Hpa An – 146 Mönche und 1 121 Buddhas

P1260643_thumb.jpgMönche sieht man hier überall – im Gegensatz zu Thailand oder Laos sind sie jedoch nicht in helles Orange, sondern in tiefdunkles Rot gekleidet.

Um fast 150 auf einmal zu sehen, muss man allerdings ein Stück aus Hpa An raus fahren. Und genau das machten wir heute. Wieder mit Moe Kyaw!

Und heute ging es nicht erst nachmittags los, sondern wir wurden schon um 10 Uhr abgeholt.

Nach einem Frühstück, das im Gegensatz zu gestern heute mit heißem Kaffee punktete – ansonsten war alles wie gehabt.

Sehr viel stand heute nicht auf der Agenda – und wer sich jetzt fragt, wann endlich die legendären Sadan Höhlen dran kommen, wird enttäuscht. Dort waren wir nämlich nicht. Denn – wie schon erwähnt – wir sind erstens keine wirklichen Höhlenmenschen und zweitens muss man dort mehrere 100 m  weit auf unebenem felsigen, teils feuchtem Grund durch die Höhle gehen. Das Risiko, hier umzuknicken und einen erneuten Bruch zu riskieren, war mir einfach zu hoch – deshalb suchten wir uns andere Ziele.

Und das waren zunächst 146 rot gewandete Mönche, die vor der Kaw Ka Thaung Höhle Spalier stehen.
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Bevor wir das Spalier abschritten, besuchten wir den Höhlentempel. Auch hier ist wieder alles wunderschön bunt.
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Am Höhleneingang stand ein Bambus-Gerüst, es wurde eben hoch oben eine weitere Buddha-Statue platziert.
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In der Höhle herrschte andächtige Stille, es war kühl und tropfte stetig von der Decke – überall standen Schüsseln herum, um das Wasser aufzufangen. Man war gut beraten, auf den ausgelegten Teppichen zu bleiben – der Fliesenboden ist glatt wie eine Eisbahn, wenn er nass ist.
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Wieder am Tageslicht, folgten wir der Mönchsprozession. Einen Weg, am Rand von Feldern entlang und neben einem kleinen See.
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Um die Ecke, bis zu einem Felsen, der von einer kleinen Pagode gekrönt ist.
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Ein Blick zurück …
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Und dann kam der Ausgangsort der Prozession in Sicht: Eine weitere Höhlenpagode, zu der man etliche Stufen hinauf klettern musste.
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Viel gab es dort oben nicht zu sehen – stattdessen plauderte ich ein bisschen mit ein paar netten Jungs, die ebenfalls hoch geklettert waren.

Wieder runter geklettert – Moe Kyaw war uns mit dem Tuktuk langsam nach gefahren. Es ging raus aus dem Pagoden-Areal, eine kleine staubige Straße entlang, dann einen holprigen Feldweg und vor einem schmalen Betonsteg blieb Moe Kyaw stehen. Von hier aus mussten wir zu Fuß weiter gehen, zu einem kleinen Karen-Dorf, mitten im Wald und im Nirgendwo.
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35 Minuten sollte der Fußmarsch dauern – am Ende waren es dann aber nur gute 20 Minuten.

Wir überquerten den Steg, der zunächst über einen Fluss führte.
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Weiter ging es über  Reisfelder in allen Stadien: Manche waren eben abgeerntet, andere standen kurz vor der Reife, wieder andere wurden eben frisch bepflanzt. Drei Ernten gibt es hier pro Jahr – in der Regenzeit wächst hier allerdings nichts, dann steht das Wasser auf allen Feldern.
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Wir kamen durch ein kleines Dörfchen, wo wir die Kinder in der Schule lauthals das Alphabet oder sonst was rezitieren hörten, durch einen lichten Wald, vorbei an Feldern.
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Schließlich kamen erste Zeichen einer Ansiedlung in Sicht – ein Stapel ordentlich geschichtetes Holz.
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Dann ein paar kleine Hütten – wir hatten das Dorf erreicht.
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Hier wohnt eine kleine Ansiedlung von Karen, nur noch 54 Menschen leben hier. In einfachsten Holzhäusern, mit Blättern gedeckt.
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Fließend Wasser gibt es nicht – das muss aus dem Dorfbrunnen hoch gehaspelt werden.

Aber erstaunlicherweise gibt es Elektrizität – allerdings nur in Form eines einzigen Solarpaneels, das vermutlich gerade mal für ein bisschen Licht ausreicht.
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Irgendwie schwer nachvollziehbar, dass hier – nur ca. 20 km von Hpa An entfernt, nur wenige Fahrminuten von Smartphones und Satelitenschüsseln, Menschen in derart einfachen Verhältnissen leben. Allerdings, so erzählte uns Moe Kyaw, leben hier wirklich nur noch die ganz Alten und einige wenige Familien mit kleinen Kindern.

Mit einem älteren – unglaublich liebenswerten – Paar kamen wir ins Gespräch, der Mann ist bein-amputiert, sitzt im Rollstuhl und schreinert Holzschüsseln, in denen früher Reis zu Reismehl gemörsert wurde. Heute – das sahen wir etwas später – wird das alles in einer kleinen Fabrik nicht weit entfernt erledigt.

Auf dem Rückweg kommen uns Kinder auf Fahrrädern entgegen.
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Die Schule ist um 12 Uhr aus, dann geht’s nach Hause, zum Essen. Um 13 Uhr geht es dann weiter mit dem Unterricht. Myanmar hat eine erstaunlich hohe Alphabetisierungsquote von ca. 90% – allerdings gehen nur wenige Kinder länger als 6 Jahre zur Schule. Weiterführende Schulen kosten Schulgeld, das haben viele Familien nicht.

Inzwischen bemüht sich das Land aber mit Bildungsprogrammen (die teilweise vom Ausland, vor allem von Australien, gefördert werden), ein höheres Bildungsniveau zu erreichen, denn an Fachkräften herrscht großer Mangel.

Durch die jahrelange Abschottung ging es mit der Bildung steil bergab, viele Kinder lernten lediglich in Klöstern Lesen und Schreiben – das war’s. Universitäten gab es kaum, auch der mittlere Bildungssektor fehlte völlig. Hier muss noch viel nachgeholt werden!
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An meckernden Ziegen vorbei gingen wir weiter – und während wir liefen, übte ich Englisch mit Moe Kyaw. Immer wieder schrieb ich ihm ein paar Vokabeln auf – er hat kein Geld für ein richtiges Lehrbuch. Zur Schule ging er nur 6 Jahre, dann musste er arbeiten. Mit einer Karen-Mutter und einem burmesischen Vater hatte er keine wirklich guten Startchancen – aber er versucht, sich durch zu beißen.

Es ging zurück über den Steg.
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An einem kleinen Stand gab es kalte Getränke für uns alle, dann fuhren wir weiter.

Wir hatten heute nur noch einen Stopp auf der Agenda (obwohl ich später feststellte, dass wir an einer sehenswerten kleineren Höhle direkt vorbei gekommen waren!) – das Buddha-Feld im Lumbini Garden.

Hier stehen zu Füßen des Mount Zwekabin 1.121 Buddha-Statuen – die meisten mit einem Dach über den Kopf, einige sind noch unbedacht.
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Alle wurden durch Spenden finanziert – manchmal war die Spende allerdings nicht groß genug, so dass es nur für die Figur, nicht aber fürs Dach reichte. Wer sich Verdienste für das Jenseits erwerben möchte, dem bietet sich hier im wahrsten Sinn des Wortes ein weites Feld!

Der heilige Berg wird übrigens nicht nur von einer goldenen Pagode gekrönt – das Teleobjektiv enthüllt, dass dort oben auch ganz unheilige Funkmasten stehen Zwinkerndes Smiley
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Wir wenden unseren Blick aber wieder nach unten, werfen einen letzten auf die säuberlich aufgereihten Buddhas und machen uns dann auf den Heimweg. Durch kleine Dörfer, den Mount Zwekabin im Rücken.
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Zurück in Hpa An musste noch die frisch gewaschene Wäsche im Soe Brothers Guesthouse abgeholt werden, außerdem stornierten wir die Bootsfahrt, weil wir ein anderes Boot nehmen wollten, dass bei Soe Brothers nicht angeboten wurde. Zurück im Hotel gab’s wieder frischen Pineapple Juice, heute mit Kuchen, wie man ihn leckerer auch nicht bei einem guten deutschen Bäcker bekommen hätte!

Die (wirklich unglaublich netten und hilfsbereiten) Damen an der Rezeption des Gabana Hotels organisierten anschließend die morgige Fahrt mit der Thanwlin Princess – in Reiseführern und auf der Website als etwas luxuriösere und komfortablere Variante angepriesen. Erstaunlicherweise kostet dieses Boot jedoch haargenau so viel wie das der einfachen Gästehäuser – nämlich 8.500 Kyat (ca. 6,50€).

Nachdem das alles erledigt war, ging’s in den Ort, zum Sonnenuntergang an der Pagode. Auf dem Weg dort hin machten wir noch eine kurze Stippvisite bei einer Pagode in der Ortsmitte, die in einem völlig anderen Stil erbaut ist, als die meisten anderen Pagoden.
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Wenig später waren wir bei der Pagode am Fluss. Hier hieß es wieder – Schuhe aus!
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Die Sonne geht bereits kurz nach 17:30 unter, danach wird es innerhalb von ca. 45 Minuten dunkel. An der Pagode hatte sich bereits eine größere Menschenmenge versammelt. Auch wir stellten uns dazu und genossen den Abschluss des Tages.
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Der Blick über den Fluss und die Karstberge im Abendlicht war ein wunderbarer Abschluss des Tages und unseres Aufenthaltes in Hpa An.
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2 Kommentare zu “Hpa An – 146 Mönche und 1 121 Buddhas

  1. Hallo herzlichen Dank für den Bericht und die Fotos. Wir werden das fast alles Ende Februar sehen. Sind auch keine Höhlenmenschen und werden einige auslassen, Haben auch schon sehr viele gesehen, irgendwann ist es genug. Das Dorf erinnert mich sehr an die Chin-Dörfer, die wir vor zwei Jahren nördlich von Miau U besucht haben. Weiterhin gute Reise

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