Oh Ye!

P1270059Mein erster Eindruck von Ye: Was wollen wir hier bloß???

Warum um alles in der Welt sind wir hier gelandet, in einem zwar idyllisch gelegenen Guesthouse, das aber mehr als basic schien. Und der Ort machte auf den ersten Blick auch nicht allzuviel her.

Angeblich sind erste Eindrücke entscheidend – jahrelange Erfahrung auf Reisen hat mich aber längst gelehrt, dass jeder und jedes einen zweiten Blick verdient!

Und dass vieles auf den zweiten Blick (oder auch nach einer gewissen Eingewöhnungs-Phase) durchaus vom Flop zum Highlight mutieren kann!

Von Moulmein aus wollten wir nach Dawei – für die Strecke von insgesamt rund 300 km braucht man aber rund 8 Stunden im PkW, mehr als 10 im Bus und noch länger mit dem Zug.

Deshalb legen die meisten Reisenden auf halber Strecke, in Ye, ca. 160 km von Moulmein entfernt, eine Pause ein. Dorthin kommt man mit dem PkW in ca. 3 Stunden.

Peter kreuzte mit dem Fahrer pünktlich um 9:15 auf, um uns im Hotel abzuholen. Zwar waren wir anfangs etwas irritiert, dass wir in einem Pickup fahren sollten – aber nachdem das Gepäck hinten auf der Ladefläche gelandet war, Dieter die Prime Position neben dem Fahrer eingenommen hatte und ich die ganze Rückbank für mich hatte, waren wir doch ziemlich zufrieden.

Es ging ziemlich flott und auf guter Straße raus aus Moulmein. Schon eine Dreiviertelstunden später biegen wir nach links ab – durch ein unglaublich kitschiges Tor mit Silberkranichen oben drauf geht es an einer Art roter Mauer entlang. Nur – die Mauer ist gar keine Mauer, sondern eine fast unendliche Reihe rot-gewandeter Mönch-Statuen!
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Durch ein zweites Tor erhasche ich selbst von meinem Rücksitz eine ersten Blick auf den liegenden Buddha.
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Verkaufsbuden säumen den Weg, es ist eine Menge Betrieb hier!

Wir nähern uns dem größten liegenden Buddha der Welt – volle 180 m lang und 30 m hoch, also so hoch wie ein 10-stöckiges Hochhaus. Obwohl der Baubeginn schon mehr als 15 Jahre zurück liegt, ist im Inneren noch vieles eine Baustelle – trotzdem wurde 2012 direkt gegenüber mit dem Bau eines zweiten Riesen-Buddhas begonnen.

Zunächst fasziniert uns aber eine Wasserrutsche mit kreischenden Kindern deutlich mehr als die Riesen-Skulptur.
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Dann sind wir bereit für die Besichtigung – werden aber dummerweise von unserem Fahrer zum falschen Eingang geschickt, der in Wirklichkeit der Ausgang ist. Nicht wirklich schlimm – nur hätten wir, wären wir korrekt über die Treppen oberhalb der Wasserrutsche gegangen, einen wesentlich bessern Blick auf Buddha gehabt.
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So stiegen wir einfach die blaue Außentreppe hoch – kichernd beobachtet von einem Trupp junger Nonnen.
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Weitere Treppen im Inneren …
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… und wir landeten direkt im Kopf. Oder besser – unterhalb des rechten Ohrs. Hier konnte man auf eine Plattform hinaus treten – und hatte einen eindrucksvollen Blick auf die enormen Wimpern, die schick manikürten Fingernägel und das rechte Ohrläppchen.
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Ein kurzer Blick nach hinten – es gibt hier nach wie vor eine Menge Arbeit zu tun!
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Das Innere ist eine eindrucksvolle Mischung aus Andachtsstätten …
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… und einer Art Disneyland des Buddhismus: Lebensgroße Statuen stellen auf mehreren Stockwerken und in unzähligen Kammern das Leben Buddhas und andere wichtige religiöse Szenen dar.

Man kann hier Stunden verbringen – wir hatten aber noch eine längere Fahrt vor uns und wanderten deshalb wieder in eine Halle zurück, wo einige Mönche Spenden für den weiteren Ausbau sammelten. Statt einfach nur Geld einzusammeln, kann man hier praktische Dinge beisteuern: Fliesen für die Robe oder das Haar Buddhas, Säcke mit Zement oder auch einfach eine Stunde Beleuchtung – mit 300 Kyat (ca. 0,20€) die billigste Spende.

Wir entschließen uns, Buddhas rote Robe zu vervollständigen und erwerben 4 Fliesen – zwei für uns und zwei für meine Kinder. Eine Spendenurkunde gibt’s obendrauf – dann müssen wir die frisch erworbenen Fliesen noch zu einem Altar tragen und ein kurzes Gebet verrichten. Da dürfen dann auch ein paar Bitten und/oder Wünsche eingeschlossen werden.

Inzwischen hat sich hier auch eine größere Pilgergruppe eingefunden, die alle ebenfalls Fliesen und anderes spenden – wir bewundern die ausgefallenen Trachten, vor allem die schweren breiten Metall-Gürtel der Frauen. Möglicherweise sind es Palaung aus dem Norden – aber ganz sicher sind wir nicht.

Noch ein letzter Blick auf Buddha in seiner ganzen eindrucksvollen Größe –
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– dann fahren wir zurück durch das Silberkranich-Tor auf die AH 112, Richtung Ye.
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Es geht recht flott über einigermaßen gute Straßen Richtung Süden. Ab und zu eine Pagode, mal kleinere Dörfer, mal ein etwas größerer Ort.
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Gegen 13 Uhr sind wir in Ye – und natürlich hat unser Fahrer entgegen den Beteuerungen beim Aufbruch keinen Schimmer wo unsere Unterkunft, das Starlight Guesthouse, liegt. Wir hatten ihm mehrfach erklärt, dass es direkt am See ist – trotzdem brauchten wir eine ganze Weile, bis wir es endlich fanden, denn es liegt etwas versteckt etliche Stufen hoch.

Der erste Eindruck war – siehe oben – etwas verhalten. Zwar ist die Lage wirklich unglaublich schön, mit Blick auf den See und die Pagode. Und die Eigentümer, David aus den USA, seine Frau Winnie, eine Burmesin, und die umwerfend süße und lebhafte 8-jährige Tochter Emma sind einfach nur toll!
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Aber das Zimmer war doch ziemlich schlicht.

Zwar recht geräumig, wenn auch sparsam möbliert, das Bettlaken fröhlich-bunt – aber wo war die Zudecke? Eine Fleecedecke am Fußende, ohne irgendeinen Überzug … sonst gab es nichts.

Ok – wir waren uns einig, dass wir vermutlich einfach zu verwöhnt sind, und dass ein sauberes Zimmer hierzulande auch schon einen gewissen Wert hat – und bekamen im Laufe des Nachmittags mit, dass wir uns glücklich schätzen durften, hier ein Zimmer gesichert zu haben! Denn alle paar Minuten kamen verzweifelte Backpacker an, die nirgendwo eine Bleibe fanden – die 6 Zimmer des Starlight waren aber sämtlich belegt.
Ein paar Meter weiter die Straße entlang gibt es noch ein Hostel – mit Gemeinschafts-Badezimmer in extrem zweifelhaftem Zustand, wie wir erfuhren – aber viele andere Alternativen gibt es (noch) nicht. Denn Ausländer dürfen erst seit etwa 3 Jahren hierher reisen und vor allem, hier übernachten.

Erst mal machten wir einen Spaziergang um den malerischen See, wo uns mehrere Schülergruppen begegneten.
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Dann noch ein Gang durch den kleinen Ort – unverfälschtes Myanmar, hier ist der Tourismus noch nicht angekommen! Da es nur wenige Unterkünfte gibt, sind selten mehr als ein oder zwei Dutzend westliche Ausländer hier, asiatische Touristen scheinen gar nicht hierher zu kommen. Wir wurden jedenfalls permanent fröhlich-freundlich gegrüßt.
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Neben den eher malerischen Szenen gibt es hier aber auch einen erschreckenden Mangel an Umweltbewußtsein – der Ye Fluss wird brutal als Müllkippe missbraucht!
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Zurück im Starlight Guesthouse ging’s auf die Terrasse, wo schon etliche andere Gäste saßen und eine lebhafte internationale Unterhaltung im Gange war. Europa war gut vertreten – neben Schweizern waren auch mehrere Briten und ein Franzose bis hierher gereist. Alle (bis auf zwei englische Damen, die wir schon im Boot von Hpa An nach Moulmein getroffen hatten) ganz erheblich jünger als wir!

Aus dem Gemeinschafts-Kühlschrank im Erdgeschoss wurde kaltes Bier geholt, Emma, die kleine Tochter des Hauses entpuppte sich als echte Stimmungskanone und Alleinunterhalterin und verzauberte uns alle – und bis die Sonne untergegangen war, waren wir restlos versöhnt mit Ye!
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Und für morgen haben wir einen Ausflug zu einem kleinen Dorf und einem Fluss inklusive Bootsfahrt geplant – und haben den absolut perfekten Guide dabei: Emma, die genausogut burmesisch wie englisch spricht, hat großzügig erklärt, sie komme mit. Als Guide. Und für jede Frage, die wir an sie stellen, werden 100 Kyat Gebühren fällig. Oder ein Eis .. 😉
Das wird bestimmt ein unvergesslicher Ausflug!

5 Kommentare zu “Oh Ye!

  1. Der Blick aus eurem guesthouse auf See und Pagode ist einfach zauberhaft! Da hätte mir die schlichte Einrichtung des Zimmers auch nichts ausgemacht

    Auf dem Foto über dem müllverseuchten Fluß (ich wundere mich immer, daß die Asiaten selber sich nicht an all dem Unrat zu stören scheinen, den man überall rumliegen sieht) erkennt man eine malerische goldene Pagode – habt ihr die auch besichtigt?

    Mir gefällt alles, was ich sehe, ich beneide euch um diesen Abstecher. Echtes unverfälschtes Myanmar, das ist doch toll! – Das letzte Foto ebenfalls.

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    • An die schlichte Einrichtung haen wir uns auch im Handumdrehen gewöhnt – zumal ansonsten hier alles stimmt!
      Die Pagode, die du meinst, ist quasi die Hauptpagode mitten im Ort, direkt hinter dem Village Green. Wir sind nicht wirklich rein gegangen – irgendwann ist eine Pagode eben doch nur eine Pagode …
      Die direkt daneben liegende Schule, wo uns die Kinder begeistert zuwinkten, fanden wir erheblich spannender 😉

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  2. Ich bin ja total begeistert von Euern Myanmar-Erlebnissen.

    Ich war im Frühjahr 2011 mit einer Reisegruppe in Myanmar und bin südlich nur bis Kyaikhtiyo gekommen. Eigentlich hatte ich noch nicht vor, mich alleine in den Süden Myanmars zu wagen, aber nach Euern Erzählungen vermute ich, dass ich meine Route, die im Herbst nur von Bangkok langsam und gemütlich nach Nord-West-Thailand gehen sollte etwas erweitern werde 🙂

    Erstmal bin ich gespannt, wie es bei Euch weitergeht.

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    • Auf jeden Fall solltest du den Abstecher zumindest bis Moulmein machen! Das kann man auch als allein reisende Frau völlig problemlos und sicher angehen.

      Und hier hast du noch eine völlig untouristische Ecke, die allerdings auch – was das Essen angeht – noch wenig auf westliche Touristen eingestellt ist. Wie lange das wohl noch so bleiben wird … Jedenfalls würde ich eher früher als später hierher reisen. 2011 war es ja auch noch relativ ruhig in Myanmar, jetzt muss es im Norden ziemlich trubelig sein.

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