05. Februar – Eiskalt und glühend heiß

P1200433Es war kühl heute morgen – nicht eiskalt (das kam später), aber 16° sind nicht unbedingt meine Wohlfühltemperatur. Und die Sonne mache sich auch ziemlich rar…

Nach einem ausgedehnten Plausch mit Gavin über die allgemeine Welt-Lage und die in Dunedin insbesondere (die Bürger machen mobil gegen die Invasion der Camper-Vans, die sich einfach überall hinstellen – vor allem natürlich dort, wo’s schön ist) machten wir uns auf den Weg Richtung Norden.

Das Meer zur Linken, grüne Hügel zur Rechten – es war mal wieder sehr englisch, wir wähnten uns fast in Devon oder Cornwall.
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Und es hätte so schön sein könne, wenn die Sonne ihren Kampf mit den Wolken nicht irgendwann aufgegeben und sich komplett verzogen hätte.

Feiner Nieselregen verwandelte die dicke rotbraune Staubschicht auf unserem Auto in einen klebrigen Matsch. Wir hätten dem Wagen ja gerne eine Wäsche angedeihen lassen, aber Autowaschanlagen gibt es hierzulande kaum. Und wenn man dann unerwartet doch eine findet, erklärt einem der Tankwart, dass sie außer Betrieb ist, weil der Unterhalt zu teuer ist und sie kaum jemand nutzt …

Der Nebel wurde dicker – trotzdem wurde der Leuchtturm am Katiki Point angesteuert. Der thront ziemlich weit weg von dem kleinen Hafenstädtchen Moeraki auf einem Hügel. Und wenn man sich dort die Mühe macht, den Hügel hinab zum Meer zu steigen (wir machten sie uns), sieht man dort jede Menge Seehunde, die sich auf den Felsen räkeln.
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Und wenn man dann auch noch etwas Glück hat (hatten wir), sieht man vielleicht auch noch eine Pinguin. Der sah zwar irgendwie etwas lädiert aus und drückte sich an der Brutröhre herum – aber immerhin …
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Ach ja – nen Leuchtturm gab’s dort natürlich auch noch!
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Moeraki statteten wir nur einen kurzen Besuch ab – der Regen hatte wieder eingesetzt.
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Für die berühmten Moeraki Boulders war es a) die falsche Tageszeit, da Flut – man sieht sie nur bei Ebbe wirklich gut und b) das falsche Wetter. Aber wir hatten sie ja letztes Jahr ausgiebig genossen und kehrten der Küste den Rücken zu und fuhren Richtung Twizel und Southern Alps.

Dieter meinte hoffnungsfroh, es könnte ja eventuell wieder so werden wie letztes Jahr. Da waren wir bei Regen von Christchurch aus nach Twizel gestartet und kaum waren wir in den Bergen herrschte schönstes Sonnenwetter. Aber nochmal so viel Glück???

Aber immerhin hörte der Regen tatsächlich auf. Und je näher wir den Bergen kamen, desto lockerer wurde die Bewölkung. In Duntroon besserte sich unsere Laune schon ganz erheblich, als wir im “Flying Pig Café einen Kaffee-Stopp machten. Ein richtig schönes altmodisches Café, indem zwei nette Ladies wunderbaren Kaffee und haus-gebackenen Kuchen servierten.
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Und eine altmodische Schmiede gab es direkt nebenan.
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Und dann – dann geschah das Wunder ein zweites Mal! Als wir an den Stauseen vorbei fuhren, wurde es immer klarer und mit jedem Kilometer stieg die Temperatur. Und  bei den bizarren Kreidefelsen mit Maori-Zeichnungen (die allerdings durch Zäune geschützt sind und so verwittert, dass man nichts erkennen kann) lagen Pullover und Jacken schon längst auf der Rückbank.
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Richtig spektakulär sehen die Felsmassen aus, wenn man die ganze Länge daran vorbei fährt – wer möchte, kann das hier virtuell mit Streetview tun.

Wir fuhren ganz real weiter, inzwischen war praktisch keine Wolke mehr am Himmel.
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Kamen so gegen 16 Uhr in Twizel an, kauften kurz davor noch schnell frisch geräucherten Lachs und checkten erst mal im Motel Aspen Court ein. Hier hatten wir letztes Jahr auch übernachtet, die Zimmer sind groß, komfortabel und gut ausgestattet und es liegt mitten im Ort.

Anneke, die Wirtin, erzählte, dass es am Mittwoch hier 39° gehabt hat – heute brachten wir es nur auf 32°! Also eine Verdoppelung der Morgen-Temperatur – es war so heiß wie in Bangkok, nur bei sehr trockener Luft.

Das tolle Wetter und die gute Sicht wollten wir gleich heute für eine Fahrt den gesamten Lake Pukaki entlang bis ganz hinten zum Mount Cook nutzen – war eigentlich für morgen eingeplant, aber die Wetter App kündigte starke Bewölkung für morgen an. Also erst mal zum See, diesem unglaublich blauen Wunder, mit dem schneebedeckten Aoraki/Mount Cook im Hintergrund.
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Die eisblauen Wassermassen werden teils über Kanäle übers Land geleitet, dabei wird hier auch Strom erzeugt.
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Jetzt ging’s aber nicht am Kanal, sondern am See entlang – und an jeder Ecke neue faszinierende Ausblicke auf den mit 3.724m höchsten Berg Neuseelands.
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Links neben der Straße die typischen Neuseeland-Berge, die karge Landschaft hier oben dürfte vielen Lord of the Rings Fans bestens vertraut sein, denn in der Umgebung wurden viele Szenen gedreht.
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Immer kamen wir näher an die schneebedeckten Gipfel heran.
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Schließlich hatten wir das Ende der Straße erreicht und parkten im Hooker Valley, wo auf einem großen Campingplatz unzählige Camper-Vans standen. Eine kleine Wanderung brachte uns zu einem Denkmal für diejenigen, die hier in den Bergen umgekommen waren.
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Die Landschaft war unwirklich schön!
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Zurück zum Auto, den Berg umrundet und rein ins Tasman Valley – von dort aus sollte man den Tasman-Gletscher, den größten auf der Südhalbkugel, sehen können. Erst mal sahen wir allerdings einen ziemlich steilen Anstieg – aber was hilft’s, wenn man was erleben will, muss man sich auch mal quälen…

Ca. 100 Höhenmeter später blickten wir erst mal zurück ins Tal, wo die Schatten der Berge immer länger wurden – es war inzwischen so ca. 18:30.
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Und dann schauten wir nach vorn – auf einen Gletschersee, in dem Eisbrocken schwammen und über den hinweg man ganz hinten links den Tasman-Gletscher mehr ahnen als sehen konnte.
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Noch vor wenigen Jahren reichte der Gletscher bis zum See …

Wir fuhren langsam wieder zurück, genossen einfach nur die unglaubliche Landschaft in der Abendsonne. Noch schnell ein Einkauf im Supermarkt, kurz bevor er schloss, und dann gab’s endlich ein kühles Bier, Lachs mit Meerrettichsoße, Pellkartoffeln mit Creme Fraiche und Tomatensalat. Im Freien, vor unserem Hotel-Zimmer, versteht sich – denn selbst um 21 Uhr hatte es noch 26°. Im Schatten – die Sonne schien nämlich immer noch!

Also morgens kühl, mittags heiß und am Abend eiskaltes Gletschereis – eine ganz schöne Bandbreite für einen Tag!!!

Und so sind wir heute gefahren:

2 Kommentare zu “05. Februar – Eiskalt und glühend heiß

  1. Ich lese Deinen Reisebericht schon die ganze Zeit und muss heute mal zusammenfassend sagen: Tolle Bilder, spannender Bericht – klasse! Freue mich schon jedes Mal auf die Fortsetzung!!!

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