Coral Bay

P1290757Noch ein bisschen nördlicher sollte es heute gehen – und damit vermutlich noch ein bisschen heißer! Das Thermometer rutscht hier tagsüber kaum noch unter 35° – zum Glück ist die Luft sehr trocken, sonst wäre es wirklich kaum auszuhalten.

Und ebenfalls zum Glück kühlt es nachts so deutlich ab, dass wir eigentlich fast immer ohne Klimaanlage schlafen. Balkontür auf (natürlich mit Insektengitter!) und für einen guten Nachtschlaf ist gesorgt.

Oder zumindest dann gesorgt, wenn nicht (wie letzte Nacht in Monkey Mia) Strandparties gefeiert werden und der Krach bis in die frühen Morgenstunden anhält. Und kaum ist man eingeschlafen, gehen die Nachbarn kurz nach 6 Uhr zum Frühstück auf den Balkon …

Reisen setzt bisweilen ein ein ziemlich hohes Maß an Toleranz und Gelassenheit voraus – die wir nachts um 3 Uhr nicht immer haben. Da helfen dann eben nur noch Ohrenstöpsel …

Und morgens, nach dem Aufwachen, ist man sofort wieder mit der Welt versöhnt, wenn man die “ziemlich besten Freunde” unten am Strand erblickt.
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Kormoran und Pelikan – die beiden schienen sich wirklich bestens zu verstehen. Und blieben auch, so lange wir sie sehen konnten, zusammen.

Frühstücken auf dem Balkon in Monkey Mia hat also durchaus seine schönen Seiten – nur, bis man so weit kommt, sich mit Kaffee und Toast hin zu setzen, kann man schon wieder leicht entnervt sein. Wenn man sein Brot (das in unserem Falls schon ein paar Tage alt ist) nicht einfach labberig essen, sondern toasten möchte, braucht man einen Toaster. Da die sündhaft teuren Zimmer lediglich mit einem Wasserkocher und ein paar Tütchen Nescafé ausgestattet sind, muss man mit seinem Brot runter in die Gemeinschaftsküche.

Dort steht ein Toaster. EIN. TOASTER!!! Für eine Anlage mit ca. 150 Zimmern und Bungalows und mindestens nochmal so vielen Campern, Wohnwagen und Zelten. Es gibt natürlich auch noch 4 Herde mit Backöfen und unzählige Barbecues (= meist Gasgrille – aber eben nur diesen einen, einzigen Toaster.

Und vor dem standen heute morgen 4 Leute vor mir, davon ein Mädel mit einer ganzen Packung Toastbrot. Wie war das nochmal mit Toleranz und Gelassenheit??? Da wir heute eine ziemliche Strecke vor uns hatten, war bei mir davon im Moment nicht allzuviel vorhanden.

Manchmal helfen ein paar graue Haare dann doch – die Youngster spürten meine Ungeduld und ließen mich netterweise vor Smiley – das ist das Schöne an den Aussies: Sie sind wirklich meistens total entspannt, freundlich und haben anscheinend immer unendlich viel Zeit …

Also Toast, Kaffee, Joghurt und Äpfel mit Blick auf Meer und Pelikan!
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Wir hätten auch noch ein paar Buschbananen essen können, die ich mitgenommen hatte. Beim Aufschneiden kommt der weiße klebrige Saft heraus, der so prima bei kleinen Verletzungen hilft und einen wasserdichten Wundverschluss garantiert.
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Zum Frühstück war uns das dann aber doch zu exotisch …

Dann ging’s los, nach Norden. Durch eine erstaunlich grüne Landschaft. Die heftigen Regenfälle der letzten Woche hatten das Land in einen Zustand versetzt, der für die Jahreszeit völlig untypisch ist. Wo es sonst braun und vertrocknet ist, sieht man derzeit überall frisches Grün auf der roten Erde.
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Selbst die Flüsse sind ganz ordentlich gefüllt.
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Obwohl die Straßen – wie fast immer hier in der Ecke – ziemlich leer sind, kommt einem doch ab und zu ein “Road Train” entgegen. Diese Riesen-LkWs transportieren so ziemlich alles in die entlegensten Ecken des Landes. An einer Tankstelle bog gerade ein besonders langes Exemplar auf die Straße.
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So lang, dass ich den gesamten Lastzug nicht mal auf ein Bild bekam! Womit man hier früher so herum fuhr, konnten wir direkt neben der Tankstelle sehen …
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Wir legten einen kurzen Einkaufs-Stopp in Carnarvon ein, denn auch in Coral Bay sowie in unserer darauf folgenden (und letzten) Station im Norden sind wir Selbstversorger und unsere Vorräte waren ziemlich geschrumpft.

Ein saftiges T-Bone Steak und dicke Scheiben heiß geräucherter tasmanischer Lachs wanderten ebenso in den Einkaufswagen wie Joghurt, Käse, Schinken und Eier, Äpfel, Gurken und Tomaten. Und natürlich wieder Wasser – gleich acht der Riesenflaschen wurden heute ins Auto gequetscht. Denn eines war uns klar – an unseren nächsten beiden Zielen würde es kaum vernünftige Einkaufsmöglichkeiten geben.

Je weiter wir nach Norden kamen, desto grüner wurde es – und auch immer heißer. Zwischendurch kletterte das Thermometer auf 39°C!
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Dann tauchten plötzlich merkwürdige Gebilde auf – riesige rotbraune Kegel, wie Zipfelmützen – oft  mit einem kleinen Zipfelchen oben drauf …
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Es sind Termitenbauten, wie sie im tropischen Teil Australiens, also im Norden, häufig vorkommen. Sie können bis zu 5 m hoch sein – eine enorme Bau-Leistung für so ein kleines Tier!

Wir würden sie in den nächsten Tagen noch häufiger sehen, deshalb blieb es (vorläufig) bei diesem einen Foto. Denn wir wollten heute nicht schon wieder nach der Öffnungszeit der Rezeption ankommen! Zumindest im Westen Australiens ist es durchaus üblich, dass Rezeptionen nur bis maximal 20 Uhr besetzt sind, oft wird auch noch viel früher Schluss gemacht. Den Aussis ist ihr Privatleben und ihre Freizeit heilig.

Kurz nach 17 Uhr kamen wir in der Coral Bay an. Coral Bay besteht im Grunde nur aus zwei Hotel- und Camping-Resorts, einem Backpacker-Hostel und ein paar Kneipen. Was die Leute hierher zieht, ist das Ningaloo Reef, das hier beginnt und eine einzigartige Unterwasserwelt bietet. Während am Great Barrier Reef die Korallenbleiche und der Dornenkronen-Seestern die Korallen stark bedroht, ist die Korallenwelt hier noch total in Ordnung.

Unsere Unterkunft befindet sich im Bay View Resort. Was hierzulande hochtrabend “Resort” heißt, ist fast immer die Bezeichnung für einen Mischmasch aus Zeltplatz, Camper-Stellplätzen und Selbstversorger-Unterkünfte der verschiedensten Kategorien. Von einfachen Hütten mit Gemeinschafts-Duschen bzw. schlichtweg fest installierten Wohnwagen bis hin zu Apartments und komfortablen Ferienhäusern findet man oft alles auf einem Platz.

Wir wohnten für die nächsten 2 Tage in einem Apartment in einem zweistöckigen Gebäude, dass sich etwas anmaßend “Lodge” nannte. Das Apartment war schlicht und zweckmäßig eingerichtet, mit Küchenzeile und sehr einfachem Bad – aber insgesamt gar nicht mal sooo schlecht.
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Etwas gewöhnungsbedürftig war lediglich der seltsam schwefelige Geruch, der in der Luft hing. Die Quelle war schnell gefunden – auch hier gab es wieder “Bore Water”, also Grundwasser – nämlich in der Dusche, der Toiletten-Spülung und sogar in der Küche, an der Spüle. Lediglich ein einziger – zusätzlicher – Trinkwasser-Hahn spendete trinkbares Wasser.

Aber auch damit würden wir zurecht kommen …

Jetzt ging’s erst mal runter an den Strand. Der ist zwar schön – aber inzwischen hatten wir bereits so viele 1000$-Strände gesehen, dass uns dieser hier nicht wirklich umhaute.
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Bemerkenswert war allenfalls die unglaubliche Klarheit des Wassers.
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Und die roten überhängenden Klippen, die uns – die Flut kam gerade rein – daran hinderten, den Strandspaziergang weiter fortzusetzen.
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Von einem leicht erhöhten Aussichtspunkt hatten wir eine guten Überblick über die Bucht …
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… und die langsam sinkende Sonne.
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Und man konnte auch was hören – ein dumpfes grollendes Geräusch – so ein bisschen wie ein weit entfernter Güterzug. Was da so grollt ist die Brandung am Riff – das ist zwar etliche Kilometer weit draußen, man sieht aber am Horizont eine weiße Gischt-Linie. Und man hört es eben auch.

Da die Rezeption um 19 Uhr dicht machte und wir morgen zumindest mal ein paar Korallen zu Gesicht bekommen wollten, konnten wir nicht bleiben, bis die Sonne um 18:58 Uhr ins Wasser geplumpst war – wir gingen zurück und buchten für morgen früh eine Fahrt mit einen Glasboden-Boot. Schnorcheln wäre natürlich auch toll gewesen – aber dafür waren bei einer anderen Tour volle 2 Stunden angesetzt – und das kam für uns aus bekannten Gründen leider nicht (mehr) in Frage.

Jetzt müssen wir morgen schon wieder früh raus – um 9 Uhr startet das Boot Zwinkerndes Smiley – zumindest dürfte es um diese Zeit noch nicht so heiß sein!

Die heutige Route :

4 Kommentare zu “Coral Bay

  1. Hut ab vor deiner Disziplin jeden Tag einen Bericht zu schreiben. Arbeite gerade unsere Tage in Myanmar ab. Meine Berichte sind nicht so professionell, nur für Familie und Freunde, eigentlich hauptsächlich für uns. Der Mensch vergisst soviel.
    Wir hatten am Mekong ein Tempelfest. Was für ein Spaß. Das geht bis die Sonne aufgeht mit Lautsprechern in voller Lautstärke. Schlaf gab es dann in der nächsten Nacht.
    Vielen Dank für die tollen Fotos und noch viel Spaß und Geduld

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    • Das ist ja irgendwie, wie Tagebuch schreiben… Und man kann das Erlebte irgendwie sortieren und reflektieren.
      Außerdem ist das Schreiben das wenigste, die Texte sind ja eher kurz – was wirklich zeitraubend ist, ist das Hochladen der Bilder. Vor allem, wenn das Internet schwächelt!

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