U n t e r i r d i s c h …

20. Juni 2018 – Von Stavanger bis Haugesund
Passt irgendwie so ziemlich auf den heutigen Tag – in vielfacher Hinsicht. Einmal war das Wetter – na ja, eben unteriridisch. Zumindest bis zum späten Nachmittag.

Zum anderen verlief die Straße ziemlich häufig unteriridisch. Oder vielleicht sollte man sagen „unterseeisch“ – denn etliche der Tunnels führten unter Fjorden hindurch!
Und das waren nicht einfach nur simple Tunnels, stur geradeaus, bis man wieder irgendwo raus kommt.

Nein – die Norweger bauen sogar unterirdische Kreisverkehre und Kreuzungen!

Das mit den Tunnels kam allerdings erst später. Wir hatten heute keine große Strecke vor uns, wollten eigentlich einen großen Teil des Tages auf der Insel Karmoy verbringen und dann bis Haugesund.

Ein kurzer Blick vom Bett Richtung Fenster am frühen Morgen – es goss in Strömen! Also noch mal umgedreht und weiter geschlafen. Dann das Frühstück in die Länge ziehen und anschließend mit Regenjacke und Schirm doch noch mal kurz in den Hafen gucken. Und da lag schon wieder so ein Riesendampfer!
Also nix wie weg – im Auto ist es schließlich trocken!

Der inzwischen ziemlich leere Tank musste gefüllt werden – gestern war mir aufgefallen, dass das Benzin rings um Stavanger deutlich billiger war als weiter im Süden, also voll tanken.

Es regnete unaufhörlich, da war es schon fast eine Erholung, als in Randaberg der erste Tunnel kam. Der Byfjordtunnel ist kein 08/15 Tunnel, sondern mit 223 Metern unter dem Meeresspiegel und einer Länge von 5.875 m einer der längsten und tiefsten Unterwassertunnel der Welt.

Zuerst geht es rund 3 km bergab, mit einem Gefälle von 8%. Anschließend genauso steil wieder bergauf. Norwegische Tunnel sind übrigens nichts für Leute mit Klaustrophobie! Sie sind nicht nur oft ziemlich schmal, sondern fast immer recht schummrig beleuchtet und die Wände nicht hübsch mit Beton verkleidet und gestrichen, sondern hier sieht man den nackten, düsteren, rauen Fels.

Der Byfjordtunnel unterquert nicht nur den Boknafjord, sondern auch gleich eine komplette Insel, die Insel Bru, und kommt erst an der übernächsten, auf Sokn, wieder ans Tageslicht. Das war allerdings immer noch ziemlich trübe, es regnete weiterhin – also tauchten wir einfach wieder ab. Auch der Mastrafjordtunnel ist einer der längeren – 4,5 km lang und 133m tief.

Anschließend ging es aber überseeisch weiter – zur nächsten Insel, Vestre Bokn, kommt man nur per Fähre. Die pendelt im 20-Minuten-Takt zwischen Mortavika und Arsvagen, für die Überfahrt braucht sie ebenfalls ca. 20 Minuten.

Viel los war heute nicht – wir fuhren ans Kassenhäuschen, outeten uns als „Senioren“ und bekamen prompt 50% Rabatt auf den Fährpreis. Allerdings nur für die Menschen – das Auto kostete den vollen Preis. Es ist ja auch noch bei weitem nicht so betagt wie wir!

Rückblickend sah man wenig von der Insel, die wir gerade verließen.

Während der Großteil der Mitfahrer – fast alles Einheimische – schon kurz nach der Abfahrt in die Cafeteria stürzte und dort das Büffet plünderte …

… ließen uns Kötbullar & Co. völlig kalt. Stattdessen versuchten wir, Wind und Regen zu trotzen und an Deck zu gehen – gaben das aber schnell wieder auf und flüchteten ins  recht komfortable Trockene.


Die nächsten Inselchen wurden per Brücke erschlossen …

Danach wurde es aber gleich wieder unterirdisch – und rekordverdächtig! Der Karmoytunnel ist fast 9 km lang, ist der längste Untersee-Tunnel Norwegens und auch einer der längsten weltweit, und er hat unterirdisch einen Kreisverkehr, wo man entweder Richtung Haugesund oder zur Insel Karmoy abbiegen kann.

Wir kamen auf Karmoy wieder ans Tageslicht – das weiterhin kaum vorhanden war. Aber da wir die Insel einfach auf unserer To-Do-Liste hatten, wollten wir die Umrundung jetzt auch machen! Und Skudeneshavn sehen – der Ort sollte zauberhaft sein, mit einer weitgehend intakten Altstadt und vielen alten Holzhäusern.

In Skudeneshavn legte der Regen allerdings noch mal so richtig los, bekam jetzt auch noch Verstärkung durch den Wind – da half wieder nur die Flucht in ein Café. Durch große Fenster konnte man das Toben draußen halbwegs gelassen betrachten. Und irgendwann hatte es sich dann auch ausgetobt.

Der Regen wurde zum Tröpfeln und hörte zwischendurch sogar gelegentlich mal ganz auf. Also raus aus dem Café, den Ort erkunden.

Und der ist tatsächlich zauberhaft! Zum einen die Details …

Dann ein Spaziergang zum alten Hafen – an einem lauen Sommerabend wäre hier sicher einiges mehr los!

Die Runde auf der Insel wurde auf der Westseite vollendet – die Küste erinnerte uns stark an Schottland!


Es war schon früher Abend, als wir endlich in Haugesund ankamen – hier ließ sich die Sonne zumindest mal für eine kleine Weile blicken.


Haugesund ist jetzt nicht unbedingt sooo toll – aber wir bekamen hier immerhin eine richtig gute Pizza mit Hafenblick. Und auf dem Heimweg noch ein tolles Graffiti.

Und morgen – morgen ist ein neuer Tag …

Die heutige Strecke:

2 Kommentare zu “U n t e r i r d i s c h …

  1. Ein Jammer, daß ihr kein besseres Wetter hattet, denn eigentlich sind Landschaften und Orte -z.B. Skudeneshavn- ja wunderschön. Aber ohne Sonne fehlt halt ein entscheidender kleiner Glücksfunke…

    Ich bin kein Tunnelfan (Klaustrophobie!). Was gibt es als Alternative: Fähren und kleine Sträßchen, die sich um die Fjorde rumwinden?

    • Das Wetter ist mal gut, mal weniger gut – wir nehmen’s eben, wie’s kommt. Heue hatten wir z.B. Sonne pur!

      Leider geht es absolut nicht ohne Tunnel in Norwegen – man fährt z.B. eine hübsche Straße an einem Fjord entlang und freut sich über die Aussicht – bis man im Tunnel steht! Die sind hier allgegenwärtig und praktisch auf allen Straßen.

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