Heiße Farbenspiele

Wenn es brodelt und qualmt, zischt und stinkt und ab und zu was in die Luft geht – dann ist man vermutlich in einem schulischen Chemiesaal.

Wenn dann aber noch surreale Farben dazu kommen und sich das Ganze in der freien Natur abspielt – dann ist man vermutlich in Neuseeland.

Und höchstwahrscheinlich in der Gegend um Taupo und Rotorua, wo Geothermie die aberwitzigsten Formen und Farben annimmt. Aber wo sie auch ganz praktisch genutzt wird …

Die praktische Nutzung – vor allem zum Heizen und Kochen – interessierte uns im Moment weniger. Wir wollten was von den farbenprächtigen Auswirkungen sehen! Wollten kochende Schlammlöcher, schwefelgelbe Pfützen, dampfende Erdlöcher, Geysire erleben. Kurz – wir wollten in einen Geothermie-Park.

Davon gibt es etliche zwischen Taupo und Rotorua – bekannte und weniger bekannte, kostenlose, günstige und ziemlich teure. Wenn man nur heißen Schlamm, Dampf und Gebrodel haben will, ist man mit den kostenlosen Varianten bestens bedient. So bald Farbe ins Spiel kommen soll, muss man allerdings bezahlen.

Vor drei Jahren hatten wir zuerst die Craters of the Moon besucht – mit nur 8$ relativ günstig, aber abgesehen davon, dass die Erde unter den Füßen ziemlich heiß ist und es überall dampft, nicht wirklich spektakulär. Später ging’s dann noch in das thermale Wunderland Wai-O-Tapu – sicher der bekannteste Geothermie-Park, der auch wirklich eine Menge bietet. Allerdings ist er ziemlich überlaufen – und außerdem wollten wir mal was anderes sehen.

Ein weiterer großer Geothermie-Park, Orakei Korako, liegt mehr oder weniger  dem Weg nach Rotorua. Okay – nicht direkt auf dem Weg … Und der kleine Umweg führt durch eine derart wunderschöne Landschaft, dass hier schon fast der Weg das Ziel war …


Aber das „richtige“ Ziel, Orakei Korako, setzt dem noch mal was drauf! Zuerst kommt man ans Ufer des Lake Ohakuri – einem der vielen Stauseen entlang des Waikato Rivers.

Hier ist es absolut ruhig – ein paar Enten paddeln zwischen den Seerosen, ein Paar mit Baby picknickt auf dem Gras, das kleine Besucherzentrum mit Café döst in der Sonne. Wir pflücken ein paar Orangen vom Baum, der niemand zu gehören scheint und schauen uns erst mal um.

Auf der anderen Seite des Sees dampft es heftig. Dort liegt der Park, und der kann nur per Boot erreicht werden. Im Besucherzentrum lösen wir zwei Eintrittskarten – mit 35$ (= ca. 20€) pro Person kein ganz billiger Spaß. In einem kleinen Boot werden wir ans gegenüber liegende Ufer geschippert und laufen los. Alles ist perfekt mehrsprachig ausgeschildert – aber es sind kaum Leute da! Wir fühlen uns, als hätten wir einen gigantischen Abenteuer-Spielplatz ganz für uns alleine!

Über Holzbohlenwege geht es den Hang hoch. Zunächst dampft es erst mal nur kräftig – wir gehen an einer Sinter Terrasse entlang, aus der Nebelschwaden aufsteigen und die auf den ersten Blick  eher einfarbig wirkt.

Nur wenige Meter weiter oben haben aber Milliarden von Mikroben die Flächen in kräftigem Orange eingefärbt.


Zunächst eher noch etwas pastellig – aber dann wird es richtig knall-bunt!

Und dann wird es auch noch richtig spektakulär – einer der Geysire bricht plötzlich aus! Zwar soll er das regelmäßig alle paar Stunden tun – aber dass er pünktlich zu unserem Besuch meterhohe Dampfsäulen spuckt, ist schon nett! Und wir sind natürlich auch gebührend beeindruckt!


70-90° Grad hat das Wasser bzw. der Dampf – auch was da sonst so über Felsen und andere Oberflächen läuft und brodelt, ist ziemlich heiß – wir kommen ganz schön ins Schwitzen! Sonne von oben, Erdwärme von unten – aber toll ist es trotzdem! Mit Worten kann man das wirklich schlecht beschreiben – ich lasse einfach die Bilder sprechen!

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Es geht mehr oder weniger stetig bergauf – oft über Treppen und immer mit tollen Rundblicken. Wir gehen einen kleinen Umweg zur Ruatapu Cave – auch Aladdins Höhle genannt – und sie sieht wirklich aus wie aus dem Märchen! 45 m tief ist die Höhle und sieht aus, als wäre sie mit Edelsteinen besetzt.

Je höher wir hinauf steigen, desto eindrucksvoller sind die Ausblicke.

Dann geht es wieder runter – und jetzt durch einen wunderbar schattigen Wald – zu den Schlammlöchern. Hier brodelt und blubbert es munter vor sich hin …Und es riecht ziemlich intensiv! Nach Schwefel!


Noch ein Blick auf die unberechenbare Sodaquelle …

… dann sind wir schon fast wieder an der Anlegestelle. Das Boot kommt, so bald jemand unten am Steg steht.

Und minutenschnell ist man auf dem See, dann am anderen Ufer – und kann sich dort mit Kaffee und hausgemachtem Kuchen stärken. Und die entspannte Allgäu-Atmosphäre am See genießen …

Eine gefühlte Ewigkeit sitzen wir einfach auf der Terrasse, genießen die Landschaft, die Ruhe, einfach alles…

Dann geht’s weiter nach Rotorua. Dort wohnen wir dieses Mal in einem netten und günstigen Motel, dem Ambassador Motel. Mitten in der Stadt, nur ein paar Meter entfernt von den Government Gardens – alles ist in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar. Auch die – teilweise überdachte „Eat Street„, die Tutanekai Street, mit unzähligen Pubs und Restaurants, ist nur 5 Minuten entfernt – besser geht es nicht!

Nach einem guten Essen ein Verdauungsspaziergang am See und durch den Park – und dann wird es ein letztes Mal orange heute! Dieses Mal am Himmel – ein toller Tagesabschluss!

Die Strecke:

2 Kommentare zu “Heiße Farbenspiele

  1. Faszinierend, all die Farben, die Dampfsäulen und das Geblubber…
    Welcher Geothermie-Park hat euch denn besser gefallen – dieser hier, oder der Wai-O-Tapu?

    • Wirklich schwer zu sagen – Wai O Tapu ist eindeutig bunter, aber dafür sehr überlaufen. Hier war es herrlich ruhig und entspannt – und zu sehen gab es trotzdem genug!

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