Flexibilität …

p1280625… ist eine Grundvoraussetzung, wenn man individuell und längere Zeit unterwegs ist.

Unsere Flexibilität wurde in den letzten beiden Tagen etwas auf die Probe gestellt – denn es lief nicht alles nach Plan

Wir hatten die Wahl – entweder nachts um 3:00 fliegen und um 8:00 ankommen oder um 13:00 fliegen, Ankunft um 18:00.

Was einen mit 20 oder 30 vielleicht noch reizt (eine Übernachtung sparen, früh ankommen) ist ein paar Jahre später (ok – ziemlich viele Jahre später) nicht eine einzige Sekunde Überlegung wert: Wir.Fliegen.Auf.Keinen.Fall.Mitten.In.Der.Nacht!!!!!

Schon gar nicht, wenn dadurch ein Frühstück mit Bread-and-Butter-Pudding entfällt, nicht, wenn ein super-gemütliches Bett eine deutlich bessere Nacht bietet als ein enger Economy-Sitz. Und überhaupt – wir lassen es in unserem Alter lieber etwas entspannter angehen.

Konkret – ausschlafen. Frühstücksbüffet rauf und runter futtern. Gemächlich alle Habseligkeiten zusammen suchen und auf leeren Straßen (es ist Sonntag Vormittag) zum Flughafen fahren.

Scoot Air war offenbar noch ein bisschen entspannter – der Flug hatte ordentlich Verspätung. Draußen regnete es (und wir waren froh, dass wir gestern echt gutes Wetter hatten! In Singapur regnet es nämlich viel und oft), wir wanderten durch den Flughafen und bewunderten Blumenarrangements und Karpfenteiche.
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Schließlich kam die Maschine dann doch – eine nagelneue Boeing 787.
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Bequemer als viele teurere Airlines, breite Sitze mit viel Platz zum Vordermann – aber natürlich ohne irgendwelchen Schnickschnack wie Getränke oder Essen. Das gab es nur gegen Bares.

Es war schon dämmerig, als wir schließlich in Perth landeten, dunkel, bis wir durch die akribischen Sicherheitskontrollen (mit Spürhund!) und am Mietwagen-Schalter waren. Und finstere Nacht, bis die Formalitäten endlich erledigt waren.

Einen Mietwagen bei Dunkelheit zu übernehmen ist ein gewisses Risiko, schließlich sieht man eventuelle Schrammen nicht – aber was half’s, wir mussten los.

Ca. 20 km entfernt, in Armadale, hatten wir ein Bett für die erste Nacht gebucht – aber zunächst mussten wir was essen. Oder zumindest in einem Supermarkt was einkaufen. Unsre Gastgeber hatten auf meine entsprechende Frage mitgeteilt, dass die Supermärkte um 20-21 Uhr schließen – das müsste also gerade noch klappen. Nur: Es war Sonntag!

Und da hatte in und um Armadale absolut nichts mehr auf! Alle Einkaufsmöglichkeiten hatten schon um 17 oder 18 Uhr dicht gemacht. Da hatte der Gastgeber wohl nicht richtig in den Kalender geschaut!

Alles Herumkurven in der Finsternis nützte nichts – nur ein Bottle-Shop war noch auf, wo wir zumindest eine Flasche Wasser (0,6l für 2,60$!!!)gegen den Durst und eine Flasche Bier (0,75l für 7$!!!) gegen den Frust erstanden. Und für bzw. gegen den knurrenden Magen fanden wir noch einen Hungry Jack, wo wir quasi die letzten Hamburger und ein paar Pommes abbekamen. Kein wirklich guter Einstieg dieses Mal …

Aber wir sind ja flexibel …

In der Coranda Lodge wurden wir bereits erwartet – Schlüssel in die Hand gedrückt, ein paar schnelle Infos, dann waren wir wieder allein. Fast! Gesellschaft hatten wir von einem riesigen Teddy, der auf dem Bett saß.
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Todmüde hatten wir nur noch Energie für ein Glas Bier – dann fielen wir ins Bett. Und wurden morgens von Pferde-Gewieher geweckt – wir waren auf einer Reiter-Farm gelandet!

Ein bisschen verdutzt waren wir aber schon – hier werden Ponies und Hund gemeinsam Gassi geführt!
Der Weg nach Albany an der Südküste führte durch dichte und lichte Wälder …
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Vorbei an endlosen abgeernteten Feldern …


Und bald war’s aus mit dem Fotografieren durch die Windschutzscheibe – tausende winzige Falter hauchten ihr kurzes Leben an unseren Scheiben aus, man konnte kaum noch was sehen. Erst ein heftiger Regenguss verschaffte uns wieder halbwegs freie Sicht.

Es regnete immer mal wieder – schon in den letzten Tagen hatten wir mitbekommen, dass Westaustralien von einer Kälte- und Regenperiode heimgesucht wurde.  Die war offenbar noch nicht ganz vorbei.
In Albany hatten wir ein kleines Studio gemietet, dieses Mal mitten in der Stadt, nachdem wir vor drei Jahren ziemlich außerhalb wohnten. “My Place Colonial”  ist ein hübsches altes Haus, und das Studio – das günstigste im Haus – ein Volltreffer: Sehr ruhig, weil zum Garten hin, viel Platz und zwar ein bisschen plüschig–alt-englischer Charme, aber richtig liebenswert.

Eine gut ausgestattete kleine Küche und ein Bad mit Dusche – außerdem kann man kostenlos waschen. Und das Ganze wird von Donna betreut, die derart liebenswert ist, dass man sich hier einfach auf Anhieb wohl fühlt!

Sie versorgte uns auch gleich mit Infos und Karten, so dass ein Besuch im Visitor Center eigentlich nicht mehr nötig war. Aber wir wollten noch Info-Material und Karten für unsere späteren Ziele im Norden, und die sind in den Infocentern hier immer vorrätig. Weil es ohnehin mal wieder regnete und die Wäsche sich auch ohne uns wusch, zogen wir los.

Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn wir es nicht getan hätten!!!!

Von der netten Mitarbeiterin wurden wir mit allem versorgt, was uns wichtig war, und während sie uns auf einer Karte noch Sehenswürdigkeiten in und um Albany markierte, fragte sie beiläufig “And where are your heading next?” Meine Antwort “To Esperance ließ sie abrupt aufschauen und sie sagte lediglich kurz, aber nachdrücklich “No! You Won’t!!!”

Was sollte das denn??? Ok, hier war es auch schön – aber uns so einfach quasi verbieten wollen, nach Esperance zu fahren? Hatte sie was gegen diesen Ort? Sie sah unsere verwunderten Mienen und fragte irritiert “Where have you been lately? Have you been living under a rock? Don’t you know what’s going on there???” Wir hatten keinen blassen Schimmer, was sie meinte, erklärten ihr aber, dass wir erst gestern in Australien angekommen waren und keinesfalls die letzte Zeit unter einem Felsen, sondern in Thailand verbracht hatten.

Sie klappte ihren Laptop auf, rief ein paar Seiten auf und zeigte uns dann, was sie meinte. Wir sahen zerstörte, überflutete Straßen, eingestürzten Brücken, Erdrutsche. Sämtliche Straßen zu und von Esperance sind unpassierbar, erklärte sie uns. Alle Brücken sind eingestürzt, die Straßen gesperrt. Extreme Regenfälle in den letzten Wochen sind die Ursache und es wird Wochen, wenn nicht Monate dauern, bis die Straßen wieder passierbar sind.

Sie erzählte von Reisenden, die in Unkenntnis der Situation aufgebrochen waren und nach stundenlanger Irrfahrt letztlich wieder nach Albany zurück kehren mussten – es gibt schlichtweg kein Durchkommen! Wir waren völlig vor den Kopf geschlagen – wären wir nicht ins Visitor Center gegangen und hätte sie uns nicht nach unserem nächsten Ziel gefragt, hätte uns das selbe geblüht.

Wir wurden noch mit Links und Infos zur aktuellen Straßenlage versorgt, dann zogen wir ziemlich benommen davon. Eher halbherzig erledigten wir noch ein paar Einkäufe – Frühstück müssen wir hier selbst machen. Auch Rotwein zwecks Schockbekämpfung musste noch her. Wein oder Bier gibt es hierzulande übrigens nicht einfach im Supermarkt, Alkohol wird ausschließlich in Bottle Shops verkauft – weshalb, weiß vermutlich kein Mensch. Es ist auch nicht überall in Australien so – in Victoria haben die Supermärkte durchaus Alkohol in den Regalen.

Daheim checkten wir erst Mal die angegebenen Links – und fanden überall bestätigt, dass der South Coast Highway, der nach Esperance führt, komplett gesperrt ist.

Jetzt war wirklich Flexibilität gefragt – denn wir wollten ja nicht nur nach Esperance, sondern anschließend eine große Schleife über Kalgoorlie zurück nach Perth machen. Übernachtungen in insgesamt drei Orten waren gebucht. Es mussten also nicht nur Unterkünfte storniert werden – darunter 3 Tage in Esperance, die eigentlich gar nicht mehr stornierbar waren – sondern auch Alternativen her.

Mails geschickt, Karten gewälzt, Buchungen storniert. Uns rauchten die Köpfe … Aber nach einem leckeren Abendessen (knuspriges Sauerteig-Weißbrot, italienischer Schinken, Salami, Käse – alles made in Australia! – dazu ein kleiner Salat und Rotwein) – sah die Welt schon um einiges besser aus.

Eine neue Route war ausgetüftelt, die Unterkunft in Esperance stimmte einer Stornierung zu, jetzt müssen wir nur noch für die neuen Ziele Unterkünfte finden.

Aber morgen ist ja auch noch ein Tag. Und für heute hatten wir einfach akzeptiert, dass man den Kapriolen der Natur letztlich nur mit Gelassenheit begegnen kann …

Und mit Flexibilität 😉

Die Fahrt von Armadale nach Albany:

Und das war die geplante Strecke nach Esperance – der Highway 1 ist zur Zeit zwischen Jerramungup und Ravensthorpe sowie zwischen Ravensthorpe und

Munglinup in beide Richtungen komplett gesperrt. Alternativ-Routen gibt es nur von Norden her, über Coolgardie – oder für Wagemutige mit guten 4WD Vehikeln über Feldwege:

Ein Kommentar zu “Flexibilität …

  1. Das nenne ich mal Abenteuerurlaub!
    Wie gut daß ihr perfekt englisch könnt. Drücken euch die Daumen daß jetzt alles klappt. Sind noch am Strand. Montag geht’s über den Oriental Highway = Buckelpiste zurück nach Yangon. Übrigens das Palmspring Hotel nahe Flughafen ist wirklich zu empfehlen.
    Danke noch für den Hinweis das der Flughafen in Yangon so kalt ist. Hat uns vor der Erkältung bewahrt.
    Lg

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