Christchurch – Sunny Sunday Afternoon

27./28. Januar 2018
Es ging heute weiter, zu den Kiwis – zum dritten (und vermutlich letzten) Mal!!!!

Und dieses Mal so was von komfortabel! Vor dem Flug ein ausgedehntes Frühstück in der Businessclass Lounge – wer will schon sein Frühstück selbst machen, wenn es in der Qantas-Lounge ein üppiges Frühstücksbüffet gibt! 

Und danach wieder in die üppig breiten Sessel im Flieger sinken.

Die permanente Um- und Versorgung genießen!! Zum Lunch (butterzarte geschmorte Rinderbäckchen mit diversen Gemüsen) wieder ein Gläschen Schampus. Danach ein Häagen Dasz Eis, frisches Obst, Kaffee mit Gebäck und einen Courvoisier. Und dann ein Nickerchen im Liegesitz …

Wenn man bloß immer so fliegen könnte!

Dass wir das dieses Mal konnten, lag an einem Special von China Airlines: Wir hatten Premium Economy gebucht, und weil es die zwischen Taipei und Australien/Neuseeland nicht gibt, gab es stattdessen ein kostenloses Upgrade in die Business Class!

Fast eine Stunde Verspätung beim Abflug war unter solchen Bedingungen nicht wirklich schlimm! Da war es schon fast schade, dass der Flug nur 3 1/2 Stunden dauerte! Wegen der 2 Stunden Zeitverschiebung würden wir dennoch erst gegen Abend in Neuseeland ankommen.

Dass wir zwei Fenster an unseren Sitzplätzen hatten, war ein weiteres echtes Schmankerl, denn so konnten wir die Annäherung an Aotearoa wunderbar beobachten.

Aotearoa – das Land der (langen) weißen Wolke wird Neuseeland in der Sprache der ersten Bewohner, der Maori, genannt. Und wenn man aus dem Flugzeugfenster schaut oder sich den Inseln per Schiff nähert, sieht man fast immer ein langes Wolkenband, das sich über den Alpen der Südinsel staut.

Wenn das – wie heute – nicht zu dicht ist, kann man die schneebedeckten Gipfel und sogar die Gletscher auf der Westseite prima erkennen! Ich nehm‘ euch mal mit auf den Flug!

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Da bei euch in Europa jetzt Winter ist und sowieso Schnee liegt, könnt ihr das vielleicht nicht so recht würdigen – wir waren jedenfalls total begeistert und freuten uns über die Wahnsinns-Aussicht!

Wenig später kam das Anschnall-Zeichen und wir landeten – mit reichlich Verspätung – gegen 19:30 Uhr in Christchurch. Passkontrolle in wenigen Sekunden, denn das läuft hier (wie übrigens in Australien bei der Ausreise ebenfalls!) voll-elektronisch: Pass auf ein Lesegerät legen, Gesicht in die Kamera halten – fertig!

Aber akribische Kontrolle beim Zoll – das gesamte Gepäck wurde geröntgt, man suchte vor allem nach Wanderstiefeln, die evtl. nicht sorgfältig gereinigt und desinfiziert waren, und nach Lebensmitteln. Sogar ein Hund schnüffelte, ob evtl. Fleischprodukte im Gepäck waren. Trotzdem ging es sehr flott – lag auch daran, dass unser Gepäck schnell kam und wir unter den ersten bei der Einreise waren.

Wir hatten auch schon mal einen ganzen Jumbo aus China vor uns – das dauerte …

Unser kleines Motel mit dem etwas hochtrabenden Namen Metropolitan Executive kannten wir bereits vom letzten Mal, günstig und blitzsauber.

Noch schnell ein Einkauf im Supermarkt für’s Frühstück, kurz in den Schnellimbiss, was essen – und dann war erst mal Schlafen angesagt. Und am nächsten Morgen – aufwachen zu einem Sommertag! Frühstück im Mini-Gärtchen hinter dem Zimmer, und dann ab ins Freie!

Nein – ab zum Zahnarzt!!! Seit Tagen plagen mich immer mal wieder heftige Schmerzen im linken Backenzahn – erstmalig seit unzähligen Jahren! Schon in Melbourne hatte ich überlegt – wollte dann aber nicht den Tag in einer Praxis vertrödeln.

Jetzt war da aber das Schild schräg gegenüber – Team Dental. Und ein kurzer Blick ergab „Open 7 days a week“ – also auch am Sonntag?!? Tatsächlich – auch sonntags war die Praxis von 9-17 Uhr geöffnet. Also schnell mal rüber – und die nette Rezeptionistin meinte, sie könne mich in einer halben Stunde einschieben!

Na – wenn das kein Service ist! Leider meinte der resolute schottische Arzt 40 Minuten, eine gründliche Untersuchung  und eine Röntgenaufnahme später, er habe keine wirklich guten Nachrichten. Es sei vermutlich eine beginnende Wurzelentzündung … und da könne er auf die Schnelle nicht viel ausrichten. Er könne nur ein Antibiotikum verschreiben, in der Hoffnung, dass die Entzündung dadurch zumindest noch eine Weile in Schach gehalten werde.

Meine Begeisterung hielt sich ziemlich in Grenzen – was hatte ich noch nie! Und Antibiotika nehme ich – wenn überhaupt – nur im aller-äußersten Notfall! Aber letztlich war das irgendwie einer – also nahm ich eben das Rezept. Bezahlt werden musste der Zahnarzt übrigens sofort – nicht, weil ich Touristin bin, sondern weil das eine Privatpraxis ist. Mit 70 NZ$ (=ca. 42 €) war das Ganze allerdings erschwinglich.

Ein Antibiotikum bekommt man hier nicht einfach so  – das Rezept musste in der Apotheke erst abgegeben werden, mein Ausweis wurde überprüft, wir mussten warten … Einige Zeit später erhielt ich ein Plastikröhrchen mit meinem Namen drauf und 21 Kapseln Amoxicillin. Kein Beipackzettel, keine Warnhinweise – nur ein Vermerk, wie oft ich die Dinger nehmen soll. Hoffentlich wirken sie!

Jetzt ging’s aber wirklich ins Freie, in den Botanischen Garten! Der ist groß, kostenlos und eine absolute Idylle! Ein riesiger Park schmiegt sich an den River Avon – und es war eine Menge los hier! Halb Christchurch genoss hier einen herrlichen Sommer-Sonntag – auf dem Wasser, auf dem Rasen oder sonst irgendwie!

Mit mehr Begeisterung als Talent wurde auf dem Fluss gepaddelt, gerudert –



oder auch professionell gestochert! Der Bootsverleiher hatte gut zu tun!

Andere suchten sich Plätze im Schatten oder in der Sonne.



Wir schlendern durch den Park, kommen uns beim Curators House vor wie in England. Ein putziges kleines Fachwerkhaus, umgeben von einem Obst- und Gemüsegarten! Wir laufen unter (fast reifen!) Birnen hindurch und begeistern uns an farbenfrohen Sommerblumen.


Ein Tässchen Kaffee für Dieter im Garten des Cottages, für mich allerdings meine neue Leidenschaft – Lemon, Lime & Bitters – LLB! Das ist Zitronenlimonade, Limettensaft und ein kleiner Schuss Angostura – einfach super-lecker! Die Australier haben das Getränk erfunden – bisher hab ich das bei uns noch nirgends gesehen!

Wir schlendern noch ein bisschen umher – zum viktorianischen Springbrunnen mit seinen Fischen und Reihern …


Die Hortensien-Allee entlang – Hortensien zählen zu meinen absoluten Lieblingsblumen!

An den fast reifen Kastanien sehen wir, dass hier bald der Herbst beginnt.

Aber noch ist Sommer – und dazu Sonntag. Und das wird gefeiert!!! Mit Musik, mit einer improvisierten Kaffee-Bar im Auto, mit Sekt und Selters! Die unglaublich entspannt-fröhliche Stimmung erinnert uns ein bisschen an das wunderbare Sommerkonzert in Rotorua vor zwei Jahren …

Eigentlich könnten wir problemlos den Rest des Tages hier verbringen, aber ein bisschen was vom Rest der Stadt wollen wir schon noch sehen. Zwar ist Christchurch noch immer eine schwer traumatisierte Stadt, hat sich von dem Erdbeben in 2011 noch immer nicht wirklich erholt.

18 Erdbeben zwischen September 2010 und Anfang 2012 haben verheerende Zerstörungen angerichtet, die gesamte Innenstadt ist schwer gezeichnet. Nach den beiden heftigsten Beben im Februar und Juni 2011 war nicht viel übrig vom Zentrum. Immerhin sind die zerstörten Gebäude inzwischen fast alle abgerissen, aber unzählige Brachflächen wirken noch immer wie offene Wunden.

Mit Graffiti an vielen Fassaden versucht man, etwas Heiterkeit in die Tristesse zu bringen.



Besonders schlimm hatte es die Kathedrale beim 2. Beben 2011 erwischt – damals stürzten Turm und Fassade ein,  und bis heute streitet man sich darüber, ob sie restauriert werden soll (was sehr teuer ist) oder abgerissen und was Neues gebaut werden soll.

Die eigentlich für die Ewigkeit gedachte anglikanische Kathedrale aus Stein ist also nur noch eine Ruine. Eine „Interims-Kirche“ aus Pappröhren, nach einem Entwurf des japanischen Architekten Shigeru Ban, bietet der Gemeinde seit 2013 eine neue Heimat und ist heute eines der meist-besuchen Kunstwerke in Christchurch.

Wir platzen heute in die Chorprobe des Cathedral Choirs – glasklare Stimmchen und jede Menge aufgeregte Mütter!

Nur wenige Schritte weiter ist eine der berührendsten Gedenkstätten der Stadt – die „Empty Chairs„. An die 185 Toten des Erdbebens von 2011 wird mit 185 leeren weißen Stühlen erinnert.
Rollstühle und Kinderstühlchen, Tragesitze und Barhocker, Sessel und Küchenstühle stehen, weiß lackiert, auf dem Gelände eines zerstörten Gebäudes. Sie symbolisieren 185 Menschen, alte und junge, Babys und Greise.

An der Gedenkstätte beschwört ein Zitat von Henry David Thoreau „There is no remedy for love but to love more.“ 
Darunter ein Gedicht von Jan Richardson, das gerade nicht dazu auffordert, die Zähne zusammen zu beißen und weiter zu machen, sondern dem Schmerz und der Trauer um den Verlust Raum gibt:

Blessing for the Brokenhearted
Let us agree
for now
that we will not say
the breaking
makes us stronger
or that it is better
to have this pain
than to have done
without this love.
Let us promise
we will not
tell ourselves
time will heal
the wound,
when every day
our waking
opens it anew.
Perhaps for now
it can be enough
to simply marvel
at the mystery
of how a heart
so broken
can go on beating,
as if it were made
for precisely this
as if it knows
the only cure for love
is more of it,
as if it sees
the heart’s sole remedy
for breaking
is to love still,as if it trusts
that its own
persistent pulse
is the rhythm
of a blessing
we cannot
begin to fathom
but will save us
nonetheless.

Die fröhlich klingelnde Straßenbahn holt uns wieder in die Gegenwart zurück –

Und wenig später beenden wir den Tag in einem der urigsten und ältesten Pubs der Stadt – dem Pomeroy’s! Im kleinen Biergarten genießen wir frisch gezapftes Bier und Fish’n Chips aus Victorias Kitchen – richtig lecker!!!!

Und hier die Flugstrecke: 

6 Kommentare zu “Christchurch – Sunny Sunday Afternoon

  1. 1978/79 habe ich 6 Wochen in Christchurch gewohnt, mein Lieblingsort in NZ; habe den Square und die Stimmung dort noch immer vor Augen, der Wizard, der wohl noch lange Zeit auf dem Square zu finden war, Bootsfahrten auf dem Avon …
    Vielen Dank für das Schreiben dieses schönen Gedichts.

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    • Leider hat das Beben viel vom ehemalige Charme der Stadt zerstört. Ein richtiges Zentrum gibt es derzeit noch nicht wieder. Und stattdessen massenhaft Baustellen und Umleitung.

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  2. Hallo Renate, sicher war es kein Zufall, dass ich heute Morgen bei einem Rundgang im Mabhunkrong in Bangkok spontan an Dich denken musste, als ich vor einem großen Foto-Laden „Big Camera“ stand, in dessen Auslage unglaublich viele Kameras der verschiedensten Preisklassen angeboten wurden – einfach erstaunlich, was es alles gibt!
    Je nach Qualität und Verfügbarkeit des WLAN lese ich Deine Berichte auch unterwegs mit viel Freude, unter Umständen eben mal mehrere hintereinander, wie gerade vor ein paar Tagen in Siam Reap.
    Nun wünsche ich, dass Dein Zahn sich beruhigt und Ihr weiter viel Schönes erlebt! – und alle Leser somit auch!
    Paul

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  3. Da kommen viele Emotionen hoch, erst mal „oh je“ und dann „woww“ mit einer Prise „Neid“.
    Noch knapp eine Woche und ich schmeiss den Wintermantel in eine Ecke und schlafe über den Wolken „Down under“ entgegen. Nach fast Frühlingshaften Temperaturen hat uns der Winter wieder eingeholt, aber ohne mich :-)))
    Wünsche Dir Renate gute Besserung, vielleicht hilft Dir ja das Gemisch Antibiotika und LLB;-)
    Weiterhin eine schöne Reise in NZ, bin gespannt auf weitere Berichte.
    Liebe Grüsse
    Iris

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