Wilder Westen mit Capesy

P1290371Als wir Phil gestern erzählten, dass wir heute eine Tour mit einem Allradfahrzeug in den Francois Peron Nationalpark machen, mit Wula Guda Nyinda Tours, meinte er nur trocken “Very good choice – you picked the best! You’re gonna have a perfect day with Capesy – he is a great guy and a great guide!”

Von 10-16 Uhr sollte die Tour dauern – vorher musste noch alles gepackt und im Auto verstaut werden, denn heute Abend nach der Tour wollen wir nach Monkey Mia weiter ziehen.

Das ist zwar nur 28 km von Denham entfernt, liegt aber an der Ostküste der Halbinsel und ist berühmt für die Delphine, die dort regelmäßig an den Strand kommen.

Weil das Thermometer heute bis auf 38°C klettern sollte, ließen wir alle verderblichen Lebensmittel bei Phil und Kerrie im Kühlschrank – die wollten wir nach der Tour dann noch kurz abholen.

Kurz vor 10 Uhr standen wir vor dem Discovery Center, wo wir abgeholt werden sollten. Zum Glück gab es dort reichlich Schatten, denn die Sonne brannte bereits gnadenlos vom wolkenlosen Himmel. Mit uns warteten zwei fröhliche junge Frauen aus der Schweiz, Maria und Pam, sowie ein britisches Paar, Allison und Patrick.

Als 10 Uhr schon reichlich vorbei war, erwähnte Allison, dass sie schon gestern eine andere Tour mit Capesy gemacht hatten und er da erst kurz vor 11 aufgetaucht sei. Und die Tour sei auch nicht, wie angekündigt, um 16, sondern erst gegen 20 Uhr beendet gewesen …

Na toll – wir mussten spätestens um 20 Uhr im Dolphin Resort in Monkey Mia einchecken!

Gegen 10:30 tauchte ein bestens gelaunter junger Mann auf, stellte sich als “Capesy” vor (eigentlich heißt er ja Darren Capewell) und erzählte uns gleich ein bisschen was über seine Aborigine-Wurzeln. Seine Eltern kommen aus verschiedenen Stämmen, den Nhanda und Malgana, die hier schon lange vor der Ankunft der Europäer ansässig waren, und Capesy fühlt sich dem Land seiner Ahnen tief verbunden.

Wir begriffen langsam, dass das hier keine Tour nach Schema F werden würde, dass hier nicht jemand angelernte Kenntnisse weiter gibt, sondern dass wir mit jemand unterwegs sein würden, der versucht, uns Land und Kultur seines Volkes zumindest ansatzweise zu vermitteln. Der tiefen Respekt vor und eine tiefe Liebe zu dem Land hat, wo er geboren und aufgewachsen ist und das er auf langen einsamen Wanderungen durch und durch kennen gelernt hatte. Und der deshalb ein profundes Wissen mitbringt.

Los ging’s – in einem schon etwas betagten Gefährt mit Allrad-Antrieb. Und kaum waren wir losgefahren, hielten wir auch schon wieder an – Capesy hatte am Straßenrand auf einem Busch eine kleine Bart-Agame entdeckt.
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Unbeweglich hing sie da zwischen den Dornen – ich hätte sie nie im Leben gesehen! Minuten später wieder ein Stopp – die kleine Lagune, die wir schon gestern besucht hatten …
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Dann bogen wir ab in den Nationalpark und auf die Peron Halbinsel (Wulyibidi in der Sprache der Aborigines) und wenig später gab es keine Straße mehr, sondern nur noch roten Sand.
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Um hier überhaupt noch fahren zu können, musste die Luft aus den Reifen abgelassen werden – das mussten die weiblichen Passagiere übernehmen! Mit einem kleinen Ästchen einfach ins Ventil reindrücken …
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Bei der Gelegenheit gab es nicht nur eine Tasse Kaffee oder Tee und Muffins für uns, sondern auch gleich noch eine kurze Lektion im Spuren lesen.
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Kängurus und Emus waren hier unterwegs. Und wir erfuhren von Capesy, das die scheinbar feindliche Wildnis ein Supermarkt und eine Apotheke ist. Von einem unscheinbaren Busch pflückte er “Buschbananen”.
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Schmecken allerdings eher wie Gurken – aber wenn man sich im Busch mal verlaufen sollte, ist man sicher nicht wählerisch Zwinkerndes Smiley Der etwas klebrige Saft der “Bananen” hilft auch bei kleinen Wunden. Und gegen den Durst kann man die wasserhaltigen Wurzeln eines Baumes ausgraben. Essbare Beeren gibt es auch überall – und wer lieber was protein-haltiges möchte, kann ja mal eine Eidechse fangen …
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Mit geübtem Griff angelte Capesy einen Blauzungenskink aus dem Busch – wir waren völlig platt! Sein geschultes Auge entdeckte auch noch eine weitere Bartagame.

Ganz hinten, links oben – hättet ihr die gesehen??? Wir hoppelten weiter – anders kann man das teilweise gar nicht nennen, denn in dem weichen (und extrem heißen!) Sand ist das Fahren nicht wirklich einfach und wir flogen ganz schön auf unseren Sitzen hin und her. Um uns herum nur roter Sand und Gebüsch – ganz überwiegend unzählige Akazien-Arten.
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Capesy erklärte während des Fahrens immer wieder die Natur, nannte uns die Aborigin-Namen für vieles, was wir sahen.

Irgendwo im Nirgendwo bogen wir nach links ab und stoppten schließlich an den “Gregories” – wir waren am Wasser! Vielleicht nicht die Kategorie “Traumstrand”, aber eindrucksvoll und das Wasser warm und klar. Innerhalb weniger Minuten waren wir alle drin und plantschten, schwammen, schnorchelten – obwohl es hier nicht wirklich viel zu sehen gab, dazu hätte man ein ganzes Stück raus schwimmen müssen. Aber das Wasser war einfach wunderbar – richtig warm, klar und sehr, sehr salzig!

Der Salzgehalt ist hier deutlich höher als im offenen Meer, weil das Wasser in den flachen Lagunen schnell verdunstet. Deshalb wird hier auch Salz gewonnen – laut Capesy eines der besten und saubersten Salze der Welt …
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An den Gregories dürfen entsprechend ausgestattete Camper auch über Nacht bleiben, es gibt schattige Unterstände, Toiletten und – wie könnte es in Australien anders sein – einen Grill! Den warf Capesy auch sofort an und brutzelte eine Mahlzeit für uns – Fisch kam auf die Platte, Mullets – zwar lokal, aber nicht von Capesy selbst gefangen, sondern von ein paar Kumpels.
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Dazu gab es wunderbare Salate und Couscous. Es wäre ein wirklich genussreiches Mahl gewesen —— wenn es keine Fliegen gegeben hätte!!! So mussten wir höllisch aufpassen, das nicht so ein Vieh mit Fisch oder Salat im Mund landete. Einhändig essen war deshalb angesagt, denn eine Hand brauche man, um die Fliegen weg zu wedeln …

Um das Essen zu verdauen, wurde gewandert. Dazu fuhren wir bis hoch zur Spitze des Nationalparks, zum Skipjack Point. Tiefroter Sand, tiefblaues Meer – und unten am Wasser ein schmaler Streifen blendend weißer Sand (oder vielleicht auch wieder Muscheln – aus der Höhe war das nicht genau auszumachen…
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Von einer kleinen Aussichtsplattform konnte man in die Tiefe blicken und da gab es eine Menge zu sehen! Kormorane trockneten ihr Gefieder am Strand …
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Ganze Gruppen von Rochen segelten im Wasser vorbei – deutlich dunkler als “Gorbatschow” gestern! Diese hier sind eng verwandt mit den Mantas – die es hier auch gibt, allerdings nicht in derart flachem Wasser.
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Auch der eine oder andere Riff- oder kleine Tigerhai zog vorbei – meist allerdings eher schemenhaft zu erkennen.

Wir fuhren noch ein kleines Stück weiter – jetzt hatten wir die Spitze von Kap Peron erreicht! Wieder ein kleiner Spaziergang – rauf auf einen Hügel aus rotem Sand, der die Hitze nur so abstrahlte! Es dürfte inzwischen so um die 40°C gehabt haben – wir wären gerne noch mal ins Wasser Zwinkerndes Smiley
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Zum Beispiel unten, an dem schönen hellen Sandstrand…

Zeit dafür hätten wir gehabt – denn als wir anhielten, stellte Capesy fest, dass der reche Hinterreifen einen Platten hatte und er den Ersatzreifen aufziehen musste.

Nicht wirklich ein Vergnügen bei der Hitze – aber die von uns angebotene Hilfe lehnte Capesy energisch ab!
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Der Strand war aber erstens bereits fest in der Hand der Kormorane …
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…. und zweitens waren uns die – angeblich harmlosen –  Riff-Haie letztlich doch nicht so ganz geheuer.

Also wanderten wir wieder zurück zum Auto, wo Capesy sich bereits nach vollbrachter Tat die Hände wusch und uns auf einen letzten kurzen Gang nach links mitnahm. Von hier aus hatten wir einen grandiosen Blick auf das Kap.
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Und einen nicht weniger atemberaubenden Anblick im Wasser: Eine kleine Gruppe Delphine mit einem ganz kleinen Kalb  – laut Capesy höchstens ein paar Tage alt – zog direkt unter uns ihre Runden. Mutter und Kind bleiben in engstem Kontakt – der Grund dafür war ein Hai, der der Gruppe immer wieder auf den Pelz rückte.
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Mama Delphin sah ganz schön mitgenommen aus – ihre Rückenflossen war offenbar schon schmerzhaft mit einem Hai in Berührung gekommen …

Wir wurden langsam etwas unruhig – die Rückfahrt würde mindestens 1 1/2 Stunden dauern und es ging schon flott auf 18 Uhr zu. Das sah nicht so aus, als würden wir es bis 20 Uhr nach Monkey Mia schaffen – zumal Capesy noch weitere Stopps unterwegs eingeplant hatte.

Zum Beispiel, um uns die teils mehr als 400 Jahre alten Mini-Bäumchen in den Salz-Lagunen zu zeigen. In Regenzeiten, wenn die Seen geflutet sind, stehen die Bäumchen komplett unter Wasser.
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Während wir Mini-Bäume und Salzwüste fotografierten, kletterten Maria und Pam aufs Autodach und fuhren ein Stück open-air mit.
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Und Capesy löste unser Check-in Problem im Hotel mit einem kurzen Anruf, einem fröhlichen Schwatz mit der Rezeption – die versprach, den Zimmer-Schlüssel in einem Umschlag mit unserem Namen drauf zu stecken und diesen an die Tür der Rezeption zu kleben, falls wir es bis 20 Uhr nicht schaffen würden. Typisch australische Problemlösung eben Zwinkerndes Smiley

Jetzt ging’s aber wirklich langsam zurück – allerdings nicht ohne einen allerletzten Stopp – der allerdings weder Pam und Maria noch uns so richtig begeisterte. Auf der alten Schaffarm gibt es eine “Hot Tub”, eine kreisrunde Wanne mit ca. 2-3m Durchmesser, gespeist von heißem Grundwasser. Dort sollten wir alle nochmal rein steigen.

Nur – anders als Allison und Patrick, die darauf vorbereitet waren, weil sie das alles gestern schon mal erlebt hatten, war unser Badezeug irgendwo nass und salzig im Rucksack verstaut und wir hatten keine große Lust, das klebrige Zeugs noch mal anzuziehen. Also warteten wir eben, bis die anderen fertig gebadet hatten – zunehmend unruhiger, weil es immer dunkler wurde und Nachtfahrten im australischen Outback wegen der vielen Tiere nicht unbedingt empfehlenswert sind.

Irgendwann stiegen die anderen dann doch raus aus der Wanne und es ging weiter. Noch einen aller-aller-letzten Stopp an der Little Lagoon – aber nur für einen Schuss aus dem Fenster (lediglich Patrick musste auch hier raus und sich auf die Suche nach der richtigen Location für seine Fotos machen …)
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Ein toller Tages-Abschluss!

Bis wir am Auto waren, war es schon fast total finster – noch schnell unsere Lebensmittel bei Phil und Kerrie aus dem Kühlschrank geholt (wo Phil grinsend meinte, er hätte sich schon SEHR gewundert, wenn wir wirklich zur geplanten Zeit zurück gekommen wären…), dann ging’s nach Monkey Mia. Und zwar im Schleichtempo – nachdem vor uns zwei Kängurus über die Straße gehüpft waren! Mit einem Unfall wollten wir den tollen Tag nicht unbedingt beenden!

Als wir ankamen, war die Rezeption bereits dicht – aber ein großer Umschlag mit unserem Namen klebte an der Scheibe. Im Stockdunkeln über ein riesiges Areal zu fahren, wo gezeltet wurde, Camper und Bungalows standen, es aber nirgends Hinweisschilder gab, war die letzte Herausforderung des Tages.

Letztlich fanden wir den Gebäudekomplex mit den Zimmern aber doch, schleppten unseren Krempel die Treppen hoch ins komplett geflieste Zimmer – das zwar soviel kostet wie ein 5* Hotel, aber den Charme einer Jugendherberge hat und lediglich ein Bett, zwei Nachttischchen, ein Brett für den Koffer und einen Kühlschrank enthält.

Egal – wir hatten Hunger und Durst – also runter in die Bar und Bier & Pizza bestellt! Und gleich wieder über Pam und Maria gestolpert, die hier mit ihrem Camper ebenfalls Station machen!

Das Bier war kalt, die Pizza erstaunlich gut – und der Tag insgesamt einfach nur w.u.n.d.e.r.s.c.h.ö.n!!!!!

Ein Kommentar zu “Wilder Westen mit Capesy

  1. Hallo wir sind inzwischen in Hua Hin.
    Es beruhigt mich ungemein, dass auch bei euch nicht alles nach Plan läuft. So ist das eben jede Medaille hat zwei Seiten. Und wie sagt mein ehemaliger Verlobte immer, erwarte nicht zuviel dann wirst du nicht enttäuscht.
    Zimmer hat kein Meerblick dafür Schokoladenkuchen und Rosenherz auf dem Bett und Karte zum Hochzeitstag vom Hotel. Thats life.
    Sonnige Grüße hier fast 40 Grad

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