neuseelands, das Mission House.
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Eine uralte “Clapperbridge” aus Bruchsteinen führt über den Fluss zu den alten Gebäuden, die sehr malerisch am Flussufer stehen.

Das schneeweiße “Mission House” sieht nicht viel anders aus als zahllose andere heutige australische Häuser, hier ist man dem alten Stil durchweg treu geblieben.
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Sehr britisch ist die Blumenpracht – man kann sich gut vorstellen, mit welcher Hingabe die Missionars-Frauen hier ihren Garten gepflegt haben. Und sie beließen es nicht bei hübschen Blüten – es gibt auch einen Gemüse- und einen Obstgarten, wo die Äpfel gerade reif wurden.
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Darunter, im Gras, blühten eine Art Herbstzeitlose … oder Liliengewächse???
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Im Garten wunderschöne alte Bäume.
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Im Stone Store sieht es aus wie vor über 200 Jahren …
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Der kleine Friedhof neben der winzigen Holzkirche wirkte etwas vernachlässigt – aber das kennen wir auch von britischen Friedhöfen.
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Es blieb weiter düster und regnerisch …
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… obwohl es ganz hinten nach Aufklarung aussah! Also nix wie hin – immer dem blauen Fleck am Himmel nach!
Das bedeutete zwar eine Fahrt mit der Fähre nach Russel – aber die lohnte sich, hier schien die Sonne! Und weil wir heute sowieso ständig auf historische Bauten stießen, passte auch die älteste Kirche Neuseelands gut in unser Thema.
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Hier war der Friedhof deutlich besser gepflegt –  der Busch links vorne ist übrigens ein kleiner “Christmas Tree”, der noch ein paar rote Blüten trägt.
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Und dass hier mit dem “Duke of Marlborough” auch das älteste Pub und Hotel steht, wundert einen nicht wirklich.
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Auch nett – die kleine Polizeistation, die allerdings nicht mehr in Betrieb ist.
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Während hinten die Sonne lachte, drohte vorne am Pier schon das nächste Unwetter.
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Und auch oben vom Flagstaff-Hill, wo der Fahnenmast im 18. Jh. mehrfach von aufständischen Maori gekappt worden war, gab es zwitterige Aussichten – Sonne über dem kleinen Ort Russell …
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… düstere Stimmung auf der anderen Seite. Ein ziemlich durchwachsener Tag also – aber wunderschön war’s trotzdem!

Und morgen soll es sonnig sein – muss auch, denn wir haben eine Bootsfahrt gebucht!!!

Unsere Route gestern und heute:

Ein Kommentar zu “05./6. März – Bay of Islands

  1. Viele idyllische Ansichten heute – die muten in der Tat ‚very british‘ an. Ich empfinde es übrigens als sehr angenehm, daß du deinen Lesern so en passant immer auch etwas von der Geschichte des bereisten Landes vermittelst 😉

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