18. Juni – Vatertags-Probleme

Im Königreich wird der Vatertag im Juni gefeiert, am 3. Sonntag.

Das sollte man wissen, bevor man an diesem Tag nach Großbritannien aufbricht.

Denn Dörfer und Städtchen sind im Feier-Modus – und wenn dann das Wetter noch mitspielt und halb England an die Küsten drängt, kann es schon mal eng werden auf den Straßen.

Sehr eng!

Wir ahnten nichts Böses, als wir am relativ frühen Morgen in Calais Richtung Fähre aufbrachen. In weiser Voraussicht hatten wir nachdrücklich ein Zimmer nach hinten raus verlangt – die lautstarken Junggesellen-Abschiede, die vor allem trinkfreudige Briten gerne in Calais feiern, hatten uns deshalb nicht gestört, wir waren fit und ausgeruht.

Das wirklich sehr gute Frühstück im Ibis konnten wir in Ruhe genießen – dass man sich hier die Eier selbst kochen muss/kann und auch für den Orangensaft selbst Hand an die Presse legen muss, ist zwar ungewöhnlich, aber so kriegt man wenigstens ein heißes Ei und wirklich frischen Saft. Dazu sehr guten Käse, Schinken, Croissants und Baguette, Joghurt und viel Obst – da verschmerzt man gerne, dass das Zimmer eher Schuhschachtel-Format hatte. Aber immerhin ein breites und sehr bequemes Bett.

Die Fähre fuhr pünktlich um 9:50 los, die Sonne schien, die Möwen kreischten …

Und knapp 1 1/2 Stunden später lagen sie vor uns – die White Cliffs of Dover!

Auch wenn wir diesen Anblick schon X-Mal erlebt haben – es ist einfach jedes Mal wieder beeindruckend.
Tja – und weil das Wetter so toll war und wir ja wirklich viiiieeeel Zeit hatten, beschlossen wir, mal wieder die Küstenroute zu nehmen.
Ein fataler Fehler, wie sich bald heraus stellte. In den kleinen Dörfern war praktisch überall ein Vatertags-Jahrmarkt, man kam dort nur im Schritt-Tempo durch. Und wer nicht zu einem Jahrmarkt wollte, wollte ans Meer…
Nach 30 Minuten im Stau, eingekeilt zwischen Autos mit Gummibooten auf dem Dach oder mit Bootsanhängern hinten dran, gaben wir auf und drehten um.

Suchten eine Alternative übers Land und das ging auch erst mal ganz gut. Bis uns der „London to Brighton Bike Ride“ in die Quere kam. Eigentlich eine wirklich gute Sache – diese alljährliche Veranstaltung sammelt Spenden für den Kampf gegen diverse Herzerkrankungen.
Nur – wenn man deswegen in eine Straßensperrung gerät, Umleitungen folgen muss und unter anderem auch mal über eine halbe Stunde warten muss, bis eine kleine Lücke im Radfahrer-Pulk eine Weiterfahrt ermöglicht, ist man weniger begeistert…

Egal – das Wetter war traumhaft schön, die Strecke ebenfalls und gegen 17 Uhr waren wir endlich in Dorset und in Wareham.

Zwar hatte man in unserem B&B unsere Buchung verschlampt und wir mussten statt im gebuchten Zimmer mit Kingsize Bed und begehbarer Dusche in ein anderes mit deutlich schmalerem Bett und Badewanne ausweichen – aber an einem derart wundervollen Sommertag haut einen so schnell nichts (mehr) um!

Wareham liegt malerisch am Fluss Frome und war Heimat von T.E. Lawrence (Lawrence von Arabien), der nicht weit von hier durch einen Motorradunfall ums Leben kam.
Heute Abend dachte allerdings niemand an Tragödien – alle genossen einfach nur den tollen Sommerabend.



In der Old Granery direkt am River Frome gab’s dann auch für uns diverse Genüsse – Fish’n Chips mit Mushy Peas für meinen Mann, für mich eine Brixham Plaice (=Scholle) mit Kapernbutter, neuen Kartöffelchen und knackigem Meeresspargel (= Algen).

Über die heutige Route breiten wir besser den Mantel des Schweigens 😉 – zu viele Irr- und Umwege … Aber immerhin sind wir letztlich gut angekommen und es ist mal wieder wunderschön hier!

Ein Kommentar zu “18. Juni – Vatertags-Probleme

  1. Gut zu wissen! 😉
    Kommt übrigens immer mehr – das mit dem Eier selbst kochen und O-Saft selbst pressen. Eben wegen der Frische. Find ich gut 😉

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