24. März – Riesen-Ratten

2015-03-24 24.03. - Rottnest 086Auch Forscher und Entdecker können sich irren.

Im 17. Jahrhundert entdeckten Holländer eine kleine Insel vor der westaustralischen Küste – und verließen sie umgehend wieder. Angewidert teilten sie der Nachwelt mit, die Insel könne nicht bewohnt werden, weil sich dort unzählige Ratten, so groß wie Katzen, herumtrieben…

Sie nannten sie “Rottnest” – Rattennest … So eklig fanden die Europäer die Insel und deren tierische Bewohner offenbar, dass sie noch nicht mal als Sträflingsinsel für Europäer genutzt wurde – lediglich Aborigin-Sträflinge wurden dort ab 1838 gefangen gehalten.

Heute ekelt sich keiner mehr – im Gegenteil. Heute befördern Fähren tagtäglich hunderte von Touristen auf die Insel, in der Hochsaison gibt es dort monatelang kein freies Bett. Die vermeintlichen Ratten entpuppten sich als eine Art Mini-Känguru, heißen Quokka und werden heute lediglich mit Kameras gejagt. Und die Insel bezaubert mit Puderzucker-Stränden und unvorstellbar klarem Wasser.

Zwar waren wir vor fast genau einem Jahr schon mal auf Rottnest Island – aber hatten schon damals das Gefühl, bei weitem nicht genug von der Insel bekommen zu haben. Also gab es ein da capo … Und weil wir am Ende einer langen Reise sind und die Reisekasse immer leerer wird, nutzten wir spontan einen Superdeal! Statt für 78$ kann man nämlich Dienstags für nur 39 $ hin und zurück fahren. Heute ist Dienstag – also wurde das Schnäppchen gestern sofort im Internet gebucht.

Deshalb wankten wir heute Morgen noch völlig schlaftrunken kurz vor 7 Uhr Richtung Hafen – aber kann man wirklich schlaftrunken bleiben, wenn der Himmel blitzeblau ist und die Papageien einen frech anblinzeln???
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Und im Hafen bereits fleißig gearbeitet wird –
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– oder zumindest fleißig fotografiert wird.
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Kein Windhauch bremste unsere Überfahrt, schon kurz nach 8 Uhr waren wir auf Rottnest Island.
Und voller Tatendrang (das mit dem “schlaftrunken” war lääängst vorbei!!!)…

Und deswegen dieses Mal nicht mit dem Bus über die Insel, sondern – Mit.Dem.Fahrrad!!! Jeder – ok, FAST jeder – fährt hier Fahrrad. Außer dem Insel-Bus gibt es keine Autos, man kann also völlig ungehemmt die Traum-Strände und –Buchten abfahren… Und schließlich ist die Insel ja auch nur so um die 12 km lang – allerdings extrem hügelig und die Straße schlängelt sich um und in jede noch so kleine Bucht….

Also los zum Fahrrad-Verleih, weil wir den Leih-Rädern, die man zusammen mit dem Fähren-Ticket buchen konnten, nicht so richtig getraut hatten. Wir wollen ein Rad sehen und ausprobieren, bevor wir damit einen Tag lang herum fahren. Erst mal mussten wir aber ein paar Vorsichtsmaßnahmen los werden. Weil es in den letzten Tagen doch öfter mal recht kühl war und die Fähren gerne auf Kühlschrank-Temperatur runter gekühlt werden, hatten wir dicke Fleece-Jacken dabei. Es war aber sonnenklar, dass wir die heute ganz bestimmt nicht brauchen würden! Dank Internet wussten wir, dass es in der Nähe der Tourist Information Schließfächer gab – dort wurden unsere dicken Jacken gebunkert.

Bei Pedal and Flipper ging es zu wie in einem gigantischen Fahrrad-Supermarkt – Berge von Helmen (es herrscht Helmpflicht auf der Insel), nach Größen geordnet, aus denen wir die passenden raussuchen mussten. Dann Formulare ausfüllen und anschließend aus hunderten von Fahrrädern auch nach Größen sortiert!) zwei auswählen, deren Bremsen funktionieren, die von der Größe her passen und überhaupt … Glücklicherweise hab ich einen Fahrrad-Experten als Begleiter – ich hätte einfach das erstbeste genommen…

Und dann ging’s los – wobei ich fast sofort an meine Grenzen stieß: Es ging nämlich gleich bergauf! Wo andere locker hochstrampelten, kapitulierte ich umgehend und schob mein Rad zur Kuppe hoch. Peinlich – aber was will man machen – ich mag Bergfahrten einfach nicht! Aber dann!!!! Runter ging’s und schon gleich zur ersten Bucht. (Wen Route und Insel interessieren – hier ist eine Karte!)

Henrietta Rocks – kristallklares Wasser, helle Felsen …
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Weiter ging’s – Parker Point. Man sieht – wir waren nicht die einzigen Radler.
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Und wie im letzten Jahr warteten hier die Quokkas (zum Vergrößern Bilder anklicken).

Sehen die etwa wie Ratten aus??? Außer den Quokkas gab’s auch noch glasklares Wasser und einen Blick bis zur Festlands-Küste.
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Und zur anderen Seite, bis fast ans Ende der Insel …
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Und so ging’s dann auch weiter – jede Kurve, jeder Hügel brachte eine neue verträumte kleine Bucht, einen neuen Traumstrand…
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Wer jetzt denkt, wir waren praktisch alleine auf der Insel, täuscht sich … meistens sah es nämlich so aus:
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Da hatten wohl noch mehr Leute die günstigen Dienstags-Preise genutzt …

Wir strampelten weiter bergauf und bergab (wobei’s natürlich runter immer ziemlich entspannt war), bis zum Leuchtturm Nummer 1, dem Wadjemup Lighthouse. Ein zweiter Leuchtturm wurde 1900 erbaut, denn die Insel ist umgeben von gefährlichen Klippen, Riffen und Untiefen und nach einem schweren Schiffsunglück im Jahr 1899 sah man ein, dass ein Leuchtturm alleine nicht ausreichend war.
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Inzwischen war ich schon etwas platt – es herrschte nämlich zusätzlich zum hügeligen Gelände auch ein sehr heftiger und ständig zunehmender Wind, der uns fast immer von vorne anblies. Weil ältere Damen aber über eine gewisse Lebenserfahrung verfügen und ihre Kräfte durchaus realistisch einschätzen, hatten wir in weiser Voraussicht zu unseren Rädern noch ein Bus-Ticket gekauft. Und damit verbunden die Möglichkeit, unsere Räder an jeder beliebigen Bushaltestelle einfach stehen zu lassen und mit dem Bus weiter zu fahren! Und da das westliche Ende der Insel ohnehin nicht mehr soo spannend war, wir aber noch mal zum zweiten Leuchtturm wollten (ihr erinnert euch – ich bin mit einem Mann unterwegs, der eine Leuchtturm-Leidenschaft hat …), radelten wir noch bis zur Haltestelle Green Island (immerhin die Nr. 9 von 19!), schlossen dort unsere Räder an eine Bank an und plumpsten wenig später erleichtert in die deutlich bequemeren Bus-Sitze.

Den Wadjemup Leuchtturm sahen wir übrigens bald wieder – von der anderen Seite, aus dem Bus-Fenster und über den Garden Lake, auch Pink Lake genannt, hinweg. Der schimmerte an manchen Stellen in der Nachmittagssonne auch tatsächlich leicht pink.
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Helme und Fahrradschlüssel wurden zurück gegeben, die Haltestelle, an der die Räder abgestellt wurden, angegeben – dann gab’s erst mal Kaffee und Mango-Kokos-Muffins mit Blick über die Thomson Bay bei Dôme (Dôme ist eine west-australische Kaffeehaus-Kette mit dem Flair österreichischer Kaffehäuser und wirklich tollem Kaffee sowie unglaublich leckerem Kuchen).

Jetzt stand nur noch Leuchtturm Nr. 2, das Bathurst Lighhouse auf unserer To Do-Liste. Wir wussten zwar, wo der Leuchtturm steht (jedenfalls so in etwa) – aber ob wir das bis zur Abfahrt der (allerletzten!) Fähre schaffen würden, mussten wir erst mal sehen. Aber kaum waren wir an der Tourist Information vorbei und über den Strand an den jenseitigen Dünen angekommen, lag er auch schon vor uns.
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Und direkt darunter wieder einer der Strände, die die Leute in Scharen hierher locken – kristallklares Waser, Puderzucker-Sand …
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Nochmal mit den nackten Füßen durch den warmen Sand und ins Wasser … dann war es allerhöchste Zeit, Richtung Fähranleger zu marschieren.
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Warum die letzte Fähre bereits um 16:30 geht, versteht wohl niemand so recht … vielleicht liegt’s ja am Wind, der auf der Rückfahrt durchaus Sturmstärke erreichte und etliche Leute leicht grün um die Nase aussehen ließ. Wir wären jedenfalls noch sehr gerne länger geblieben auf der gar nicht rattigen Insel …
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