16. März – Der Weg nach Sydney ist mit tollen Stränden gepflastert!

2015-03-16 16.03. - Nelson Bay 022Falls es jemand vergessen hat: Wir reisen hier nicht einfach nur so zum Spaß in der Gegend rum, sondern sind auf dem Weg nach Sydney!

Wobei das natürlich auch nicht so ganz stimmt – denn es macht uns jede Menge Spaß, an der australischen Ostküste lang zu bummeln und außerdem ist auf dieser Reise wirklich und immer und überall der Weg das Ziel.

Nur – in Sydney müssen wir eben bis zu einem bestimmten Termin sein, denn von Sydney geht unser Flieger an die Westküste.

Und von dort aus, von Perth, geht es dann leider und unwiderruflich Ende März zurück nach Hause … seufz … Also – weiter geht’s…

Nur noch ein kurzer letzter Blick auf die jetzt blankgeputzten Strände und die Mündung des Hasting Rivers direkt vor unserem Hotel in der Morgensonne – warum nicht gleich so??? Das mit dem Gewitter hätte doch auch noch bis morgen Zeit gehabt…
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Weit kamen wir allerdings heute nicht beim ersten Anlauf – zuerst mussten wir nachsehen, was sich hinter den Büschen rechts auf dem oberen Foto verbirgt:
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Menno – da hätte man so schön rumkraxeln können!!!

Aber gleich um die nächste Ecke gab’s was zum Schauen – und für mich zum Lachen.
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Spontan assoziierte ich: “Wenn ich groß bin, werd ich mal ein richtiger Leuchtturm …” Das Tacking Point Lighthouse ist der niedlichste und kleinste Leuchtturm, den ich je gesehen habe – irgendwie süß, der Kleine … als ob Kinder ihn gebaut hätten. Sogar die Plakette, die das Baujahr festhielt und die Tatsache, dass er unter der Regentschaft von Queen Victoria erbaut wurde, sah rührend handgemacht aus.

Der Winzling ist jedoch immerhin der dritt-älteste Leuchtturm Australiens – also brachte ich ihm dann doch etwas Respekt entgegen.
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Nur wenige Kilometer weiter wurde es dann tierisch interessant – ich traute meinen Augen nicht und nötigte meinen Fahrer zu einer Vollbremsung: Da grasten Kamele neben der Straße!!! KAMELE!!! An der Ostküste! Vom roten Zentrum kannten wir die Viecher zwar – aber immerhin herrschen dort wüstenartige Bedingungen.

Wer’s nicht glaubt – bitteschön, hier ist der Beweis:
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Auch ansonsten war die Strecke reich an tollen An- und Ausblicken – wir hatten Routi nämlich mal wieder ignoriert und fuhren, statt des von ihm vorgeschlagenen schnelleren, aber sicher stocklangweiligen Pacific Highways A1, den erheblich schöneren und aussichtsreicheren Ocean Drive entlang.

Der landete zwar irgendwann dann doch wieder auf der A1, aber schon wenig später gab es erneut Gelegenheit, Routi zu ärgern – The Lakes Way bog bei Rainbow Flat (ich LIEBE australische Ortsnamen!) vom Highway ab. Er mäanderte ganz tüchtig durch die Landschaft – schnell voran kommen geht anders – und wir genossen es einfach. Kurvten vorbei an riesigen Salzwasser-Seen, an der Küste, durch kleine Ortschaften.

Wir hielten in Forster bei der Tourist Information, weil uns für den allerletzten Streckenabschnitt bis Sydney noch eine Karte fehlte und ich einfach was Gedrucktes in der Hand haben will, um mich auch mal großräumiger orientieren zu können. Karte gab’s zwar nicht, aber dafür sehr neugierige Pelikane, die ganz offensichtlich auf Futter hofften. Auch für Dieter ein gefundenes Fressen, denn seit unserem ersten Australien-Aufenthalt zählen Pelikane mit zu seinen Lieblingstieren.

Mein Reisebegleiter hat aber auch noch ausgeprägte nicht-tierische Vorlieben. Der eine oder die andere hat’s vielleicht bereits gemerkt: Es gibt praktisch keinen Leuchtturm auf unseren Routen, der nicht angesteuert wurde!
Da werden auch schon mal Umwege in kauf genommen oder Straßen, die diesen Namen eigentlich gar nicht verdienen (und wo mir immer der Angstschweiß ausbricht, denn natürlich darf man mit einem Mietwagen nur auf ordentlichen, geteerten Straßen fahren … Es sollte also auf einer solchen Strecke besser nichts passieren!)

Jetzt war es der Sugarloaf Point, der noch in die Sammlung rein musste. Der lag zwar nicht wirklich direkt auf der Strecke – aber wir hatten ja Zeit 😉 Und zum Glück gibt’s Google Street View – da kann man sich die Strecke schon mal ganz genau auf Fotos ansehen – und was ich dort sah, war zwar eng, aber geteert. Die Straße, meine ich …

Und schön war sie außerdem. Und man sah eine Menge Erstaunliches. Ich lernte zum Beispiel, dass man für’s Wäschetrocknen weder eine Leine noch einen Trockner oder so was braucht. Es genügt ein Auto …
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Nur hätte ich mir für eine solche Aktion evtl. einen anderen Tag rausgesucht – es sah nämlich verdammt nach Regen aus!
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Was uns allerdings nicht hinderte, zum Leuchtturm zu marschieren – denn Hinfahren war nicht drin, ein eisernes Tor versperrte die Zufahrt. Lediglich ein kleines Hinweisschild zeigte an, dass wir hier richtig waren – aber wie weit es war??? Fehlanzeige …

Wir stiefelten also los. Es war warm, schon fast schwül, und wir kamen bald ins Schwitzen – aber es war ein wunderschöner Weg durch Eukalyptuswälder.
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Und der ging irgendwie immer weiter … bis dann mal eine Abzweigung mit einem Schild kam, das uns verkündete, es seien noch 400 m bis zum Leuchtturm (da waren wir aber – gefühlt – schon so um die 1000 m gelaufen …) Und dann ging es auch noch bergauf! Aber plötzlich weitete sich der Weg und links tauchte eine Schlucht auf – mit echt beeindruckenden Felsen.
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Und dann waren wir da – am Sugarloaf Point!
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Rechts das etwas aufgewühlte Meer (hatte ich schon erwähnt, dass wir unterwegs ziemlich nass geworden waren …), vor uns der Leuchtturm.
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Allerdings musste man noch etliche Stufen zurück legen, bevor man ihn in seiner ganzen Größe und Schönheit vor sich hatte. Und selbst oben angekommen, versteckte er sich immer ein bisschen – dabei muss er sich wirklich nicht zieren, denn er ist einer der ganz wenigen Leuchttürme mit einer Außentreppe.
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Wirklich wunderschön – der Weg hatte sich echt gelohnt! Zurück ging’s dann vorbei an Buddha …
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… mehr oder weniger direkt neben dem örtlichen Laden …
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… und geradewegs in die nächste Baustelle … (also irgendwie fühlen wir uns von Baustellen förmlich verfolgt!!!)
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Aber auch das ging vorbei – und schwuppdiwupp waren wir wieder am Meer. Und in der Sonne. Und das Wasser war sowas von BLAU!!!2015-03-16 16.03. - Nelson Bay 084
Schwere Entscheidung – sollten wir noch den Umweg über die Lemon Tree Passage Road machen, wo es von Koalas nur so wimmeln soll??? Und kann man einer Straße mit so einem tollen Namen wirklich widerstehen??? Auch wenn man dann so ungefähr 45 Minuten (oder auch ein klitzekleines bisschen mehr …. ääähhhmm … ) unterwegs wäre????

Man kann – widerstehen … seufz …Mein Fahrer war der Auffassung, dass wir jetzt doch mal zusehen sollten, ans Ziel zu kommen. Und das war Nelson Bay. Und dass dort rein zufällig mal wieder ein Leuchtturm war, den ER anschauen wollte, war wirklich reiner Zufall 😉

Wir fuhren natürlich hoch zum ääähhm … Leuchtturm – der aber so hässlich war, dass ich mich schlichtweg weigerte, ihn zu fotografieren! Eigentlich ist es nicht mal ein Leuchtturm, es gibt nur ein paar Sendemasten und vermutlich sendet irgendwas auch Licht aus – wen’s wirklich interessiert – Inner Lighthouse Nelson Bay.

Unterhalb des Leuchtturmes lockte ein schöner Strand …
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samt unvermeidlicher Pelikane.
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Und direkt um die Ecke von dieser Idylle war unsere Unterkunft – Martys at Little Beach (so hieß der hübsche Strand oben!). Und die Unterkunft war mindestens so idyllisch wie der Strand – ein geräumiges luftig-helles Zimmer, alles nagelneu, mit echtem Beach-Feeling.
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Auch das Bad riesengroß, mit Fenster zum Pool …
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Wir waren rückhaltlos begeistert – zumal das Zimmer zu den billigsten auf unserer Reise zählte!

Koffer ins Zimmer – und sofort wieder los. Schließlich wollten wir die Gegend noch ein bisschen erkunden. Und wir waren hin und weg – mal wieder ein Ort, wo wir gerne noch einen Tag dran gehängt hätten! Der Hafen …
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Einsame Buchten, wo man versuchte, das Abendessen ein bisschen mit selbst gefangenem Fisch auf zu peppen (warum man dazu einen Sturzhelm brauchte, erschloss sich uns nicht wirklich …)
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Am Soldiers Point sollte man Delfine sehen können – aber als wir dort ankamen, trafen wir nur einen Pelikan, der uns etwas irritiert anschaute …
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… und ansonsten lediglich Boote und Angler…2015-03-16 16.03. - Nelson Bay 1152015-03-16 16.03. - Nelson Bay 113
Trotzdem total entspannt und zufrieden machten wir uns auf die Suche nach was Essbarem – denn schließlich befriedigen visuelle Eindrücke den Magen nur sehr bedingt. Wir hatten im Hafen von Nelson Bay ein Fish’n Chips Lokal gesehen, vor dem sich die Leute stauten und wo man direkt am Wasser sitzen konnte – also nichts wie dort hin. Und wir hatten Glück – es machte um 20 Uhr zu und wir hatten es gerade noch geschafft, orderten gegrillten (nein, keinen frittierten!!!) Fisch, Salat – und packten unser mitgebrachtes Bier aus, denn Alkohol wurde hier nicht verkauft.

Leise plätscherte das Meer an die Ufer-Mauer, der Fisch war köstlich, die Temperaturen angenehm lau, der Mond stieg empor – und wir fragten uns, warum es nicht immer so sein konnte wie heute Abend … Allerdings nicht lange – dann hofften wir sehr, dass sich so ein Abend nicht wiederholen würde!

Wieder in unserem Zimmer, steuerte ich das Bad an. Und stellte fest, dass sich die Tür nicht öffnen ließ!!! Da wohl kaum jemand inzwischen in unser Zimmer eingedrungen sein konnte und sich jetzt im Bad verschanzte, rief ich erst mal Dieter zur Hilfe – der würde die Tür mit männlicher 😉 Brachialgewalt sicher aufkriegen.

Aber alle Versuche scheiterten… Blöd war, dass nicht nur alle möglichen wichtigen Dinge für die Körperpflege im Bad waren (einschließlich meiner Kontaktlinsen-Pflegemittel, ohne die ich morgen blind wie ein Huhn sein würde) – sondern auch Dieters Handy mit australischer SIMCard. Das hatte er zum Laden im Bad eingestöpselt, so dass wir jetzt nicht mal die Notrufnummer des Motels anrufen konnten (denn in australischen Motels gibt es KEINE rundum besetzte Rezeption – wenn der letzte Gast des Tages da ist, wird dicht gemacht …)

Aber hallo – ich hatte ja auch noch ein Handy! Mit einer neuseeländischen SIMCard!! Die auch in Australien funktionierte!!!!!! Also Notrufnummer angerufen. Niemand nahm ab. Erneuter Versuch … erfolglos. Nochmal probiert und auf den AB gesprochen, dass es sich hier um ein wirklich, WIRKLICH! dringendes Problem handelt!

Kurz darauf kam ein Rückruf. Unsere Notlage wurde geschildert – und dann war auf der anderen Seite erst mal Schweigen… gefolgt von einem etwas zögernden “I’ ll be with you in about 10 Minutes!”

Wir schenkten uns erst mal ein Gläschen Wein ein und warteten … Dann kam die blonde nette Dame vom Empfang und schaute sich die Sache an. Sie stellte schließlich fest, die Tür sei wohl von innen verriegelt! Toll – darauf waren wir auch selbst schon gekommen! Bloß: Wie kriegen wir die wieder auf (wie sie sich von selbst verriegeln konnte, obwohl sie offen stand, als wir weg gegangen waren, wollten wir jetzt mal gar nicht problematisieren…)

Längeres Rumstochern mit einem Schraubenzieher und die gemurmelte Bemerkung, sie habe schon mal zugesehen, wie jemand eine Tür auf diese Weise geöffnet hatte, überzeugten uns nicht wirklich … Und nach etwa 20 Minuten gab sie ihre Versuche auch auf und griff zum Telefon. Wen sie anrief, wussten wir nicht – aber sie erklärte erleichtert, jetzt würde jemand kommen, der das Problem schnell lösen würde.

Inzwischen waren wir ein bisschen müde und hätten uns gerne nach einer Dusche ins Bett verzogen – aber dazu musste man ja erst mal ins Bad … Immerhin kam tatsächlich nach einer Weile ein nettes Paar, das sich als Eigentümer des Hotels entpuppte. Jetzt wurde erstmals überlegt, wie das eigentlich passieren konnte und irgendwie kristallisierte sich heraus, dass es wohl unterhalb des Türgriffs einen Riegel gibt, der die Tür von innen verriegelt. Und weil wir (es war sehr heiß im Zimmer, als wir aufgebrochen waren) alle Fenster, auch im Bad geöffnet hatten, war die Tür wohl zugefallen und der Riegel dabei zugeschnappt. Wie das genau passieren konnte, war uns allen nicht wirklich klar– wir hatten den Riegel jedenfalls weder bemerkt noch vorgeschoben.

Eine knappe Stunde verging mit Versuch und Irrtum, der Griff wurde abgeschraubt, es wurden diverse Instrumente ausprobiert – die Tür weigerte sich standhaft, aufzugehen. Und dann, irgendwann, als keiner von uns mehr daran glaubte, machte es plötzlich “Klick” und die Tür war auf. Wie – das wusste hinterher keiner – aber wir hatten unser Bad und unsere Nachtruhe und die Hotelbesitzer machten sich schleunigst davon … Wäre uns das in den USA passiert, hätten wir sicherlich ein paar 100.000 $ Schmerzensgeld erstreiten können – so waren wir einfach nur froh, dass wir duschen konnten.

Und schlafen tief und fest und wirklich gut – jedenfalls so lange, bis morgens die Müllabfuhr kam! Aber das ist ja erst Morgen …

Und so sind wir gefahren:

Ein Kommentar zu “16. März – Der Weg nach Sydney ist mit tollen Stränden gepflastert!

  1. Eine superspannende, höchst amüsante story – erinnert ein wenig an Poe oder Sherlock Holmes 🙂 Für euch war es vermutlich weniger lustig, für eure Leser aber um so mehr 🙂

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