Über Land nach Myanmar

P1260483.jpgNoch vor wenigen Jahren war das völlig undenkbar: Auf dem Landweg nach Myanmar einreisen, von dort aus weiter ins Land – und das alles mit einem E-Visum! Und dann auch noch den – bis vor wenigen Jahren für Ausländer weitgehend gesperrten – Süden besuchen.

Das mit dem Visum hatte ja schon mal einfach und schnell geklappt, den Ausdruck hatten wir im Gepäck.

Ob auch die Grenzüberquerung und die Weiterreise problemlos verlaufen würde, sollten wir heute erleben.

Der Tag begann früh – den Wecker hatte ich auf 8 Uhr gestellt, aber wir waren schon kurz nach 7 wach. Das extrem hellhörige Hotel hatte offenbar einige Reisegruppen beherbergt, die schon in aller Hergottsfrüh aufbrachen. Und das ging nicht ohne lautstarke Kommunikation auf dem Flur.

Noch etwas schlaftrunken wankten wir zum Frühstück – das war (höflich ausgedrückt) eine äußerst überschaubare Angelegenheit!

Dass der (erstaunlich gute!) Kaffee selbst am Automaten in einen Pappbecher abgefüllt werden musste, war ok. Immerhin war er frisch und heiß und kein lauwarmes Thermoskannen-Gesöff. Dass es aus einem großen Behälter lediglich ziemlich wässrigen Orangensaft gab – geschenkt. Die unsichere Ansage eines jungen Mannes “Want ‘merican fast?” interpretierte ich richtig als Frage, ob wir ein amerikanisches Frühstück wollten. Klar – das was die anderen Gäste (ausschließlich Thais) in einer Schüssel vor sich stehen hatten, sah für unsere Augen ziemlich merkwürdig aus.

Eine Weile später bekamen wir einen Teller mit zwei Mikrowellen-Spiegeleiern, 3 etwas merkwürdigen Würstchen und ein bisschen geraspelten Weißkohl. Das war’s. Als ich nach Brot oder Toast fragte, meinte er “Just one minute!” Nach 5 Minuten ging ich in die Küche, wo man mir pantomimisch erklärte, es sei jemand unterwegs, um Brot zu kaufen! Brot war aus ….

Weitere 5 Minuten später hatten wir unsere Eier gegessen. Und da kam dann doch das Brot – 2 Scheiben Toast auf einem kleinen Teller. Butter??? Ne – aber Mayonaise hätten wir haben können. Und Marmelade aus einem ziemlich verschmierten Glas – entweder neongelb oder grellrosa.

Wir lehnten dankend ab und machten uns auf den Weg nach Myanmar. Dort hat man’s auch nicht so mit einem guten Frühstück – insofern war das schon mal ne gute Einstimmung.

Unser Taxifahrer vom vorherigen Abend brachte uns zum Grenzübergang. Wir waren noch nicht richtig aus dem Auto, als uns schon mehrere junge Männer mit Fragen und Angeboten bombardierten. Ob wir zum Bus wollten? Wo wir hin wollten? Ob wir ein Auto haben wollten?

Wir antworteten mit Nein, Hpa An und Ja.

Zwar klang das Angebot durchaus verführerisch – vom Grenzübergang bis Hpa An für 500 Baht (= ca. 12,50 €) pro Person im Minibus – aber wir hatten uns entschlossen, keinen Platz im Minibus zu nehmen, wo man riskierte, dass man warten muss, bis der Bus voll ist und/oder mehr Leute rein gequetscht werden, als Platz war. Also verhandelten wir um ein eigenes Fahrzeug. 3000 Baht (ca. 75 €) wurde uns angeboten – das war eindeutig zu viel für eine Fahrt von ca. 140 km! Wozu hat man Internet – wir wussten, dass die Fahrt – je nach Verhandlungsgeschick – für ca. 45-50$ zu haben ist.

Also schnappten wir – nach einem letzten empörten Blick auf die jungen Männer – unsere Koffer und marschierten Richtung Grenze. Wir waren ziemlich sicher, dass wir auf der anderen Seite vernünftige Angebote bekommen würden (oder hofften es zumindest…) Die Thais stempelten uns zügig aus, jetzt hatten wir noch einen ca. 800 m langen Fußmarsch über die Brücke nach Myanmar vor uns.
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Wir waren noch keine 20 Meter auf der Brücke, als einer der Jungs hinter uns her gehechtet kam und anbot “50.000 Kyat to Hpa An!” Und versicherte, wir wären die einzigen Passagiere und das Auto neu. Das klang doch schon ganz anders, das waren ca. 35 €. Schnell waren wir uns handelseinig, die Jungs stellten sich als Brüder aus Yangon vor und begleiteten uns erst mal auf die andere Seite.

Dort dauerte es ein bisschen länger, bis ein Formular ausgefüllt war und wir unsere Stempel in den Pässen hatten, aber alles in allem ging es ruckzuck. Wir hatten vorher ein bisschen Bedenken, ob unser E-Visum wirklich akzeptiert werden würde, denn die Land-Übergänge waren bis vor kurzem noch nicht mit E-Visum passierbar – aber der Beamte zuckte mit keiner Wimper und stempelte alles routiniert ab.

Noch ein kurzer Stopp am Geldautomaten (die gab es bei unserem letzten Besuch noch gar nicht!), wo wir dicke Bündel Kyat zogen – dann fuhren wir los.

Bis zu einer Tankstelle – wo uns einer der Brüder um einen Tankvorschuss bat. Das fanden wir okay – aber sicherheitshalber wollte ich klären, ob das von der Gesamtsumme abgezogen werden würde. Und da fingen die beiden Schlitzohren doch aufs Neue an zu handeln – behaupteten, dass ein Preis von 75.000 Kyat angeboten worden sei!  Jetzt wurde es mir zu viel – wir machen Anstalten, auszusteigen, einigten uns dann aber letztlich doch auf 50.000 Kyat (wie vereinbart) plus 10.000 Kyat Benzingeld.

Da das im Rahmen dessen war, womit wir gerechnet hatten, waren wir zufrieden (und am Ende gab’s noch ein Trinkgeld on top…)

Jetzt waren wir die besten Freunde, es ging zügig über die nagelneue Straße durch die Berge und wir genossen die Fahrt in einem ziemlich neuen und sehr komfortablen PkW – kein Vergleich mit den Uralt-Kutschen der früheren Besuche!
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Nach ca. einer Stunde war Schluss mit der neuen Straße, es wurde eng und holprig – aber immerhin war die Straße durchgehend geteert und hatte keine allzu großen Schlaglöcher. Und inzwischen kannten wir auch die Familiengeschichten unserer Begleiter im Detail, wussten, dass der 18-jährige Sohn des einen in Yangon studiert, die 15-jährige Tochter noch zur Schule geht und der jüngere der beiden in diesen Tagen das zweite Kind erwartet. Außerdem, dass eine Schwester in Sydney wohnt … Und dass sie regelmäßig mit ihrem Auto die Strecke zwischen Myawaddy und Yangon befahren.
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Hin und wieder gab es Gegen- oder auch Querverkehr …
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– und einmal hielten wir auch zu einer Trink- und Toilettenpause in einem kleinen Ort an, wo wir über den modernen Bus staunten, der hier ebenfalls Pause machte.
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Wenig später waren wir fasziniert von der abwechslungsreichen Landschaft – bizarre Karstberge, goldene Pagoden und saftig grüne Reisfelder.
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In Hpa An angekommen, wurden wir nach einigem Suchen in unserem Hotel Gabbana abgeliefert – und legten auf den vereinbarten Fahrpreis noch ein Trinkgeld drauf. Schließlich war alles glatt und zügig verlaufen, und die beiden waren richtig nett gewesen.

Unser Hotel ist myanmar-typisch etwas ramponiert (obwohl noch relativ neu), aber das Zimmer hat einen schönen Blick und die Betten scheinen komfortabel zu sein. Allerdings ist die Ausstattung extrem spartanisch – nicht mal einen Kleiderschrank oder eine Kommode gibt es, lediglich drei Kleiderbügel hängen an der Tür.
Die – überwiegend einheimischen – Gäste scheinen mit leichtem Gepäck zu reisen.
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Hpa An ist ein ziemlich verschlafenes kleines Städtchen, in dem Ausländer immer noch Anlass zum Staunen sind. Immer wieder wurden wir beim Gang durch den Ort herzlich mit einem “Mingalabar” begüßt – das kennen wir zwar noch aus der Zeit vor 10 Jahren, aber nicht mehr aus den Touristen-Hochburgen.
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Da wir in den nächsten Tagen einiges sehen, aber aus den verschiedensten Gründen doch nicht selbst mit dem Motorrad fahren wollen, mussten die entsprechenden Ausflüge organisiert werden. Im Soe Brothers Guesthouse wurden wir fündig.

Zu sehr zivilen Preisen organisierte uns die nette junge Dame an der Rezeption nicht nur ein Tuktuk (was hier allerdings eher ein Saengthaw ist – siehe Bild oben, mit schmalen Holzbänkchen rechts und links im hinteren Teil) für die Fahrt zu diversen Höhlen und anderen Highlights, sondern wir buchten auch gleich die Bootsfahrt nach Moulmein in 3 Tagen.

Der Spaziergang zur Pagode am Thanlwin River wurde noch kurz unterbrochen, um etwas zu trinken – wobei mir die Flasche Wasser geschenkt wurde, nur Dieters Sprite musste bezahlt werden. Wir konnten es kaum fassen!

Dann gab es funkelndes Gold, zähnefletschende Drachen …
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… und ein kleiner Hund, der sich in eine missliche Lage gebracht hatte und nicht wusste, wie er weiter kommen sollte Zwinkerndes Smiley
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Schuhe ausgezogen und durch die Pagode bis vor zum Wasser – und dann einfach nur staunen, bewundern, träumen, schauen ….

Manchmal muss man gar nichts tun, hat man Zeit, kann einfach eine gefühlte Unendlichkeit irgendwo herumstehen, sitzen und den Menschen, den Booten, dem Wasser zusehen  und die Landschaft in sich aufnehmen.
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Und dem schwindenden Licht nachsehen …
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Obwohl die Stimmung wunderschön war, brachen uns Hunger und Durst dazu, den Fluss vor dem Sonnenuntergang zu verlassen (morgen ist schließlich auch noch ein Tag!) und – nach einem kurzen Stopp, um einer winzigen Katze zuzusehen, wie sie einen Serviettenständer als Ruhe-Podest eroberte –
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– landeten wir in einem Straßencafé beim ersten frisch gezapften Myanmar-Bier.

Das war die heutige Route:

2 Kommentare zu “Über Land nach Myanmar

  1. Das spontane Reisen klappt also in Myanmar, wie von uns erhofft und von dir nun demonstriert. Wirklich lieb von dir, daß du uns vorausreist und deine Erfahrungen so großzügig mit uns teilst 😉

    Ich finde euer Zimmer sehr hübsch, vor allem der Blick gefällt mir. Hoffentlich bekommen wir demnächst auch so ein schönes Eckzimmer. (Der fehlende Schrank würde mich nicht stören, ich lasse ohnehin meist alles außer dem Necessaire im Koffer ;-))

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