Laut, lauter, ohrenbetäubend!!!

12. Januar 2018
Ein startender Düsenjet ist ziemlich laut. Genauer – ca. 120 Dezibel laut. 
Was wir heute allerdings erleben/erleiden durften, war mindestens genauso laut – nur wesentlich anhaltender.

So ein Start ist ja nach wenigen Minuten vorbei – wenn die Ohren aber fast 2 Stunden lang nahezu ununterbrochen 120 Dezibel oder mehr ausgesetzt sind, kommt man schon fast an seine Schmerzgrenze.

Und NEIN – wir waren NICHT auf einem Rockkonzert! Auch nicht auf einer Baustelle mit Presslufthämmern! Wir waren einfach nur in der Natur. Und die kann alle paar Jahre ziemlich laut sein in Australien. Nämlich immer dann, wenn die Männchen einer gewissen Spezies auf Brautschau sind.

Wenn der „greengrocer„, der „floury baker“ oder der „masked devil“ loslegen, gefolgt vom „fishing reel buzzer„, dem „double drummer“ und dem „sprinkler squeaker“ – dann möchte man lieber woanders sein. Denn wenn sie erst mal angefangen haben, hören sie so schnell nicht auf.

Schließlich haben sie nur wenige Tage Zeit, um ein Mädel zu finden und Nachwuchs zu zeugen. Und dafür legen sie sich ordentlich ins Zeug …

Was da so unerträglich laut ist, sind Zikaden. Nicht die netten Grillen unsere lauen Sommernächte, die sachte vor sich hin zirpen – sondern die richtigen australischen Zikaden-Kerle, die zu den lautesten weltweit zählen. 120 Dezibel sind für sie überhaupt kein Problem. Zikaden-Damen finden das offenbar richtig toll …

Zu hören sind sie praktisch überall – z.B. wenn man mit dem Auto durch die Eukalyptus Wälder fährt. Allerdings kann man da ja die Fenster zu machen.

Oder wenn man eine Wanderung macht. Wie wir heute … Dann ist man nach 6 km Fußmarsch so gut wie taub!

Dabei fing alles ganz harmlos an.
Ich bin mit einem Leuchtturm-Fan verheiratet und unterwegs. Und wenn Dieter einenLeuchtturm in seiner Nähe weiß, dann will er ihn – logisch – auch besuchen. Das Point Perpendicular Lighthouse ist für Insider ein echter Leckerbissen – seit 120 Jahren steht es an den erodierenden Klippen, die hier praktisch senkrecht – perpendikular – ins Meer abfallen.

Hinzukommen ist nicht ganz einfach, der Turm steht auf einer Halbinsel, die Militärgelände ist. An der Zufahrt wird man streng befragt, wo man hin will, Autonummer wird notiert, Ausweis geprüft. Dann darf man aufs Gelände – und muss zunächst eine rund 8 km lange unbefestigte und extrem staubige Straße entlang fahren.

Hat man die hinter sich, steht man nach kurzem Fußmarsch vor einem ziemlich hohen Gitterzaun, dahinter thront der alte Leuchtturm nebst einem neuen nüchternen stählernen Turm, der mit Solarzellen betreiben wird. Rein darf man, aber außerhalb des Zaunes darf man sich nicht bewegen – dort liegt nicht nur evtl. Munition herum, die Klippen sind auch nicht gerade ungefährlich.

Allzu lange kann man sich bei aller Begeisterung hier nicht aufhalten – aber es gab ja noch mehr zu sehen auf der Halbinsel.

Die Honeymoon Bay klang z.B. vielversprechend. Von da aus sollte ein ca. 3 km langer Weg durch Regen- und Eukalyptuswald zum Target Beach führen – und von dort sollte man einen tollen Blick auf die steilen Klippen haben.

Also wieder zurück zum Parkplatz – vorbei an fast geisterhaft anmutenden windgepeitschten Bäumen.

Rein ins Auto und zur Honeymoon Bay. Dort war schwer was los, wir hatten enormes Glück, noch einen Parkplatz zu finden. Halb Sydney war offenbar hier auf der Suche nach etwas Natur und Einsamkeit …

Nur wenige Schritte vom Parkplatz entfernt standen wir quasi mitten in den Flitterwochen – eine perfekte kleine Bucht, von Felsen gesäumt – ideal für Familien mit kleinen Kindern.

Der zwischen den Bäumen liegende Campingplatz war voll belegt – obwohl es hier so gut wie keinen Komfort gibt. Nur ein paar Dixi-Klos standen herum, außerdem Mülltonnen und einige wenige Wasser-Zapfstellen – außerdem natürlich reichlich Grillplätze.
Es war inzwischen sehr heiß und sehr schwül die Sonne knallte vom Himmel- und es war laut! Aus allen Bäumen schrillten die Zikaden – und das wurde auch nicht besser, während wir unseren Weg zum Target Beach begannen.

Der Weg war wunderschön – halbwegs schattig, da mitten durch den lichten Wald, außerdem wehte eine stetige kräftige Brise.



Aber schon nach kurzer Zeit hätten wir uns am liebsten die Ohren zugehalten – der Zikaden-Lärm war fast unerträglich! Da die Jungs so 4-10 Jahre unterirdisch als Larven leben und ihre oberirdische Lebensspanne nur wenige Wochen beträgt, toben sie sich offenbar noch mal richtig aus.

Wir waren froh, als wir endlich aus dem Wald raus und an einem weiteren Traumstrand ankamen – hier waren nur eine Handvoll Menschen und es war einfach unwirklich schön!



Der Sand war so fein, dass er unter den Füßen quietschte – ein so genannter „squeaky sand“. Quietschender Sand ist reiner Silikat-Sand, ohne Kalk und tritt meist in windigen Gegenden auf – tja, windig war es hier wirklich!

Und in der Ferne konnte  man tatsächlich die schroffen Klippen und den Leuchtturm vom Point Perpendicular erkennen!

Der Rückweg war genauso schweißtreibend und ohrenbetäubend wie der Hinweg – die fidelen/fiedelnden Männchen waren heute offenbar in Höchstform – vermutlich, weil es nach etlichen Regentagen endlich mal wieder warm und sonnig war.

Kurz bevor wir unser Auto wieder erreicht hatten, sahen wir auf einem Felsstück im Meer eine Gruppe Pelikane – die ersten auf dieser Reise! Dan Super-Tele konnte ich sie quasi heran zoomen 😉

Wir hatten noch ein weiteres Ziel auf dem Plan – einen der angeblich weltweit schönsten Strände, den Hyams Beach. Schneeweißer Sand und türkis-blaues Meer – auch wenn die Sonne inzwischen wieder reichlich schwächelte.





Im Gegensatz zum Target Beach war hier eine Menge los – und das trotz zunehmend heftigerem Wind.

Uns trieb der Wind dann nach Hause, zu Kaffee und Muffins, die unsere Wirtin spendierte.

Und abends speisten wir im Club – dem RSL-Club in Huskisson. RSL steht für „Returned and Services League und ist eine Vereinigung, die die Versorgung von Kriegsteilnehmern und deren Angehörigen sicherstellen soll. Mitglieder erhalten in den Clubs verbilligte Mahlzeiten und Getränke – aber auch Nicht-Mitglieder sind herzlich willkommen.

Die Clubs gibt es in fast allen Orten an der Ostküste, sie sind meist sehr komfortabel eingerichtet, liegen in besten Lagen und sind sehr beliebt. Das Essen ist in der Regel vorzüglich, die Getränkepreise liegen deutlich unter denen der örtlichen Gastronomie und als Gast muss man lediglich eine Identifizierung in Form des Ausweises, Passes oder Führerscheins vorweisen, dann wird man – völlig kostenlos – Mitglied für 30 Tage und darf alle Einrichtungen nutzen.

Ausländische Mitglieder auf Zeit sieht man sehr gerne – wir fühlten uns hier rundum gut aufgehoben, das Essen war prima und das Bier günstig! Und der Blick aufs Meer kam als Schmankerl oben drauf!

Unsere heutige Route (mit dem Auto) 

 

 

 

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