Mittsommer-(Tag)-Traum

21. Juni 2018 – Von Haugesund nach Bergen
Heute ist der längste Tag des Jahres, die Sonne geht früh auf (4:11 Uhr) und spät unter (23:09 Uhr). Also zwar nicht wirklich eine Nacht ohne Dunkelheit – aber immerhin fast!

Schon morgens um halb vier war es ziemlich hell, kurz nach 4 Uhr kitzelte mich die Sonne an der Nase! Eigentlich ein Grund zu ekstatischer Freude – aber bitte nicht um diese Zeit! Da drehte ich mich lieber nochmal rum …

Trotzdem waren wir dann doch früh raus aus den Betten – für heute hatten wir schlauerweise zwei Routenpläne – einen Schlechtwetterplan (= ziemlich direkte Route nach Bergen) und einen für gutes Wetter (= Fjorde, Wasserfälle, Traumstraße)!

Und was sich da am frühen Morgen vor dem Fenster abspielte, verlangte unbedingt nach Plan B! Diese Strecke war allerdings ziemlich lang – fast 400 km! Deshalb eben früh los.

Zwar ging während des Frühstücks ein Wolkenbruch runter – das hakten wir aber als kleine Entgleisung ab und fuhren los. Die nassen Straßen funkeln in der Morgensonne mit den glitzernden Seen um die Wette – es ist am Himmel ein Wechsel aus Sonne und Wolken, am Boden aus Seen, Bächen, grünen Wiesen.



Sommerfeeling macht sich breit … Nur – die Temperaturen passen noch nicht wirklich zum Sommer-Thema – 9°C ist eine Spur zu kühl für einen Mittsommer-Morgen!

Wir genießen auf unserer Fahrt seeeeeeehr ausgiebig eine weitere norwegische Spezialität, die alle, die es eventuell eilig haben, in kurzen Intervallen ausbremst: Den Kreisverkehr! Ehrlich – wir sind ja viel in Großbritannien unterwegs, quasi dem Mutterland der Kreisverkehre – aber was die Norweger hier veranstalten …

Normale Kreuzungen gibt es fast nicht, alles wird per Kreisverkehr geregelt – spart natürlich jede Menge Strom, weil man keine Ampeln braucht.

Zwischen den Kreisverkehren blitzblaue Seen, kleine Birkenwäldchen, einsame Höfe. Knallgelbe Butterblumen und weiß-flaumiges Wollgras. Hügeliges Voralpenland mit waldbedeckten Bergen.

Zur Abwechslung bremsen uns jetzt auch noch Baustellen immer wieder aus – man hat also viel Zeit, die Landschaft zu genießen.

Plötzlich sehen wir Ölplattformen mitten in einem der Seen. Ein Blick auf die Karte zeigt allerdings, dass der vermeintliche See ein Fjord ist und das Meer nicht weit weg.

Die Berge werden langsam höher, Schneereste liegen auf den Kuppen. Ein Tunnel nach dem anderen. Der kürzeste mit 30m nur eine Art Felsbrücke. Der längste ist immerhin knapp 8km lang.

Urplötzlich taucht rechts neben der Straße ein gigantischer Wasserfall auf – der Langfoss Fall!  Er stürzt mehr als 600 m in einer Breite von bis zu 107 m über nackten Fels in die Tiefe, am Ende strömt das Wasser unter der Straße hindurch und landet schäumend im Aakrafjord.

Wir bremsen beherzt und biegen auf den kleinen Parkplatz links der Straße ein. Steigen aus, wandern runter zum Fuß des Falls, dann wieder rauf, machen unzählige Fotos. Weil der Fall so unglaublich ist – er zählt zu den 10 höchsten und spektakulärsten Wasserfällen weltweit – gibt’s hier nicht nur ein Foto, sondern gleich eine ganze Galerie.

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Als wir am Fall entlang rauf und runter kraxeln,, fährt ein Reisebus mit quietschenden Reifen auf den Parkplatz, hält an und um die 40 Leute stolpern hektisch heraus. Alle rennen vor zur Straße, machen Fotos.

Ich will einem, der sich sichtlich abmüht, ein gutes Blickfeld zu erwischen, den Weg nach unten zeigen, aber er wehrt ab „Wir haben hier nur 5 Minuten, keine Zeit …“.  So würde ich nie und nimmer reisen wollen!

Während wie uns auch noch gemütlich unten am Fjord umschauen und die gegenüber liegende Seite bestaunen, uns vom Duft der üppigen Heckenrosen betören lassen, fährt der Bus bereits wieder weiter …



Kurvenreich geht es weiter, die Straße ist recht schmal. An den Hängen kleben kleine Dörfchen wie Spielzeughäuschen.

Überall stürzen kleinere und größere Wasserfälle von den hängen herab. Wir stoppen aber erst am „König der Wasserfälle“, dem Låtefoss Fall.  Er ist unübersehbar – denn sein Wasser stäubt wie eine Nebelwand über die Straße und durchnässt alles. Auch die Linse der Kamera – ein Bild ohne Wassertropfen hab ich kaum geschafft!

Der heftige Wind treibt die Wassernebel nach oben und in alle Seiten –  ein tolles Spektakel! Leider gibt es keine frontalen Aufnahmen – auf die Straße hab ich mich nicht getraut, der Verkehr war zwar nicht wirklich stark, aber es reicht ja auch schon, wenn einen EIN Auto erwischt …

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Jetzt geht es am Sørfjord entlang – mit reichlich Baustellen, also wieder Gelegenheit, die Landschaft zu betrachten.





Der Sørfjord  – ein Seitenarm des Hardanger Fjords – ist schmal und lang, fast 70 km sind es von Odda am südlichen nach Eidfjord am nördlichen Ende des Fjords. Dieser Seitenarm des weitverzweigten Hardangerfjords ist ein besonders schöne Ecke. Das Westufer ist durch  eine Bergkette vor den oft heftigen scharfen Winden etwas geschützt, sodass hier ein ausgedehntes Obstanbaugebiet entstand.

Auch am Ostufer, auf unserer Straße, kommen wir an unzähligen Obstplantagen vorbei. Überwiegend sind es Apfelbäumen, aber im Moment werden auch überall Kirschen angeboten. Es ist auch deutlich wärmer geworden, statt 8°C am Morgen haben wir jetzt 13,5°C.

Leider ist die Straße hier sehr schmal und bricht rechts mit einer scharfen Kante ab, so dass es (zumindest bei mir) immer wieder Angstmomente gibt, wenn einem einer der Riesenlaster oder ein Bus entgegen kommt. Keiner macht auch nur die geringsten Anstalten, mal auszuweichen oder wenigstens langsamer zu fahren

Auf der Höhe von Kinsarvik kommt der Hardangerfjord von links, hier gibt es eine Fährverbindung, mit der wir die Strecke nach Bergen erheblich abkürzen könnten.


Könnten! Aber wir wollen nicht! Denn das Wetter ist nach wie vor toll, zwar windig und kühl, aber mit viel Sonne. Deshalb fahren wir weiter, bis ans Ende des Sørfjords, bis Eidfjord. Dort werden wir erneut mit meinem Lieblings-Aufreger konfrontiert – einem gigantischen Kreuzfahrtschiff! Obwohl es nicht zu den allergrößten gehört, erschlägt es den winzigen Ort förmlich – und verpestet die eigentlich tolle Luft mit seinen ständig laufenden Motoren.


Wir verzichten auf einen Stadtbummel und fahren weiter. Unser Ziel ist die Hardangervidda, ein fantastisches Hochplateau.  Schon die Fahrt nach oben ist wunderschön und bietet dank zahlreicher Serpentinen wunderbare und vielfältige Ausblicke.

Klar, dass man auch hier wieder durch unzählige Tunnel muss – teilweise verläuft die Straße im Tunnel sogar auf mehreren Ebenen und in 360° Kurven. Wer’s nicht glaubt – schaut euch mal die Karte am Ende des Beitrags genauer an (auf „weitere Optionen“ klicken) – wo die Straße grau wird, verläuft sie im Tunnel. Kurz vor Vøringsfossen ist der Tunnel 8 km lang und trudelt wie eine Schneckennudelim Kreis herum!

Diese Ingenieurskunst ist ja schon beeindruckend – aber nichts gegen die Natur hier oben! Wir fahren bis zum Fossli Hotel, vom dortigen Parkplatz aus geht es zu einer ganzen Reihe von Aussichtsplattformen, von denen aus man einen absoluten Traumblick über das Plateau und die tief eingeschnittene Schlucht, die Måbødalen, hat.




Und natürlich auch über den Vøringsfossen, den Wasserfall. Das heißt – eigentlich sind es ja zwei – einer kommt von rechts, einer von links. Wobei man den linken nicht so richtig sehen kann, er fällt durch einen Felsspalt. Aber man kann ein Stückchen am oberen Ende entlang gehen, wo er eher ein kleiner Bach als ein imposanter Fall ist!


Wir sind hin und weg – und froh, dass wir den Umweg heute gemacht haben! Und vorher irgendwo gelesen hatten, dass man die besten Blicke vom Fossli Hotel aus hat – es gibt zwar weiter unten an der Straße auch einen Parkplatz mit Aussichtspunkt, da hat man jedoch nicht so einen tollen Panoramablick!

Und dank Tele kann man sogar die kleine Steinbrücke über den Zufluss zum linken Wasserfall mal ganz nah heran holen!

Bei aller Begeisterung ist es hier oben aber auch ganz schön kalt – die Schneegrenze ist nicht weit. Also zurück …

… und noch ein letzter Blick auf die ausgefuchste Anlage aus Plattformen und Wegen über dem Abgrund.

Wohnmobilschleicher und Busse erschweren die weitere Fahrt leider ziemlich. Warum man mit einem Wohnmobil konstant Tempo 30-40 fahren muss, wenn 70 km/h erlaubt und möglich sind, erschließt sich uns nicht wirklich. Und warum riesige Touristenbusse ausgerechnet auf den schmalsten Sträßchen fahren müssen – und regelmäßig in engen Kurven oder bei Gegenverkehr stecken bleiben – ebenso wenig.

Aber irgendwann sind wir dann doch wieder unten in der Ebene, fahren an einem kleinen Bach entlang Richtung Hardanger Bücke.

Die 2013 fertiggestellte Hängebrücke über den Hardangerfjord ist mit 1.380 m eine der längsten Hängebrücken weltweit. Da der Fjord hier rund 500 m tief ist, müssen die Pylonen an Land stehen.

Am Ende der Brücke verschwindet die Straße sofort in einem Tunnel. Wieder am Tageslicht, biegen wir links ab – wir wollen die landschaftlich besonders schöne Strecke am Hardangerfjord entlang fahren. Die ist zunächst auch ein Traum – links der Fjord, rechts Wiesen, Wasserfälle, kleine Dörfer.

Allerdings werden wir auf halber Strecke erst mal von einem Bus ausgebremst, der – wir hatten das schon … – mit ca. 40 km/h dahin schlich. Vermutlich, damit die Fahrgäste schöne Fotos machen konnten.

Dann kam ein Wolkenbruch – tja, und dann waren wir in Bergen!!! Dort wollten wir eigentlich als erstes zur Tourist Information und unsere Tickets für die morgige Tour abholen – allerdings liegt die im Hafen und Parken war dort nicht möglich. Also erst mal zur Unterkunft und später zu Fuß zum Hafen.

Unser kleines Apartment 2 Døtre ist nicht nur gut gelegen – in einem ruhigen Wohnviertel, aber nur 5 Minuten zu Fuß zum Bahnhof und ca. 10-15 Minuten bis zum Hafen. Es ist auch absolut topp – total neu, sehr geschmackvoll und hat bis zur Spül- und Waschmaschine alles, was einem den Aufenthalt hier angenehm macht.

Sogar das Treppenhaus hat Flair!
Trotzdem bleiben wir nicht lang, sondern gehen erst mal zum Bahnhof, um genau zu sehen, wie lange wir morgen früh brauchen werden, und dann zum Hafen.

Durch schmale pittoreske Gässchen geht’s Richtung Wasser.

Die bunten Häuser der Bryggen liegen in ihrer ganzen Farbigkeit in der Spätnachmittagssonne vor uns.

Wenig später kommt noch ein großes altes Segelschiff hinzu und vervollständigt das Bild.

Der Hausberg „Ulriken“ liegt ebenfalls in der Sonne, die bunten Häuser am Hang leuchten förmlich.

Wir brauchen noch was für’s Abendessen und werden fündig im riesigen Fischmarkt „Fish Me“ Hier kann man sowohl einkaufen als auch essen – wobei man sich seinen Fisch oder Krustentiere (was anderes gibt es hier nicht) selbst an der Theke aussuchen kann. Vorher darf man natürlich alles probieren – sofern es nicht roh ist.

Wir schlagen hier kräftig zu und machen uns auf den Heimweg – es ist inzwischen immerhin schon fast 21 Uhr! Durch einen hübschen Park und vorbei an einer Kunstgalerie geht’s nach Hause.

Unterwegs erstehen wir in einem Supermarkt noch ein paar weitere Zutaten – und dann endet der Mittsommer-Traumtag auch noch mit lauter kleinen kulinarischen Highlights!

Die Strecke:

 

2 Kommentare zu “Mittsommer-(Tag)-Traum

  1. Das war wirklich ein Traumtag! Einer, der wunderschöne Erinnerungen bei mir geweckt hat – im Fossli Hotel haben wir vor vielen Jahrzehnten übernachtet 🙂
    Ich kann mich absolut nicht daran erinnern, daß es damals so viele Tunnels, Kreisverkehre. Busse und riesige Kreuzfahrtschiffe gegeben haben sollte, aber gut, das ist schon eine Ewigkeit her, außerdem habe ich diese Details vielleicht einfach nur vergessen…
    Der Anblick des Hafens von Bergen hat sich hingegen überhaupt nicht verändert, ich liebe diese bunten Holzhäuschen!

  2. Sehr schöne Bilder, die Landschaft ist einmalig schön. Gute Weiterfahrt.
    Liebe Grüsse

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