Grenzüberschreitung

p1280879Heute sollte es eigentlich nach Osten gehen, nach Esperance. Dort gibt es – wie sollte es anders sein – wilde Natur und Traumstrände, die so schneeweiß sind, dass man zwei Sonnenbrillen übereinander anziehen soll, damit man nicht schnee- bzw. sand-blind wird.

Allerdings – Esperance ist derzeit nicht erreichbar . Zumindest nicht auf der Straße. Die sind nach schweren Regenfällen schwerst beschädigt und noch für längere Zeit gesperrt.

Also musste Plan B her – und der lautete: Go West!

Der gar nicht wilde Süd-Westen von Western Australia punktet nicht nur mit den schon fast obligatorischen Super-Stränden, sondern ist auch ein echtes Mekka für Foodies. Unzählige Weingüter öffnen ihre Kellertüren für Besucher zur Weinprobe, wer eher auf Bier oder Cider steht, besucht eben eine der Brauereien. Schokolade und Käse werden in kleinen Manufakturen fabriziert, Olivenhaine liefern jungfräuliches Öl, für Süßschnäbel gibt es Busch-Honig von Karri oder anderen Eukalyptus Bäumen. Lavendel blüht und duftet, und ein leichter Eukalyptus Duft liegt sowieso überall in der Luft.

Wir waren schon zwei Mal hier – wollten deshalb eigentlich jetzt nicht schon wieder hin. Aber that’s life – es kommt eben oft anders als geplant.

Also machten wir uns auf den Weg nach Busselton – denn in Margaret River, wo wir wieder gerne geblieben wären, war so kurzfristig und noch dazu am Wochenende absolut kein Zimmer mehr zu bekommen. Der Muirs Highway brachte uns zügig nach Nordwesten – meist verläuft er durch Wälder. Am Lake Muir legten wir eine Pause ein – ich freute mich auf den See, der immerhin 47 qkm groß sein soll.

Aber – obwohl ein piekfeiner Boardwalk auf Stelzen durch den Wald zu einer Aussichtsplattform führte und man dort – richtig dramatisch – den Blick auf den See durch ein ovales Fenster genießen sollte …
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… war da – NICHTS. Also, es war natürlich schon was da – so ne Art Steppe. Aber eben kein Fitzelchen Wasser. Dabei hatte es doch in den letzten Wochen ausgiebig geregnet!

Immerhin gab es auf dem Parkplatz Toiletten und die Bäume hatten durchaus was …
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Wenig später überquerten wir die unsichtbare Grenze und waren jetzt nicht mehr in The Great Southern sondern in der Region South West. Irgendwie klingt das ziemlich unspektakulär für eine derart tolle Region. Weil es hier so schön ist und wir – trotz der recht weiten Strecke – Zeit hatten (bzw. uns Zeit nahmen, denn reisen bedeutet eben nicht unbedingt, immer auf schnellstem Weg von A nach B zu kommen) näherten wir uns der Region nicht auf dem kürzesten, sondern auf dem schönsten Weg.

Der führte über den äußersten Südzipfel der Region, über Augusta. Genauer – über Cape Leeuwin und den dortigen Leuchtturm. Wer mit einem Mann reist, der Leuchttürme und Schiffe liebt, muss immer bereit sein, einen kleinen oder größeren Umweg in kauf zu nehmen, wenn irgend was davon in erreichbarer Nähe ist Zwinkerndes Smiley
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Das Kap und der Leuchtturm sind natürlich schon was Besonderes – hier stoßen zwei Ozeane aneinander, der Indische und der Southern Ocean, der bis zur Antarktis reicht.
Und während mein Mann den Leuchtturm aus allen denkbaren Blickwinkeln bestaunt, freue ich mich über das, was da zu meinen Füßen so alles zu sehen ist.
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Immer wieder staune ich, was da so alles an Schönheit auf kargem Fels und ein bisschen Sand hervor gebracht wird!

Wir verlassen den Leuchtturm und finden in der nahe gelegenen Flinders Bay noch mehr Staunenswertes. Schneeweißer Sand – ok, ein bisschen Seegras liegt rum, aber daran ist der heftige Wind schuld, der das alles in die Bucht treibt. Und türkis-klares Wasser.
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Dazu ein paar malerische Felsen, majestätische Norfolk Pinien und ein hölzerner Steg – Idylle pur. Und kaum ein Mensch da!
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Tief durchatmen, die Beine etwas ausstrecken, die Füße ein bisschen nass machen – dann geht’s weiter. Zum nächsten Strand, der Hamelin Bay. Wobei dieser Strand nicht wegen seiner Schönheit so bekannt ist – obwohl er wirklich wunderschön ist …
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… sondern, weil hier regelmäßig Stachelrochen an den Strand geschwommen kommen. Wir haben sie schon mehrfach hautnah erlebt – heute ist das Wasser allerdings nicht wirklich klar und man kann sie nur erahnen. Trotzdem stehen die Leute gebannt am Strand und schauen ins Wasser.
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Wir schauen auch ein Weilchen, sehen aber nicht viel und machen uns wieder auf den Weg. Die Cave Road entlang, durch den Boranup Karri Wald. Karri-Bäume sind einzigartig – sie wachsen ausschließlich hier, im äußersten Südwesten Westaustraliens.
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Die majestätischen Baumriesen werden bis zu 70 m hoch, wachsen nahezu kerzengerade und haben nur eine Krone, ansonsten fast keine Äste. Durch einen Karri-Wald zu gehen oder fahren ist wie durch eine Kathedrale zu gehen, wo das Schiff von unzähligen schlanken Säulen getragen wird. Einfach wunderschön …

Es ist schon recht spät, als wir in Busselton ankommen. Im Amalfi Resort hatten wir ein Last-Minute-Schnäppchen ergattert – ein Apartment mit 2 Schlafzimmern, das wohl deshalb so günstig auf den Markt geworfen wurde, weil die Ferien vorbei sind und nach Familienapartments derzeit keine große Nachfrage herrscht.

Jetzt hausen wir die nächsten 4 Tage auf rund 75qm, haben zwei Schlafzimmer, Küche mit Spülmaschine und im Bad Waschmaschine und Trockner.

Und einen Balkon mit Blick auf den Pool haben wir auch. Obwohl – den Pool sieht man nicht wirklich, denn ein gigantischer Zitronenbaum verdeckt zum großen Teil die Sicht. Das ist aus mehreren Gründen nicht schlecht – zum einen hängen Früchte am Baum – und ein Spritzer Zitronensaft im Mineralwasser schmeckt echt lecker. Außerdem bietet der Baum Nachmittags Schatten und er dämpft das Gejohle der Kinder (es sind durchaus etliche da) und abends die Gespräche der Erwachsenen, die es offenbar ganz toll finden,  stundenlang im Whirlpool zu hocken und sich zu unterhalten …

Bevor es aber so weit war, schauten wir mal nach, ob es den Busselton Pier noch gibt. Der ist nämlich fast 2 km lang und wirklich beeindruckend! Ok, den Pier gibt’s noch – aber wir waren so was von enttäuscht! Links vom Pier, wo man 2015 wunderbar flanieren konnte und wo ich dieses Mal ausgiebig im Meeres-Schwimmbecken baden wollte, erstreckte sich eine riesige Baustelle!

Weil es außerdem sehr windig und eher kühl war, gibt es heute nur ein kurzes Foto vom langen Pier. Wer sich dafür interessiert, wie wunderschön das Ensemble von Pier und Strand vor der Baustelle war (und hoffentlich auch irgendwann mal wieder wird) kann sich den Blogbeitrag von März 2015 anschauen …
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Die Route von heute:

2 Kommentare zu “Grenzüberschreitung

  1. Super Landschaft! Danke für deine Bericht.
    Herzliche Grüsse aus Yangon und von der Schwedagon Pagode. Morgen folgen wir euren Spuren in Hpa an

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    • Da bin ich ja mal echt gespannt, wie es euch dort gefällt! Je nachdem, wo ihr untergebracht seid noch ein Tipp – falls dich mal ein Hunger nach Kuchen überkommt – im Gabana Hotel gibt es ein kleines Café, direkt an der Straße, mit unglaublich leckeren Kuchen und Törtchen! Und wunderbaren Fruchtshakes – alles ganz frisch.

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