Fast wie im Paradies …

15. Februar 2018
Ohne Zeitdruck diese hinterste Ecke der Südinsel erkunden können – das hat schon was!

Denn hier liegen ein paar echt paradiesische Ecken, für die sich die etwas komplizierte Anfahrt in dieses Tal hinter den Bergen unbedingt lohnt.

Hier gibt es die schönsten Strände, die längsten Dünen, die niedlichsten Seehund-Welpen, die beeindruckendsten Felsen an der Küste und den nördlichsten Punkt der Südinsel.

Kurz – ohne den Besuch der Golden Bay hat man die Südinsel eigentlich nicht wirklich vollständig erkundet! Wir sind heute allerdings weniger auf der Suche nach goldenen Stränden, sondern eher nach einem schneeweißen. Und nach turmhoch aufragenden Felsen.

Und nach einer schmalen, sichelförmigen, mehr als 30 km langen Landzunge, die praktisch nur aus Sand besteht.

Kurz – wir wollen zum Cape Farewell, zum Wharariki Beach und zum Farewell Spit. Es geht vorbei an winzigen Gezeiten-Bächen, gesäumt von bunten Blumen und dunklen Pinien.

An im Moment noch gut gefüllten Wasserflächen, die sich bei Ebbe in ein schier unendliches Watt verwandeln.


Vorbei an leuchtend grünen Hügeln. Wobei das so eine Sache ist mit dem Grün hier – wenn es so richtig kitschig grasgrün leuchtet, wurde europäisches Gras ausgesät – das einheimische ist eher etwas bräunlich oder kommt in dicken Büscheln als Tussock Gras oder auch als Spinifex daher. Da das einheimische Gras nicht als Viehfutter taugte – viel zu hart – wurde bereits im 18.  und 19. Jh.  Gras aus Europa und Australien importiert.

Wir kommen ans Cape Farewell, wo es offenbar immer sehr windig ist! Aber an so einer Ecke ist das fast schon nachvollziehbar …

Man muss jedenfalls gut aufpassen, wenn man über die Klippen wandert – wer da runterfällt hat schlechte Karten! Aber zunächst führt der Weg zwar steil aber sicher durch grüne Hügel nach oben …

Er endet zunächst an einer großen, gut abgesicherten Plattform, wo es senkrecht nach unten geht. Von hier aus kann man den Felsbogen prima sehen – aber auch die Seebären, die es sich auf den Felsen gemütlich gemacht haben.

Wir wollen aber noch höher hinaus, klettern die Hügel empor. Dummerweise bin ich mit Flipflops aus dem Auto gestiegen, in denen rutsche ich jetzt ganz schön hin und her am steilen Hang.

Also Schuhe aus und barfuß weiter – ein Traum! Sattes dichtes weiches Gras unter den Füßen macht die Kletterei zur wahren Freude – ich bin völlig hin und weg.

Das Licht, die Farben, der Wind – nicht kalt, aber sehr stark! – und der Geruch nach frischem Gras und salzigem Meer machen die Wanderung zu einem Erlebnis für alle Sinne.


Wir sind ganz oben angekommen, es geht aber noch ein Stück weiter, bis wir einen Panorama-Blick auf das/den Farewell Spit haben.


Was man da im Hintergrund weiß schimmern sieht, ist das Farewell Spit – eine lange, leicht gekrümmte Landzunge – im Grunde eine fast endlose Düne.

Vom Weltall aus betrachtet sieht sie fast aus wie ein Vogelschnabel – wie der Schnabel des Nationalvogels Kiwi!

Foto: NASA

Wir betrachten die Sache von einer etwas niedrigeren Warte – und verbringen gefühlt eine halbe Ewigkeit nur mit Gucken und Genießen …

Dann geht’s durchs dichte Gras zurück zum Auto und ein Stückchen weiter bis zum Parkplatz vor dem Wharariki Beach. Der Weg vom Parkplatz zum Strand zählt zu den schönsten, die ich kenne – jeder Meter bietet eine weitere tolle Aussicht! Zwar braucht man bei zügiger Gehweise nur ca. 15-20 Minuten – wir bleiben jedoch so oft stehen und schauen uns um, dass wir vermutlich doppelt so lange unterwegs sind.  Viele der vor allem jüngeren Leute, die an uns vorbeihast, haben keinen einzigen Blick für die grandiose Landschaft übrig – für sie zählt nicht der Weg, sondern allein das Ziel, der Strand.

Hier der Grund für unsere Trödelei:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Und hier das Ziel – eine fast unendliche schneeweiße Sandfläche!

Man möchte sich am liebsten reinwerfen in die weiße Pracht, sich darin wälzen … Puderzuckerfein stäubt er unter unseren bloßen Füßen. Die Hosen sind längst bis übers Knie hochgekrempelt, noch ist reichlich Wasser am Strand, die Ebbe noch nicht vollständig da.

Wir bewundern die Spiegelungen, das Spiel von Wolken und Wasser …


Die Variationen von Blau und Sand scheinen unendlich zu sein. Aber das Wasser zieht sich immer weiter zurück, die Spiegelungen werden zunehmend weniger – wir schlendern langsam wieder zurück zu den Felsen am Beginn des Strandes. Denn dort – das wissen wir noch vom letzten Besuch – ist das Plantschbecken der Seebär-Kinder!

Und tatsächlich – da sind sie! Zwei putzmuntere kleine Seebären!



Aber auch Altvolk ist da – und lässt sich von den zweibeinigen Bewunderern absolut nicht stören.
Andere müssen erst mal zusehen, wie sie von ihren Schlafplätzen auf den Felsen wieder runter ans Wasser kommen! Seebären, haben wir erfahren, leben gerne da, wo es Felsen gibt, auf die sie sich zum Ausruhen zurück ziehen. Sie sind auch recht gute Kletterer.
Ihre Verwandten, die Seelöwen, sind wesentlich scheuer und bevorzugen einsame Sandstrände.

Die Kleinen toben im Wasser herum … … legen ab und zu kurze Verschnaufpausen an Land ein.

Wir können uns kaum losreißen – aber dann geht es doch langsam zurück. Noch ein letzter Blick …


Ein Schwenk über den Strand – ist schon grandios!

Wir stapfen die Dünen empor. Das Dünengras sieht an manchen Stellen so aus, als hätten sich Pelztieren hier Schlafen gelegt …


Dann verschwindet der Weg langsam zwischen den Dünen.

Das kleine sumpfige Tälchen, das absolut wie aus einem Märchen wirkt, liegt jetzt in der warmen Nachmittagssonne, die die Farben noch surrealer macht.


Unser letztes Ziel für heute ist das Farewell Spit – bzw. zuerst mal das Café hoch oben. Dort gibt’s das letzte Stück Chocolate Mud Cake – und weil sie demnächst schließen, bekomme ich ein riesiges Stück! Wir trinken Kaffee mit Blick auf den Spit, der sich unter uns nach rechts krümmt.

Es ist Ebbe und der dem Land zugewandte Teil völlig leer gelaufen. Unzählige Wasservögel nutzen die Chance für eine gute Mahlzeit. Wir machen einen Verdauungsspaziergang am Spit entlang – da es dort aber recht streng riecht und der Strand wegen des vielen Treibgutes nicht sehr gut begehbar ist, kehren wir nach ca. einem Kilometer wieder um.

Es geht zurück ins Station House – wo mir zum ersten Mal das Bild im Zimmer auffällt. Vor fast genau 100 Jahren aufgenommen …

Vorbei am alten Gerichtshaus, das heute ein kleines Bistro beherbergt, gehen wir wieder zur Collingwood Tavern – direkt am Wasser sitzt man einfach am schönsten! Man muss ja nicht unbedingt dort essen – aber ein kühles Bier zum Sonnenuntergang hat schön was!

Und – What a difference a day makes! 24 little hours … Jetzt ist fast noch Ebbe, nichts spiegelt sich und eine dicke Wolke verdeckt die untergehende Sonne. Egal – schön war’s und ist’s trotzdem!

3 Kommentare zu “Fast wie im Paradies …

  1. Wieder mal sehr schön mit vielen tollen Bildern. Wir sind jetzt in Greymouth, ich schätze Deine Berichte sehr auch weil sie uns inspirieren und sich Vorfreude breit macht.
    Liebe Grüsse
    Iris

    • Dann habt ihr ja jetzt die Pancake Rocks und Cape Foulwind quasi direkt vor euch! Unbedingt nach den Seehunden schauen (eigentlich sind das ja Seebären, hab ich gelernt …)
      Und ansonsten – weiterhin viel tolle Eindrücke!

  2. das ist wirklich traumhaft – da am Ende der Welt! Danke das ich mitreisen darf.
    Liebe Grüße aus dem eisigen München
    Christina

Gedanken, Bemerkungen, Kommentare ...

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: