Norway in a Nutshell

22. Juni 2018
So heißt die Tour, die wir heute gemacht haben. Sozusagen die Highlights Norwegens im Schnelldurchgang. Aber trotzdem irgendwie ganz gemütlich.

Gebucht hatten wir diese Tour eigentlich für morgen – aber die Wetter-App hat für den Samstag absolutes Mistwetter angekündigt! Heute sollte es hingegen sonnig und warm werden.

Zwar war die Tour so kurz vor knapp eigentlich unstornierbar – aber eine freundliche Mail an das Tourist-Büro in Bergen mit der Bitte um Umbuchung wurde gestern innerhalb einer Stunde beantwortet – klar, umbuchen ist KEIN Problem!

Also gestern Abend die Tickets geholt – und heute morgen stiefelten wir kurz nach 8 Uhr Richtung Bahnhof. Denn heute sind wir mit diversen Verkehrsmitteln unterwegs – zuerst mit der Bahn nach Voss, dort steigen wir in den Bus um, der uns bis Gudvangen bringt. Dort geht’s aufs Boot, wir fahren durch den engen Nærøyfjord sowie den Aurlandsfjord bis Flåm.  Von hier aus geht’s mit der Flåmbahn weiter bis Myrdal. Schnell umsteigen, denn 6 Minuten später geht der Zug zurück nach Bergen.

Zuerst mussten wir aber mal zu unserem Zug ab Bergen. Der sollte um 8:43 abfahren und da es nur ca. 5-7 Minuten bis zum Bahnhof waren, hielt ich es für ziemlich übertrieben, dass Dieter drängelte und schon um 8:10 zum Aufbruch trieb.

Als wir allerdings sahen, was in dem kleinen Bahnhof los war, war ich ihm sehr dankbar – dort war eine wahre Völkerwanderung unterwegs zu „unserem“ Zug! Da wir als „Individualtouristen“ unterwegs waren, durften wir in die vorderen Waggons nicht einsteigen – die waren für Gruppenreisende reserviert! Lediglich die letzten beiden Wagen waren für die Einzelkämpfer freigegeben – und dort herrschte schon ziemliche Enge. Die Plätze mit der besten Sicht waren alle bereits belegt, wir mussten uns mit Sitzen begnügen, wo man nur noch ein halbes Fenster hatte – außerdem fuhren wir rückwärts.

War aber nicht so schlimm, die Stunde Fahrt bis Voss gab es zwar viel Wasser zu sehen, auch Berge – aber das sollten wir ja später alles noch reichlich bekommen. Der Zug ist übrigens ein völlig normaler Nahverkehrszug …

In Voss stürzte alles raus aus dem Zug (der fuhr nämlich ganz normal weiter) und wie die Lemminge pilgerten wir den anderen hinterher zur ca. 200 m entfernten Busstation. Dort standen Dutzende von Bussen – die für die Gruppen und die für die individuellen Nussschalen-Reisenden.

Wir erklommen unseren Nutshell-Bus und 10 Minuten später ging’s los.

Unser Busfahrer war bestens gelaunt und erklärte uns unterwegs laufend die Sehenswürdigkeiten links und rechts der Strecke. Es ging zunächst durch kleine Dörfer und Bauernland.



Hin und wieder ein Wasserfall oder ein klarer Bach neben der Straße.


Aus einem schaukelnden Bus heraus zu fotografieren ist schon per se nicht ganz einfach. Wenn man außerdem noch nicht mal am Fenster sitzt, wird die Sache noch deutlich erschwert – die Bilder erheben deshalb absolut keinerlei Anspruch auf Qualität!

Anders als die Gruppenreisen-Busse nahm unser Bus für den Abstieg die steilen Serpentinen der Stalheimskleiva. Und steil heißt hier wirklich STEIL! Die Stalheimskleiva, gebaut in den Jahren 1842 – 1846, ist eine der steilsten Strassen Nordeuropas und schlängelt sich auf einer Strecke von 1,5 km mit einem Gefälle von 20% in 13 Haarnadelkurven vom Hotel Stalheim (377m) auf Meereshöhe hinab.

Unser Busfahrer nahm die engen Kurven ziemlich souverän in einem Anlauf – der Kollege im Bus vor uns manövrierte hingegen teilweise ganz schön herum, bis er die Kurve gepackt hatte!



Immerhin hatten wir so die Gelegenheit, die Aussicht zu genießen und immer mal wieder ein Foto zu machen.


Auf Meereshöhe angekommen war es nicht mehr weit bis nach Gudvangen.

Hier besteigen wir das Schiff, dass uns durch den Nærøyfjord und den Aurlandsfjord nach Flåm bringen wird. Wir haben einen kleinen Aufpreis gezahlt für ein Elektroboot, das fast lautlos durch den Fjord gleitet. Wobei Boot eine echte Untertreibung ist – das Schiff ist riesig, bietet Platz für 400 Passagiere – und heute waren (gefühlt) mindestens 399 an Bord!

Aber weil es eben so groß ist und mehrere Decks hat – die übrigens nicht über Treppen, sondern außen ausschließlich über Rampen erschlossen werden – verteil sich alles ziemlich gut.

Vor uns liegt der Nærøyfjord, der schmalste und bekannteste unter den Nebenarmen des Sognefjords. Mit seinen steilen Berghängen, hoch gelegenen Tälern, gewaltigen Bergspitzen, Schneefeldern, Wasserfällen und kleinen Siedlungen ist er eine der bemerkenswertesten Natursehenswürdigkeit Norwegens.

Der Nærøyfjord ist fast 20 Kilometer lang, an seiner schmalsten Stelle aber nur 250 Meter breit und gerade einmal 12 Meter tief an der flachsten Stelle, an der tiefsten misst er 500 m. Die umliegenden Berge sind bis zu 1.700 Meter hoch – schon ziemlich imposant. Der Nærøyfjord ist wie der Geirangerfjord UNESCO Weltnaturerbe.

Schon vor der Abfahrt sind wir beeindruckt – und bestaunen die Wasserfälle, die aus enormer Höhe bis in den Fjord stürzen.

Sowohl beim Blick zurück als auch nach vorne scheinen uns die Berge förmlich einzukesseln.


Die Fahrt ist einfach wunderschön! Kleine Höfe scheinen an den Hängen zu kleben, winzige Ortschaften schmiegen sich an die Ufer …




In Dyrdal sitzt man in der Sonne am Wasser und freut sich über die Abwechslung, als unser Boot mal kurz anlegt und ein paar Passagiere an Land gehen.

Ansonsten laufen wir einfach nur auf dem Schiff herum, wissen gar nicht, wohin wir zuerst schauen sollen – und genießen ganz einfach die Fahrt, das Wasser, die Sonne, die Berge, die Wasserfälle …

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Alle auf dem Schiff sind begeistert – nur der ziemlich jugendliche Skipper scheint eher gelangweilt zu sein. Aber der hat das alles ja sicher schon tausend Mal gesehen …

Wir erreichen Flåm – und dort liegt schon wieder ein Kreuzfahrtschiff!


Fast möchte man sagen „Es is a Kreuz mit den Kreuzfahrern“ – und denkt dabei daran, dass auch schon die früheren Kreuzfahrer regelmäßig eine Heimsuchung für die Orte waren, die auf ihrer Route lagen. 5.700 Passagiere reisen auf der MSC Meraviglia, die hier lag – ein Teil davon war mit uns auf dem Boot, andere trafen wir in diversen Zügen.

Dabei hatten wir heute noch Glück – außer dem Riesenpott lag nur noch ein kleines Schiff mit 220 Passagieren im Hafen! Es gibt Tage, da liegen hier bis zu drei der Riesendinger – da kommt dann fast eine gesamte Kleinstadt an Land!

Flåm ist winzig, hat gerade mal 450 Einwohner – viel mehr als ein Hotel, der Bahnhof und ein paar Restaurants gibt es hier nicht.  Und natürlich die Flåmsbahn!

Wir haben eine gute Stunde Zeit hier, nutzen sie für einen kleinen Imbiss und ein bisschen Herumschlendern, dann zieht es uns aber schon mächtig Richtung Bahnhof! Dort stehen nämlich schon richtige Menschenmassen – auch die Kreuzfahrer scheinen mal Zug fahren zu wollen.

Und prompt wieder das selbe Spiel wie am Morgen: Fast alle Waggons sind für die Reisegruppen reserviert, den Individualreisenden bleiben wieder nur zwei Waggons ganz am Ende des Zuges (bzw. am Beginn, da es ja ein Kopfbahnhof ist).


Allerdings ist hier alles perfekt organisiert! Die einzelnen Gruppen werden komplett voneinander getrennt und steigen jeweils in separaten Bahnsteig-Bereichen ein, so gibt es kein Gedränge. Wir ergattern zwei schöne Fensterplätze in einem ziemlich plüschigen Abteil.

Die Flåmbahn ist ein echtes Erlebnis – eingleisige 20 km langen Bahnstrecke hinauf ins 864 m höher gelegene Myrdal wurde 1923 begonnen und 1940 fertiggestellt. Sie ist eine der steilsten Bahnstrecken auf Normalspur weltweit, die auf 80 % der Reise mit einer Steigung von 5,5 % verläuft. Der Zug durchquert eine eindrucksvolle Landschaftskulisse, fährt an schwindelerregenden Bergflanken und schäumenden Wasserfällen vorbei, durch 20 Tunnel hindurch und bietet jede Menge Aussichtspunkte.

Man sollte allerdings die Fahrt einfach nur genießen und gar nicht erst versuchen, hier tolle Fotos zu schießen! Die Fenster spiegeln, der Zug wackelt, es kommen immer wieder Bäume, Zäune oder andere Hindernisse vor die Linse. Hier ein Stückchen Fahrt …

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Der Zug hält kurz am Kjosfossen Wasserfall – ca. 400 Fahrgäste stürzen hinaus, um vor allem ein Selfie mit dem Fall im Hintergrund zu machen!

Hier oben wimmelt es übrigens von Geistern, Trollen und natürlich auch Huldras. Huldras sind bildschöne weibliche Geister, meist eine wunderschöne Waldfee mit langen blonden Haaren, die Männer mit ihrem Gesang betört.

Auch wir sollten verführt werden – es ertönte plötzlich ein betörender Gesang, der das Rauschen des Wassers übertönte – und dann erschien auf den Ruinen eines Hauses/einer Burg neben dem Fall eine weibliche Gestalt im roten Kleid, die auf den Mauern tanzte.

Auch wir waren verzaubert ….

Die Fahrt dauerte anschließend nicht mehr sehr lange und fototechnisch wurde es wegen der schräg stehenden Sonne immer schwieriger.

Schließlich ließen wir die Kameras einfach in ihren Hüllen und genossen die vorbei ziehende Landschaft.

Es war schon recht spät, als wir in Bergen ankamen – und statt nochmal in die Stadt zu gehen, zog es uns in unser gemütliches Apartment zu einem geruhsamen Abendessen und einem süffigen Rotwein. Ausruhen muss auch mal sein!

Jedenfalls war der Tag unglaublich toll und vollgepackt mit spektakulären Eindrücken!

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