3. Februar – Es fährt ein Zug nach Nirgendwo

P1200123Normalerweise fährt man mit dem Zug, um an ein Ziel zu kommen. Nicht allerdings, wenn man mit dem Taieri Gorge Train fährt. Der fährt eine teilweise atemberaubende Strecke.

Einmal hin. Und wieder zurück. Mehr nicht. Pures Sightseeing!

Es sei denn, man fährt an einem Freitag oder Sonntag. Dann geht es ein Stück weiter, bis Middlemarch, und von da aus kann man dann den 150 km langen Otago Central Rail Trail wandern.

Und wer diese Strecke  an Ostern fährt, hat nur vordergründig Middlemarch als Ziel im Kopf – viel wahrscheinlicher ist es, dass man auf Partner/innen-Suche ist, denn dann findet in Middlemarch alle zwei Jahre ein gigantischer Heiratsmarkt statt.
P1200055Der “Singles Ball ist mitterweile so berühmt, dass nicht nur neuseeländische, sondern auch ausländische Singles auf Partnersuche hin fahren. Allerdings ist das Ticket-Kontingent begrenzt – man muss sich also frühzeitig kümmern Zwinkerndes Smiley

Für uns sollte es heute beim reinen Sightseeing bleiben – für den Nachmittags-Zug hatten wir gestern Karten gekauft. Rund 4 1/2 Stunden sollte die Fahrt dauern.

Bis zur Abfahrt um 14:30 war allerdings noch jede Menge Zeit – also erst mal kurz zur Esplanade, nach den Wellen schauen …
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Heute war es sogar den Surfern zu viel – kein Mensch im Wasser! Das sah allerdings auch aus, als ob es förmlich kochen würde!P1200061
Wir suchen uns ein ruhigeres Plätzchen und landen im Botanischen Garten. Wie in Christchurch ist auch der in Dunedin kostenfrei, allerdings ist er ganz erheblich kleiner als der wunderbare Garten am River Avon! Aber es gibt einen hübschen Rosengarten …

… verträumte Ecken mit Lavendel und anderen Stauden und einen kleinen Teich. Schön schattig – das suchte man heute, es hatte über 30°C!

Dann noch ein kurzer Abstecher in die Stadt.

Wir hatten Riesen-Glück, fanden direkt neben dem Bahnhof einen Parkplatz, wo wir bis zum Abend stehen bleiben konnten. An den meisten Stellen darf man nur 2 Stunden parken, und die wenigen Plätze um den Bahnhof herum sind – das hatten wir an den Tagen davor gesehen – regelmäßig total voll.

So konnten wir aber ganz entspannt die Lebkuchen-Architektur des Bahnhofs noch mal ausgiebig bewundern – und dem jungen Pianisten ein bisschen zuhören, der vor dem Bahnhof Klassik zum Besten gab.
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Zusammen mit dem im gleichen Stil erbauten Gerichtsgebäude ein hübsches Ensemble.
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Ein Besuch bei Robert durfte nicht fehlen – der schottische Dichter Robert Burns wird hier sehr verehrt. So sehr, dass man seine Statue am Octagon, dem zentralen Platz der Stadt, direkt vor der Kathedrale und dem Rathaus, aufstellte.

Unmittelbar daneben werden an einer Bar die 4 neuen Flaggen gezeigt, über die die Neuseeländer in wenigen Wochen entscheiden sollen (inzwischen haben sie es getan – und für die Beibehaltung der alten Flagge gestimmt!)
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Am eindrucksvollen Gebäude der Otago Times vorbei gehen wir zurück zum Bahnhof – unser Zug soll demnächst abfahren!
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Vorerst tut sich aber mal gar nichts, kein Zug weit und breit. Es gibt ja nur einen einzigen Zug, der fährt einmal am Morgen und einmal am Nachmittag – und der Morgen-Zug war noch nicht zurück.

Wir erfahren, dass wegen der hohen Temperaturen langsamer als normal gefahren werden musste. Und weil zudem der Zug wegen der Kreuzfahrt-Passagiere erheblich  länger und voller ist als normal, musste er doppelt vorsichtig fahren. Rund eine Stunde Verspätung wird er haben …

Also wieder raus aus dem Bahnhof, in den kleinen Park davor, Leute gucken … Fasziniert starre ich ein paar Backpackerinnen an. Ob das wirklich praktisch ist, was die da so mit sich rumschleppen??? Und irgendwie hab ich auch das Gefühl, dass wir weit weniger Gepäck dabei haben 😉

Und dann läuft er endlich ein – der Taeri Gorge Train. Im mäßig gefüllten, herrlich plüschigen Abteil haben wir beide Fensterplätze.
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Langsam rollen wir aus Dunedin raus – ein Schnellzug ist das nicht. Schon bald geht es bergauf – und über die erste Brücke.
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Die Warnschilder haben sicherlich ihre Berechtigung – ist alles nicht mehr ganz neu!
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Die Bahnstrecke stammt aus dem 19. Jh., 1879 wurde mit dem Bau begonnen, 1891 wurde das erste Teilstück, das wir heute befuhren, eröffnet. Damals gab es kein Straßen in diese Gegenden, die Eisenbahn war so eine Art Nabelschnur zur Außenwelt.
Die Geschichte des Eisenbahnbaus ist abenteuerlich – die Gleise verlaufen am Rande von Schluchten, durch unzählige schmale Tunnel und es geht fast stetig bergauf (und später bergab). Wir fahren durch sattgrünes, dicht bewaldetes Land, überqueren immer wieder Flüsse, passieren Steilwände und enge Tunnel …

Nach 27 km gibt es in Hindon einen kurzen Stopp – gerade lang genug, um das Panorama zu bewundern.
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Von hier ab ging es stetig bergan, durch die schier endlos lange Schlucht entlang des Taieri River.

Schließlich waren wir oben auf dem Plateau, in Pukerangi, 250 m über dem Meer, angekommen. Ziemlich karge Gegend …

… und unglaublich heiß!!! Fast 37° zeigte das Thermometer an der Station. Die Loks mussten umgesetzt werden, eine schweißtreibende Angelegenheit.
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Und schon ging’s wieder zurück.
Die meiste Zeit verbrachten wir nicht auf unseren plüschigen Sitzen, sondern draußen auf den winzigen Plattformen zwischen zwei Waggons. Eine ziemlich wackelige Angelegenheit – und vom Abgrund trennte uns nur ein dünnes Eisengitter …

Aber wir haben es gut überstanden – und der Ausflug hat sich auf jeden Fall gelohnt!

Leider zeigt Google Maps die Strecke nicht an – aber man kann sie auf der Karte zumindest erahnen, einfach immer am Fluss lang:

4 Kommentare zu “3. Februar – Es fährt ein Zug nach Nirgendwo

    • Tja – und ich frage mich immer, warum man sich das antut … man kann sein Gepäck ja auch locker hinter sich her rollen lassen. Aber das ist dann nicht so cool …

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      • ich denke, die leute sind halt auch oft auf trips unterwegs, irgendwo in den bergen, wo man das zeug nicht rollen kann. wie man es schleppen kann ist mir trotzdem ein rätsel, aber ich bin da halt auch kein maßstab…

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  1. Das war sicher eine erlebnisreiche Fahrt. Ich glaube, manchmal hätte ich mich sicher ein wenig gegruselt bei der Fahrt über die alten Brücken. Wundervoll die Bilder!
    Danke fürs Mitnehmen und herzliche Grüße von der Silberdistel

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