Trillionen …

P1290254Die Zimmergröße hatte keinen negativen Einfluss auf unseren Schlaf – obwohl ich schon mal darüber nachdachte, wieso so kleine Zimmer die Namen von so großen Tieren hatten …

Das Frühstück ist hier eine soziale Angelegenheit, alle Gäste nutzen die sehr gut ausgestattete Küche gemeinsam. Wobei sich heute schon der größte Teil unserer Mitbewohner davon gemacht hatte – in der Küche werkelte nur noch ein Paar herum.

Während Dieter Toast machte, versuchte ich, die Nespresso-Maschine zu verstehen. Nicht so einfach, wenn man daheim nur eine altmodische Filter-Maschine hat 😉

Als ich meinem Frust lautstark Luft machte (ohne Brille konnte ich nämlich die Gebrauchsanweisung nicht lesen), tönte es plötzlich aus der Küchenecke in schönstem kurpfälzisch “Moment, ich zeig’s Ihnen – ist im Grunde ganz einfach, wenn man’s weiß!”

Verblüfft drehte ich mich um – der weibliche Teil des Paares, mit der ich kurz vorher noch englisch parliert hatte, lachte mich an und gab sich als Mannheimerin zu erkennen! Also quasi direkte Nachbarn – so klein ist die Welt!

Nachdem wir wochenlang nirgendwo deutschsprachige Leute getroffen hatten, sollte sich dies in den nächsten Tagen sehr drastisch ändern. Heute freuten wir uns aber ganz einfach darüber, Landsleute getroffen zu haben, die nur ca. 15 km von uns entfernt wohnen.

Vor dem endgültigen Abschied von Geraldton stockten wir unsere Vorräte nochmal auf, denn in den nächsten Tagen würden wir wohl kaum auf größere Supermärkte stoßen. Unser Auto ächzte förmlich, als 6 große 1,5l-Flaschen mit Mineralwasser eingeladen wurden – aber davon trinken wir mindestens zwei pro Tag! Bei der Hitze, die inzwischen herrscht, ist das unumgänglich.

Damit das auch im Auto klappt, ohne dass wir dauernd anhalten müssen – denn wer fährt, kann ja nicht am Steuer mit den Riesenflaschen hantieren – haben wir auch zwei kleinere 0,6l-Flaschen, die perfekt in die Flaschenhalter in den Türen passen. Warum es so was Praktisches nicht bei uns in den Autos gibt, frage ich mich inzwischen fast täglich!

Die Kehrseite der Medaille ist – wie schon in Thailand – dass die viele Flüssigkeit auch gelegentlich wieder entsorgt werden muss. Und dafür gibt es in Australien die Busch-Toiletten.
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Die stehen an kleinen Parkplätzen im Nirgendwo, Wasser gibt es keines – trotzdem sind diese Bio-Toiletten praktisch geruchsfrei und meistens erstaunlich sauber. Außer besagten Toiletten gibt es hier aber keinerlei Infrastruktur, auch keine Mülleimer – die Leute sollen ihren Müll bitteschön wieder mitnehmen und nicht der Allgemeinheit bzw. den Rangern zur Entsorgung überlassen.
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Es wird jetzt zunehmend “australischer” – die sandige Erde ist rot, die Vegetation wird spärlicher.
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Wir fahren meilenweit, ohne dass uns ein anderes Auto entgegen kommt. Und wenn dann doch mal was kommt oder vor uns fährt, ist es meistens ein LkW bzw. ein Roadtrain. Roadtrain sind diese überlangen – bis zu 36,5m langen – Trucks, die ja jetzt auch in Deutschland auf die Straße kommen sollen.
Was hier in Australien noch Sinn macht – riesige Entfernungen, kaum befahrene Straßen, geringe Bevölkerungsdichte – wird bei uns daheim garantiert zum Albtraum auf den Autobahnen. Selbst hier dauert es, bis so ein Monster überholt ist – wie das auf dicht befahrenen Autobahnen gehen soll, ist mir ein Rätsel!

Neben der Straße sehen wir immer wieder mal nicht nur roten Sand, sondern auch Wasser. Auch hier im Norden hat es in jüngster Zeit extrem viel geregnet und das Wasser konnte vom ausgetrockneten Boden noch nicht überall vollständig aufgenommen werden.
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Bei einem weiteren Stopp werden wir aufmerksam beobachtet – die australischen Raben mit ihrem sehr misstönenden Gekrächze sind allgegenwärtig …
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Wir haben es fast geschafft – am berühmten Overlander Roadhouse biegen wir ab und kommen so langsam in die Shark Bay” Region. Die Gegend ist UNESCO Welt-Naturerbe und eine richtige Natur-Wundertüte, die wir in den nächsten Tagen öffnen und erkunden wollen.
Schon heute bei der Anfahrt sehen wir Wunder Nummer 1, den “Shell Beach”.
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Was aus der Ferne aussieht wie ein normaler weißer Sandstrand – der allerdings ziemlich XXL geraten ist – entpuppt sich bei näherer Betrachtung als etwas ganz anderes: Der “Sand” besteht aus unzähligen winzigen Muscheln!
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Eine fast 10 m dicken Schicht winziger Muscheln, kleiner als der Fingernagel am kleinen Finger, bedeckt den Boden des fast 40 km langen Shell Beach. Es sollen Trillionen von Muscheln hier herum liegen – wie viele Nullen eine Trillion hat, weiß ich im Moment nicht so genau – es sind jedenfalls sehr, sehr viele.
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Direkt am Wasser liegen die Muscheln noch erkennbar und eher locker aufeinander, weiter hinten sind sie meist zerbrochen und zu einer festen Masse zusammen gebacken.

Ein Stückchen weiter, aber auf der anderen Seite der Halbinsel, haben Wasser und Sand fantastische mehrfarbige Strukturen im Wasser geschaffen.
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Auch das Meer trägt seinen Teil dazu bei – es ist bei genauerem Hinsehen mehrfarbig, changiert in verschiedenen Blau-Tönen. Das letzte Stück bis Denham zieht sich ziemlich
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– dann ist es aber geschafft und wir sind da. Der erste Gang geht gleich ins Visitor Center, wir wollen morgen mit einem Segelboot die Gegend auf dem Wasser erkunden und am Freitag eine Tagestour in den Francois Peron Nationalpark machen. Da darf man nur mit einem Allrad-Auto hin – und das haben wir nicht.

Da die Touren nicht täglich stattfinden, mussten wir ein bisschen voraus planen – aber es klappt (fast) alles. Zwar liegt das Boot, mit dem wir eigentlich fahren wollen, derzeit zwecks Reparatur an Land, aber es gibt noch eine andere Alternative – wir werden morgen mit der “Shotover” auf die Pirsch nach Seekühen, Delphinen und Schildkröten gehen.

Dann ging’s zu unserer Unterkunft – “On the deck @ shark bay , einem kleinen Bed&Breakfast mit nur 3 Zimmern. Und das erwies sich als absoluter Volltreffer: Nicht nur ist das Zimmer wunderschön – hell, geräumig und schlicht, aber geschmackvoll eingerichtet – direkt davor ist eine riesige Veranda, die zwar theoretisch auch noch von den Gästen des anderen “upstairs” Zimmers genutzt werden kann, was aber zumindest bei uns nicht der Fall ist.

Auf der Veranda lädt eine open-air Küche zum Kochen ein – wir brutzelten auch begeistert abends ein paar Steaks und genossen sie zusammen mit einem 10000$-Blick über den Busch zum Meer – inklusive Sonnenuntergang.

Dass dann zuerst ein paar Kängurus vorbei schauten …
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… und sich später ein atemberaubender Sternenhimmel über uns wölbte, machte unser Glück vollkommen. Einfach nur schön hier!

Diese Strecke haben wir heute zurück gelegt:

2 Kommentare zu “Trillionen …

  1. Ich weiß ja nicht, welches Auto Ihr zuhause fahrt, aber unser Nissan hat rundum solche Flaschenhalter. Ich muss Dir zustimmen – eine sehr praktische Angelegenheit.
    Der Muschelstrand dort ist ja schon auf den Bildern beeindruckend, in der Wirklichkeit sicher noch um einiges mehr.
    Weiterhin gute Fahrt und tolle Erlebnisse wünscht die Silberdistel

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    • Du hast recht – die Japaner sind da entschieden weiter! Allerdings hatte mein Nissan Micra – glaube ich, ist schon eine Weile her – so was (noch) nicht.
      Der Muschelstrand war – wie eigentlich fast alle Strände hier – traumhaft schön – barfuß laufen sollte man hier allerdings lieber nicht 😉 Und der Salzgehalt des Wasser ist hier extrem hoch!

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